Raus aus der Bubble

Gemeinsam BNE voran bringen, das war das Ziel der Veranstaltungsreihe „Ausgezeichnet – vernetzt vor Ort“, zu der die Deutsche UNESCO-Kommission 2019 BNE-Akteure nach Dortmund, Ulm und Dresden eingeladen hat.

Eng zusammen stehen sie sich in zwei Reihen gegenüber. Die Zeit drängt. Im Minutentakt neue Gesichter, neue Namen, neue Hintergründe. Sobald das Signal ertönt, kommt der nächste und wieder verbleiben nur 120 Sekunden, um einander vorzustellen. Speed-Dating: Kennenlernen im Akkord, sozusagen. Genau das Richtige für ein BNE-Netzwerktreffen, denn die Akteurinnen und Akteure wissen genau, worauf es bei BNE angeht und was sie erreichen wollen. Voneinander lernen ist daher ihr Stichwort.

Nord-Ost, Süd und West: BNE deutschlandweit vernetzen

Vernetzt vor Ort – so lautet der Titel der Veranstaltungsreihe, die die Geschäftsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung der Deutschen UNESCO-Kommission gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung im März veranstaltet hat. Im Rahmen des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung haben sie interessierte BNE-Akteurinnen und Akteure eingeladen, sich an drei Terminen miteinander auszutauschen und zu vernetzen. Am 21. März machten BNE-Akteurinnen und Akteure aus Westdeutschland in Dortmund den Beginn. Am 23. Und 27. März folgten Ulm in Süddeutschland und Dresden in Nord-Ostdeutschland. Ein vielfältiges Programm bot Gesprächsanlässe, versammelte dabei Beispiele aus der Praxis und ließ den Teilnehmenden genug Raum, sich untereinander zu vernetzen.

Voneinander lernen: Initiativen stellen sich vor

Viele Gespräche aus dem kurzen Kennenlernen in der Speed-Dating-Runde wurden im Verlauf der Treffen wieder aufgegriffen. Und wer den Gesprächen der BNE-Akteurinnen und Akteure folgt, hört schnell heraus, ihnen geht es um konkrete Beispiele, um Lösungen und um das Teilen von Erfahrungen. Dazu bot das Programm Einblicke in die Arbeit verschiedener Kommunen, Netzwerken und Lernorten: Wie vielfältig BNE gelebt werden kann, zeigten die Initiativen, die ihre Arbeit bei den Netzwerktreffen präsentierten. Bei jedem Treffen stellten drei bis vier Initiativen im ersten Teil der Veranstaltung ihre Arbeit vor.

Dortmund

Kenntnisreich und mit mitreißender Begeisterung stellten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrer Lehrerin die BNE Aktivitäten ihrer Schule, der IGS Oyten, vor. Neben der Gesamtschule berichtete bei dem Netzwerktreffen in Dortmund der Lernort Hof Pente über seine Arbeit. Hier lernen Kinder, Jugendliche und Erwachsene, was es heißt, Lebensmittel nachhaltig anzubauen und von und mit Tieren zu leben. Welche Rolle BNE bei der Ausgestaltung des Neuen Emschertals und der Entwicklung lebendiger, artenreicher Flusslandschaften spielt, erläuterte das Netzwerk Emschergenossenschaft, das sich als Infrastrukturprojekt um den Umbau der Flusslandschaft rund um die Emscher als so genanntem Mitmach-Fluss kümmert.  

Ulm

In Ulm zeigte das Karlsruher Institut für Technologie, wie BNE von Anfang an in die Konzeption und den Bau von Gebäuden einbezogen werden kann.

Als Forschungsuniversität haben wir einen großen Einfluss auf zukünftige Generationen. Zu unseren wichtigsten Aufgaben gehört es auch, dass wir junge Menschen für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren und ihnen dabei helfen, nachhaltiges Handeln in ihrer Arbeit zu verankern.
Dr. Gerhard Schmidt
Karlsruher Institut für Technologie, KIT

Auch im sozialen Kontext ist BNE ein bereichernder Ansatz. Der Lernort päd-aktiv e.V. teilte mit den Teilnehmenden seine Erfahrungen dazu, was bei der Erstellung von BNE-Bildungsmaterialien mit und für Kinder zu beachten ist. Das Netzwerk BNE Bildungspartner in der Großregion liegt in der Grenzregion Saarland, Rheinlandpfalz, Luxemburg und Belgien. Wie die Zusammenarbeit an dieser regionalen und verwaltungsorganisatorischen Schnittstelle gestaltet werden kann, welche Hürden, aber auch welche Chancen sich dabei bieten, war Thema beim Netzwerktreffen. 2018 hat Oberelsbach beschlossen, BNE in das Leitbild ihrer Marktgemeinde zu integrieren. In Ulm konnten sich die Teilnehmenden darüber informieren, wie die Gemeinde BNE in ihren Prozessen verankert.

Dresden

Auf dem Projekthof Karnitz kommen bei der Sommeruni Studierende zusammen, um etwas über BNE zu lernen und eigene Lösungswege zu finden. In diesem Jahr dreht sich dabei alles um Transmedia Storytelling/Kultur des Klimawandels. Neben dem Projekthof in der mecklenburgischen Provinz berichtete auch die Gemüseackerdmie beim Netzwerktreffen in Dresden von ihrer Arbeit. Das Netzwerk hilft nicht nur Lehrkräften dabei, mit ihren Schülern ein Feld zu bewirtschaften. Zudem erstellt es Pflanzpläne und Anleitungen sowie Lehrmaterialien für den Unterricht. Als Kommune hat auch Erfurt BNE zum Konzept gemacht und setzt sich dafür ein, dass die Institutionen das Thema gemeinsam angehen. Wie dies gelingt, erfuhren die Teilnehmenden in Dresden.

Die Botschaft, dass auf BNE ein Fokus für die Zukunft liegt, müsste noch lauter kommuniziert werden. Dabei ist es vor allem wichtig, Entscheidungsträgerinnen und -träger zu erreichen, wie Politikerinnen und Politiker auf kommunaler und Länderebene. Es wäre hilfreich, wenn wir noch stärker zusammenarbeiten würden.
Peter Seyfarth
Stadtverwaltung Erfurt

World Café: Digitalisierung, Vernetzung, Global Citizenship Education

Um BNE auch in Zukunft noch stärker zu verankern, halte ich Kooperationsvereinbarungen für sehr wichtig. Unsere Erfahrung zeigt, dass wir BNE in der Fläche nur bekannter machen können, wenn wir in die Institutionen reingehen. Etwa in Schulen, Gemeinden und Vereine, die vor Ort sind wie etwa der NABU oder das Schwäbische Streuobstparadies bei uns in der Nähe.
Petra Dippold
UNESCO-Biosphärenreservat Schwäbische Alb

Im zweiten Veranstaltungsteil befassten sich die Akteurinnen und Akteure mit übergeordneten BNE-Themen. An drei WorldCafé-Tischen wurde rege diskutiert. Etwa zu der Frage, wie es gelingen kann, aus der Blase der BNE-Community nach außen zu dringen. Unter dem Motto „Raus aus der Bubble“ – Bereicherung aus anderen Kontexten proaktiv suchen“ sammelten die Teilnehmenden Möglichkeiten, um neue Zielgruppen zu gewinnen. An einem der anderen Tische tauschten sie sich darüber aus, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung in einer digitalen Welt gestaltet werden könnte und wie wir andersherum mit BNE die digitale Welt gestalten können. Der dritte Tisch erörterte indessen das Thema BNE und Global Citizenship Education und erschloss dabei Schnittstellen der beiden Konzepte.

Blick in die Zukunft: „ESD for 2030“

Nach dem intensiven Austausch in kleineren Gruppen kamen alle Teilnehmenden zum Ende der Veranstaltung noch einmal zusammen, um gemeinsam auf das geplante UNESCO-Folgeprogramm zu BNE „ESD for 2030“ zu blicken. Die Deutsche UNESCO-Kommission stellte vor, welche Schwerpunkte das Folgeprogramm setzt. Dazu gehört etwa der Fokus auf die globalen Nachhaltigkeitsziele, der ab 2020 gestärkt werden soll.

Höhepunkte des Weltaktions­programms BNE 2015 bis 2019