Brandenburg

Brandenburg verfügt über einen eigenen Leitfaden für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), einen Runden Tisch zu BNE und bereits seit vielen Jahren über einen Landesaktionsplan BNE. Geplant ist unter anderem eine BNE-Qualifizierung der pädagogischen Arbeit der brandenburgischen Träger des Freiwilligen Sozialen Jahres.

Wie setzt Brandenburg Bildung für nachhaltige Entwicklung um?

Das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung zu vermitteln, ein Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen und zu verfestigen sowie das Bildungssystem und seine Inhalte entsprechend auszurichten, sind die wesentlichen Voraussetzungen für eine Nachhaltige Entwicklung in Brandenburg. Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist daher von zentraler Bedeutung, damit dieser Prozess gelingt. Sie findet in allen Bildungsbereichen statt.

Zum Schuljahr 2017/2018 ist der neue Rahmenlehrplan 1-10 für die Länder Berlin und Brandenburg in Kraft getreten. Darin ist das übergreifende Thema „Nachhaltige Entwicklung/ Lernen in globalen Zusammenhängen“ curricular verankert. Im Bereich der berufsbildenden Schulen nimmt BNE im Rahmenlehrplan des berufsfeldübergreifenden Faches „Wirtschafts- und Sozialkunde, Politische Bildung, Politische Bildung/Wirtschaftslehre“ der Berufsschule und der Berufsfachschule einen wichtigen Platz ein. Nicht zuletzt aufgrund der fächerübergreifenden und fächerverbindenden Inhalte findet sich BNE darüber hinaus auch in den fachlichen Angeboten der Lehrkräftefortbildung in vielfältiger Weise wieder.

BNE gelingt besonders gut in der Kooperation mit außerschulischen Lernorten, wovon es im Land Brandenburg eine Vielzahl gibt. Auf der Basis des neuen Rahmenlehrplans werden konkrete Zielstellungen mit der Nutzung von außerschulischen Lernorten verknüpft. Dabei ist die Vernetzung außerschulischer gesellschaftlicher Akteure der BNE sowohl untereinander als auch mit Schulen eine wesentliche Etappe des Prozesses, BNE auf Landesebene zu verankern. Externe Anbieter aus den verschiedensten Richtungen (Kultur, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen, Vereine) treten an die Schulen heran und bringen sich mit ihren speziellen Potentialen in den Prozess der lebensnahen Bildung mit ein. Die Vernetzung mit den gesellschaftlichen Akteuren erfolgt im Feld BNE insbesondere über den „Runden Tisch BNE“, der sich für das Land Brandenburg im Herbst 2011 konstituiert hat und seit dem einmal jährlich durchgeführt wird. Zu  den  Meilensteinen gehören der Landesaktionsplan BNE vom Mai 2011, dessen Fortschreibung Ende 2013 abgeschlossen wurde. 2018 erschien der „BNE Praxisleitfaden Brandenburg“, der Lehrende und Multiplikatoren in Bezug auf BNE-Themen unterstützen soll. Er ist sowohl für neu orientierte Bildungspraktiker, als auch für fest etablierte BNE-Akteure geeignet.

Eine besondere Rolle kommt außerdem der Zusammenarbeit zwischen Schule, Wirtschaft und Hochschulen im Rahmen der verpflichtenden Berufs- und Studienorientierung zu. Hier können die Schulen auf die vorhandenen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen (zum Beispiel Netzwerk Schule und Wirtschaft mit seinen Außenstellen). So arbeiten neben dem obligatorischen Schülerbetriebspraktikum, die Schulen insbesondere über das Praxislernen sowie Schülerfirmen und Betriebsbesichtigungen und -erkundungen mit Unternehmen der Wirtschaft sowie Hochschulen zusammen.

Das Land Brandenburg unterstützt die Schulen auf mehreren Ebenen. So wird mit dem neuen Rahmenlehrplan der Einbeziehung außerschulischer Lernorte eine hohe Bedeutung beigemessen. Zudem stellt die Übersicht über außerschulische Lernorte auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg eine gute Unterstützung für die Schulen dar, die für den jeweiligen Unterrichtsgegenstand geeigneten Lernorte zu finden. Darüber hinaus werden einzelne Lernorte durch Lehrkräfte unterstützt. Für diese Unterstützung im Rahmen der Abordnung von Lehrkräften bedarf es eines hohen Interesses sowie eines Bedarfs, wonach die didaktischen Herausforderungen des Lernortes eine Aufarbeitung und Unterstützung zur nachhaltigen Unterrichtseinbindung durch fachlich versierte Lehrkräfte rechtfertigen.

Im Jahr 2017 wurde der „Qualitätskatalog für außerschulische Anbieterinnen und Anbieter von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Land Brandenburg“ fertiggestellt. Für den Qualitätskatalog, der anschlussfähig an die Qualitätskriterien anderer Bundesländer ist, fand seit 2013 ein intensiver Diskussionsprozess statt. In den Prozess zur Erarbeitung der Kriterien wurden die BNE-Akteure von Beginn an intensiv einbezogen. Die BNE-Qualitätskriterien wurden ausgehend von den Kriterien der Norddeutschen Länder entwickelt und eine vorläufige Schlussfassung zum Jahresbeginn 2016 in die Breite kommuniziert, um vor der endgültigen Schlussfassung das Echo regionaler Bildungsakteure zu erhalten.

Das Flächenland Brandenburg bietet vorrangig den ländlichen Schulen eine Vielzahl an Möglichkeiten für regionalen und wohnortnahen Unterricht im Freien oder vor Ort in den themenbezogenen Einrichtungen. Umso bedeutsamer ist es, dass die städtischen Schulen in Form von Exkursionen durch pädagogisch aufbereitete Konzepte über das Anliegen des außerschulischen Lernorts informiert und professionell begleitet werden. Es werden verschiedene Methoden genutzt, wie Fachexkursionen und Seminare, in denen Themen der nachhaltigen Regionalentwicklung zu aktuellen Fragestellungen aus Politik und Gesellschaft an konkreten Beispielen und Orten greifbar werden. Diese werden so auch in Bezug zum eigenen Alltag gesetzt. Eine weitere Form bieten mobile Bildungs- und Veranstaltungszentren, um Veranstaltungen auch abseits der üblichen Infrastruktur durchzuführen, wie Seminare zur Artenvielfalt (zum Beispiel direkt an einem Spreewaldfließ oder eine Schulung zu erneuerbaren Energien in einem Windpark).

Die Gestaltung der Angebote ist so ausgerichtet, dass die Kinder und Jugendlichen bewusst Zusammenhänge zwischen der Natur und dem menschlichen Lebensraum erfahren. Die Bearbeitung der Erlebnisse in entsprechenden Arbeitsräumen beziehungsweise Arbeitssituationen und der Austausch der Erfahrungen unabhängig von der Klassenzimmersituation lassen die Eindrücke tiefer und nachhaltiger wirken.

Was plant Brandenburg im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Jugendforum Nachhaltigkeit zur kritischen Begleitung der Landesnachhaltigkeitsstrategie

  • In diesem Rahmen wurden in den vergangenen Jahren und auch in 2018 Aktivitäten von freien Trägern unterstützt, die mit unterschiedlichen Ansätzen und Methoden versuchen, Jugendliche und junge Erwachsene für eine partizipative Mitarbeit zu  Nachhaltigkeitsthemen im kommunalen, regionalen und landesweiten Raum zu gewinnen. In den Jahren 2014 bis 2016 war dies die Stiftung SPI - Bereich Süd-Ost; ab 2017 der entwicklungspolitische Dachverband VENROB in Zusammenarbeit mit der Engagement Global-Außenstelle Berlin-Brandenburg.

BNE-Qualifizierung der pädagogischen Arbeit der brandenburgischen Träger des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ)

  • Die pädagogische Arbeit der Träger des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ-Träger) ist auch durch verstärkte Inhalte einer BNE geprägt. Dies ist auch in der Richtlinie des Europäischen Sozialfonds (ESF) so vorgesehen. Für das FSJ ist BNE und die Beschäftigung mit Fragen der Nachhaltigkeit noch nicht ausreichend thematisiert worden. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) möchte hier versuchen, BNE-Themen in die pädagogische Arbeit einzubringen.

Beide Aktivitäten werden auch in der Überarbeitung der Landesnachhaltigkeitsstrategie berücksichtigt.

Gibt es Bezugspunkte zur Agenda 2030 und zum Nationalen Aktionsplan?

Die Aktivitäten zielen in Hinsicht auf die Sustainable Development Goals (SDGs) zumindest auf das Ziel 4 (Bildung) und das Ziel 12 (Nachhaltiger Konsum). Auch andere Ziele sind partiell tangiert.

Im Hinblick auf den Nationalen Aktionsplan sind für den Bereich „Schule“ das Handlungsfeld I: BNE als Aufgabe des Bildungswesens, das Handlungsfeld III: Lernort/Sozialraum, Kooperation und BNE, das Handlungsfeld IV: Strukturelle Verankerung von BNE in Lehr- und Bildungsplänen sowie das Handlungsfeld V: Partizipation und BNE zu nennen. Hinsichtlich des Handlungsfeldes II: Lehr- und (pädagogische) Fachkräfteausbildung für eine nachhaltige Entwicklung finden erste Gespräche statt, BNE strukturell in die Aus-, Fort- und Weiterbildung zu verankern.

Für den Bereich Non-formales und informelles Lernen/Jugend ist das Handlungsfeld III: Stärkung und Anerkennung von Change Agents und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu nennen.

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