Deutsche offen für Wandel zur nachhaltigen Gesellschaft

Von einer nachhaltigen Entwicklung versprechen sich die Deutschen mehr Gesundheit für den Menschen, eine Zunahme von Lebensqualität, mehr Naturverbundenheit und einen höheren Gemeinschaftssinn. Zu diesem Ergebnis kommt die Umweltbewusstseinsstudie 2016.

Für die überwiegende Mehrheit der rund 4.000 Menschen, die  an der Umweltbewusstseinsstudie 2016 teilnahmen, ist ein ‚Weiter so!‘ keine Lösung, um die natürlichen Lebensgrundlagen in Deutschland und weltweit zu erhalten – so das Fazit der vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt beauftragten Studie. 81 Prozent der Befragten befürworteten beispielsweise die Aussage „Wir können unsere  Umweltprobleme nur dadurch lösen, dass wir unsere Wirtschafts- und Lebensweise grundlegend umgestalten“.

Besonders wichtig scheint den Teilnehmenden zu sein, dass ein solcher Wandel soziale, ökonomische und ökologische Ziele verbindet. Die Studie zeigt somit, dass die deutsche Bevölkerung die Idee hinter der Agenda 2030 der Vereinten Nationen unterstützt, denn  das dahinterstehende Konzept einer nachhaltigen Entwicklung verknüpft alle drei Bereiche. Dieses Konzept bildet auch die Grundlage des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Im Vorwort der Studie betont die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, dass die Idee der Nachhaltigkeit in der Mitte der Bevölkerung angekommen sei. „Für die große Mehrheit ist der Umweltschutz eines der großen Zukunftsthemen. Sie wollen eine ambitionierte Umweltpolitik. Aber eben auch sozial gerecht und ökonomisch vernünftig. Mit einem Wort: nachhaltig.“

Unterstützung für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Zu den drängendsten Themen zählten die Befragten eine Verkehrswende. 91 Prozent befürworteten eine Stadt- und Regionalentwicklung, die das Auto verzichtbar mache; 80 Prozent fühlten sich vom Straßenlärm gestört.

Die Chancen einer nachhaltigen Stadtentwicklung reichen weit über Verkehrsprobleme hinaus und betreffen Felder wie Energie, nachhaltiges Wirtschaften oder soziale Gerechtigkeit. Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung betont die herausragende Rolle, die Städte und Kommunen im Bildungsbereich spielen können.

Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit

Die Studie gibt zu bedenken, dass ein Drittel der Befragten Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit nicht immer für vereinbar halten. Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass gerade sozial benachteiligte Menschen in Deutschland den Konsequenzen von Umweltproblemen alltäglich begegneten. So fühlten sich beispielsweise 40 Prozent der Befragten mit kleinem Einkommen besonders  von Lärm belastet, aber nur 27 Prozent der Personen mit hohem Einkommen.

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung hat zum Ziel, gerade jene Gruppen stärker einzubeziehen, die von den Folgen einer nicht nachhaltigen Entwicklung besonders betroffen sind: Jugendliche, Mädchen und Frauen, sowie Menschen aus kleinen Inselentwicklungsländern und aus Afrika. Die ausgezeichnete Kommune Gelsenkirchen nutzt BNE seit 1997, um Herausforderungen wie Armut, Arbeitslosigkeit oder Bevölkerungsschwund zu begegnen.

Laut der Umweltbewusstseinsstudie ist das aktuell wichtigste gesellschaftliche Thema Migration und Zuwanderung. Bildung für nachhaltige Entwicklung zeigt Perspektiven auf, wie man den damit verbundenen Herausforderungen begegnen kann. Viele Akteure der deutschen BNE-Landschaft beschäftigen sich mit Migration oder Interkulturellem Lernen.  Auch die UNESCO-Projektschulen präsentieren zahlreiche Praxisbeispiele.

Hintergründe zur Umweltbewusstseinsstudie 2016

Die Studie untersucht seit 1996 alle zwei Jahre, wie sich das Umweltbewusstsein und –verhalten der Bevölkerung Deutschlands verändert. Das auftraggebende Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt wollen auf dieser Grundlage eine nachhaltige und bürgernahe Politik gestalten.

Im August und September 2016 nahmen mehr als 4.000 Menschen ab 14 Jahren aus der deutschen Wohnbevölkerung  an einer Onlinebefragung teil. Diese repräsentative Stichprobe bildet die Grundlage der Umweltbewusstseinsstudie 2016, eine zusätzliche qualitative Studie wurde bei der Interpretation der Daten herangezogen. Die vollständige Studie ist online als PDF verfügbar.