Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein finden von der frühkindlichen bis hin zur beruflichen Bildung zahlreiche Maßnahmen zu Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) statt wie etwa ein Zertifizierungsverfahren für außerschulische BNE-Bildungspartner oder das Projekt KITA21 für den frühkindlichen Bereich. In Zukunft soll eine Gesamtstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung für alle Bildungsbereiche des Landes entwickelt werden.

Wie setzt Schleswig-Holstein Bildung für nachhaltige Entwicklung um?

Non-formales Lernen

Als eines der ersten Länder hat Schleswig-Holstein ein Zertifizierungsverfahren im Jahr 2005 entwickelt, um gute außerschulische Bildungspartner auszuzeichnen. Zur Umsetzung haben die für Kita, Schule und BNE zuständigen Ministerien gemeinsam mit Verbänden eine Vereinbarung geschlossen, die zuletzt im Frühjahr 2018 aktualisiert wurde.

Im Verbund mit Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg wird im Rahmen der „Norddeutsch und Nachhaltig“-Partnerschaft (NUN) auf Grundlage gemeinsamer Qualitätskriterien eine Qualitätsentwicklung von Bildung für nachhaltige Entwicklung im Bereich der Weiterbildung und der außerschulischen Bildung angestrebt. Die Zusammenarbeit wurde 2015 mit einer neuen Vereinbarung bekräftigt.

Das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) bietet, als Bildungszentrum für Nachhaltigkeit zertifiziert, zahlreiche Weiterbildungsveranstaltungen für pädagogische Fachkräfte, Lehrende und andere Bildungsakteure an.

Frühkindlicher Bereich

In Schleswig-Holstein wurde die Bildungsinitiative im Rahmen eines dreijährigen Modellprojektes als "KITA21 - Die Klimaretter" eingeführt. Rund 60 Kindertageseinrichtungen beteiligten sich zwischen 2012 und 2015 an dem Modellprojekt im Kreis Pinneberg. Seit Beginn des Kita-Jahres 2016/2017 wird die Bildungsinitiative fortgeführt und auf die Kreise Steinburg und Segeberg ausgeweitet. 36 Kindertageseinrichtungen aus Südholstein wurden bislang als KITA21 ausgezeichnet. Pädagogische Fachkräfte werden mit Fortbildungen, Vernetzungsmöglichkeiten, Materialien und individueller Beratung bei der Gestaltung von Bildungsarbeit und Bildungsanlässen zum Klimaschutz unterstützt. Ein wichtiger Baustein ist die Vermittlung von Arbeitsweisen und Methoden im Sinne einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Am Ende des Kita-Jahres werden die Kindertageseinrichtungen bei erfolgreicher Umsetzung als KITA21 ausgezeichnet. Die Projektträger unterstützen den Ausbau regionaler Bildungsnetzwerke. Das Projekt wird über die AktivRegionen mit Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) gefördert.

Das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) bietet seit vier Jahren in Zusammenarbeit und mit Finanzierung der Sparkassenstiftung Ostholstein das Weiterbildungsangebot „Das Leben gestalten lernen“ für pädagogische Fachkräfte in Kitas an. Wissenschaftlich-konzeptioneller Partner ist die Leuphana-Universität Lüneburg.

Schule

Bildung für nachhaltige Entwicklung wird im Allgemeinen Teil der Fachanforderungen der jeweiligen Schulfächer wie folgt aufgenommen:

„Schülerinnen und Schüler werden durch die Auseinandersetzung mit Kernproblemen des soziokulturellen Lebens in die Lage versetzt, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf andere Menschen, auf künftige Generationen, auf die Umwelt oder das Leben in anderen Kulturen auswirkt. Die Kernprobleme beschreiben Herausforderungen, die sich sowohl auf die Lebensgestaltung des Einzelnen als auch auf das gemeinsame gesellschaftliche Handeln beziehen. Die Auseinandersetzung mit Kernproblemen richtet sich insbesondere auf:

Grundwerte menschlichen Zusammenlebens: Menschenrechte, das friedliche Zusammenleben in einer Welt mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen, Gesellschaftsformen, Völkern und Nationen

Nachhaltigkeit der ökologischen, sozialen und ökonomischen Entwicklung: Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, Sicherung und Weiterentwicklung der sozialen, wirtschaftlichen und technischen Lebensbedingungen im Kontext der Globalisierung

Gleichstellung und Diversität: Entfaltungsmöglichkeiten der Geschlechter, Wahrung des Gleichberechtigungsgebots, Wertschätzung gesellschaftlicher Vielfalt

Partizipation: Recht aller Menschen zur verantwortungsvollen Mit-Gestaltung ihrer soziokulturellen, politischen und wirtschaftlichen Lebensverhältnisse.“

Das BNUR bietet in Kooperation mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) Weiterbildungen mit BNE-Inhalten für Lehrkräfte an.

Zukunftsschule Schleswig-Holstein (SH)

Die Initiative Zukunftsschule.SH des IQSH vergibt jährlich gestaffelte Zukunftsschulpreise an Schulen, die den Slogan "Heute etwas für morgen bewegen!" aktiv umsetzen. Mit dem medienwirksamen Zukunftsschulpreis werden schulische Anstrengungen durch ein Auszeichnungsverfahren gefördert, welche dem Bereich der „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) zugeordnet werden können. Dies sind Aktionen und Projekte der Kinder und Jugendlichen, die sich engagiert beteiligen, ihre Ziele mit großer Motivation verfolgen und in den meisten Fällen dabei über sich und ihre Vorstellungen hinauswachsen.

Die Initiative Zukunftsschule kann auf ein mehr als zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Dabei werden von circa 850 allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein 224 Schulen in allen Fragen der „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ durch abgeordnete Lehrkräfte, die Kreisfachberaterinnen und Kreisfachberater, in jedem Landkreis betreut, intensiv beraten und durch den Zukunftsschulpreis aktiv zur Umsetzung des BNE-Gedankens angeregt.

Hochschule

Seit fünf Jahren bietet das Zentrum für Lehrerbildung zusammen mit dem Geographischen Institut, Geographiedidaktik, eine extracurriculare Lehrveranstaltung für Lehramtsstudierende aller Fakultäten zum Lernbereich Globale Entwicklung an. Außer im Geographischen Institut werden die dort erbrachten Leistungen nicht mit Leistungspunkten als Teil der Studienleistung anerkannt.

Berufliche Bildung

An mehreren Berufsschulen in Schleswig-Holstein werden sehr engagierte und hochwertige Ausbildungen unter Einbeziehung von Nachhaltigkeit umgesetzt: Berufsschule Niebüll, Regionales Berufsbildungszentrum Wirtschaft Kiel, Regionales Berufsbildungszentrum Itzehoe, Hannah-Arendt-Schule Flensburg. Das „Planungsbüro nachhaltige Gebäudesystemtechnik in Flensburg“ baut ein regionales Netzwerk im Umfeld der beruflichen Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Gebäudesystemtechnik, Eckener-Schule Flensburg Fachschule für Technik und Gestaltung.

Was plant Schleswig-Holstein im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung?

In der Zertifizierung der außerschulischen Bildungsanbieter soll die Themenvielfalt zukünftig weiter ausgeweitet werden, denn die nachhaltige Entwicklung betrifft viele Lebensbereiche. Deshalb können sich alle außerschulischen Organisationen, die Bildungsangebote vorhalten, die unter dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung stehen, zertifizieren lassen.

Um die Vernetzung unter den Schulen sowie mit lokalen Unternehmen zu fördern, sollen die Zertifizierungsveranstaltungen für Schulen aktiver gestaltet werden. Zudem ist ein höherer Anteil an nachhaltigen wirtschaftlichen Thematiken gewünscht und soll durch aktive Anreize (schulische Beispielprojekte, Veröffentlichte Ergebnisse von positiven Schulprojektergebnissen und wirtschaftsorientierten Schulkooperationen) gefördert werden. Dabei ist der klare nachhaltige Bildungsansatz sowohl im Ökologischen, im Ökonomischen und im Sozialen als Grundlage aller Projekte zu sehen.

Um die Bedeutung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zu stärken und für die Zukunftsfähigkeit Schleswig-Holsteins und den Erhalt von Wohlstand und unserer natürlichen Lebensgrundlagen nutzbar zu machen, soll eine Gesamtstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung für alle Bildungsbereiche im Sinne des UNESCO-Weltaktionsprogrammes entwickelt werden.

Gibt es Bezugspunkte zur Agenda 2030 und zum Nationalen Aktionsplan?

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist Schlüsselkompetenz für alle Menschen, um dem integrierten Charakter der Agenda 2030 und der Nachhaltigkeitsziele gerecht zu werden und diese in die Umsetzung zu bringen.

Die im Nationalen Aktionsplan aufgenommenen Handlungsräume werden für Schleswig-Holstein geprüft, um sie – wo erforderlich – im Rahmen der Gesamtstrategie BNE in allen Bildungsbereichen zu verankern, besser zu vernetzen und auszubauen.

Zum Weiterlesen

Ansprechpartner

Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein

Bildung für nachhaltige Entwicklung,
Internationales und Entwicklungszusammenarbeit
Mareike Rehse - V 121

Mercatorstraße 3

24106 Kiel

Telefon: 49 431-988-7326

Mail: mareike.rehse(at)melund.landsh.de

 

Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein

Dr. Imke Köpke (III 212/3310)

Brunswiker Str. 16-22, 24105 Kiel

Telefon: 0431-988-2345

Mail: Imke.Koepke(at)bimi.landsh.de