Sachsen

Der Freistaat Sachsen beschäftigt sich schon seit der UN-Dekade (2005-2014) vermehrt mit dem Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Im November 2018 wurde das Thema „Bildung und Wissenschaft“ als eines von neun Handlungsfeldern erneut in die Sächsische Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen. Eine eigene Sächsische Landesstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE-LS) fokussiert die sechs Bildungsbereiche des Nationalen Aktionsplans (NAP) und wurde am 22. Januar 2019 vom Kabinett verabschiedet. Zudem setzt das vom Landesamt für Schule und Bildung entwickelte Eckwertepapier BNE „einen verbindlichen Handlungsrahmen für die Gestaltung der Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule.“

Wie setzt Sachsen Bildung für nachhaltige Entwicklung um?

Die Sächsische Staatsregierung hatte sich erstmals im „Energie- und Klimaprogramm Sachsen 2012“ im vorschulischen, schulischen und außerschulischen Bereich sowie in der Berufs- und Hochschulbildung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung bekannt. Dabei wurden Energie- und Klimafragen der Gegenwart und Zukunft ebenso berücksichtigt wie Themen der sozialen Gerechtigkeit, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, der ökologischen Nachhaltigkeit und der politischen Stabilität.

Bereits 2013 wurde das Thema „nachhaltige Bildung“ als Handlungsfeld in der Nachhaltigkeitsstrategie Sachsen verankert. Definiert als wichtigster „Rohstoff“ der Gesellschaft dient Bildung als die Basis, „die zum Engagement im Beruf und für die Fortentwicklung der Bürgergesellschaft befähigt“. Der integrative Charakter des Themas BNE wird in der aktuellen Nachhaltigkeitsstrategie Sachsen weiter untersetzt.

Den oben genannten Grundlagen folgend wurden in Sachsen Maßnahmen, Initiativen, Programme, Instrumente und Kooperationen etabliert.

Zu den thematisch relevanten Schulentwicklungsmaßnahmen in Sachsen zählen u. a. die UNESCO-Projektschulen und die Klimaschulen:

Die UNESCO-Projektschulen sind in Sachsen mit 13 Schulen vertreten. Diese sorgen dafür, dass sich die Ziele der UNESCO im Schulleben und im Unterricht wiederfinden. Der Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung ist dabei einer von sechs zentralen Bildungsansätzen. Die anderen sind: Menschenrechtsbildung und Demokratieerziehung, Interkulturelles und inklusives Lernen, UNESCO-Welterbebildung und Global Citizenship sowie Freiheit und Chancen im digitalen Zeitalter.

In Sachsen gibt es bislang 11 Klimaschulen. Als Grundlage für die Anerkennung als Klimaschule müssen die fünf schulischen Handlungsfelder: Unterricht, Fortbildung und Management, Schulleben, außerschulische Lebenswelt und schulische Infrastruktur hinsichtlich der Klimathematik in mindestens einem der fünf inhaltlichen Module profiliert werden. Ziel ist es, das Thema Klima dauerhaft an den Schulen zu verankern und diese dazu anzuregen, ihr eigenes Schulprofil als Klimaschule zu entwickeln. Innerhalb dieses Rahmens können die Schulen mit Blick auf die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen eigenverantwortlich festlegen, welches Handlungsfeld sie mit welchen Inhalten gestalten möchten. Die Profilierung wird durch externe Akteure und einen schulübergreifenden Austausch (u. a. jährliche Klimaschulkonferenz) unterstützt.

Eine Kooperation ist hierbei im Rahmen der Länderinitiative zur Umsetzung des „Orientierungsrahmens für den Lernbereich Globale Entwicklung“ (OR) entstanden:

Im Juni 2015 haben sich die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf diesen OR verständigt. Mit seiner Hilfe soll die BNE mit globaler Perspektive fest in Schule und Unterricht verankert werden. So liegen gegenwärtig 165 Unterrichtsbeispiele aus 12 von insgesamt 21 Themenbereichen auf dem BNE Sachsen-Portal für sächsische Lehrerinnen und Lehrer vor. Zudem entstanden Ende 2018 zwei Broschüren mit je 12 ausgewählten Unterrichtsbeispielen, welche für die pädagogische Nutzung an alle sächsischen Gymnasien und Oberschulen versandt wurden. Die Fachstelle Globales Lernen beim arche noVa e.V. übernimmt u. a. die Redaktion des BNE Sachsen-Portals und die Herausgabe der Broschüren sowie die Erstellung der Unterrichtsbeispiele in Kooperation mit dem Landesamt für Schule und Bildung.

In Sachsen wurde in diesem Zusammenhang eine Fortbildungsreihe entwickelt, die mit den Kompetenzen der externen Partner in die regionale Lehrerfortbildung integriert ist.

Im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung und des Globalen Lernens gibt es im Freistaat Sachsen acht Eine Welt-Promotor*innen: darunter ein Landeskoordinator, zwei Fach- und fünf Regionalpromotorinnen und Regionalpromotoren. In Sachsen wird das Eine Welt-Promotor*innen-Programm seit 2015 vom Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen e.V. (ENS) koordiniert. Das ENS Sachsen wurde 1995 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Gruppen, Initiativen und Vereinen, die sich für zukunftsfähige Entwicklung und weltweite Gerechtigkeit einsetzen. Das Netzwerk bringt die zivilgesellschaftlichen Perspektiven der Mitglieder auf Landes- und Bundesebene ein, unterstützt auf internationaler Ebene Partnerschaftsprojekte, vermittelt durch Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit globale Zusammenhänge und bietet Beratungen sowie Fortbildungen an.

Bereits seit vielen Jahren und in direkter Bezugnahme auf die gleichnamige UN-Dekade arbeitet das Sächsische Staatsministerium für Kultus (SMK) mit zahlreichen staatlichen und nichtstaatlichen Kooperationspartnern eng zusammen, um BNE als einen auf die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft gerichteten Bildungsansatz zu unterstützen.

Die Sächsische Staatsregierung hat 2017 entschieden, eine eigenständige Landesstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE-LS) in einem intensiven, dialogisch geführten Prozess von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren zu erarbeiten und umzusetzen. Die am 22. Januar 2019 durch das Kabinett beschlossene BNE-LS beinhaltet alle bildungsrelevanten Bereiche – von der frühkindlichen Bildung über die allgemeinbildenden Schulen sowie Berufliche- und Hochschulbildung bis hin zum lebenslangen Lernen – in Anlehnung an den Nationalen Aktionsplan.

Die Ziele einschließlich der konkreten, nachvollziehbaren und abrechenbaren Maßnahmen der Landesstrategie beginnend für die Jahre 2019/20 sollen in den einzelnen Bildungsbereichen dazu führen, dass BNE systematisch und strukturell in der sächsischen Bildungslandschaft verankert wird. Adressiert werden dabei Lehrpläne, Curricula und Ausbildungsordnungen sowie die Aus-, Fort- und Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte in der formalen, non-formalen sowie informellen Bildung. Neben den Maßnahmen beinhaltet die Landesstrategie zusätzlich Strukturen und Instrumente. Diese sollen den Umsetzungsprozess ermöglichen, aber auch vorantreiben. Dabei haben die Nutzung und Verknüpfung vorhandener Strukturen sowie deren Stärkung und Unterstützung Vorrang.

Auch vor der BNE-LS befanden sich bereits Themen der BNE im Sächsischen Bildungsplan für Kindertageseinrichtungen, in den Lehrplänen der sächsischen Schulen sowie in der Lehrerbildung, die in der BNE-LS unter dem Punkt Ausgangslage im jeweiligen Bildungsbereich zusammengefasst wurden.

Frühkindliche Bildung:

  • Grundlage für die Arbeit in der Kindertagesbetreuung ist der § 2 des Gesetzes über Kindertageseinrichtungen (SächsKitaG) sowie der Sächsische Bildungsplan als „thematisch-methodische Orientierungshilfe sowie als Instrument zur Professionalisierung“. Dieser versteht das „Lernen als ganzheitlichen Prozess der Umweltaneignung.“ Der Bildungsplan verwendet zwar nicht explizit den Begriff der Nachhaltigkeit, er greift aber bereits zahlreiche Themen aus dem Spektrum der Nachhaltigkeit auf. In den Bereichen „Soziale Bildung“ und „Naturwissenschaftliche Bildung“ sind vertiefte Auseinandersetzungen mit den Themenfeldern der BNE integriert.

Allgemeinbildende Schulen:

  • Im Gesetz zur Weiterentwicklung des Schulwesens im Freistaat Sachsen (SächsSchulG) vom 26. April 2017 heißt es in § 1 Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule: „Die Schule ermutigt die Schüler, sich mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, mit Politik, Wirtschaft, Umwelt und Kultur auseinanderzusetzen, befähigt sie zu zukunftsfähigem Denken und weckt ihre Bereitschaft zu sozialem und nachhaltigem Handeln.“
  • Aspekte der BNE haben bereits Eingang in die sächsischen Lehrpläne der allgemeinbildenden Schulen gefunden. Hierbei werden sowohl BNE-typische Themen und Inhalte als auch BNE- relevante Kompetenzbeschreibungen berücksichtigt. Die Verankerung erfolgt in allen Fächern. Neben dem Fachunterricht vermittelt der fächerverbindende Unterricht BNE-bezogene Inhalte.
  • So werden zum Beispiel im Lehrplan der Oberschulen explizit Themenbereiche wie Verkehr, Verhältnis der Generationen, Gerechtigkeit, Eine Welt und Umwelt für die Gestaltung des fächerverbindenden Unterrichts behandelt.

Berufsbildende Schulen:

  • In der Beruflichen Bildung greifen Globalisierungsprozesse, z.B. Handel, Migration und Digitalisierung, und deren Verbreitung durch die Medien in den Berufs- und Schulalltag ein. Deshalb soll im Kontext der Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung im Bereich der beruflichen Bildung insbesondere das Bewusstsein für die Verantwortung zu ökologisch, sozial-ethisch und ökonomisch nachhaltigem Handeln weiterentwickelt und gefördert werden.
  • Grundsätzlich sind Aspekte der BNE in den KMK-Rahmenlehrplänen für die anerkannten Ausbildungsberufe bereits enthalten.

In der BNE-LS wurden neben der Darstellung von Ausgangslagen, die bereits BNE-Bezug hatten, Ziele und Maßnahmen für die einzelnen Bildungsbereiche fixiert. BNE ist dabei sowohl in der ersten als auch zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung sowie in der Lehrerfortbildung verankert.

In der ersten Phase erfolgt dies über den Erwerb von Kompetenzen im Studium der entsprechenden Fächer. Darüber hinaus wird BNE fachübergreifend oder unter dem Aspekt der Teilhabe im Kontext von Migration, Integration oder Inklusion thematisiert.

In der zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung wird BNE als Querschnittskompetenz im Kontext fachübergreifender Bildungs- und Erziehungsaufgaben sowie als impliziter Bestandteil der Unterrichtsfächer verstanden. So finden sich im Curriculum für den Vorbereitungsdienst Anknüpfungspunkte in den Schwerpunkten individuelle Förderung, Umgang mit Heterogenität, Schülerorientierung, Lebensnähe und Vielfalt des Unterrichts, Selbstbild, Kommunikation oder Demokratieerziehung.

BNE-relevante Inhalte sind Bestandteil von fachbezogenen und fachübergreifenden Fortbildungen für Lehrkräfte aller Schularten. Diese sind im Online-Fortbildungskatalog des Landesamts für Schule und Bildung für das jeweilige Schuljahr veröffentlicht.

Am 26. März 2019 fand die Konferenz zur Entwicklungszusammenarbeit „Global denken – lokal handeln“ statt. Im Rahmen dieser Konferenz hat das SMK in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen e.V. (ENS) und der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) einen Workshop durchgeführt, um über die BNE-LS zu informieren. Im Anschluss an ein kurzes Input-Referat wurde den Teilnehmenden im Rahmen einer Open Space-Methode die Möglichkeit gegeben, sich über die Landesstrategie auszutauschen und zu diskutieren.

Was plant Sachsen im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Auf der Grundlage des im Januar 2019 veröffentlichten Eckwertepapiers BNE werden die Lehrpläne aller allgemeinbildenden Schulen überprüft und angepasst. Ziel ist es, das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Schulen zu verankern, so dass Schülerinnen und Schüler Wissen, Werte und Kompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung erwerben.

Das SMK etabliert eine BNE-Landeskoordination, die den Umsetzungsprozess insbesondere anhand der notwendigen Strukturen, Maßnahmen und Instrumente im Bereich der Staatsregierung koordiniert und gemeinsam mit den Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern der Ressorts für einen abgestimmten Vollzug der Maßnahmen sorgt.

Weitere geplante Aktivitäten von BNE mit Partnern:

  • Bekanntmachung und Unterstützung der UNESCO-Projektschulen
  • Unterstützung der Klimaschulen und Gewinnung neuer Klimaschulen
  • Weitere Umsetzung des Orientierungsrahmens, um die noch offenen Themenbereiche zu vervollständigen
  • Relaunch des BNE Sachsen-Portals
  • Monitoring der BNE-LS
  • Umfangreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit z.B. Zeitschrift KLASSE
  • Mitgestaltung der Klimakonferenz sächsischer Schülerinnen und Schüler am 22. Juni 2019
  • Jährlich zwei Elbe Camps
  • Jährliche Klimaschulkonferenz
  • BNE-Landesausstellung
  • Projekt: Bienen an sächsischen Schulen
  • Waldjugendspiele

Gibt es Bezugspunkte zur Agenda 2030 und zum Nationalen Aktionsplan?

Im „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung“ wurden die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Agenda 2030 verankert.

Die sächsische Landesstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung wurde in Anlehnung an den Nationalen Aktionsplan konzipiert und fokussiert daher ebenfalls die sechs Bildungsbereiche: Frühkindliche Bildung, Allgemeinbildende Schule, Berufliche Bildung, Hochschulbildung, Non-formales- und informelles Lernen sowie Bildung in der Kommune.

Zum Weiterlesen

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner

Referat 36 „Politische Bildung, Migration, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ im Sächsischen Staatsministerium für Kultus.

Darüber hinaus existieren belastbare Kooperationsbeziehungen und Netzwerke mit staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren und Institutionen, die sich teilweise ebenfalls über das Themenfeld entwickelt haben. Beispielhaft sind hier die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt, das Entwicklungspolitische Netzwerk Sachsen, die Fachstelle Globales Lernen oder das Netzwerk Umweltbildung Sachsen zu nennen.

Höhepunkte des Weltaktions­programms BNE 2015 bis 2019