Schule

Kinder erleben während ihrer Schulzeit eine äußerst prägende Lebensphase. Gleichzeitig haben sie in diesem Zeitraum bereits ausreichende Gestaltungs- und Handlungskompetenzen erlernt, um das Konzept Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht bloß in theoretischer Hinsicht zu begreifen, sondern auch in praktischer und selbstständiger Weise umsetzen zu können.

Warum ist Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule so wichtig?

Schulische Bildung zielt darauf ab, junge Menschen zu befähigen, die Zukunft zu gestalten – sowohl für ihre eigene Person als auch für sie als Mitglied der zukünftig Verantwortung tragenden Generation. Das heißt, Schule steht vor der Aufgabe, nachhaltige Entwicklung als Themenstellung der Zukunft im Unterricht angebunden an das fachliche Lernen zu verankern. Je früher Kinder an Themen und Probleme nachhaltiger Entwicklung herangeführt werden, desto selbstverständlicher wird ihr späterer kritischer und engagierter Umgang mit den großen politischen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, nicht nur entsprechende Kenntnisse zu erlernen. Schülerinnen und Schüler sollten Gestaltungskompetenz erwerben. Das heißt, sie sollten in die Lage versetzt werden, nachhaltige und nicht nachhaltige Lösungen voneinander zu unterscheiden, Interessen abzuwägen, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen. Kurz gesagt: Sie sollten in ihrer Urteils- und Handlungsfähigkeit gestärkt werden.

Vom Projekt zur Struktur – dieses Ziel des Weltaktionsprogramms kann nur erreicht werden, wenn Schulen als maßgebliche Institutionen für formale Bildung Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in ihre Unterrichts- und Schulentwicklung aufnehmen.

Monitoring zum Weltaktionsprogramm: Schule

Meldungen

11.12.2018

BNE-Tagung zur Aus- und Weiterbildung von Lehrenden

Die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft lädt vom 05.-06.03.2019 zur Tagung „BNE für Lehrende und Multiplikator*innen” ein. Bis zum 31.12.2018 können noch aktuelle Forschungsarbeiten zum Thema eingereicht werden.  

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Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule angewendet werden?

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist deutlich mehr als ein weiteres einzugliederndes Einzelthema, es ist ein übergreifender Ansatz, der sich auch auf Lehr- und Lernmethoden auswirkt. Differenziertes Lernen, fächerübergreifende und -verbindende Ansätze, systemische Herangehensweisen, Partizipation der Schülerinnen und Schüler, all dies sind Merkmale von BNE-Lernprozessen, die die Entwicklung der Gestaltungskompetenz fördern.

Nachhaltigkeit 360° in der Schule

Wie sieht ein ganzheitlicher BNE-Ansatz aus? Tipps zur Ausgestaltung eines Whole Institution Approach in der Schule

Hainberg-Gymnasium Göttingen

Das Gymnasium engagiert sich seit 25 Jahren für BNE, pflegt internationale Kontakte und arbeitet projektorientiert.

ANU Hessen

Ein Netzwerk aus 7 Umweltbildungszentren führt das Schuljahr der Nachhaltigkeit durch.

„Das Kind steht im Mittelpunkt und nicht der Stoff“

Margret Rasfeld, Mitbegründerin der Initiativen „Schule im Aufbruch“ und „Global Goals Curriculum“ im Gespräch.

Wird darüber hinaus auch die Schule als Handlungsraum einbezogen, beschreibt der sogenannte Whole Institution Approach ein Konzept, der sie als gesamte Institution in den Bildungs- und Erziehungsaktivitäten einbindet. Schulen haben die Möglichkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung auf weiteren Ebenen umzusetzen: Die Verankerung im Schulprofil ist ebenfalls denkbar – es gibt bereits Umweltschulen, Agenda 21-Schulen und Zukunftsschulen. Damit wird BNE zu einem Aspekt der Schul- und Qualitätsentwicklung. Darüber hinaus können Nachhaltigkeitsaspekte bei Führung von Betrieb und Mitarbeitenden, beim Ressourcen- und Energieverbrauch, bei der Entsorgung von Abfällen oder bei der Schulverpflegung berücksichtigt werden.

Eine noch stärkere Öffnung der Schulen in das sie umgebende Umfeld, in das Quartier, befördert das Konzept von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Durch Kooperationen mit lokalen außerschulischen Institutionen und Netzwerken, die einen Bezug zu Nachhaltigkeit besitzen, gelingt der Brückenschlag in den außerschulischen Raum. Gleichzeitig ermöglichen solche Kooperationen neue Lernchancen und befruchten das fachliche Lernen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung, Inklusion, Migration und Demokratie-Lernen

Gesellschaftlicher Zusammenhalt und politische Teilhabe sind unabdingbare Voraussetzungen von nachhaltiger Entwicklung. Angesichts der Herausforderungen durch Migration und Flucht und der Erstarkung von demokratiefeindlichen Positionen und Populismus ist es erforderlich, BNE und politische Bildung beziehungsweise Demokratie-Lernen noch deutlicher in Zusammenhang zu setzen. Aufgabe der Schulen ist es, sich dieser wichtigen, übergreifenden Bildungs- und Erziehungsaufgabe verstärkt zu widmen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist gesellschaftspolitisch relevant beispielsweise für Inklusion oder Migration. Kulturkonflikte treten in verschiedenen Gesellschaftsbereichen auf, so auch in Kontexten der Schule. Die Bereitschaft zum Dialog ist eine wichtige Voraussetzung, um den Mehrwert kultureller Diversität erfahren zu können. In Schulen bietet sich insbesondere die Gelegenheit – etwa durch Gruppenarbeit im Besonderen und den Klassenverband im Allgemeinen – soziale Kompetenzen zu erlernen.

 

 

Publikation

Publikation „Migration als Herausforderung. Praxisbeispiele aus den UNESCO-Projektschulen“

Herausforderungen im Bildungsbereich Schule

Ziele einer BNE in Schule und Hochschule: Auf dem Weg zu empirisch überprüfbaren Kompetenzen

Ein Artikel von Werner Rieß, Christoph Mischo und Eva-Maria Waltner

Nach wie vor ist eine zentrale Herausforderung, Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften zu integrieren.

Daneben bietet sich die Möglichkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung, fachlich verankert oder als Leitprinzip, in die Bildungslehr- beziehungsweise Rahmenlehrpläne der Länder aufzunehmen.

Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung

2015 fiel der Startschuss für das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das Folgeprogramm der Vereinten Nationen für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Das fünfjährige Programm (2015 - 2019) zielt darauf ab, Bildung für nachhaltige Entwicklung vom Projekt in die Struktur zu bekommen. Dabei konzentriert es sich vor allem auf 5 Handlungsfelder: Politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren, Stärkung und Mobilisierung der Jugend und Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.

Zur Umsetzung des Programms in Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Nationale Plattform eingerichtet, die im Sommer 2017 einen Nationalen Aktionsplan BNE (NAP BNE) verabschiedet hat. Vorangegangen war ein positives Votum der Kultusministerkonferenz der Länder zu Teilen des NAP BNE, die die Schule, berufliche Bildung und Hochschulen betreffen. Die Nationale Plattform wird unterstützt durch so genannte Fachforen, in denen Expertinnen und Experten aus den verschiedenen Bildungsbereichen vertreten sind.

UNESCO-Roadmap

zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms

Das Fachforum Schule

Mitgliederliste

des Fachforums Schule (Stand: Juli 2018)

Das Fachforum erarbeitete prioritäre Handlungsfelder sowie konkrete Ziele und Umsetzungsstrategien für den Bildungsbereich Schule. Außerdem identifiziert es Beispiele guter Praxis und gibt Anregungen für neue Bildungs- und Lernformate. Zudem steht es mit seiner Expertise zu BNE der Akteurslandschaft mit Rat und Tat zur Seite.

Priorisierte Handlungsfelder des Fachforums Schule (Stand: Oktober 2018)

 

BNE als Aufgabe des Bildungswesens

BNE ist eine Gesamtaufgabe des Bildungswesens. Die Ministerien auf Bundes- und Landesebene sind hier genauso gefordert wie die nachgeordneten Behörden der Bildungsverwaltung. Es gilt, Indikatoren zu entwickeln und Qualitätskriterien zu setzen, wie etwa Standards für Lernergebnisse. Um BNE zu etablieren, sind Strukturen und Netzwerke zu fördern sowie Ressourcen zu mobilisieren und bereitzustellen.

Lehrkräftebildung für eine nachhaltige Entwicklung

Lehrkräfte, Schulleitungen, Multiplikator*innen und ihre Ausbilder sind wirkungsvolle Change Agents. Um ihre Kompetenzen für BNE zu entwickeln, muss diese strukturell in der Aus-, Fort- und Weiterbildung verankert werden. Hierfür sind Rahmenbedingungen und Qualitätsstandards zu setzen.

Lernort/Sozialraum, Kooperationen und BNE

Schule befähigt nachkommende Generationen für ihre Zukunft, dafür muss sie nachhaltige Entwicklung ganzheitlich, partizipativ und inklusiv erfahrbar machen.

Der Auf- und Ausbau von lokalen Bildungslandschaften ist notwendig. Genauso müssen sich die Schulen mehr als bisher nach innen und außen öffnen, um Schnittstellen und Kooperationen mit außerschulischen Akteuren (etwa Kommunen, Schulfördervereinen, NGOs, Unternehmen) nutzen zu können. Denn bei Diskussionen zu inneren (bildungspolitischen) Schulangelegenheiten haben außerschulische Bildungsakteure bislang kaum die Möglichkeit mitzugestalten. Das Fachforum Schule wird gemeinsam mit dem Fachforum Kommunen prüfen, wie innere und äußere Schulangelegenheiten mit Blick auf die Verankerung von BNE besser in Einklang gebracht werden könnten. Für einen erfolgreichen Transformationsprozess müssen BNE-Vision, -Plan und -Strategie für die Lern- und Lehrumgebung von allen entwickelt und mitgetragen werden (Whole Institution Approach). Alle Maßnahmen in und an Schulen sollten auch daraufhin ausgewählt werden, schulisches Lernen und Handeln zu verknüpfen, das heißt Schulen dabei zu unterstützen, zu nachhaltig handelnden Einrichtungen zu werden.

Schule und Kommune

Die Kommunen sind Träger von Schulen, die sie wirksam dabei unterstützen können, BNE im Rahmen des Weltaktionsprogrammes als kommunale Querschnittsaufgabe zu verankern. Die Kommunen sind außerdem die kleinsten politischen Einheiten und bieten somit unmittelbarste Gestaltungsoptionen für das Leben und das Umfeld ihrer Bürgerinnen und Bürger. Kommunale Nachhaltigkeits- und BNE-Prozesse sollten daher gemeinsam in den Blick genommen und, wenn es möglich und von den pädagogischen Akteuren gewünscht ist, verknüpft werden – ohne in die pädagogische Eigenständigkeit der Schulen einzugreifen.

Strukturelle Verankerung von BNE in Lehr- und Bildungsplänen

Die Lehr- und Bildungspläne stellen ein wesentliches Element zur Transformation des Bildungssystems im Sinne von BNE dar. In diesen gilt es, BNE strukturell und verbindlich sowohl in Fächern und Fächerverbünden als auch interdisziplinär zu verankern und Unterstützungsangebote bereitzustellen. Um die Verankerung von BNE auf Länderebene voranzutreiben, fand im Februar 2018 eine gemeinsame Tagung des Fachforums Schule mit Länderreferenten und -referentinnen BNE aus den Schul- beziehungsweise Kultusministerien statt. Zudem wurden die Länder im Rahmen einer internen Erhebung nach ihren BNE-Aktivitäten gefragt, strukturiert nach den Handlungsfeldern und Zielen des NAP BNE. Ein auf Dauer angelegter zukünftiger Austausch der Länder in Sachen BNE wurde im Schulausschuss der Kultusministerkonferenz verabredet.

Partizipation und BNE

Partizipation ist Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung, deshalb ist Partizipation Bestandteil von BNE. Kinder und Jugendliche müssen beteiligt werden, damit die jüngere Generation die Gegenwart und die Zukunft aktiv mitgestaltet. Die Demokratisierung von Schule ist ein zentrales Element, um durch Mitgestaltung in Schule und Gemeinwesen Selbstwirksamkeit zu erfahren. Echte Kinder- und Jugendbeteiligung und Ermächtigung auf der Grundlage der Kinderrechte ist im Lern- und Lehrumfeld zu etablieren. Partizipation von allen gesellschaftlichen Akteuren ist zu stärken und umzusetzen, das bezieht Schulleitungen, Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Schüler*innen, Eltern genauso wie zivilgesellschaftliche Partner*innen wie Schulfördervereine und NGOs ein.

Die Partnernetzwerke im Bereich Schule

Die Fachforen arbeiten eng mit so genannten Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind. Die einzelnen Partnernetzwerke stellen sich auf dieser Seite genauer vor. Sie finden dort unter anderem Mitgliederlisten und Grundpositionen. Im Bereich schulischer Bildung existiert im engeren Sinn kein Partnernetzwerk. Jedoch tauscht sich das Fachforum Schule unter anderem mit den Länderkoordinatorinnen und - koordinatoren im Rahmen des Schulprogramms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) oder mit den vorgenannten Referentinnen und Referenten der Länder für BNE und Globales Lernen aus.

Rückblick

Empfehlung der KMK und DUK zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule

Während der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005 - 2014) wurden erste Verankerungen von Bildung für nachhaltige Entwicklung in Lehr-, Rahmenplänen und Curricula initiiert und das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung für nachhaltige Entwicklung als angemessene Reaktion auf globale Herausforderungen geschärft.

Zu dieser Entwicklung konnte eine gemeinsame Empfehlung der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission beitragen.