Nationale Plattform stellt Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in den Fokus von Bildung für nachhaltige Entwicklung : Meldung vom
Welchen Beitrag kann BNE zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Transformationsprozessen leisten und wie sollte BNE weiterentwickelt werden, um dieses Ziel zu unterstützen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der 23. Sitzung der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung, die unter dem Vorsitz von Frau Dr. Petra Bahr, Staatssekretärin des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) am 5. Mai 2026 in Berlin stattfand.
Staatssekretärin Dr. Petra Bahr bekräftigte in ihrer Eröffnungsansprache das Engagement des neu zugeschnittenen Ministeriums für die Themen Nachhaltigkeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Mit der Förderung sozio-emotionaler Kompetenzen und mit dem Bezug zum gesellschaftlichen Zusammenhalt weise dieses Bildungskonzept viele Synergien zu gesellschafts- und bildungspolitischen Strategien des Hauses auf. Diese Synergien weiterzuentwickeln sei ihr ein wichtiges Anliegen.
Im Zentrum der Diskussion stand das Policy Paper mit Handlungsempfehlungen "Bildung für nachhaltige Entwicklung: Zukünfte gestalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken", das von den Autoren Dr. Antje Brock (Freie Universität Berlin), Prof. Harald Hantke (Leuphana Universität Lüneburg) und JProf. Steve Kenner (Päd. Hochschule Weingarten) präsentiert wurde. Die Nationale Plattform hatte das Autorenteam in der Sitzung am 9. Dezember 2025 mit der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen auf der Grundlage eines in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe erarbeiteten Konzepts beauftragt. Das Autorenteam stellt in seiner Analyse einleitend fest, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung angesichts multipler globaler Krisen, gesellschaftlicher Transformationen und wachsender Unsicherheit zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Das besondere Potenzial für die Stärkung gesellschaftlichen Zusammenhalts sehen die Autoren darin, dass BNE ökologische, soziale, ökonomische und politische Fragen zusammenführt, mit Fragen von Demokratie, Gerechtigkeit und Zusammenhalt verknüpft und das Verständnis komplexer gesellschaftlicher Probleme fördert. Dabei wird aber auch klargestellt, dass die Gestaltung der Transformation gesamtgesellschaftliche und politische Lösungen braucht: Bildung und BNE können gesellschaftliche Rahmenbedingungen nur bedingt beeinflussen. Als entscheidend für die Wirksamkeit von BNE wird die Verknüpfung von Lernen mit konkretem Handeln und die Förderung von Partizipation, Kooperation und Dialog hervorgehoben. Diese Elemente sollten weiter gestärkt und reale Mitgestaltung weiter gefördert werden. Eine wichtige Rolle wird dabei den Kommunen als effektive Bildungsräume beigemessen, in denen Nachhaltigkeitslösungen in Zusammenarbeit von Verwaltung, Zivilgesellschaft, Schulen und Betrieben erarbeitet und reflektiert werden. Die Autoren empfehlen die Förderung einer Kultur des Zuhörens und Stärkung von Diskursfähigkeit für einen produktiven Umgang mit Kontroversität. Dabei bedeutet Kontroversität, wie die Autoren betonen, nicht Beliebigkeit: Prinzipien der Demokratie, Menschenrechte und Nachhaltigkeit sind Teil des demokratischen Bildungsauftrags. Die Lehrenden sollten in der Ausübung des demokratischen Bildungsauftrags unterstützt und gestärkt werden. Für die weitere Entwicklung sprechen sich die Autoren dafür aus, BNE stärker mit politischer Bildung zu verbinden und das Verständnis systemischer Ursachen und politischer Entscheidungsprozesse zu fördern. Auch in der Stärkung von politischer Medienkompetenz im Umgang mit Desinformation und sozialen Medien wird Entwicklungspotenzial gesehen.
Die Mitglieder der Nationalen Plattform begrüßten in einer auf der Sitzung mit großer Mehrheit beschlossenen Stellungnahme die Handlungsempfehlungen als wichtige Grundlage für die weitere Arbeit und nahmen diese zustimmend zur Kenntnis (Mehrheitsbeschluss). Einige Mitglieder äußerten Bedenken gegen eine stärkere Verknüpfung von BNE mit politischer Bildung wegen möglicher Doppelstrukturen und forderten eine intensive Diskussion in den Gremien der Nationalen Plattform. Die Handlungsempfehlungen werden in die internationalen Diskurse der UNESCO zur Weiterentwicklung von BNE bis 2030 und die Perspektiven nach 2030 eingebracht. Außerdem ist geplant, auf dem BNE-Portal Beispiele guter Praxis aus den verschiedenen Bildungsbereichen und Kommunen zu veröffentlichen.
Darüber hinaus verabschiedete die Nationale Plattform einstimmig das "Impulspapier zur Stärkung der Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Weiterbildung". Erarbeitet von der NP-Arbeitsgruppe Fort-, Weiter- und Erwachsenenbildung setzt die Nationale Plattform damit ein wichtiges Signal, Weiterbildung als wirkungsvollen Hebel für eine Verankerung von BNE im Bildungssystem zu stärken und die Bedeutung von BNE in der Weiterbildung sichtbar zu machen. Das Impulspapier bezieht sich auf alle Bereiche der Weiterbildung – allgemeine, berufliche und wissenschaftliche Weiterbildung.
Als wesentliche Maßnahmen empfiehlt die Nationale Plattform,
- nachhaltigkeitsorientierte Standards und Leitlinien weiterzuentwickeln (u. a. durch Integration in Landesgesetze zu kommunalen Bildungsangeboten oder geregelter Fortbildung),
- die Praxis der Weiterbildung für nachhaltige Entwicklung zu stärken (z. B. durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und Ausweitung der Reichweite von BNE-Angeboten durch zielgruppenspezifische Angebote auch für bildungsbenachteiligte Erwachsene),
- Weiterbildung einer nachhaltigen Entwicklung zu professionalisieren (durch Förderung von Qualifizierungen für Lehrende und Multiplikatoren und Nutzung innovativer Lernmethoden - interdisziplinär, lebensweltbezogen, partizipativ, interaktiv, digital),
- Vernetzung und Strukturentwicklung einer Weiterbildung für nachhaltige Entwicklung (u. a. durch breite Zusammenarbeit von Weiterbildungseinrichtungen mit anderen gesellschaftlichen Akteuren, Einbindung von BNE in Strategien zur Stärkung der Weiterbildung).
Hintergrundinformationen
Als oberstes Lenkungsgremium des politischen Prozesses der strukturellen Verankerung von BNE in Deutschland steuert die NP BNE die Umsetzung des UNESCO-Weltprogramms "BNE 2030" in Deutschland. Ihr gehören bis zu 45 Vertreterinnen und Vertreter aus Bund, Ländern, Kommunen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an. Weitere Mitglieder der NP sind die (Co-)Vorsitzenden der BNE-Foren sowie die Vertretungen aus dem Jugendforum youpan und dem Partnerforum.
Weiterführende Links
Weiter zu Policy Paper mit Handlungsempfehlungen "Bildung für nachhaltige Entwicklung: Zukünfte gestalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken" der Autoren Dr. Antje Brock, Prof. Harald Hantke und JProf. Steve Kenner
Weiter zu Stellungnahme der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung zu den Handlungsempfehlungen "Bildung für nachhaltige Entwicklung: Zukünfte gestalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken" der Autoren Dr. Antje Brock, Prof. Harald Hantke und JProf. Steve Kenner
Mehr zum "Impulspapier zur Stärkung der Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Weiterbildung"
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