Beispiel Netzwerk LeNa – Für BNE in der LehrerInnenbildung

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein umfassendes Bildungskonzept. Da reicht es nicht, einzelne Themen, wie Klimawandel, Welternährung oder Biodiversität im Unterricht zu behandeln. Lehrerinnen und Lehrer müssen in ihrer Ausbildung viel mehr lernen als Inhalte und Didaktik. Um Schülerinnen und Schüler fit für die Zukunft zu machen, gilt es Arbeitsweisen zu ändern und neue Perspektiven einzunehmen. Das „Deutschsprachige Netzwerk LehrerInnenbildung für eine nachhaltige Entwicklung – LeNa“ setzt sich dafür ein, die Lehrerbildung mit Blick auf die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu reformieren. Künftige Lehrerinnen und Lehrer sollen so in die Lage versetzt werden, Kindern und Jugendlichen Kompetenzen und Wissen zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft zu vermitteln.

von Freya Kettner

Das LeNa-Netzwerk

Gegründet wurde das LeNa-Netzwerk im Jahr 2013 an der Leuphana Universität Lüneburg. Es wird von Prof. Dr. Ute Stoltenberg gemeinsam mit Dr. Verena Holz koordiniert. Insgesamt vereint LeNa 19 Hochschulen, vier weitere arbeiten derzeit an ihrem Beitritt. Daneben sind fünf lehrerbildende Institutionen, wie beispielsweise éducation21 aus der Schweiz, FORUM Umweltbildung aus Österreich oder das Landesinstitut für Lehrerbildung aus dem Saarland vertreten. 
Gemeinsam haben sich die Mitglieder anspruchsvolle Ziele gesetzt. Zunächst geht es um einen Austausch unterschiedlicher Ansätze der Implementation von BNE in die Lehrerbildung und darum, voneinander zu lernen. Das Netzwerk führt verschiedene Initiativen durch, um BNE in der Lehrerbildung zu verankern: Bildungspolitische Akteure sollen dazu angehalten werden, BNE in den Curricula und Prüfungsordnungen festzuschreiben. Wissenschaftspolitische Akteure und Forschungsförderungseinrichtungen werden dazu aufgerufen, Forschungsfelder zu bearbeiten, die die Implementierung von BNE in die Lehrerbildung unterstützen können und die Qualitätsentwicklung im Bereich der Lehrerbildungsforschung voranzutreiben. LeNa hat sich zum Ziel gesetzt, die Implementation von BNE an den Hochschulen zu fördern und das Konzept von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung – auch in internationaler Zusammenarbeit – weiterzuentwickeln.

Ein einheitliches Grundverständnis von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung 

Dabei müssen zunächst auch ganz grundsätzliche Fragen zum Verständnis von BNE geklärt werden. Dabei bringen alle Mitglieder ihre Erfahrungen und Sichtweisen ein. „Das Selbstverständnis von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und Nachhaltiger Entwicklung erarbeiten wir uns in einem Prozess“, betont die Koordinatorin Ute Stoltenberg. „Wir haben in den letzten Jahren bereits verschiedene Konzepte für unterschiedliche Bildungsbereiche konkretisiert und in den Hochschulen auch unterschiedliche Angebote entwickelt. Und trotzdem müssen wir uns in einem gewissen Grundverständnis einig sein: Es geht uns nicht darum, einzelne neue Themen in den Unterricht oder die Lehrerbildung einzubringen. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist ein Bildungskonzept, das die Arbeitsweise in der Schule ändert. Das beinhaltet eine gewisse Denkweise der Lehrerinnen und Lehrer und eine Haltung bestimmten Fragen gegenüber. Nach unserem Verständnis geht es dabei also um Werte und Zielvorstellungen für eine Nachhaltige Entwicklung. Wenn jemand denkt, dass es uns darum geht, nur Themen wie den Klimawandel oder Energieverbrauch im Curriculum zu verankern, ist das ein Missverständnis.“

Beitritt mit Absichtserklärung

Mitglied wird man bei LeNa durch das Einreichen eines Letter of intent. Darin erklärt sich die interessierte Hochschule dazu bereit, ihre Lehrerbildung am Konzept von BNE zu orientieren. Sie benennt jemanden, der für die Hochschule aktiv im Netzwerk mitarbeitet. Außerdem erklären sich die Hochschulen bereit, in die Diskussion über unterschiedliche Ansätze der Integration von BNE in die Lehrerbildung einzusteigen, gemeinsame Initiativen zur Verankerung in die Lehrerbildung durchzuführen und das Konzept gemeinsam weiterzuentwickeln.

Tagung mit Ministerien war ein wichtiger Schritt

Im Januar 2016 wurde in Lüneburg eine Fachtagung zum Thema „LehrerInnenbildung für eine nachhaltige Entwicklung“ durchgeführt, an der Vertreterinnen und Vertreter von für Lehrerbildung zuständigen Ministerien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilgenommen haben. Inhalt war der Austausch über bisher gesammelte Erfahrungen mit der Orientierung von Lehrerbildung am BNE-Konzept. Außerdem wurden inhaltliche und strukturelle Ansatzpunkte für die weitere Entwicklung des Systems der Lehrerbildung diskutiert und Strategien zu deren Umsetzung erörtert. „Die Tagung war ein weiterer wichtiger Schritt, um Anknüpfungspunkte für die Veränderung der LehrerInnenbildung zu identifizieren. Sie werden in die jeweiligen Fachgremien weitergetragen. Durch die neu entstandenen persönlichen Kontakte wird die Arbeit in den deutschen Bundesländern gefördert und es gibt bereits konkrete Verabredungen für eine weitere Zusammenarbeit, auch für eine länderübergreifende Kooperation“, berichtet Prof. Stoltenberg.

Herausforderung für alle Disziplinen und Didaktiken

Das Verständnis für BNE als Bildungskonzept erfordert die Beteiligung aller Disziplinen und Didaktiken. „Viele denken, dass Bildung für eine nachhaltige Entwicklung nur Aufgabe von Fächern wie Geographie oder Biologie sei. Das Bildungskonzept betrifft jedoch das gesamte Schulleben. In allen Fächern aber auch fächerübergreifend können Schülerinnen und Schüler lernen, mit Zukunft umzugehen oder Mensch-Natur-Verhältnisse zu analysieren. In unserem Netzwerk sind deshalb auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Anglistik, Germanistik, der politischen Bildung oder der Erziehungswissenschaft vertreten.“

Insgesamt ein großer Erfolg

Prof. Stoltenberg kann auf eine gute Arbeitsbilanz in den vergangenen zwei Jahren verweisen: Das Netzwerk hat ein „Memorandum LehrerInnenbildung für eine nachhaltige Entwicklung“ veröffentlicht und an 300 Ministerien und Bildungseinrichtungen übersandt. „Darin zeigen wir, wie Bildung für eine nachhaltige Entwicklung die Qualität der Lehrerbildung insgesamt bereichern kann“, stellt Ute Stoltenberg fest.
Ein gemeinsam entwickeltes Positionspapier formuliert außerdem Anforderungen an die Ausgestaltung von Forschungsprogrammen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die länderübergreifende Zusammenarbeit findet auf verschiedenen Ebenen statt. „In unserem Netzwerk ist viel Bewegung und wir haben bereits viel erreicht. Sicherlich gibt es Bundesländer und Institutionen, die der Orientierung der Lehrerbildung am Konzept Bildung für eine nachhaltige Entwicklung noch nicht die notwendige Dringlichkeit beimessen. Das sehe ich allerdings keineswegs als Scheitern. Wir befinden uns in einem Prozess und auf einem guten Weg“, resümiert Prof. Stoltenberg den Erfolg von LeNa.

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