UNESCO-Projektschulen begegnen dem Klimawandel

Jeder einzelne von uns kann durch sein Verhalten dazu beitragen, das Klima zu schützen. Aber wie geht das eigentlich? Und was geht mich das an? Zahlreiche Schulen haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Fragen zu beantworten und ein Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen. Dazu gehören auch 26 UNESCO-Projektschulen aus ganz Deutschland, die dem Klimawandel wirkungsvoll begegnen wollen.

Expertise im Bereich Klimaschutz

Mehr als 250 UNESCO-Projektschulen gibt es in Deutschland. Sie sind ganz normale Schulen, haben aber einen besonderen Schwerpunkt: UNESCO-Projektschulen engagieren sich für eine Kultur des Friedens und für eine nachhaltige Entwicklung. In der Praxis sieht das so aus: Themen wie Menschenrechte, kulturelle Vielfalt und soziale Gerechtigkeit werden im Unterricht besprochen und im Schulalltag verankert. Schülerinnen und Schüler organisieren zum Beispiel Partnerschaftsprojekte und internationale Projekttage mit Schulen aus anderen Ländern, gründen eigene Schülerfirmen oder nehmen an vielfältigen Austauschprogrammen teil.

In diesem Rahmen haben sich einige der 250 Projektschulen besonders umfassend mit dem Thema Klimawandel auseinandergesetzt. So gründeten einige Schülerinnen und Schüler zum Beispiel eine Schülerfirma, die Treibhausgasemissionen von Unternehmen und Privatpersonen durch Investitionen in Klimaschutzprojekte im Regenwald kompensiert. Eine andere Schule des Projektschulnetzes hat einen Klimabotschafter. Der Grundschüler informiert Eltern, Lehrer und Mitschüler über den Klimawandel und globale Gerechtigkeit sowie über Projekte, bei denen die Schüler selbst zum Klimaschutz aktiv werden können.

UNESCO Flagship Project on Climate Change

Dass Schulen eine unvergleichbar wichtige Rolle in der Bewusstseinsbildung für den Klimawandel einnehmen, hat auch die UNESCO erkannt: Sie rief zuletzt das UNESCO Flagship Project on Climate Change ins Leben, das Projektschulen dazu anhält, sich organisationsübergreifend mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen. In Seminaren, Workshops und Guidelines wird erörtert, wie Schulen sich als Lernumgebung transformieren und Nachhaltigkeits- und Klimaschutzthemen bestmöglich in den Schulalltag integrieren können.

Um die vorhandene Expertise der Projektschulen im Bereich Klimaschutz auch in Deutschland zu bündeln und weiter auszubauen, hat sich die Bundeskoordination der UNESCO-Projektschulen im letzten Jahr mit der Leuphana Universität und Vertretern der Organisation Global Goals Curriculum zusammengetan. Gemeinsam mit den Projektschulen wollen sie das Flagship Project in der Bundesrepublik umsetzen und begleiten die Schulen in diesem Prozess. Im Rahmen einer Ausschreibung wählten sie zunächst 12 erfahrene Schulen aus, die sich im März 2017 in der Autostadt Wolfsburg zu einem Treffen zusammenfanden.

Whole School Approach-Netzwerk gegen den Klimawandel

Die Teilnehmer, darunter nicht nur Lehrkräfte sondern auch Schülerinnen und Schüler, stellten ihre jeweiligen Schulaktivitäten vor, tauschten sich aus und sammelten neue Ideen für zukünftige Projekte. Im Zentrum stand währenddessen immer die Frage wie Schulen dem Klimawandel am wirkungsvollsten begegnen könnten. Die abschließende Antwort: Durch einen Whole School Approach. „Alle Anwesenden waren sich einig, dass die gesamte Schulöffentlichkeit – Hausmeister, Lehrer, Schüler, Eltern – den Klimaschutzgedanken verinnerlichen sollte“, berichtet Heinz-Jürgen Rickert, Bundeskoordinator der UNESCO-Projektschulen.

Publikation, UNESCO und UNEP 2011

"Climate Change Starter’s Guidebook: An Issue Guide for Education Planners and Practitioners"

Aus diesem Grund schlossen sich die Schulen zum „Whole School Approach-Netzwerk gegen den Klimawandel“ zusammen. Ziel ist eine ganzheitliche Transformation der Schule: Dem Klimawandel soll in allen Bereichen etwas entgegengesetzt werden, sei es im Unterricht, bei der Beschaffung von Lebensmitteln oder der Fortbildung von Lehrkräften. „Die Schulen beschäftigen sich nicht nur theoretisch mit dem Thema, sie wenden ihr Wissen praktisch an – wie zum Beispiel bei Fragen zu Energie und Gebäudesanierung. Die Schülerinnen und Schüler sollen in all diesen Bereichen aktiv mit eingebunden werden, es soll eine Avantgarde entstehen“, so Rickert weiter.

Internationale Zusammenarbeit

Darüber hinaus nehmen alle Schulen, die dem Netzwerk angehören, an regelmäßigen Fortbildungen für Lehrkräfte und Jugendliche teil. Die UNESCO in Paris unterstützt dieses Vorhaben. Da sich die Schulen nicht nur untereinander, sondern auch mit Partnern aus dem Ausland austauschen wollen, organisiert das Netzwerk jährlich außerdem eine Jugendkonferenz in einem afrikanischen Partnerland. Im Dezember wird die erste Konferenz in Maputo, Mosambik stattfinden. Teilnahmevoraussetzung für die Schülerinnen und Schüler ist die Realisierung einer Projektidee mit klarem Bezug zum Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die vielen Bewerbungen zeigen, dass die Eintrittskarten sehr gefragt sind.

Mitte November findet außerdem das zweite Netzwerktreffen der Projektschulen in der Autostadt Wolfsburg statt, die Kooperationspartner und Finanzgeber ist. Im Juni 2017 wurden 14 weitere Schulen als Teilnehmer ausgewählt, sodass das Netzwerk nun aus 26 Projektschulen besteht und alle Schulformen vertreten sind. Doch auch die Projektschulen, die keine Netzwerkmitglieder sind, sollen von der Arbeit des „Whole School Approach-Netzwerk gegen den Klimawandel“ profitieren können. So werden alle Erkenntnisse und Ergebnisse der Netzwerktreffen gesammelt. „Aus ihnen entstehen Handlungsempfehlungen für alle Schulen“, erklärt Heinz-Jürgen Rickert. Um eine wirklich deutschlandweite Transformation anzustoßen, sollen auch die Bildungsministerien der Länder Zugang zu den Empfehlungen der Gruppe erhalten.

Publikation, UNESCO 2012

"Education for Sustainable Development: Good Practices for Addressing Climate Change"