Kommunen

Kommunen sehen sich in der Zukunft großen Herausforderungen gegenüber – vom Klimawandel über Bildungsgerechtigkeit bis zu finanzieller Absicherung einer nachhaltigen Daseinsvorsorge.

Kommunen haben dabei als Schnittstelle zwischen den Bürgern und der Politik eine besondere Bedeutung, da die lokale Ebene als Gradmesser einer nachhaltigen Entwicklung verstanden werden kann.

Warum ist Bildung für nachhaltige Entwicklung in Kommunen so wichtig?

Kommunen haben eine zentrale Bedeutung für die Verwirklichung von Nachhaltigkeit. Viele zentrale Nachhaltigkeitsthemen werden lokal entschieden und/ oder wirken sich lokal aus. Beispiele sind Themen wie Mobilität, Land- und Forstwirtschaft, Energie oder sozialer Wandel.

Aufgrund der hohen Qualitätsansprüche, die Bildung für nachhaltige Entwicklung stellt, ist es eine Chance für Kommunen, sich als hochwertiger Bildungsstandort zu positionieren. Auch so genannte Bildungslandschaften, die schulische und außerschulische Angebote miteinander verbinden, eignen sich gut, um dem ganzheitlichen Ansatz von Bildung für nachhaltige Entwicklung gerecht zu werden und den Bezug zum kommunalen Raum herzustellen.

Darüber hinaus kann Bildung für nachhaltige Entwicklung dazu führen, dass eine Kommune attraktiver als Standort für Wohnen, Arbeiten und Erholung wird: Durch die Ansiedlung von Unternehmen, die sich mit zukunftsfähigen, nachhaltigen Innovationen beschäftigen beispielsweise oder auch durch entsprechende Freizeitmöglichkeiten, wie Naturreservate.

Bildung für nachhaltige Entwicklung führt außerdem zu einem Verständnis für das globale Ganze und einer weltoffenen Perspektive. Insbesondere in Zeiten des Wandels und verstärkten Integrationsherausforderungen kann dies für die soziale Kohäsion entscheidend sein.

Mutter und Tochter fahren Fahrrad auf dem Radweg.

Adobe Stock / Kara

Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung in Kommunen umgesetzt werden?

Zentral ist die Vernetzung der verschiedenen Akteure aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und schulischen und außerschulischen Lernorten. Ebenso wichtig ist es, Bürger zu beteiligen und ihnen einen Gestaltungsspielraum zu ermöglichen. So entstehen Engagement und sozialer Zusammenhalt. Bürgerbeteiligung ist selbst wiederum eine Bildungsaufgabe. Das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung zielt auf ebensolche Befähigungen ab: Kritisches Denken, Teamfähigkeit, Partizipation.

Kommunen haben die Chance, Bildung für nachhaltige Entwicklung systematisch und übergreifend zu verankern. Auch in der eigenen Verwaltung, wie beispielsweise im Bereich Personal oder Beschaffung können sie mit inspirierendem Beispiel voran gehen und Aspekte der nachhaltigen Entwicklung umsetzen. Eine ganzheitliche Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung wird zudem befördert, wenn sie in das Leitbild der Kommune integriert wird.

Anregungen zu möglichen Umsetzungen von Bildung für nachhaltige Entwicklung bieten zudem internationale Kooperationen beispielsweise mit Partnerstädten der Kommunen oder international agierenden Netzwerken.

Herausforderungen in Kommunen

Jede Kommune ist unterschiedlich und bringt eigene Potentiale und Problemlagen mit sich. Es kann daher keinen universell übertragbaren Masterplan für die Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung geben. Jede Kommune muss ihren individuellen Weg finden. Notwendig sind langfristige Entwicklungsstrategien, die künftige Problemstellungen sowie Chancen herausarbeiten und den konkreten Gegebenheiten der jeweiligen Stadt, Gemeinde oder des Landkreises entsprechen.

In jedem Fall ist die Abstimmung mit vielen, unterschiedlichen Akteuren in Kommunen nötig. Dabei gilt es die entsprechend unterschiedlichen Interessenslagen miteinander in Einklang zu bringen.

Als Träger von Bildungseinrichtungen haben Kommunen enormes Potential, ihre jeweiligen Bildungseinrichtungen zu prägen: Aktuelle Fragen sind beispielsweise, welche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen Kommunen im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung offerieren können und wie sie Bildungseinrichtungen dabei unterstützen können, Nachhaltigkeit gesamtinstitutionell zu etablieren.

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung

2015 fiel der Startschuss für das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das Folgeprogramm der Vereinten Nationen für die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Das fünfjährige Programm (2015-2019) zielte darauf ab, Bildung für nachhaltige Entwicklung vom Projekt in die Struktur zu bekommen. Dabei konzentrierte es sich vor allem auf 5 Handlungsfelder: Politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren, Stärkung und Mobilisierung der Jugend und Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.

Die Relevanz von kommunaler, regionaler und lokaler Arbeit im Bereich von Bildung für nachhaltige Entwicklung wurde auch darin deutlich, dass die Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene eines der fünf prioritären Handlungsfelder des Weltaktionsprogramms darstellte.

Zur Umsetzung des Programms in Deutschland hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Nationale Plattform eingerichtet, die im Juni 2017 einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet hat. Sie wurde unterstützt durch so genannte Fachforen, die aus Experten zu den verschiedenen Bildungsbereichen besteht.

2016 und 2017 erhielten insgesamt 15 Kommunen eine Auszeichnung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen UNESCO-Kommission, weil sie BNE besonders gelungen umsetzen.

Stadt und Windräder im Vordergrund

Adobe Stock/Martin Schlecht

Das Fachforum Kommunen

Priorisierte Handlungsfelder des Fachforums Kommunen:

Kommunalen BNE Kodex entwickeln

Möglichst viele Kommunen sollen BNE als Teil ihrer Entwicklungsstrategie anerkennen. Räte und Kreistage sowie die höchsten Repräsentanten sollen sich zur Umsetzung des WAP verpflichten.
Für eine verbindliche Verankerung von BNE in den Abläufen und der Kommunikation einer Kommune sollen ein Ratsbeschluss herbeigeführt sowie ein Aktionsplan entwickelt und verabschiedet werden. Zwecks Weiterentwicklung und Kommunikation guter Praxis bedarf es der Vernetzung der Kommunen untereinander. Um die Verstetigung von BNE zu erreichen, sollen in der Kommunalverwaltung eine eigene Stabsstelle eingerichtet und eine Ansprechperson benannt werden.

BNE-Anreize und Verstetigung für alle Kommunen

Kommunen, die BNE noch nicht in ihr Portfolio aufgenommen haben, sollen mit einer von BNE-Kommunen entwickelten Positivliste von der Notwendigkeit und Machbarkeit der Verankerung von BNE als Querschnittsaufgabe überzeugt werden. Kommunen, die BNE als Querschnittsaufgabe verankern wollen, werden durch eine Erklärung der kommunalen Spitzenverbände zu BNE bestärkt. Wenn in Stellenbeschreibungen für kommunale Beschäftigte künftig auch BNE-Kompetenzen aufgenommen werden, wird eine Verstetigung von BNE weiter gefördert.

Kompetenzentwicklung BNE in Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung

Um die verbindliche Berücksichtigung von BNE bei allen Aufgaben und Prozessen in der Kommune zu sichern, wäre BNE als Querschnittsaufgabe in allen Fachbereichen zu verankern. Ausgehend von bestehenden Kenntnissen und Fähigkeiten kommunaler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Fort- und Weiterbildungsbedarfe zu definieren. Darüber hinaus gilt es, Kriterien zu entwickeln, um die Qualität der kommunalen BNE-Arbeit selbst beobachten und beurteilen zu können.

BNE als Standortfaktor

BNE-Aktivitäten können ein Standortfaktor sein, wenn kommunale Spitzen sie sichtbar machen und bewerben. Die Sichtbarmachung beginnt bei der Verankerung von BNE als Thema in der kommunalen Berichterstattung (zum Beispiel im Bildungsbericht) und in der Benennung von BNE im Corporate Design der Kommune (zum Beispiel durch ein Logo). Auch eine Übersicht der Lernangebote, in denen Mitarbeiter der Kommunalverwaltung sich zum Thema BNE fort- und weiterbilden können bzw. Bürgerinnen und Bürger sich BNE-Wissen und -Kompetenzen aneignen können, erhöht die Sichtbarkeit und das Potenzial von BNE für einen attraktiven kommunalen Standort. Im Rahmen öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungen können besonders erfolgreiche BNE-Projekte und Aktivitäten durch Landräte beziehungsweise (Ober-) Bürgermeister gewürdigt werden.

Vernetzung und Partizipation

Vernetzung und Austausch sind wichtig, um gute Beispiele der BNE in die Breite zu tragen. Eine Bestandsaufnahme von Beispielen guter BNE-Praxis bietet Know-How, auf dem ein Austausch aufbauen kann. Ziel ist eine engere Vernetzung der Kommunen untereinander und von verschiedenen BNE-Initiativen, zivilgesellschaftlichen, politischen und administrativen Akteuren innerhalb einer Kommune. Darüber hinaus werden BNE-Maßnahmen ausgebaut, zum Beispiel Runde Tische oder Wettbewerbe. Zudem wird über verschiedene Formen die Partizipation aller Bevölkerungsgruppen an kommunalen Prozessen zur Nachhaltigkeit gefördert.

Die Arbeit des Fachforums seit Verabschiedung des Nationalen Aktionsplans

Das Fachforum Kommunen konnte erfolgreich die Kooperation mit den kommunalen Spitzenverbänden, den anderen Fachforen und dem Jugendausschuss youpaN weiterentwickeln. Auch die enge Verzahnung mit dem Partnernetzwerk Schule wurde organisiert.

Das Fachforum hat sich inhaltlich mit der Ausgestaltung eines nationalen Kompetenzteams BNE befasst und einen Forschungsauftrag zu Best Practice der BNE-Verankerung in Kommunen formuliert. Darüber hinaus wurde die Bedeutung der SDGs auf kommunaler Ebene sowie der Beitrag der Bildung zu deren Umsetzung thematisiert.

Planung bis Ende des Weltaktionsprogramms 2019

Strukturell ist vorgesehen, das BNE-Netzwerk der Kommunen auszuweiten und auch kommunalpolitische Vereinigungen, Fachausschüsse von Parteien und parteinahe Stiftungen mit einzubeziehen.

Zentrale Maßnahmen sind der Aufbau eines Kompetenzzentrums in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), den anderen Fachforen und dem youpaN sowie die Entwicklung von Qualitätskriterien für gute BNE in Kommunen.

Es wird ferner angestrebt, BNE als Standardaufgabe in lokalen und regionalen Bildungsnetzwerken (sogenannten BNE-Bildungslandschaften) und in der internationalen Kooperation von Kommunen (zum Beispiel Städtepartnerschaften) zu etablieren.

Die Partnernetzwerke im Bereich Kommunen

Die Fachforen arbeiten eng mit so genannten Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind. Die einzelnen Parnernetzwerke stellen sich auf dieser Seite genauer vor. Sie finden dort unter anderem Mitgliederlisten und Grundpositionen.

Im Bereich Kommunen sind folgende Partnernetzwerke aktiv:

Partnernetzwerk Kommunen und bildungsbereichsübergreifend Partnernetzwerke Medien, Ökonomie und Konsum, Biologische Vielfalt, Kulturelle Bildung und Kulturpolitik.

Weiterführende Informationen

Links

Akteure zum Thema "Nachhaltige Städte und Gemeinden" auf dem BNE-Portal
Akteure zum Thema "Lokale Agenda 21" auf dem BNE-Portal
Lehrmaterialien zum Thema "Nachhaltige Städte und Gemeinden" auf dem BNE-Portal
Themen-Dossier "Städte und BNE"
Webseite Wettbewerb Zukunftsstadt
UNESCO-Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms BNE [PDF | 4,8 MB]