Thüringen

In Thüringen haben gleich zwei Ministerien einen Nachhaltigkeitsplan vorgelegt, in dem Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) eine Rolle spielt. In der Zukunft soll ein Qualitätssiegel für BNE entwickelt werden und die Kommunen als Lernort für Nachhaltigkeit weiterentwickelt werden. 

Wie setzt Thüringen Bildung für nachhaltige Entwicklung um?

Der Nachhaltigkeitsplan des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) 2018-2020 versteht Bildung für Nachhaltige Entwicklung als allgemeine Bildungsaufgabe. Sie ist ein zentraler Bestandteil der Bildung und Erziehung, der im Kita- und Schulalltag in allen Einrichtungen zu integrieren ist.

BNE hat ihren Platz in der Schule nicht als zusätzlicher Inhalt oder gar als zusätzliches Fach, sondern als übergreifendes Bildungsziel. Sie ist darüber hinaus ein zentraler Bestandteil der Bildung und Erziehung, der auch faktisch im Kita- und Schulalltag in allen Einrichtungen zu integrieren ist. Es sollten nicht nur besondere Projekte, wie die Thüringer Nachhaltigkeitsschulen (ehemals Umweltschulen) hervorgehoben werden, sondern vor allem auch BNE-Aspekte im allgemeinen Bildungsbereich. Es sollten alle Einrichtungen ein klares Bekenntnis dazu abgeben, dass BNE ein zentraler Bestandteil des Alltags ist - der Nachhaltigkeitsplan des TMBJS gibt dafür einen Orientierungsrahmen.

Frühkindliche Bildung:

Mit dem „Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre“ (TBP-18) liegt für die pädagogische Arbeit in Thüringer Kindertageseinrichtungen ein aktueller und verbindlicher Orientierungsrahmen vor, in dem die Leitideen von BNE Berücksichtigung finden.

Thüringer Nachhaltigkeitsschule:

Ein wichtiger Ankerpunkt für nachhaltige Bildungsprozesse sind die Schulen im Freistaat. Am Programm Thüringer Nachhaltigkeitsschule können alle Thüringer Schulen teilnehmen, die erstmals ein Projekt zum Thema Nachhaltigkeit durchführen wollen; aber auch alle Schulen, die schon länger in diesem Themenfeld aktiv sind. Der Titel „Umweltschule in Europa – Thüringer Nachhaltigkeitsschule“ wird für zwei Jahre verliehen und kann danach wieder erworben werden.

Lehrerbildung:

In die Lehreraus- und -fortbildung werden die Grundlagen der Bildung für nachhaltige Entwicklung weiter strukturell verankert. So soll sichergestellt werden, dass das zukünftige Lehrpersonal befähigt wird, die für eine nachhaltige Entwicklung notwendigen Kompetenzen an Schülerinnen und Schüler zu vermitteln.

Anfang des Jahres 2018 hat die Thüringer Landesregierung Entwicklungspolitische Leitlinien beschlossen. Für diese Leitlinien wurden sechs Themenbereiche aus den Sustainable Development Goals (SDGs) abgeleitet, die im Zentrum des politischen Handelns stehen, darunter: Bildung und Entwicklung.

Politische Zielsetzung der Landesregierung ist es, Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung in vorschulischen Einrichtungen, Schulen und Hochschulen sowie im außerschulischen Lernbereich Teil des pädagogischen Alltags werden zu lassen. Das bedeutet in Zusammenarbeit mit den Akteuren der Thüringer Zivilgesellschaft eine konsequente Implementierung der Prinzipien des Lernens in globalen Zusammenhängen und der nachhaltigen Entwicklung in allen Bildungsbereichen.

Auch wenn der Thüringer Bildungsplan Globales Lernen/Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht als expliziten Bildungsbereich benennt, erfolgt in den Bildungsbereichen immer stärker eine Ausrichtung an den Prinzipien des Lernens in globalen Zusammenhängen und der nachhaltigen Entwicklung.

Schule:

Im schulischen Bereich steht die Unterstützung von Einrichtungen und Bildungsprojekten im Mittelpunkt, die Globales Lernen/BNE in Thüringen umsetzen, insbesondere bei der Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Schulnetzwerke wie BNE-Schulen, Europaschulen, Fairtrade-Schools und UNESCO-Projektschulen werden durch den Freistaat weiter unterstützt und gefördert.

Hochschule:

Die Landesregierung arbeitet durch die Hochschulentwicklungsplanung strategisch darauf hin, dass die Hochschulen die Prinzipien Globalen Lernens und nachhaltiger Entwicklung in Forschung und Lehre integrieren können. Die Landesregierung fordert die Thüringer Hochschulen auf, Nachhaltigkeits- und Entwicklungsthemen stärker in der Lehre zu verankern.

Die Thüringer Hochschulen werden ermutigt, im Rahmen ihrer Profile fachspezifische und überfachliche Lehrangebote zu Themen der global nachhaltigen Entwicklung zu etablieren und deren Aspekte in die Entwicklung der Lehrangebote und Forschungsprofile der Hochschulen zu integrieren. Ziel ist es, entsprechende Lehrinhalte in allen und insbesondere in pädagogischen Studienrichtungen (Lehramt, Erziehungswissenschaften, Sozialpädagogik) stärker zu integrieren sowie interdisziplinäre Studiengänge zu etablieren.

Im Nachhaltigkeitsplan des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz 2018–2020 spielt BNE eine besondere Rolle. Bedeutsam ist dabei die enge Kooperation zwischen den Trägern formaler und non-formaler Bildung. Das Umweltministerium hat für den BNE-Bereich Eckpunkte beschrieben, nach denen bisherige Aktivitäten gesichert und weiterentwickelt sowie neue Impulse gesetzt werden sollen.

Folgende wesentliche Initiativen sind zu nennen:

  • Projektfonds Jugend einrichten – für Jugendumweltverbände der anerkannten Naturschutzverbände
  • Kommunen als Lernorte für Nachhaltigkeit stärken, insbesondere via Bürgermeisterdialog (unter anderem durch Wettbewerbe im Rahmen der Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie)
  • Umweltschulen zu Nachhaltigkeitsschulen weiterentwickeln mit dem Ziel der Ausrichtung auf die Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie in Zusammenarbeit mit dem TMBJS
  • Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) zu einem Bildungsjahr für Nachhaltigkeit weiterentwickeln
  • Nationale Naturlandschaften, Nationales Naturmonument als außerschulische Lernorte stärker nutzen

Was plant Thüringen im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Bis 2020 soll ein möglichst flächendeckendes bedarfsgerechtes Angebot an Qualifizierungsmaßnahmen in BNE-relevanten Bereichen wie Vielfalt, Inklusion, Partizipation für Beschäftigte im frühkindlichen Bereich vorgehalten werden.

Angestrebt wird eine feste institutionelle Verankerung in einzelnen Bereichen. Einzelne BNE-Projekte sind zweifelsfrei gut, Zielsetzung ist – weg von vielen kleinen Projekten hin zu einer Verstetigung der BNE im Schulalltag (BNE soll gelebt werden).

Es soll ein Qualitätssiegel für BNE entwickelt werden, in welchem einerseits die Wertschätzung für die geleistete Arbeit zum Ausdruck gebracht und andererseits den Bildungsakteuren bei der Suche nach qualifizierten Angeboten geholfen werden soll.

Mit dem Beirat zur Nachhaltigen Entwicklung soll die Nachhaltigkeit an Hochschulen verbessert werden.

Eine besondere Herausforderung ist die Weiterentwicklung von Kommunen als Lernort für Nachhaltigkeit. Die bestehenden Bildungsangebote der Nationalen Naturlandschaften und des Nationalen Naturmonuments sollen noch stärker als Beitrag zur regionalen Umsetzung des Weltaktionsprogramms BNE erkennbar sein.

Gibt es Bezugspunkte zur Agenda 2030 und zum Nationalen Aktionsplan?

Die Fortschreibung der Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie erfolgt auf der Grundlage der 17 Sustainable Development Goals (SDGs). Die in den Entwicklungspolitischen Leitlinien genannten Ziele im Bereich Bildung werden mit jeweiligem Querverweis auf die SDGs genannt 

In den Thüringer Rahmenlehrplänen werden verstärkt Anknüpfungspunkte zum Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung und den Nationalen Aktionsplan BNE verdeutlicht und diesbezüglich neue Perspektiven für Lehrende eröffnet.

Zum Weiterlesen

BNE beim Thüringer Schulportal

Nachhaltigkeitsplan des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport

Nachhaltigkeitsplan des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz

Impulspapier zu BNE in Thüringen