Bayern

In Bayern wird Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bereits seit langem vielseitig umgesetzt, sei es in bayernweiten Projekten im non-formalen Bildungsbereich oder als Teil des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes.

Wie setzt Bayern Bildung für nachhaltige Entwicklung um?

„Die vernetzte Kita. Bildung für nachhaltige Entwicklung im frühkindlichen Bereich (er)leben“
13.11.2018 in München

BNE ist ein Bestandteil der Bayerischen Nachhaltigkeits- und Biodiversitätsstrategie. Die Federführung für außerschulische Umweltbildung/ Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hat das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz inne. Seit 1993 fördert es Umweltbildungs-/ BNE-Projekte für alle Zielgruppen und Altersstufen. Die Umsetzung erfolgt durch Partner der Umweltbildung/BNE, zum Beispiel staatlich anerkannte Umweltstationen oder Träger des Qualitätssiegels „Umweltbildung.Bayern“. Zudem werden BNE-Pilotprojekte für unterschiedliche Zielgruppen durchgeführt, zum Beispiel „ÖkoKids – KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT“ für den Elementarbereich oder „Weltaktionsprogramm als Chance: Bildung für nachhaltige Entwicklung trifft Jugendsozialarbeit“ für benachteiligte Jugendliche. Auch für das Freiwillige Ökologische Jahr liegt die Federführung beim Umweltministerium.

Gemäß Artikel 131 der Bayerischen Verfassung beziehungsweise Artikel 1 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes (BayEUG), in denen die obersten Bildungsziele, unter anderem Rücksichtnahme, Verantwortungsfreudigkeit, Ehrfurcht vor Gott sowie Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, formuliert sind, sind alle bayerischen Schulen zur Umweltbildung/ BNE verpflichtet.

Das Thema ist daher in den „Richtlinien für die Umweltbildung an den bayerischen Schulen“ (→ Bekanntmachungen) über Schulart- und Fachgrenzen hinweg für alle Schulen als Aufgabe beschrieben. Diese Richtlinien wurden 2003 unter das Leitziel einer nachhaltigen Entwicklung gestellt.

Die in den Richtlinien aufgeführten Themenbereiche und Inhalte sind mit jeweils angemessenen didaktisch-methodischen Instrumentarien von den Lehrerinnen und Lehrern aller Schulen altersgerecht umzusetzen; auch sind sie bei der Erstellung von Lehrplänen zu beachten. Auch im neuen LehrplanPLUS ist BNE als schulart- und fächerübergreifendes Bildungs- und Erziehungsziel aufgenommen. Auf diese Weise wird eine umfassende Behandlung des Themenbereichs über alle Fächer, Jahrgänge und Schularten hinweg angestrebt. Entsprechende Lernziele und Kompetenzerwartungen sind in den Lehrplänen der einschlägigen Fächer verankert. Alle Inhalte des LehrplanPLUS können unter http://www.lehrplanplus.bayern.de/ eingesehen werden.

Die Vermittlung entsprechender Inhalte mit dem Ziel, gerade junge Menschen zu einem nachhaltigen Lebensstil zu befähigen, erfolgt zuallererst im Unterricht. Um das fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsziel BNE zu erreichen, braucht es jedoch immer wieder Gelegenheiten, auch projektorientiert zu arbeiten, außerschulische Experten einzubeziehen und vor allem die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden zu lassen. Aus diesem Grund findet an den bayerischen Schulen jährlich in der 42. Kalenderwoche eine „Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit“ statt, die die Schulen selbstständig gestalten.

Auch das von der Bayerischen Staatsregierung geförderte Projekt „Umweltschule in Europa/ Internationale Agenda 21-Schule“ liefert den Schulen Anreiz und Hilfe, sich im Bereich BNE zu engagieren. Das Angebot richtet sich an Schulen, die Umweltbildung/ BNE als festen Bestandteil in den Schulalltag (Profilbildung) bereits integriert haben, die auf dem Weg dorthin sind oder die dies planen. Schulen, die sich um die Auszeichnung als „Umweltschule in Europa“ bewerben, bearbeiten im Verlauf des Schuljahres mindestens zwei Schwerpunktthemen aus dem Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung und beschreiben ihr Vorgehen in einem Bericht.

Auch wurde vor einigen Jahren zur Unterstützung der Lehrkräfte eine Handreichung zum Themenkomplex „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“ erstellt, die die Vielfalt der damit umrissenen Themen in einem pädagogischen Gesamtkonzept modulartig über alle Jahrgangsstufen und Schularten hinweg festschreibt. Dieses Gesamtkonzept legt Schwerpunkte auf Ernährungs- und Gesundheitsbildung, hauswirtschaftliche Grundkenntnisse, Verbraucherbildung (einschließlich Finanzen) sowie nachhaltige Lebensführung. Aus der Handreichung wird ersichtlich, welche Inhalte des Fächerkanons beziehungsweise des Lehrplans in welcher Jahrgangsstufe in den verschiedenen Schularten umgesetzt werden sollen.

Darüber hinaus soll an jeder Schule gemäß den oben genannten Richtlinien eine Koordinierungsgruppe für Umweltbildung eingerichtet werden, die eng mit der Schulleitung zusammenarbeitet. An größeren Schulen besteht diese in der Regel aus drei Lehrkräften sowie Schüler(innen)- und Elternvertretern. Sie ist das Gremium, das Maßnahmen konkretisiert und weiterentwickelt, Projekte vorbereitet sowie mit außerschulischen Partnern zusammenarbeitet. An kleinen Schulen wird diese Aufgabe von einer Lehrkraft als Beauftragte(r) für Umweltbildung, unterstützt von Schüler(innen)- und Elternvertretern, übernommen. Die bayerischen Grund-, Mittel- und Förderschulen werden darüber hinaus durch Fachberaterinnen und Fachberater für Umweltbildung bei der Umsetzung dieses Themenkomplexes unterstützt.

Förderprogramm in Bayern

„Weltaktionsprogramm als Chance: Bildung für nachhaltige Entwicklung trifft Jugendsozialarbeit“

Was plant Bayern im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Die laufenden Maßnahmen im Bereich der außerschulischen Umweltbildung/ BNE sollen fortgesetzt, verstetigt und erweitert werden. Auch sollen weitere Bildungsbereiche wie Hochschulen oder Volkshochschulen einbezogen werden. Dabei werden die Prioritäten des Weltaktionsprogramms BNE berücksichtigt, etwa durch Qualifizierungsprojekte für Multiplikatoren und Umweltbildungs-/BNE-Akteure oder Angebote für Jugendliche an Berufsschulen. Netzwerke wie „Umweltbildung.Bayern“ werden durch gemeinsame Aktionen weiterhin gestärkt und verstetigt.

Für den Bereich Schule wird am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus zum Schuljahr 2018/2019 ein Arbeitskreis zum Thema BNE eingerichtet. Er soll einerseits eine bayernweite Übersicht über lokale und regionale Kooperationsmöglichkeiten beziehungsweise -angebote für Schulen im BNE-Bereich erstellen und andererseits ein Verfahren entwickeln, um Beispiele für Good Practice zu erhalten. Diese nachahmenswerten Beispiele und weitere Informationen zum Thema BNE sollen den Schulen leicht auffindbar im Rahmen eines sich gerade in Entwicklung befindlichen Internet-Portals „Demokratielernen“ zur Verfügung gestellt werden.

Gibt es Bezugspunkte zur Agenda 2030 und zum Nationalen Aktionsplan?

Ziele und Maßnahmen der außerschulischen Umweltbildung/BNE sind über die Bayerische Nachhaltigkeitsstrategie mit den Zielen der Sustainable Development Goals (SDGs) verknüpft. Die Aktivitäten im Schulbereich sind nicht ausdrücklich an der Agenda 2030 orientiert, decken jedoch einige der 17 SDGs ab.

Die bayerischen Aktivitäten im Bereich der außerschulischen Umweltbildung/BNE sind grundsätzlich unabhängig vom Nationalen Aktionsplan BNE. Sie decken sich jedoch mit zahlreichen Zielen und Maßnahmen des Kapitels „Non-formales und Informelles Lernen/Jugend“. Zugleich dient der Nationale Aktionsplan (NAP) aktuell als Rahmen, um Schwerpunkte bei der Umsetzung zu verfolgen, zum Beispiel die Qualifizierung der Umweltbildungs-/BNE-Akteure.

Auch BNE in der Schule hat durch den NAP keine Neuausrichtung erfahren. Auf der Ebene der Lehrerfortbildung fließen jedoch Impulse durch den NAP in die Schulpraxis ein.

Zum Weiterlesen

Ansprechpartner

Referat „Umweltbildung, Bildung zur Nachhaltigkeit“ im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Referate V.8 und V.10 im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus