Non-formales und informelles Lernen/Jugend

Der Bereich des non-formalen und informellen Lernens/Jugend gewinnt vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens für die notwendige Transformation der Gesellschaft im Sinne der SDGs eine immer stärkere Bedeutung. Unter dem Begriff des non-formalen und informellen Lernens werden alle Bildungsangebote für die unterschiedlichsten Zielgruppen außerhalb des formalen Bildungssystems zusammengefasst. Auch die immer wichtiger werdende Erwachsenenbildung zählt zu diesem Bereich.

Die Akteurinnen/Akteure und Organisationen des non-formalen und informellen Lernens/Jugend zeichnen sich durch Vielfalt, Kreativität, Diversität und Unabhängigkeit aus und verfügen daher über ein hohes Innovationspotenzial zur Umsetzung und Verwirklichung von BNE. Im Vergleich zur formalen Bildung ist das non-formale und informelle Lernen nicht institutionell verfasst und nicht strukturell finanziert und dadurch mit besonderen Herausforderungen konfrontiert.

Außerschulische Lernorte sind wichtige Partner in der Entwicklung von lokalen Bildungslandschaften. Über das non-formale und informelle Lernen gelingt es, neue und unverzichtbare Akteursgruppen zum Beispiel aus dem Feld der Kunst und Kultur, den Medien oder der Digitalisierung für die BNE zu begeistern.

Über 60% der ausgezeichneten UN-Dekade-Projekte sind dem non-formalen und informellen Lernen zuzurechnen. Dies zeigt die hohe Relevanz für die Arbeit des Fachforums Non-formales und informelles Lernen/Jugend, welches sich auch in den formulierten Handlungsfeldern und Zielen widerspiegelt. Das breite Spektrum an unterschiedlichen Lernorten, Themen und Methoden bietet den Lernenden und Lehrenden eine große Vielfalt an Bildungs- und Handlungserfahrungen im Kontext nachhaltiger Entwicklung. Fünf unterschiedliche Partnernetzwerke speisen ein breites Themenspektrum in das Fachforum Non-formales und informelles Lernen/Jugend ein. Im europäischen und internationalen Kontext sind formale Bildungsstrukturen sowie non-formale und informelle Bildungsangebote umfassender verschränkt als in Deutschland. Hier besteht weiterhin Entwicklungsbedarf.

Der Wandel im non-formalen und informellen Bildungsbereich wird zum Teil durch Maßnahmen erfolgen können, die keine zusätzlichen Ressourcen erfordern. Damit werden aber die gesetzten und zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung notwendigen Ziele nur zum Teil erreicht werden. Zahlreiche Maßnahmen zur Umsetzung der hier vorgeschlagenen Ziele erfordern veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen sowie zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen, die erst seitens der Gesetzgeber verabschiedet und in den Haushalten von Bund und Ländern wie auch den Ausschreibungen von Stiftungen budgetiert werden müssen. Insbesondere mit Blick auf den Ablauf des WAP Ende 2019 besteht hier rascher Handlungsbedarf bei allen beteiligten Akteuren. Spätestens bis 2030 gilt es, die hier abgesteckten Ziele zu erreichen.

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I. Wirksame Beteiligung von jungen Menschen

Junge Menschen sind unverzichtbare Akteurinnen und Akteure, wenn es um die Gestaltung von Zukunft und Transformation geht. Sie müssen durch wirksame Beteiligung und Mitsprache in der BNE jugendgemäß eingebunden werden. Nur so kann sich neues Handeln unter Beteiligung aller entfalten.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Ab Sommer 2017 wird der gesamte Prozess in der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans durch eine wirksame Jugendbeteiligung erweitert sein. Hierzu wird in einem Jugendbeteiligungsprojekt jungen Menschen ein von ihnen mit ausgestalteter Rahmen geboten, sich an der Umsetzungsarbeit der Fachforen und der Nationalen Plattform mit eigenen Initiativen, ergänzenden Formaten und Bearbeitungsformen zu beteiligen und so von Beginn an in der Umsetzung des NAP die Perspektive junger Menschen zu integrieren.

Maßnahmen:

  • Es wird ein eigenständiges Jugendgremium geschaffen, um einen altersgemäßen Rahmen der Mitbestimmung zu selbst gewählten Themen zu gewährleisten. Die dort gefassten Beschlüsse werden in die Nationale Plattform eingebracht und dort berücksichtigt.
  • Je drei Plätze pro Fachforum werden für junge Menschen reserviert und für die Nationale Plattform eine stimmberechtigte Person und eine Stellvertretung ernannt.
  • Es wird ein eigenes Büro eingerichtet, das die Jugendbeteiligung organisatorisch begleitet und Coaching- und Bildungsmaßnahmen anbietet.
  • Jährlich wird ein eigener Jugendkongress realisiert.
  • Es wird die Möglichkeit für junge Menschen geschaffen, sich mit eigenen von ihnen entwickelten und verantworteten Mikroprojekten in der Phase bis 2019 an der Umsetzung auf lokaler Ebene zu beteiligen und damit in ihrem Umfeld wichtige Impulse zu setzen.

 

2. Ziel:

Bei allen Akteurinnen und Akteuren, die an der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans beteiligt sind, wird ab 2017 Offenheit und Kompetenz für wirksame Jugendbeteiligung verankert und entwickelt. Hintergrund ist, dass die drei Bereiche Lernorte, Netzwerke und Kommunen, neben der Familie, besonders zentrale Bereiche sind, in denen Beteiligung im Lebensumfeld junger Menschen erlebt und erfahren werden kann. Daher wird hier verstärkt von guten Beispielen, die bereits vorhanden sind, gelernt und Akteurinnen und Akteure der BNE wirkungsvoll ermuntert, Jugendpartizipation zu leben und aktiv zu gestalten

Maßnahmen:

  • Es werden die verschiedenen Ansätze und Formen von Jugendbeteiligung innerhalb der ausgezeich- neten Projekte der UN-Dekade BNE sowie die der aktuell ausgezeichneten Lernorte, Netzwerke und Kommunen für eine Studie ausgewählt und untersucht. Die besten Ansätze und Methoden von Jugendbeteiligung werden in Form von Good Practice gesammelt und kommuniziert. Aus den Ergebnissen der Studie wird ein aktueller Leitfaden für die drei Bereiche Lernorte, Netzwerke und Kommunen erstellt.
  • Darauf aufbauend wird geprüft, ob ein Qualifizierungs- und Beratungsangebot sinnvoll ist, das eine persönliche Beratung und Qualifizierung im Bereich Jugendbeteiligung für (erwachsene) Schlüsselpersonen in Lernorten, Netzwerken und Kommunen ermöglicht.
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II. Diversität und Inklusion

Alle Lernenden müssen aktiv und strukturell an BNE teilhaben können; Zugangshürden müssen abgebaut werden. Die Chancen des non-formalen und informellen Lernens für Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse müssen genutzt werden, um Exklusion abzubauen.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Bis Ende 2019 sind ggf. jährlich mindestens zehn Lernorte der BNE im Bereich des non-formalen oder informellen Lernens aufgrund ihrer inklusiven und/oder diversitätsbewussten Ausrichtung in der BNE durch die anbietenden Organisationen mit Unterstützung der Kommunikationskanäle des WAP in Deutschland öffentlichkeitswirksam erwähnt und ggf. ausgezeichnet worden.

Maßnahmen:

  • Studien, Handreichungen und „Good Practice“ für die Verknüpfung von BNE im non-formalen und informellen Lernen sowie inklusiver und intersektionaler Pädagogik werden in Wort, Ton und Bild in unterschiedlichen Sprachen (inklusive Leichter Sprache und Gebärdensprache) zur Verfügung gestellt. Dabei wird vor allem auf die Chancen zur inklusiven Gestaltung von Angeboten im Kontext BNE durch die Alleinstellungsmerkmale von non-formalem und informellem Lernen eingegangen.
  • Es findet eine Fachtagung mit den Preisträgerinnen und Preisträgern zum fachlichen Austausch über Lernangebote statt, zu denen Expertinnen und Experten sowie Lernende verschiedenster Hintergründe/Identitäten Zugang haben. Im Zentrum steht dabei eine Perspektivenvielfalt auf verwendete Bildungskonzepte und -annahmen, auf die Rolle von Sprache und den Faktor Zeit sowie eine kritische Reflexion alltäglich wirksamer Rollenbilder (u.a. Zuschreibungen spezifischer Rollen durch Geschlecht, Alter, körperliche und psychische Verfasstheit, Migrations- und/oder Rassismuserfahrung).

 

2. Ziel:

Bis Ende 2019 sind regelmäßige Vernetzungsveranstaltungen für Trägerorganisationen sowie Bildnerinnen und Bildner der BNE und der inklusiven sowie intersektionalen Pädagogik durch Verbände, Bildungseinrichtungen, Stiftungen und/oder Interessenvertretungen etabliert. Die Ansätze, Konzepte und Wirkungsräume des non-formalen und informellen Lernens sowie der (internationalen) Jugendbildungsarbeit bieten eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten, um Inklusion strukturell, inhaltlich und methodisch in der BNE zu verankern.

Maßnahme:

  • Methoden und Ansätze der BNE werden mit Expertinnen und Experten der intersektionalen Pädagogik kritisch beleuchtet und überarbeitet. Auf diese
    Weise wird
    • der Kreis der BNE-Fachleute um Expertinnen und Experten für Inklusion und Intersektionalität erweitert,
    • das Kompendium an Formaten und Methoden der BNE relevant erweitert und nutzbar und
    • für die Notwendigkeit von Empowerment-Trainings sensibilisiert.

 

3. Ziel:

Bis 2019 wurden mit mindestens 80 der momentan aktiven BNE-Akteurinnen und Akteure und Fachleuten Angebote zur Sensibilisierung und Qualifizierung bzw. zum Empowerment durch Verbände, Bildungseinrichtungen, Stiftungen und/oder Interessenvertretungen umgesetzt.

Maßnahme:

  • Es werden Angebote und Informationen sowohl zu Qualifizierungs- als auch Empowerment-Maßnahmen (inklusive Anti-Rassismus-Trainings und Empowerment für Menschen, die Rassismus erfahren) entwickelt.

 

4. Ziel:

Bis Ende 2019 sind vier grundlegende Maßnahmen zur strukturellen Verankerung einer inklusiven Perspektive im non-formalen und informellen Lernen in der BNE umgesetzt: Die staatlichen Strukturen des WAP in Deutschland prüfen die Unterstützung durch eine wissenschaftliche Evaluation (s. Ziele 2 und 3) sowie die Etablierung neuer Förder- und Gestaltungskriterien.

Maßnahmen:

  • Regelmäßige Evaluationen der BNE-Angebote im non-formalen und informellen Lernen durch interdisziplinär zusammengesetzte Teams bereichern und qualifizieren den jährlichen Fachaustausch zwischen Bildnerinnen und Bildnern, Praktikerinnen und Praktikern der BNE sowie der inklusiven, intersektionalen Pädagogik.
  • Eine trägerübergreifende Erarbeitung innovativer Förder- und Gestaltungskriterien für BNE-Projekte und -Angebote senken die Zugangsbarrieren und erhöhen die Transparenz von Entscheidungsstrukturen. Dadurch entstehen erweiterte Entwicklungsräume für Projekte (Rahmenbedingungen, Angebote, Maßnahmen etc.), zu denen alle Lernenden und/oder ihre Repräsentantinnen und Repräsentanten verantwortlich einen Beitrag leisten. Es wird geprüft, inwieweit eine Kommunikationsstrategie, die die aktive Ansprache bislang nicht erreichter Zielgruppen in den Fokus nimmt, entwickelt werden kann.

 

5. Ziel:

Bis Ende 2018 werden von der Nationalen Plattform Gespräche begonnen, um die Kategorie „Inklusion“ im Auszeichnungsprogramm des Nachfolgeprogramms des WAP zu verankern.

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III. Stärkung und Anerkennung von Change Agents und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Laut SDG 4.7 soll bis 2030 sichergestellt werden, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es eine Stärkung und Anerkennung von Change Agents und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Change Agents sind Personen, die sich am Leitbild nachhaltiger Entwicklung orientieren, als Promotorinnen und Promotoren sozialer Innovationen auftreten, neue Anreize schaffen und anderen Impulse für die Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung geben. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind Personen, die die Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, um sie anschließend an Lehrende und Lernende weiterzuvermitteln.

Das Feld der Change Agents und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der BNE der non-formalen und informellen Bildung ist sehr heterogen. Bildungsreferentinnen und Bildungsreferenten aus Verbänden und Vereinen gehören genauso dazu wie freiberufliche Kräfte, die Bildungsprojekte initiieren, Studierendeninitiativen, die ihre Hochschulen und Kommunen verändern, oder junge Menschen, die ehrenamtlich Jugendgruppen anleiten. Transformation funktioniert nicht ohne sie. Um sie in ihrer Arbeit zu stärken und zu fördern sowie kontinuierlich neue Engagierte zu gewinnen, braucht es Anerkennung, Qualifizierung und Wertschätzung sowie Anreiz- und Finanzierungsstrukturen. Bis Ende 2030 sollen kontinuierlich und dauerhaft freiwillig Engagierte sowie Freiberufler und Angestellte gewonnen werden, die mit ihren Programmen und Projekten als Change Agents und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur Umsetzung des SDG 4.7 beitragen. Hierfür sind bis Ende 2030 Strukturen zur Qualifizierung und Wertschätzung etabliert.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Bis 2019 sind für die Umsetzung des SDG 4.7 geeignete bundes- und landesweite Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogramme von den zivilgesellschaftlichen Akteuren der non-formalen, informellen Bildung (Umweltverbände, Jugendverbände, nachhaltigkeitsbezogene Netzwerke etc.) identifiziert und mithilfe der Deutschen UNESCO-Kommission sichtbar gemacht. Bis 2030 sind die Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogramme weiterentwickelt und verstetigt. Die Länder prüfen, inwieweit BNE-Koordinierungsstellen zur Unterstützung, Vernetzung und Verstetigung der Aus-, Fort- und Weiterbildungen eingerichtet werden können.

Maßnahmen:

  • Bis 2019 ist eine Plattform eingerichtet (z.B. auf dem BNE-Portal), auf der sich bundes- und landesweite BNE-Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogramme vorstellen. Diese geben indikatorengestützt eine in vorbildlicher Weise vermittelte BNE wieder. Die Programme haben die Inhalte der SDGs wie zum Beispiel die Vielfalt zivilgesellschaftlicher Bewegungen, die Bedeutung der planetaren Grenzen, machtkritische Positionen, den Poswachstumsdiskurs und die Partizipation junger Menschen zum Gegenstand.
  • Es wird geprüft, wie bis 2019 bundes- und landesweite Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogramme identifiziert werden können, in die eine Integration von Themen, Inhalten, Formaten und Methoden von BNE eingebunden werden sollen.
  • Es wird geprüft, wie bis 2019 ein Konzept zur Integration von innovativen/aktuellen Inhalten und Methoden von BNE (z.B. Partizipation, Freiräume schaffen, Narrative) in vorhandene Programme für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren auf Bundes- und Landesebene ausgearbeitet und bis 2030 umgesetzt werden kann. Dabei wird bei der Gewinnung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren auf Heterogenität und Diversität hingewirkt. Fortbildungen mit „Peer-to-Peer“-Ansatz sollten hierbei eine besondere Beachtung finden.
  • Es wird geprüft, ob und wie bis 2019 ein bundesweites Qualifizierungsprogramm erstellt werden kann, in dem bis 2030 jährlich 30 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet werden.
  • Die Länder sollten bis 2019 prüfen, ob mindestens eine BNE-Koordinierungsstelle als Unterstützungsstruktur für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren identifiziert und ein Finanzierungskonzept für ihren Unterhalt entwickelt werden kann (siehe auch Handlungsfeld VII, Ziel 3). Je nach Größe und Einwohnerzahl der Länder sollte geprüft werden, ob diesen BNE-Koordinierungsstellen ein bis fünf Promotorinnen und Promotoren zugeordnet werden können. Diese sollten bis spätestens 2030 ihre Arbeit aufgenommen haben: Sie bewerten Förderungsbedarf für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, führen Maßnahmen zum Erfahrungsaustausch und Fortbildungen durch. Themen sind u.a. Kooperation mit formaler Bildung (Schule, Hochschule), Qualitätssicherung/Qualitätsentwicklung, Marketing, Akquise von (Sponsoring-)Mitteln und innovative Prozesse einer BNE.

 

2. Ziel:

Bis 2030 werden durch die Weiterentwicklung bundes- und landesweiter Programme, wie zum Beispiel des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) oder der Juleica-Fortbildungen, kontinuierlich insbesondere junge, engagierte Menschen, die beispielsweise ehrenamtlich Jugendgruppen leiten oder in Studierendeninitiativen maßgeblich ihre Hochschulen und Kommunen transformieren, von zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren der non-formalen, informellen Bildung als Change Agents und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der BNE gewonnen und gestärkt. Zur Anerkennung ihres Engagements wird von den für Bildung und/oder Jugend zuständigen Ministerien der Länder geprüft, wie BNE Bestandteil bestehender Engagementpässe werden kann.

Maßnahme:

  • Bis 2019 sind bundes- und landesweite Programme für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren identifiziert, die Themen, Inhalte, Formate und Methoden von BNE stärker als bisher einbinden sollen. Es wird geprüft, wie ein Konzept zur Integration von Inhalt und Methoden von BNE in vorhandene Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenprogramme für Jugendliche, Jugendeinrichtungen und -verbände auf Bundes- und Landesebene (FÖJ-Programme, BFD, Juleica) ausgearbeitet und bis 2030 in zehn dieser Programme umgesetzt werden kann.

 

3. Ziel:

Für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Change Agents der non-formalen und informellen BNE ist bis Ende 2019 von der Deutschen UNESCO-Kommission und dem BMBF in Abstimmung mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren der non-formalen und informellen Bildung zu prüfen, inwieweit Auszeichnungs- und Zertifizierungskonzepte für eine umfassende Anerkennungs- und Wertschätzungskultur bis 2030 entwickelt und implementiert werden können.

Maßnahmen:

  • Bis 2019 prüfen BMBF und die Deutsche UNESCO-Kommission, ob die Auszeichnungen um die Kategorie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Change Agents erweitert, an 20 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Change Agents vergeben, bis 2030 verstetigt und jeweils mit 2.000 € dotiert werden können.
  • Es wird geprüft, wie bis 2019 ein Konzept für die bundesweite Zertifizierung von Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenleistungen erarbeitet werden kann. Bis 2030 erwerben jährlich 50 Personen das Zertifikat.

 

4. Ziel:

Bis Ende 2019 werden Gespräche zu tragfähigen Finanzierungsmodellen und -instrumenten sowohl für die Entwicklung und Verbreitung geeigneter Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogramme als auch für die Arbeit der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mit den zuständigen Stellen begonnen.

Maßnahmen:

  • Bis 2019 prüfen Bund und Länder, ob sie Finanzierungsstrukturen entwickeln, die die Teilnahme an Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenprogrammen als Positivkriterium für die Bewilligung von Landes- und Bundesfördermitteln benennen (siehe auch Handlungsfeld VII, Ziel 3).
  • Bis 2019 prüfen die Länder gemeinsam mit dem Bund, ob ein Konzept für die Förderung von Capacity-Building-Angeboten (z.B. Sommerakademien, Konzeptwerkstätten, Wandercoachings, Workshops für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren) und virtuellen Kollaborationsplattformen in bestehende Förderrichtlinien integriert werden kann. Hierbei sollte ebenfalls geprüft werden, ob ein institutionalisierter Dialog, in dem ein Austausch über Landes- und Bundesinitiativen stattfindet, etabliert werden kann (siehe auch Handlungsfeld VII, Ziel 3).
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IV. Ausbau von Bildungslandschaften mit dem Fokus auf BNE

Bildungslandschaften haben das Ziel, formale, non-formale und informelle Lern- und Bildungsangebote auf unterschiedlichen Ebenen zusammenzubringen. Bildungslandschaften, die BNE einbeziehen, wollen darüber hinaus entlang der individuellen Bildungsbiografien einen Beitrag leisten zu gesellschaftlicher Transformation im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Sie sind ein offener und durchlässiger Bildungsraum, in dem entlang aller verfügbaren Bildungsanlässe der Erwerb von Kompetenzen ermöglicht wird, die für ein gutes, selbstbestimmtes Leben sowie die Teilhabe an gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung benötigt werden.

Bildungslandschaften, die BNE fokussieren, setzen auf dauerhafte Kooperation und Vernetzung. Sie bringen die formalen Bildungsinstitutionen (Kita, Schule, Hochschule, Aus- und Weiterbildung) mit anderen Lernorten und Anbietern von Bildungsinhalten aus Wirtschaft, Kommunen, zivilgesellschaftlichen Institutionen und privaten Initiativen zusammen. Als Anhaltspunkte für ein gemeinsames praktisches Verständnis von BNE können die Erfurter Kriterien dienen.

Bildungslandschaften, die BNE fokussieren, leisten einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit und ermöglichen ein lebenslanges Lernen. Daher sollen die bestehenden Strukturen auf allen Ebenen gestärkt, ausgebaut und mit innovativen Organisationsformen dauerhaft etabliert werden.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Bis Ende 2019 ist ein Leitfaden für die Ausgestaltung von Bildungslandschaften mit BNE-Fokus entwickelt und von der Nationalen Plattform verabschiedet. In diesem sind entlang einer Bildungsbiografie Lernorte und Inhalte zusammengestellt, die eine systematische, handlungsorientierte Einbeziehung außerschulischer Lernorte in die frühkindliche und schulische Bildung aufzeigen.

Maßnahmen:

  • Es wird geprüft, ob länder- bzw. kommunenspezifische Kooperations- bzw. Rahmenvereinbarungen mit Bildungslandschaften geschlossen werden können.
  • Es wird geprüft, ob verlässliche Finanzierungsstrukturen für die Integration außerschulischer Bildungsaktivitäten lokaler und regionaler BNE-Bildungsakteure in Bildungslandschaften etabliert werden können.
  • Es wird geprüft, ob kommunale bzw. regionale BNE-Koordinierungsstellen eingerichtet werden können. Diese könnten die Aufgabe haben,
    – Bildungslandschaften für nachhaltige Entwicklung zu stärken,
    – bestehende Netzwerke zu pflegen und auszubauen
    sowie
    – ggf. neue Netzwerke zu etablieren, um so den Austausch von kommunalen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren und die Einbeziehung ihrer Bildungsangebote in die Bildungslandschaft zu ermöglichen.
  • Es wird geprüft, ob die Netzwerkarbeit zwischen den unterschiedlichen Partnerinnen und Partnern innerhalb der Bildungslandschaften durch spezifische BNE-Förderprogramme unterstützt werden kann.
  • Es wird ein Leitfaden entwickelt, in dem entlang einer Bildungsbiografie Lernorte und Inhalte für die systematische, handlungsorientierte Einbeziehung außerschulischer Lernorte in die frühkindliche und schulische Bildung zusammengestellt sind.
  • Es wird geprüft, ob Wettbewerbe, Zertifizierungen und Preise für BNE-Bildungslandschaften ausgeschrieben oder bestehende Wettbewerbe erweitert werden können.
  • Good-Practice-Beispiele werden erfasst und verbreitet.

 

2. Ziel:

Bis 2030 ist dieser Leitfaden auf die gesamte Lernbiografie im Sinne des lebenslangen Lernens ausgeweitet, als Querschnittsthema in die Hoch- und Fachschulausbildung sowie die Erwachsenenbildung integriert und in allen Ländern umgesetzt.

Maßnahmen: 

  • Es werden neue Arbeitsgruppen aus Mitgliedern des Fachforums Non-formales und informelles Lernen/Jugend mit den Fachforen Hochschule und Berufliche Bildung zur Ausweitung des Orientierungsrahmens und dessen Einbeziehung in die Hochschulausbildung eingerichtet.
  • Es wird geprüft, ob Fachreferentinnen und Fachreferenten für BNE-Bildungslandschaften in zuständigen Behörden und Institutionen der verschiedenen Ebenen eingesetzt werden können.
  • Es wird geprüft, ob bund- und länderspezifische Kooperations- bzw. Rahmenvereinbarungen zur Förderung von Bildungslandschaften entlang der Bildungskette und der Bildungsbiografie ermöglicht werden können.
  • Es wird geprüft, wie Akteurinnen und Akteure bestehender und erfolgreicher BNE-Bildungslandschaften in die strukturelle und inhaltliche Weiterentwicklung von Forschung, Ausbildung und Praxis eingebunden werden können (zum Beispiel im Rahmen einer Nationalen Plattform für Bildungslandschaften, siehe Ziel 5).

 

3. Ziel:

Es wird bis Ende 2019 geprüft, wie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für BNE-Managementstrukturen von Bildungslandschaften gestärkt werden können.

Maßnahmen:

  • Es werden Inhalte eines Ausbildungs- und Multiplikatorenprogramms für Bildungslandschaftsmanagement erarbeitet.
  • Es wird geprüft, ob ein Pilotprojekt zur Praktikabilitätsprüfung der spezifischen Themen des Fachforums Non-formales und informelles Lernen/Jugend (Narrative, Inklusion und Diversität, Jugendbeteiligung usw.) in fünf Ländern umgesetzt werden kann.
  • Ausbildungs- und Multiplikatorenprogramme werden evaluiert und überprüft.
  • Es werden Lerneinheiten für die Arbeitsplattform in Form von digitalen Handreichungen entwickelt.
  • Die Länder prüfen, ob ein Ausbildungs- und Multiplikatorenprogramm in allen Ländern (zum Beispiel über bestehende Service-Agenturen) angeboten wird.
  • Es wird geprüft, wie verlässliche Finanzierungsstrukturen für eine regional organisierte Umsetzung des Multiplikatorenprogramms etabliert werden können.

 

4. Ziel:

Bis Ende 2019 ist eine bundesweite Plattform für den regelmäßigen fachlichen Austausch, die Qualitätssicherung und die konzeptionelle Weiterentwicklung der Bildungslandschaften mit BNE-Fokus geschaffen.

Maßnahme:

  • Es wird geprüft, ob ein nationales Koordinierungsbüro (inhaltliche und operative Steuerung aller Maßnahmen und der Evaluation) eingerichtet werden kann.

 

5. Ziel:

Bis 2030 ist ein vergleichbares internationales Austauschforum geschaffen.

Maßnahmen:

  • Jährlich finden wechselnde Themenkooperationen mit internationalen Bildungslandschaften statt.
  • Vertreterinnen und Vertreter sowie Leitende von BNE-Bildungslandschaften aus dem Bereich des non-formalen, informellen Lernens/Jugend nehmen regelmäßig an internationalen Bildungskonferenzen (UN, UNESCO, OECD etc.) teil.

 

6. Ziel:

Es wird angestrebt, ab 2017 bundesweit 150 lokale bzw. regionale Bildungslandschaften mit BNE-Fokus zu stärken. Für ein mögliches Nachfolgeprogramm des UNESCO-Weltaktionsprogramms BNE (WAP) ist zu prüfen, wie ein Wettbewerb zur Auszeichnung von Bildungslandschaften mit Bezug zu BNE etabliert und substanziell mit Preisgeldern ausgestattet werden kann.

Maßnahme:

  • Das Ausbildungs- und Multiplikatorenprogramm wird zu einer virtuellen BNE-Bildungslandschaftsakademie ausgebaut.
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V. Bilder und Erzählungen (Narrative) der Transformation entwickeln

In ihren Bildern und Narrativen zeigt sich die Kultur einer Gesellschaft. Sie prägen das individuelle und kollektive Handeln und sind Grundlage informeller Bildungsprozesse. Die Transformation unserer Gesellschaft braucht neue Narrative, um Zukunftsbilder und Vorstellungswelten zu erarbeiten, auf die BNE gerichtet ist. So können bestehende Handlungsmuster verändert und neue Wege eines veränderten nachhaltigen Handelns eröffnet werden. Kraftvolle Bilder und Erzählungen tragen maßgeblich dazu bei, die Wirkungspotenziale von BNE für die Transformation der Gesellschaft zu entfalten.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Bilder und Narrative sind bei dem überwiegenden Teil der BNE-Akteurinnen und -Akteure bis Ende 2019 zu einer grundsätzlichen Dimension von Nachhaltigkeit geworden. Mit Bildern und Narrativen der Transformation sind neue Vorstellungswelten geschaffen, die sich aus einer möglichen Zukunft ableiten und Anlass für ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Handeln sind.

Maßnahmen:

  • Die Einbeziehung dieser kulturellen Dimension der BNE wird in Ausschreibungen und Auszeichnungen zu allen BNE-relevanten Themen entscheidungswirksam.
  • Die auf Rationalität und Fakten basierten Diskurse werden von BNE-Akteurinnen und -Akteuren durch auf Emotionalität und Intuition ausgerichtete Bilder und Narrative bereichert. So entfalten sie größere Wirksamkeit.
  • Bilder und Narrative sind Grundlage des informellen Lernens. Es ist zu prüfen, wie die Bewertung und Bilanzierung informell erworbener Kompetenzen im Zusammenhang mit dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) berücksichtigt werden können.
  • Bis 2018 sind über eine internationale Literatur- und Internetstudie das bestehende Wissen und die vorhandenen Erfahrungen zur Erzeugung und Ver- bzw. Übermittlung von Bildern und Narrativen durch Medien zusammengetragen und für die BNE aufgeschlossen. In 2019 sind die Ergebnisse in einem Handbuch gesammelt.
  • Medienkommunikation wird als substanzielle Kulturtechnik und als wesentliches (potenzielles) Handlungsfeld für nachhaltige Entwicklung/ Transformation/Klimakultur angesehen. In einem Forschungsfeld wird untersucht, wie transmediale und transdisziplinäre Kommunikation zu einem wichtigen Teil von BNE wird. Die Ergebnisse sollten in entsprechende Qualifizierungsangebote aufgenommen werden.

 

2. Ziel:

Bis Ende 2019 sind für BNE neue Akteurinnen und Akteure – insbesondere aus dem künstlerischen, kulturellen und dem Bereich der Medien – gewonnen und als unverzichtbare Stakeholder eingebunden. Diese gestalten die Bilder und Narrative der Transformation mit, unterstützen deren Verbreitung und nutzen Bilder und Narrative zur Vernetzung mit anderen Bildungsbereichen des informellen Lernens.

Maßnahmen:

  • Bilder und Narrative werden als Brücke genutzt, um Verbindungen zu anderen Bildungsbereichen des non-formalen und informellen Lernens wie auch zu anderen Politikfeldern aufzubauen, zum Beispiel zur Initiative Ästhetik und Nachhaltigkeit, zum Bundesverband Innovative Bildungsprogramme oder dem Bundesverband Kulturelle Bildung.
  • Orte, die im Schnittbereich von Ästhetik, Medien und kultureller Teilhabe (zum Beispiel Bibliotheken) arbeiten, werden identifiziert, eingebunden und für die BNE genutzt.

 

3. Ziel:

Bis Ende 2019 sind die innovativen und gestaltenden Wirkungspotenziale von Bildern und Narrativen für BNE durch Praktikerinnen und Praktiker sowie die Wissenschaft untersucht, erprobt und anerkannt. Bestehende Wirkungslogiken und Indikatorensysteme der BNE sind um diese Wirkungspotenziale informeller Bildungsprozesse erweitert.

Maßnahmen:

  • Wirkungsformen und -zusammenhänge werden von Expertinnen und Experten der Wirkungsmessung gemeinsam mit Praktikerinnen und Praktikern analysiert und nutzbar gemacht.
  • Die Wirkungsformen und -zusammenhänge werden an bestehende Indikatorensysteme und Wirkungslogiken von BNE angebunden.
  • Zur Wirkung von Bildern und Narrativen werden Beratungs- und Vernetzungsangebote entwickelt und für die BNE-Akteurinnen und -Akteure bereitgestellt.

 

4. Ziel:

Bis Ende 2019 haben die BNE-Akteurinnen und -Akteure Kompetenzen entwickelt, um die Potenziale der digitalen Kommunikationsmedien von Bildern und Narrativen kritisch zu nutzen. Es bestehen ausreichend Beratungs- und Qualifizierungsangebote.

Maßnahmen:

  • Es werden Beratungs- und Qualifizierungsangebote für BNE-Akteurinnen und -Akteure zu den Chancen und Risiken der digitalen Kommunikationsmedien entwickelt. Die BNE-Akteurinnen und -Akteure werden durch Aneignung und Vermittlung von Medienkompetenz in die Lage versetzt, Formen, Inhalte und Hintergründe nachhaltigkeitsrelevanter Medienkommunikation (sowohl in den herkömmlichen publizistischen Medien als auch in den sozialen Online-Medien und -Plattformen) zu erkennen, zu beurteilen und zu nutzen. Sie beteiligen sich an Mediendiskursen, um Anliegen, Inhalte und Aktionen der BNE in unterschiedliche Kommunikationsmedien einzubringen.
  • In vom BMBF und anderen Ministerien geförderten Veranstaltungen und Projekten zur digitalen Bildung (z.B. re:publica, Digitale Transformation) wird geprüft, wie BNE als wichtiges Handlungsfeld integriert werden kann.
  • Es wird eine Konferenzreihe zu Fragen der Narration im Kontext von Nachhaltigkeitskommunikation eingerichtet, die vor allem an Journalistinnen und Journalisten, Wissenschaftskommunikatorinnen und Wissenschaftskommunikatoren, Öffentlichkeitsarbeiterinnen und Öffentlichkeitsarbeiter von Vereinen, Verbänden und Unternehmen gerichtet ist.
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VI. Freiräume schaffen

Ausreichende Freiräume in Bildungsprozessen bieten Jugendlichen die Chance für Selbsterfahrungen. Freiräume ermöglichen ihnen, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, kreative Lösungen zu erarbeiten und gestalterisch Einfluss zu nehmen.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Bis Ende 2019 sind Entscheiderinnen und Entscheider in formalen und non-formalen Bildungsstrukturen für die Potenziale von Freiräumen in Bezug auf die Implementierung von BNE durch die entsprechenden methodisch-didaktischen Fortbildungen qualifiziert.

Maßnahmen:

  • Die Notwendigkeit der Schaffung von Freiräumen wird strukturell (in der Organisationsstruktur) verankert und über unterschiedliche Kommunikationswege in die jeweilige Organisation und über Qualifizierungsangebote von Entscheiderinnen und Entscheidern weitergeleitet und bekannt gemacht.
  • Die Schaffung von Freiräumen wird mithilfe pädagogischer Instrumente aufbereitet und legt sich in einem pädagogischen Konzept mit entsprechenden Maßnahmen und Methoden nieder.
  • Die spezifisch ausgebildeten Fachkräfte verfügen über pädagogische Kompetenzen, werden in Bezug auf die Schaffung von Freiräumen methodisch- didaktisch geschult und setzen sie in konkreten Maßnahmen um.
  • Die Notwendigkeit, „Freiräume zu schaffen“, findet sich im Leitbild oder dem pädagogischen Konzept oder den Bildungszielen oder dem Bildungsverständnis einer Organisation wieder. Es wird auf die Potenziale von Freiräumen hingewiesen.
  • Es wird geprüft, wie Aus-/Fort- und/oder Weiterbildungen von Entscheiderinnen und Entscheidern in Bezug auf die methodisch-didaktische Schaffung von Freiräumen angeboten und durchgeführt werden können.
  • Die Potenziale von „Freiräumen“ sind durch wissenschaftliche Erkenntnisse erwiesen.

 

2. Ziel:

Durch Freiräume sollen bis 2019 Teilhabe und Mitbestimmung durch Verbände, Bildungseinrichtungen, Stiftungen und/oder Interessenvertretungen bei Jugendlichen gestärkt werden.

Maßnahmen:

  • Die Gewährung von ausreichenden (Gestaltungs-)Freiräumen bzw. informeller Lernarrangements fördert die Selbstreflexion und bietet vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv und gestaltend mit anderen Menschen, mit der Natur bzw. Kultur auseinanderzusetzen.
  • Überformalisierte Strukturen sollen gelockert werden, da diese durch zu enge Vorgaben wie ein „Korsett“ der Selbstentfaltung eines Einzelnen im Weg stehen.
  • Es stehen ausreichend Freiräume für die Ausbildung von Gestaltungskompetenzen zur Verfügung, die Partizipation, selbstständiges Lernen und kreatives Gestalten ermöglichen.
  • In allen Bildungseinrichtungen wird ein Verständnis dafür geschaffen, dass Freiräume ein zentrales Element in der Bildung und für die Persönlichkeitsentwicklung sind. Es soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass zum Beispiel Jugendarbeit in Bezug auf BNE nicht für, sondern mit Jugendlichen gestaltet wird. Die Mitbestimmung und Mitgestaltung wird nur über die Schaffung von „Freiräumen“ möglich. Raum und Zeit sind notwendig, um Selbstgestaltungs- und Selbstorganisationsmöglichkeiten zu bieten.

 

3. Ziel:

In allen Bildungssettings sind Lehr- und Lernprozesse bis 2030 entformalisiert und strukturell verankerte „Freiräumedurch Verbände, Bildungseinrichtungen, Stiftungen und/oder Interessenvertretungen ausgeweitet. Gestaltungskompetenzen sind über die Schaffung von „Freiräumen“ gefördert.

Maßnahmen:

  • Unverzweckte „Freiräume“ sind strukturell zu verankern. Sie tragen zu einem Anstieg des gesellschaftlichen, politischen oder freiwilligen ehrenamtlichen Engagements bei. Dieses Engagement ist essenziell für die Teilhabe und Gestaltung von Zukunftsfragen.
  • Bei sämtlichen Lernprozessen sind ausreichend „Freiräume" gegeben, in denen eigenständig Themen und Inhalte erarbeitet werden.

 

4. Ziel:

Bis 2030 sind durch Entscheiderinnen und Entscheider in formalen Bildungsstrukturen freie Lerngelegenheiten zu schaffen, um Selbstwirksamkeit bei Jugendlichen zu fördern und bei der Auswahl und Gestaltung von Zukunftsfragen teilhaben zu können. Freiräume in den formalen Bildungsstrukturen sind zeitlich fest verankert, sollen jedoch dem selbst gewählten Lernen und Erfahren der Jugendlichen dienen.

Maßnahmen:

  • Ausreichende Freiräume im pädagogischen Prozess bieten die Chance auf Selbsterfahrungen und ermöglichen, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, kreative Lösungen zu erarbeiten und gestalterisch Einfluss zu nehmen.
  • Entsprechende Aktivitäten und Projekte gelingen erst durch die Partizipation der Zielgruppe. Zu beachten sind dabei die Handlungs- und Lebensweltorientierung, ein attraktives (Lern-)Umfeld bzw. anregende Lerngelegenheiten sowie entsprechende Methoden.
  • Neben der Vermittlung von Wissen stehen das aktive Erleben und Handeln sowie die konkrete Selbsterfahrung im Mittelpunkt.
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VII. Tragfähige Finanzierungsmodelle und -instrumente entwickeln

Zur strukturellen Verstetigung und Weiterentwicklung werden Unterstützungssysteme benötigt, die den Prozess vom Projekt zur Struktur begleiten. Dies soll durch längerfristige, themen- und sektorenübergreifende Förderinstrumente gesichert werden. Bestehende BNE-Förderung soll geprüft und weiterentwickelt werden.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Bis zum Ende des WAP sind Qualitätskriterien für den non-formalen und informellen Bereich ausreichend definiert, vereinheitlicht und akzeptiert, um Förderinstrumente daran auszurichten.

Maßnahme:

  • In einer Studie werden bis Ende 2018 diese Qualitätskriterien ermittelt. Grundlage sind u.a. die Kriterien der bestehenden Landesförderungen (z.B. der „NUN“-Länder) und die Auszeichnungskriterien der Deutschen UNESCO-Kommission für Lernorte/Netzwerke/Kommunen sowohl im WAP als auch der Dekade.

 

2. Ziel:

Ab 2017 tauschen sich die finanzierenden Institutionen (Kommunen, Länder, Bund, Stiftungen, Wirtschaft etc.) in der Nationalen Plattform BNE und den dazugehörenden Gremien zu einer sinnvollen Aufgabenverteilung hinsichtlich der Bereitstellung von Ressourcen für die non-formale und informelle BNE aus. Die Transparenz in diesem Bereich soll sichergestellt werden.

Maßnahmen:

  • Eine Entwicklung von Förderrichtlinien für den außerschulischen Bereich von BNE entlang der unter Ziel 1 entwickelten Qualitätskriterien wird geprüft.
  • Die Etablierung einer Struktur der Förderinstitutionen durch
    • eine Agentur zur BNE-Vernetzung und zur Vernetzung der Geldgeber,
    • die Analyse der Akteure und die Erarbeitung von Konzepten zur Förderung außerschulischer, nonformaler, informeller BNE

          wird geprüft.

 

3. Ziel:

Bis zum Ende des WAP 2019 sind Unterstützungssysteme entwickelt, die es qualitativ hochwertiger BNE im non-formalen und informellen Bereich ermöglichen, vom Projekt zur Struktur zu gelangen.

Maßnahmen:

  • Es wird geprüft, wie strukturbildende Maßnahmen im non-formalen und informellen Bereich gefördert werden können durch
    • den Transfer guter Projekte in die Breite und durch die Wiederholung an anderen Orten – die Etablierung der Förderung guter Projekte auf längere Zeit (5–10 Jahre) bis 2019,
    • niedrigschwellige (Mikro-)Finanzierung zur Strukturbildung, zum Beispiel für junge Menschen (siehe Stiftungen und Jugendklimarat Bremerhaven/Nachhaltigkeitsräte Hessen) (siehe auch Handlungsfeld I, Ziel 5),
    • partielle personelle und monetäre Budgetierungen für Einrichtungen des non-formalen, informellen Lernens als Partner von Einrichtungen des formalen Lernens in der Bildungslandschaft (nach Vorbild RUZ Niedersachen für BNE, Biologische Stationen in NRW als Vermittler für Naturschutz zwischen Staat und Verbänden, Honorare für Beratung von Schulen durch Umweltzentren beispielsweise Hessen etc.),
    • Integration von Bildungsaktivitäten in Nachhaltigkeitsprogramme und -maßnahmen mit entsprechender Budgetierung.
  • Einrichtung von Unterstützungsstellen
    • auf kommunaler Ebene, beispielsweise als Koordinierungsstelle für Bildungslandschaften (Kooperation mit formaler Bildung),
    • es wird geprüft, wie auf Landes- und Bundesebene, analog den BMZ-Koordinatoren, Länderkoordinatoren für BNE bis 2030 ihre Arbeit aufnehmen und sich mit den RENN-Zentren vernetzen können. Aufgaben: Qualitätssicherung/ Qualitätsentwicklung, Erfahrungsaustausch und Fortbildungen in Bezug auf Akquise von (Sponsoring-)Mitteln und z.B. Kooperation mit formaler Bildung.
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