Sachsen

Sachsen beschäftigt sich schon seit langem mit dem Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). BNE-Themen finden sich in den Lehrplänen der Schulen, im Bildungsplan für Kindertageseinrichtungen sowie in der Lehrerbildung wieder, zahlreiche Maßnahmen wie die Klimaschulen in Sachsen begleiten diesen Weg. Eine eigene BNE-Landesstrategie fokussiert die sechs Bildungsbereiche des Nationalen Aktionsplans und soll bis Ende 2018 verabschiedet werden.

Wie setzt Sachsen Bildung für nachhaltige Entwicklung um?

Seit Beginn der UN-Dekade »Bildung für nachhaltige Entwicklung« (2005) forcierte der Freistaat Sachsen die Beschäftigung mit den Themen Umweltbildung, Entwicklungspolitik und ökonomische Bildung.

„Die Sächsische Staatsregierung verankert die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im vorschulischen, schulischen und außerschulischen Bereich sowie in der Berufs- und Hochschulbildung als Handlungsdimension, die Energie- und Klimafragen der Gegenwart und Zukunft ebenso berücksichtigt wie Themen der sozialen Gerechtigkeit, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, der ökologischen Nachhaltigkeit und der politischen Stabilität. Das ermöglicht den Kindern und Jugendlichen, aktiv an der Analyse und Bewertung von Entwicklungsprozessen teilzuhaben, sich an Kriterien der Nachhaltigkeit im eigenen Leben zu orientieren und nachhaltige Prozesse gemeinsam mit anderen lokal und global in Gang zu setzen. Dabei erwerben sie grundlegende Kompetenzen für eine entsprechende Gestaltung ihres Lebens, für die Mitwirkung in der Gesellschaft und die Mitverantwortung im globalen Rahmen.“ (Energie- und Klimaprogramm Sachsen)

Themen der BNE finden sich in den Lehrplänen der sächsischen Schulen, im Sächsischen Bildungsplan für Kindertageseinrichtungen sowie in der Lehrerbildung:

  • In allen sechs Bildungsbereichen des Sächsischen Bildungsplanes, der von einer auf individuelle Potentiale ausgerichteten Bildungs- und Erziehungsarbeit ausgeht, wird unter anderem vom „Lernen als ganzheitlicher Prozess der Umweltaneignung“ ausgegangen. In den Bildungsbereichen „Soziale Bildung“ und „Naturwissenschaftliche Bildung“ sind vertiefte Auseinandersetzungen zu den Themenfeldern der BNE integriert.
  • Sowohl in den Lernbereichen der Fächer als auch im fächerverbindenden Unterricht und im Wahlpflichtbereich sind Themen zur nachhaltigen Entwicklung berücksichtigt. So werden zum Beispiel im Lehrplan der Oberschulen explizit Themenbereiche wie Verkehr, Verhältnis der Generationen, Gerechtigkeit, Eine Welt und Umwelt für die Gestaltung des fächerverbindenden Unterrichts behandelt.
  • Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt entwickelte gemeinsam mit externen Partnern aus der Wirtschaft ein Curriculum für Gymnasien und andere allgemeinbildende Schulen zum Thema „Kompetenz für Nachhaltigkeit".
  • In den Curricula der ersten Phase, dem Lehramtsstudium und der zweiten Phase, dem Vorbereitungsdienst, sind in den Bereichen Erziehungswissenschaft/-didaktiken Fragen der nachhaltigen Bildung und Umweltbildung Ausbildungsgegenstand.
  • Alle Lehramtsstudiengänge enthalten Aspekte der interkulturellen Bildung und Erziehung, der Gesundheits-, Sexual-, Umwelt-, Verkehrs- und Medienerziehung.
  • Im Rahmen von jahrgangsübergreifenden Angeboten für Referendare werden Module angeboten wie Training für Lehrerverhalten, Anwenden von Konfliktlösungsstrategien, moderne Medien und Medienerziehung, fächerübergreifende Umwelterziehung in Kompaktkursen durch Ausbilder am Seminar für das Lehramt an Gymnasien. Hinzu kommen Projekte, die gezielt an Schulen angeboten werden.

Die sächsischen UNESCO-Projektschulen setzen im Unterricht, aber auch darüber hinaus, einen starken Akzent auf BNE im nationalen und internationalen Kontext. Bei der Schulentwicklungsinitiative „Klimaschulen in Sachsen“ arbeiten aktuell zehn sächsische Schulen an der Profilierung als Klimaschule. Ziel ist es, das Thema Klima dauerhaft an den Schulen zu verankern und diese dazu anzuregen, ihr eigenes Schulprofil als Klimaschule zu entwickeln. Dabei sollen alle schulischen Handlungsfelder (Unterricht, Fortbildung/Management, Schulleben, außerschulische Lebenswelt und schulische Infrastruktur) von der Klimathematik durchdrungen werden. Innerhalb dieses Rahmens können die Schulen mit Blick auf die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen eigenverantwortlich festlegen, welches Handlungsfeld sie mit welchen Inhalten gestalten möchten. Für die inhaltliche Ausgestaltung der schulischen Bereiche wurde ein Katalog von fünf Modulen entwickelt. Die Initiative reiht sich ein in die Maßnahmen der BNE im Freistaat Sachsen.  

Zur Umsetzung des „Orientierungsrahmens für den Lernbereich Globale Entwicklung“, der 2015 durch die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in überarbeiteter Form veröffentlicht wurde, wurden bisher 12 der 21 Themenbereiche für sächsische Lehrerinnen und Lehrer als kostenfreie Handreichungen aufgearbeitet. Für Sachsen fand in diesem Zusammenhang die kooperative Entwicklung einer komplexen Fortbildungsreihe zu dem Instrument statt, die gemeinsam mit den Kompetenzen der externen Partner in die regionale Lehrerfortbildung integriert wurde und wird.

Im Kontext der BNE und des Globalen Lernens gibt es im Freistaat Sachsen acht Eine Welt-Promotor/innen. In Sachsen wird das Eine Welt-Promotor/innen-Programm seit 2015 vom Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen e.V. (ENS) koordiniert. Das ENS Sachsen wurde 1995 gegründet und setzt sich mit seinen fast 60 Vereinen, Gruppen und Initiativen für zukunftsfähige globale Entwicklung und Gerechtigkeit ein. Das Netzwerk bringt die zivilgesellschaftlichen Perspektiven der Mitglieder auf Landes- und Bundesebene ein, vermittelt durch Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit globale Zusammenhänge und bietet Beratung sowie Fortbildungen an.

Zahlreiche Wettbewerbe, Aktionstage, Ausstellungen, Materialien, Fortbildungen und Projekte mit konkretem BNE-Besuch zeugen inzwischen von einer gewachsenen Wahrnehmung und Wertschätzung des Themenfeldes und einem deutlichen Engagement unterschiedlicher Bildungsinstitutionen zur Entwicklung und eigenen Schwerpunktsetzung.

Im 2017 novellierten Sächsischen Schulgesetz ist im § 1 „Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule“ unter Punkt (6) erstmalig die Grundlage für eine systematische Auseinandersetzung mit BNE festgeschrieben: „Die Schule ermutigt die Schüler, sich mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, mit Politik, Wirtschaft, Umwelt und Kultur auseinanderzusetzen, befähigt sie zu zukunftsfähigem Denken und weckt ihre Bereitschaft zu sozialem und nachhaltigem Handeln.“

Was plant Sachsen im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Die Sächsische Staatsregierung hat 2017 entschieden, eine eigenständige Landesstrategie BNE in einem dialogisch aufgesetzten Prozess von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren zu erarbeiten und umzusetzen und damit die Erreichung der Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie für den Freistaat Sachsen zu unterstützen. Die Landesstrategie BNE fokussiert in Anlehnung an den Nationalen Aktionsplan (NAP) sechs Bildungsbereiche: Frühkindliche Bildung, Allgemeinbildende Schule, Berufliche Bildung, Hochschule, Non-formales- und informelles Lernen/ Jugend sowie Kommunen als Bildungsträger und Lernorte.

Die Ziele einschließlich der konkreten, nachvollziehbaren und abrechenbaren Maßnahmen der Landesstrategie sollen in den einzelnen Bildungsbereichen dazu führen, dass BNE systematisch und strukturell in der sächsischen Bildungslandschaft verankert wird. Adressiert werden dabei Lehrpläne, Curricula und Ausbildungsordnungen sowie die Aus-, Fort- und Weiterbildungen der pädagogischen Fachkräfte in der formalen, non-formalen sowie informellen Bildung. Weitere zentrale Aspekte sind eine stärkere Vernetzung der BNE-Akteure und guter Praxis, eine Transformation von Lerneinrichtungen hin zur Nachhaltigkeit, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, sowie der Dialog zwischen und die Partizipation Lehrender und Lernender an der Gestaltung von Lernorten und Lehr- und Lernprozessen. Entsprechend wurde die Vision für eine sächsische BNE folgendermaßen formuliert:

  • Lehrende und Lernende – alle Menschen in Sachsen – verstehen sich als gestaltende Mitglieder einer Gesellschaft, die ein lebenswertes Jetzt und Morgen für jeden Einzelnen in der Welt zum Ziel hat.
  • In vielfältigen Lernangeboten können alle Lernenden das nötige Wissen, Wertvorstellungen und Kompetenzen lebenslang erwerben, ihr Handeln danach ausrichten und im Rahmen von passenden Mitbestimmungsformaten praktizieren.
  • Entscheider beziehungsweise Personen in verantwortungsvollen Positionen stellen Ressourcen, Strukturen und Rahmenbedingungen bereit, die dieses Lernen ermöglichen. Außerdem wenden die Entscheider die BNE-Prinzipien auf sich selbst und die eigenen Strukturen sowie Organisationen an.

Gibt es Bezugspunkte zur Agenda 2030 und zum Nationalen Aktionsplan?

Die sächsische Landesstrategie BNE lehnt sich an den Nationalen Aktionsplan an und fokussiert daher ebenfalls sechs Bildungsbereiche: Frühkindliche Bildung, Allgemeinbildende Schule, Berufliche Bildung, Hochschule, Non-formales- und informelles Lernen/ Jugend so-wie Kommunen als Bildungsträger und Lernorte.

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Ansprechpartner

Im Sächsischen Staatsministerium für Kultus gibt es im Referat 36 „Politische Bildung, Migration, Bildung für nachhaltige Entwicklung“ eine feste Arbeitsstruktur, die sich im nachgeordneten Bereich der Schulaufsicht wiederfindet.

Darüber hinaus existieren belastbare Kooperationsbeziehungen und Netzwerke mit staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren und Institutionen, die sich teilweise ebenfalls über das Themenfeld entwickelt haben. Beispielhaft sind hier die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt, das Entwicklungspolitische Netzwerk Sachsen, das Netzwerk Umweltbildung Sachsen oder die Fachstelle Globales Lernen zu nennen.