Brücken bauen – Netzwerke stärken: Regionale Hochschulnetzwerke als Motor nachhaltiger Entwicklung : Meldung vom
Wie lässt sich Nachhaltigkeit an Hochschulen strukturell und dauerhaft verankern? Diese Frage stand im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung in Berlin "Brücken bauen – Netzwerke stärken" (19.-20.03.2026), die sich der Rolle regionaler Hochschulnetzwerke bei der nachhaltigen Transformation widmete. Im Fokus stand vor allem eine zentrale Botschaft: Netzwerke sind längst entscheidende Transformationsakteure – und ihr Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Netzwerke schließen die Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung
Nachhaltigkeit ist im deutschen Hochschulsystem zunehmend gesetzlich verankert. Doch wie wirken politische Top-Down-Zielsetzungen mit Bottom-up-Aktivitäten zusammen und welche Rolle spielen die regionalen Netzwerke?
Ausgerichtet wurde die Veranstaltung in Kooperation des Forums Hochschule der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung (NP BNE) in Kooperation mit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltigkeit an Hochschulen e.V. (DG Hoch N) sowie dem netzwerk n e.V. unter Federführung von Prof. Dr. Mandy Singer-Brodowski. Zu Beginn der Veranstaltung stand eine Fish-Bowl-Diskussion zur Rolle der regionalen Netzwerke auf dem Programm, bei der sich Vertretungen der Ausrichter und Initiatoren (Prof. Dr. Mandy Singer-Brodowski, Thimo von Stuckrad, Prof. Dr. Ingrid Hemmer, Tim Brauer und Dr. Jennifer Krah) und verschiedene Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Netzwerke zur Rolle, zu wichtigen Funktionen sowie zu Herausforderungen und Bedarfen der regionalen Netzwerke äußerten.
Die konkrete Umsetzung vor Ort steht und fällt mit den regionalen Nachhaltigkeitsnetzwerken, die wichtige Katalysatoren und hochschul- bzw. wissenschaftspolitische Bindeglieder zwischen einzelnen Hochschulaktivitäten und den landesweiten Bemühungen sind. Gerade in der konkreten Umsetzung in Forschung, Lehre, Transfer, Governance und Betrieb besteht weiterhin eine deutliche Lücke. Regionale Netzwerke spielen eine entscheidende Rolle, um diese zu schließen: Sie bündeln Expertise, ermöglichen gemeinsames Lernen und stärken die strukturelle Verankerung von Nachhaltigkeit an Hochschulen.
Entlang der von den regionalen Netzwerken geäußerten Bedarfe diskutierten am ersten Tag die Teilnehmenden darüber hinaus in Kleingruppen über strategische Netzwerk-Aktivitäten (Good Practice), Finanzierung, Einbindung der Studierendenperspektive sowie über ein gemeinsames Positionspapier.
Impulse aus der Netzwerk- und Transformationsforschung
Am 2. Tag der Tagung standen zwei Impulsvorträge auf dem Programm. Ein wichtiger inhaltlicher Impuls kam von Dr. Bror Giesenbauer, der die Funktion von Netzwerken aus wissenschaftlicher Perspektive einordnete. Seine zentrale Botschaft: Nachhaltige Entwicklung braucht Kooperation über Grenzen hinweg – gleichzeitig üben wir in vielen Bereichen des Systems genau das Gegenteil. Gerade deshalb sind Nachhaltigkeitsnetzwerke so wichtig.
Dabei machte er deutlich, dass Netzwerke sehr unterschiedlich gestaltet sein können. Trotz dieser Vielfalt erfüllen sie ähnliche zentrale Funktionen: Sie geben Orientierung und Halt, stärken Transparenz und Partizipation und schaffen Räume für Austausch, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Lernen.
Ein weiterer Impuls kam von Dr. Lisa Bohunovsky, die die Entwicklung der "Allianz Nachhaltige Universitäten" in Österreich vorstellte. Besonders eindrücklich war dabei die Dynamik der Vernetzung: Die Allianz ist in den letzten Jahren von fünf auf inzwischen 22 Hochschulen gewachsen. Gleichzeitig hat sich ihre Rolle verändert – sie ist heute stärker formalisiert und enger an die Rektorate angebunden. Das Beispiel zeigte sehr konkret, welches Potenzial in einer strategisch verankerten Zusammenarbeit liegt.
18 Netzwerke im Austausch – auch mit wissenschaftspolitischen Referentinnen
Der Präsenzveranstaltung gingen bereits 2025 zwei digitale Hubs der DG HochN voraus, bei denen initiiert durch Dr. Jennifer Krah und Prof. Dr. Ingrid Hemmer eine erste Bestandsaufnahme der regionalen Netzwerke erfolgte. Darum gelang es bei dieser Präsenzveranstaltung, 18 von 20 deutschen regionalen Hochschulnetzwerken zusammenzubringen, um vertieft über Synergiepotenziale und gemeinsame Aktivitäten nachzudenken. In interaktiven Workshops tauschten sich die Teilnehmenden auf der Grundlage des Ansatzes der Systemanalyse zu Strategien der Netzwerke im Zusammenspiel mit den hochschul- und wissenschaftspolitischen Rahmenbedingungen aus.
An diesen Diskussionen nahmen auch wissenschaftspolitische Referentinnen und Referenten der Landesvertretungen in Berlin teil, die auf diese Weise Einblick in die Relevanz der Thematik und der regionalen Netzwerke bekamen.
Dabei wurde deutlich, was bereits im theoretischen Impuls klar geworden war: Netzwerke leisten weit mehr als den Austausch von Ideen. Sie schaffen Vertrauen, ermöglichen Ko-Kreation und fördern Innovation. Oder wie es im Rahmen der Veranstaltung formuliert wurde: "Wenn Netzwerke sich vernetzen, entsteht mehr als Zusammenarbeit – es entstehen neue Lösungen für nachhaltige Hochschulentwicklung."
Klare Ergebnisse und starke Signale
Die Veranstaltung hat neue Verbindungen geschaffen und bestehende Kooperationen deutlich gestärkt. Besonders sichtbar wurde, wie vielfältig die regionalen Netzwerke inzwischen arbeiten – und wie groß das Potenzial für eine stärkere bundesweite Koordination und mehr politische Sichtbarkeit ist.
Gleichzeitig wurde deutlich: Gerade unter den aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen ist die Arbeit der Netzwerke wichtiger denn je. Die Teilnehmenden nahmen konkrete Impulse für gemeinsame Aktivitäten, strategische Kooperationen und die Weiterentwicklung ihrer Netzwerke mit.
Ein zentrales Fazit lautete daher: Regionale Hochschulnetzwerke sind keine Ergänzung, sondern ein zentraler Baustein für die nachhaltige Transformation des Hochschulsystems.
Starke Partnerschaft auf Bundesebene
Die Ausrichtung der Tagung – die vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und der DG Hoch N finanziell unterstützt sowie von der HRK und netzwerk n e.V. fachlich begleitet wurde – bündelte zentrale hochschulpolitische Akteurinnen und Akteure auf Bundesebene und setzte ein starkes Signal für die strategische Weiterentwicklung nachhaltiger Hochschulentwicklung in Deutschland.
Zentrale Botschaften der Veranstaltung lauten daher: Nachhaltige Hochschulentwicklung gelingt nicht allein durch Top-Down-Vorgaben – sie braucht starke Netzwerke, die Zusammenarbeit ermöglichen und Veränderung praktisch umsetzen. Netzwerke verbinden Menschen, bündeln Wissen und beschleunigen Veränderung – und genau das braucht die nachhaltige Transformation der Hochschulen jetzt mehr denn je.
Weitere Vernetzungsformate sind bereits geplant: Im Rahmen der DG-Hoch-N-Hubs sowie beim diesjährigen Jahrestreffen der DG Hoch N im Juni 2026 wird der Austausch fortgesetzt. Dazu lud Prof. Dr. Ingrid Hemmer die teilnehmenden Netzwerke bereits am Ende der Veranstaltung ein.
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