Baden-Württemberg

Das orientierende Bildungskonzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE) stellt für Baden-Württemberg seit vielen Jahren eine wichtige ressortübergreifende bildungspolitische Herausforderung dar. Nachfolgend werden zentrale Aktivitäten der Implementierung und Etablierung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung im Land Baden-Württemberg beschrieben sowie aktuelle Perspektiven skizziert.

Wie setzt Baden-Württemberg Bildung für nachhaltige Entwicklung um?

Strategie:

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist in Baden-Württemberg seit 2007 als Schwerpunkt prominent in der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes verankert.

Teilaspekte einer Bildung für nachhaltige Entwicklung sind neben der Integration in der Nachhaltigkeitsstrategie in weiteren Strategieprozessen des Landes eingebunden (zum Beispiel Globales Lernen im Kontext des entwicklungspolitischen Dialogs "Welt:Bürger gefragt!", Bildung für nachhaltige Entwicklung mit den Schwerpunkt Ökologie im Rahmen der Naturschutzstrategie).

Der Informationsaustausch beziehungsweise Vereinbarung weiterer gemeinsamer Schritte im Bereich Nachhaltigkeit und Entwicklungszusammenarbeit findet im Rahmen von regelmäßig tagenden interministeriellen Arbeitsgruppen statt.

Der erste Nachhaltigkeitsbericht wurde im Jahr 2014 erstellt Die nächste Berichterstattung ist für das Jahr 2019 vorgesehen.

Ab 1. September 2018 wird die Stelle einer Landeskoordination BNE und Globales Lernen besetzt.

Non-formale, informelle Bildungsbereich:

Mit dem Förderprogramm „Projekte für Bildung für nachhaltige Entwicklung" unterstützt das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft jedes Jahr beispielhafte Projekte für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Es richtet sich an gemeinnützige Initiativen, die zur Bildung für nachhaltige Entwicklung einen wichtigen Beitrag leisten. Im Rahmen des Förderprogramms können einzelne Bildungsprojekte mit bis zu 20.000 Euro gefördert werden. Das Förderprogramm wurde im Juni 2017 bereits zum achten Mal ausgeschrieben.

Der „BNE-Kompass" wurde zwischenzeitlich aktualisiert und an die Bildungsplanplattform angebunden. Dies bedeutet konkret, dass außerschulische Bildungsangebote zur Nachhaltigen Entwicklung mit dem Bildungsplan „verlinkt" wurden. Bei der Überarbeitung wurden - neben der Leitperspektive BNE - zwei weitere BNE-affine Leitperspektiven (Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt und Verbraucherbildung) unterstützt sowie die einzelnen Bildungsangebote den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs) zugeordnet.

Schulische Bildungsbereich:

Mit der Einbindung der Leitperspektive BNE in die neuen Bildungspläne  für die allgemein bildenden Schulen ist es in Baden-Württemberg gelungen, BNE konsequent und systematisch in den curricularen Vorgaben des Landes zu verankern, sodass in den kommenden Jahren hinsichtlich der BNE-Verankerung im Bildungsplan kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht. Der Bildungsplan wurde 2016/17 eingeführt. Eine Revision der Bildungspläne erfolgt in Baden-Württemberg in der Regel nach 10 Jahren.

Das Bildungskonzept BNE hat mit den neuen Bildungsplänen und den Fortbildungen zu deren Implementierung eine Schwerpunktsetzung erfahren. BNE wird durch fachbezogene und fächerübergreifende amtliche Angebote als Querschnittskompetenz unterstützt. Bereits im Vorfeld der Einführung der neuen Bildungspläne wurden Bildungsplanberater sowie Fachberater im Bereich der Fortbildung im Rahmen von Informations- und Fortbildungsveranstaltungen über die Relevanz der Leitperspektiven für die zukünftige Arbeit informiert. Als integraler Bestandteil des neuen Bildungsplans, sollen die Leitperspektiven in den Fortbildungsangeboten für den neuen Bildungsplan unmittelbar berücksichtigt werden.

Darüber hinaus wurde den Lehrkräften des Landes zur Einführung des Bildungsplans (2016/17) sowie im Frühjahr 2017 im Rahmen einer Online-Fortbildung, ein "Massive Open Online Course" (MOOC) zu den Leitperspektiven angeboten.

Die Auseinandersetzung und Integration der Leitperspektive BNE betrifft alle Fächer und Wahlbereiche, Jahrgangsstufen und Schularten. In einer aktuellen Dokumentenanalyse des Instituts Futur im Rahmen des nationalen Monitorings zu BNE wurde hervorgehoben, dass die Revision der Bildungspläne in Baden-Württemberg ein wichtiger Schritt in die Richtung einer strukturellen Verankerung war. "Insbesondere die Integration im Sinne einer Leitperspektive innerhalb der Bildungspläne bringt es mit sich, dass sich alle Fächer in Beziehung zu BNE setzen müssen. Somit stellt Baden-Württemberg deutschlandweit ein gelungenes Beispiel einer breiten Verankerung von BNE dar."

Um die Wirksamkeit der Leitperspektive BNE beurteilen zu können, unterstützt das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Kooperation mit dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirt-Schaft und der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg eine Untersuchung der PH Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Rieß zum Themenschwerpunkt „Bildung für nachhaltige Entwicklung im Unterricht - Gelingensbedingungen für die Entwicklung von Nachhaltigkeitskompetenzen" (BUGEN). Die Ergebnisse der Untersuchung werden Ende 2019 vorliegen und perspektivisch Einfluss auf zu-künftige Aktivitäten des Landes im Bereich "BNE und Schule" haben

In dem Projekt „199 kleine Helden“ werden auf der Grundlage des Films "Not without us - Nicht ohne uns" und ausgewählter Filmporträts einzelner Kinder (zum Beispiel aus Schweiz, Laos, Nepal) von Lehrkräften aus zehn baden-württembergischen Schulen Beispiele für die Einbindung in den Fachunterricht erarbeitet. Dabei spielen die Leitperspektiven "Bildung für nachhaltige Entwicklung", "Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt" und "Medienbildung" eine zentrale Rolle. Ziel ist die Erarbeitung einer Internetpublikation mit konkret erprobten Anregungen für die Umsetzung in der Schule.

Zahlreiche Beispiele für weitere Projekte und noch viele weitere Informationen sind im Internet unter www.bne-bw.de zu finden.

Lehrkräftebildung in Hochschule und Seminar (I. und II. Phase):

Mit der Einführung der neuen Lehramtsstudiengänge (BA/MA) zum Wintersemester 2015/16 wurde für alle angehenden Lehrkräfte in Baden-Württemberg der Erwerb von Querschnittskompetenzen im Bereich BNE im Ausbildungskanon der Lehramtsstudiengänge verbindlich festgeschrieben.

Querschnittskompetenzen sind in der Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache, in der Medienkompetenz und -erziehung, der Prävention, der Bildung für nachhaltige Entwicklung, im Umgang mit berufsethischen Fragestellungen, der Gendersensibilität und in der Fähigkeit zur Teamarbeit zu sehen. Die Querschnittskompetenzen sind angesichts ihrer übergeordneten Bedeutung in den Bildungswissenschaften und allen Fächern zu verankern. Dabei werden vernetzte Kompetenzen in Fachwissenschaft, Fachdidaktik und schulpraktischen Studien angestrebt.

Auch in der zweiten Phase der Lehrkräftebildung ist BNE als Querschnittsthema impliziter Bestandteil aller Ausbildungsfächer. Im Bereich der Lehrkräftebildung wird diese Entwicklung durch BNE-Netzwerkstrukturen unterstützt. Dabei werden explizit der Hochschulbereich sowie die Seminare für Didaktik und Lehrerbildung in den Blick genommen.

Bereits 2012 wurde im Bereich der Lehrkräftebildung das BNE-Hochschulnetzwerk eingerichtet und ressortübergreifend durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft finanziell unterstützt.

Durch den Aufbau des Netzwerks wurde in den vergangenen Jahren ein wichtiger Beitrag geleistet, BNE verstärkt im Hochschulkontext über die Lehrkräftebildung hinaus zu verankern und die Akteure zu vernetzen.. Die Mitglieder des Netzwerks entwickeln gemeinsame Forschungsvorhaben, wirken an der Gestaltung von Multiplikatoren-Fortbildungen mit und pflegen den Kontakt zu außerschulischen BNE-Partnern. Des Weiteren wurden umfangreiche Stellungnahmen im Rahmen der Bildungsplanrevision sowie der Neuausrichtung der Lehrkräftebildung an den Hochschulen erstellt.

Seit 2014 wird das BNE-Hochschulnetzwerk durch ein Netzwerk von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Bereich der Schulverwaltung und der Seminare für Didaktik und Lehrerbildung ergänzt. Sie als BNE-Ansprechpartner zur Verfügung und haben die Aufgabe, BNE und Globales Lernen in ihrem jeweiligen Kontext strukturell einzubinden.

Im Seminarbereich erfolgt dies beispielsweise durch Modellprojekte (etwa im Rahmen des Umsetzungsprojektes "Whole Seminar Approach" zum Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung) sowie seminarspezifischen Aktivitäten (zum Beispiel Einrichtung eines Globalen Klassenzimmers, Kooperation mit externen Partnern, Etablierung seminarinterner Arbeitsgruppen, Verankerung im Leitbild des Seminars, Verankerung als Profilelement, Nachhaltigkeitstage und -wochen, etc.).

Im Bereich der Schulverwaltung erfolgt die Multiplikation zum Beispiel über die Information im Rahmen von Dienstbesprechungen, schulinternen Fortbildung, Schulaktivitäten sowie gemeinsamen Aktivitäten mit Seminaren.

Im Rahmen der Qualifizierung der BNE-Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind Internetpublikationen zu unterschiedlichen BNE-relevanten Aspekten erarbeitet worden (zum Beispiel Nachhaltigkeit als Leitbild, Nachhaltigkeit im Spannungsfeld von Vision und Wirklichkeit). Diese sind unter anderem in der Lehrkräfteausbildung (erste und zweite Phase) und von Lehrkräften als Grundlageninformationen genutzt worden.

Was plant Baden-Württemberg im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Im Rahmen der BNE-Gesamtstrategie soll eine Konzeption für ein landesweites Schulnetzwerk von sogenannten Nachhaltigkeitsschulen ("N-Schulen") entwickelt werden. Durch den Aufbau des Schulnetzwerkes soll die Vielfalt des nachhaltigkeitsrelevanten Engagements der baden-württembergischen Schulen sichtbar und transparent gemacht sowie das Engagement der einzelnen Schule in eine "BNE-Community" eingebunden werden. Das Netzwerk ist offen für alle allgemein bildenden und beruflichen Schulen des Landes und soll dazu beitragen, dass weitere Schulen angeregt und motiviert werden, sich im Zeichen der Sustainable Development Goals (SDGs) mit den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auseinandersetzen.

Im Rahmen der BNE-Gesamtstrategie wird in Kooperation mit dem Staatsministerium und dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sowie in Zusammenarbeit mit Engagement Global ein Modellprojekt (Umsetzungsprojekt) zum „Whole System Approach" in Schulen angestrebt.

Im Rahmen des Modellprojektes soll eine Auswahl interessierter Schulen mit externer Unterstützung bei einem nachhaltigkeitsorientierten Schulentwicklungsprozess (Whole System Approach) begleitet werden. Die Erfahrungen dieser Schulen beispielsweise bei der Einbindung der BNE in Schulcurricula können für die qualitative Arbeit im geplanten Netzwerk der Nachhaltigkeitsschulen (N-Schulen) als Vorbild (Gute Praxis) und Motivation für einen nachhaltigkeitsorientierten Schulentwicklungsprozess dienen.

Die Erfahrungen sollen unter anderem in einer Internetpublikation aufbereitet und so anderen interessierten Schulen in und außerhalb des Netzwerks der Nachhaltigkeitsschulen zur Verfügung gestellt werden.

Im Kontext der landesweiten Digitalisierungsstrategie digital@bw (Teilstrategie Umwelt und Nachhaltigkeit) wird im Rahmen eines „Leuchtturmprojektes" des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sowie in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport die Entwicklung eines landesweiten adaptiven BNE-Lernportal angestrebt, das für unterschiedliche Nutzergruppen Informationen, Bildungsmaterialien und Fortbildungsangebote zur Verfügung stellt.

Als Web 2.0-Ansatz sollen dabei Angebote unterschiedlicher Anbieter unter einheitlichen und standardisierten Qualitätskriterien gebündelt, aufbereitet und adressatengerecht disseminiert werden. Das BNE-Portal fungiert dabei über die Verlinkung als gezielter „Wegweiser“ zu bestehenden staatlichen und nicht staatlichen Informations- und Bildungsangeboten. Zentraler Teil des BNE-Portals stellt eine BNE-Lernplattform dar, die aufgrund ihrer Adaptivität modernen e-Learningkonzepten Rechnung trägt und benutzerdefinierte, individuelle Lernangebote bereitstellt.

Das Netzwerk „Nachhaltigkeit lernen" (Netzwerk staatlicher und zivilgesellschaftlicher BNE-Akteursgruppen) soll reaktiviert werden und die zentrale Plattform im Bereich BNE darstellen, die den Austausch und die Zusammenarbeit von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren fördert. Ein zentraler Aspekt der Zusammenarbeit wird die konzeptionelle Entwicklung einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Land und der Zivilgesellschaft im Bereich BNE sein, die in die BNE-Gesamtstrategie eingebunden werden soll.

Auf der Grundlage des Koalitionsvertrages der aktuellen Landesregierung soll in den kommenden Monaten (Herbst 2018/Frühjahr 2019) unter Federführung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport eine ressortübergreifende Gesamtstrategie "Bildung für nachhaltige Entwicklung" erarbeitet werden, die insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene für Nachhaltigkeit aktivieren und qualifizieren soll. Zusammen mit Schulen und Hochschulen soll Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen mit Leben gefüllt und die Kooperation zwischen außerschulischen Akteuren und Schulen gefördert werden.

Gibt es Bezugspunkte zur Agenda 2030 und zum Nationalen Aktionsplan?

Die Agenda 2030 ist zentraler Bezugspunkt der baden-württembergischen Nachhaltigkeitsprozesses sowie der BNE-Aktivitäten. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie wurden die Sustainable Development Goals (SDGs)in den baden-württembergischen Nachhaltigkeitszielen verankert.

Das Land Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland ein Commitment zum Nationalen Aktionsplan BNE abgegeben:

„Das Land Baden-Württemberg wird im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie unter Federführung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport sowie unter Einbeziehung weiterer Ressorts eine Gesamtstrategie `Bildung für nachhaltige Entwicklung´ erarbeiten. Dabei sollen insbesondere Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene für Themen der Nachhaltigkeit aktiviert und qualifiziert werden. Zusammen mit Schulen und Hochschulen werden wir Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Leben füllen und die Kooperation zwischen außerschulischen Akteuren und Schulen fördern.“

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Ansprechpartner

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Referat 52: Pädagogische Grundsatzangelegenheiten, Qualitätsmanagement

Achim Beule

Mail: Achim.Beule@km.kv.bwl.de