Globaler Süden besucht Klassenzimmer

Programm Bildung trifft Entwicklung macht globalen Süden greifbar

In Deutschland haben die meisten eine Vorstellung von Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika. Auch über Begriffe wie „Globalisierung“ oder Themen wie Flucht und Vertreibung sprechen hierzulande Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Meinungen. Aber was hat das alles mit unserem Alltag zu tun? Welchen Einfluss haben unsere Entscheidungen auf das Leben von Menschen im globalen Süden und wie beeinflussen deren Entscheidungen umgekehrt das Leben in Deutschland?

Das Programm Bildung trifft Entwicklung (BtE) vermittelt Fachkräfte aus der Entwicklungszusammenarbeit, Ehemalige aus Entwicklungs-Freiwilligendiensten und Menschen aus dem globalen Süden an inner- und außerschulische deutsche Bildungsstätten, um diese Fragen zu beantworten. Die Referierenden sollen bei ihren Besuchen ein lebensnahes, differenziertes Bild des Globalen Südens vermitteln. Dies soll Interesse wecken, Vorurteile abbauen und die weltweiten Beziehungen gerechter machen.

Die Referierenden unterstützen Lehrkräfte bei Unterrichtseinheiten, Projekttagen und –wochen, schulischen Nachmittagsangeboten, Ferienprogrammen, Seminaren und Fortbildungen. Die Angebote werden individuell für die jeweilige Zielgruppe gestaltet. Interessierte finden passende Referierende über eine Online-Suchmaske, in der sie nach Land und Kontinent, Themen sowie Zielgruppen filtern können. BtE-Material für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit erleichtert die Vorbereitung. BtE übernimmt die Honorare und Fahrtkosten der Referierenden, ein Besuch kostet je nach Veranstaltungsdauer zwischen 15 und 50 Euro am Tag.

Referierende berichten über Genozid und Plastiktüten in Ruanda oder philippinische Korallenriffe

Wie die Besuche in der Praxis aussehen, veranschaulichen zwei Besuche an der Mannlich-Realschule Plus in Zweibrücken und am Franz-Haniel-Gymnasium in Duisburg.

16 Schülerinnen und Schüler aus Zweibrücken bereiteten sich gemeinsam mit den Referierenden Nina Alff und Rudolf Fischer auf ihren Austausch mit dem Centre Scolaire Vumbi in Ruanda vor. Sie kochten nach ruandischen Rezepten und lernten, dass Ruanda ein „Vorzeigeland der Entwicklung“ mit einer schwierigen Vergangenheit ist. Viele Schüler waren erstaunt, dass Plastiktüten in dem afrikanischen Land verboten sind und es in den vielen Bussen der Hauptstadt Kigali freies W-LAN gibt.

Am Beispiel des ruandischen Völkermordes ergründete Rudolf Fischer mit der Schulklasse, welche verheerende Macht Medien und Rassismus haben können. Außerdem wurde ihnen klar, dass Geflüchtete keineswegs nur nach Europa kommen, sondern Länder wie Ruanda ebenfalls viele Menschen aus Burundi oder Kongo aufnehmen, die zu Hause um ihr Leben fürchten müssen.

Der Geobotaniker Wilfried Gebhardt brachte der Klasse 8 des Franz-Haniel Gymnasiums Bilder von philippinischen Korallenriefen und Taifun-Schäden mit und zeigte Menschen, die in Manila in und vom Müll leben. Er berichtete außerdem von einer Kooperative, die eine Insel gekauft hat, um dort schonenden Tourismus zu betreiben. Den Gewinn aus Tourismus investieren die Engagierten, um die Kinder der heimischen Tauchlehrer auszubilden.

Netzwerk von acht Bildungsstellen ermöglicht den Austausch

Acht regionale Bildungsstellen aus ganz Deutschland führen Bildung trifft Entwicklung seit 2003 durch. Diese sind angesiedelt in Reutlingen, Göttingen, Jena, Münster, Berlin, Augsburg, Kiel und Bonn.