Wie hängen Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der Beruflichen Bildung miteinander zusammen?

Ein Projektteam des Bundesinstituts für Berufsbildung hat sich im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit der Frage der Kompetenzentwicklung von Fachkräften in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung auseinandergesetzt.

Wie fördern wir Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der Beruflichen Bildung?

Lehrer zeigt auf bunte Kabel und Berufsschüler sitzen am Tisch

Adobe Stock/ industrieblick

Nachhaltiger beruflicher Handlungsfähigkeit kommt eine wachsende Bedeutung zu, um ökologischen, ökonomischen und sozialen Anforderungen bei der Herstellung von Produkten und dem Erbringen von Dienstleistungen in einem ausgewogenen Verhältnis Rechnung tragen zu können. Gleichzeitig bestimmen digitalisierte Prozesse zunehmend unseren Arbeitsalltag. Um mit diesen Entwicklungen Schritt halten und sie gestalten zu können, sind gut ausgebildete Fachkräfte gefragter denn je. Vor diesem Hintergrund führte das BIBB  (Bundesinstitut für Berufsbildung) im Auftrag des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) von Oktober 2018 bis Juli 2020 das Projekt "Kompetenzanforderungen für Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung im Kontext der Digitalisierung" durch.

In einem ersten Teil wurden Kompetenzanforderungen von Fachkräften in Deutschland in den Berufsfeldern Logistik, Ernährung, Textil und Tourismus untersucht. Für diese Bereiche wurde in betriebliche Fallstudien empirisches Material gesammelt und ausgewertet. Im zweiten Teil wurden Kompetenzen im Spannungsfeld von ethischen Aspekten und Digitalisierung analysiert. Dies geschah für den Bereich der Pflege mit Hilfe eines Literaturreviews. Für das Gesundheitshandwerk wurde hierzu eine weitere Fallstudie durchgeführt.

Interesse an Orientierungsrahmen in der Berufsbildung

In der Studie konnten gemeinsame Anforderungen für die beiden großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozesse ermittelt werden, welche in einen Orientierungsrahmen für Kompetenzen für Nachhaltigkeit im Kontext von Digitalisierung eingeflossen sind. Die identifizierten Kompetenzen verteilen sich auf alle vier Bereiche des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen: Beispielsweise werden verstärkt Fachwissen und Prozessverständnis, Problemlösekompetenz, Kommunikationsfähigkeit, analytisches und vernetztes Denken sowie Reflexions- und Kritikfähigkeit benötigt. Diese sind berufs- bzw. domänenspezifisch zu konkretisieren bzw. zu operationalisieren.

Der Austausch mit Akteurinnen und Akteuren der Berufsbildung hat gezeigt, dass es ein Interesse an einem solchen Orientierungsrahmen gibt. Neben der optionalen Berücksichtigung in Neuordnungsverfahren kann der Orientierungsrahmen als Unterstützung für Ausbilderinnen und Ausbilder für die Erarbeitung methodisch-didaktischer Beispiele zur Kompetenzentwicklung genutzt werden.