Mehr Klimabildung in Deutschland

Wie können außerschulische Bildungszentren Treibhausgasemissionen reduzieren und zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele beitragen? 16 Einrichtungen machen es vor und entwickeln sich innerhalb von zwei Jahren zu BildungszentrenKlimaschutz.

BildungszentrenKlimaschutz als Impulsgeber und Vorbild

In Deutschland gibt es mehrere Tausend außerschulische Bildungszentren. Waldschulheime, Umweltbildungszentren oder Jugendherbergen haben vielfältige Möglichkeiten, um Bildung für Klimaschutz durchzuführen. Die Bundesregierung hat dies als Chance erkannt und das zweijährige Projekt BildungKlima-plus ins Leben gerufen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fördert das Projekt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative und ermöglicht einem Bildungszentrum pro Bundesland die Weiterentwicklung zum BildungszentrumKlimaschutz.

Das seit über 30 Jahren aktive NaturGut Ophoven übernimmt die Leitung des Projekts. Im Rahmen eines Wettbewerbs wurden 15 weitere außerschulische Bildungszentren ausgewählt, die in Zukunft als Impulsgeber und Vorbild für andere Lernorte dienen sollen. Sie erhalten personelle und finanzielle Unterstützung bei der Weiterentwicklung zur klimaneutralen Einrichtung und bei der Umsetzung von effektiven Bildungsmaßnahmen zur Treibhausgasminderung und Ressourcenschonung.

Großes Potenzial für mehr Klimabildung in Deutschland

Das NaturGut Ophoven führte Anfang 2017 zu Beginn des Projekts eine Recherche zu den Klimabildungsangeboten in Deutschland durch und befragte 392 außerschulische Bildungszentren. Die Recherche ergab, dass Bildungsangebote zum Klimawandel in außerschulischen Bildungseinrichtungen in Deutschland im Vergleich zu denen der klassischen Umwelt- und Naturpädagogik noch unterrepräsentiert sind. Viele deutsche Lernorte bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück und auch das vorbildhafte Verhalten einiger Bildungseinrichtungen birgt viele Potenziale, die bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind.

Das Netzwerk der 16 BildungszentrenKlimaschutz gibt daher Anregungen für Klimabildungsaktivitäten an andere außerschulischen Lernorte weiter und ermutigt sie, Chancen für eine systematisch betriebene Klimabildung im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung stärker zu nutzen. Denn das übergreifende Ziel des BildungKlima-plus-Projekts ist es, die Anzahl der Bildungseinheiten bundesweit zu erhöhen, qualitativ weiterzuentwickeln und das nötige Wissen, die Kompetenz und auch die Motivation für den Klimaschutz in der Bevölkerung aufzubauen. Wenn mehr Teilnehmer erreicht werden, werden auch mehr Einheiten CO2 gespart - davon geht die Projektleitung aus. Auch die Bildungszentren selbst wollen klimaneutral werden. Auf diese Weise sollen bis zum Ende der Projektlaufzeit jährlich rund 1.219 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden.

Potenzialanalyse

Bildungsangebote zum Klimaschutz an außerschulischen Lernorten

Interview zum Projekt BildungKlima-Plus

Interview

mit Dr. Hans-Martin Kochanek, seit 1988 städtischer Leiter des NaturGuts Ophoven, zum Projekt BildungKlima-Plus

Deutsche UNESCO-Kommission: Herr Dr. Kochanek, inwiefern kann das BildungKlima-Plus Projekt die Anzahl von Klimabildungsaktivitäten in außerschulischen Lernorten erhöhen?

Dr. Hans-Martin Kochanek: In diesem Projekt erweitern und optimieren 16 kompetente Bildungsorte in Deutschland ihr Angebot zur Klimabildung. Insgesamt sind wir so in jedem Bundesland vertreten und haben intensive Kontakte mit vielen Dachorganisationen wie dem Bundesverband der Jugendherbergen oder dem Europarc Deutschland oder dem Bundesverband der Umweltbildungszentren der ANU.

Wie kam es dazu, dass das NaturGut Ophoven die Leitung des Projekts übernommen hat?

Der Bedarf für mehr Bildung für Klimaschutz liegt auf der Hand. Daher haben wir einen entsprechenden Förderantrag über die nationale Klimaschutzinitiative an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gestellt, welche diesen erfreulicherweise genehmigt hat.

Das Projekt ist Anfang 2017 angelaufen. Was waren die bisherigen Höhepunkte?

Zunächst mussten wir die 15 weiteren Bildungseinrichtungen finden, mit denen wir dieses zweijährige Projekt durchführen werden. Dazu führten wir einen Wettbewerb durch über den wir über 50 kompetente Bildungsorte identifiziert haben, die gerne mitgemacht hätten. Leider konnten wir nur 15 berücksichtigen, mit denen wir dann am 18 Mai einen sehr kreativen und partnerschaftlichen Kick-Off Kongress durchführen konnten.

Gibt es spezielle Bildungsangebote in den 16 BildungszentrenKlimaschutz anlässlich der Weltklimakonferenz, die dieses Jahr in Deutschland stattfinden wird?

Das NaturGut Ophoven zum Beispiel wird einer internationalen Gruppe von Pressevertretern der COP23 die Bildungsarbeit eines Klimakompetenzzentrums und das Projekt 16 BildungszentrenKlimaschutz live vor Ort am 11.11.2017 vorstellen.

Weiterhin führen wir am 8.11 mit circa 90 Jugendlichen im Leverkusener Ratssaal die erste Leverkusener Klima-Konferenz mit Jugendlichen durch. So wollen wir das weltweite Format der COP 23 in den lokalen Rahmen transferieren.

Das Hamburger Umweltzentrum Karlshöhe veranstaltet zum Beispiel zur COP die Karlshöher Gespräche: Der Meeresspiegel steigt - Wann kommt die große Flut? Donnerstag, 16. November 2017, von 18:30 - 20:30 Uhr. Einen Tag vor Ablauf der Weltklimakonferenz in Bonn, die von Fidschi geleitet wird, berichten die Podiumsgäste über schmelzende Gletscher auf Grönland und Fluten auf Pazifikinseln. Warum steigt der Meeresspiegel? Welche Prognosen gibt es bis zum Ende des Jahrhunderts? Welche Auswirkungen kommen auf Norddeutschland zu, wenn die Klimaerwärmung nicht eingedämmt wird?

Das Projekt läuft bis Ende 2018. Was ist in dieser Zeit noch geplant?

Die 16 BildungszentrenKlimaschutz werden ihre Bildungsaktivitäten in Sachen Klimaschutz erweitern und optimieren. Dazu gehört sowohl der partnerschaftliche Austausch untereinander als auch die Vorstellung der Möglichkeiten an weitere Bildungseinrichtungen oder auch an Dachverbände.  Weiterhin werden die Zentren ihren CO2-Fußabdruck ermitteln, um ihr Einsparpotential einschätzen zu können.

Wann würden Sie persönlich das Projekt als erfolgreich und gelungen beschreiben, was sind Ihre Erwartungen Ende 2018?

Bereits jetzt lässt sich absehen, dass das Potential der Erweiterung und Optimierung der Bildungsarbeit in Sachen Klimaschutz bundesweit an allen Bildungseinrichtung vorhanden ist. Ich würde mich daher Ende 2018 freuen, wenn ein Weg gefunden werden konnte, diesen Prozess bundesweit umfangreich zu unterstützen.