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Nachhaltigkeit in der Beruflichen Bildung: Beachtliche Fortschritte in Spannungsfeldern : Meldung vom

Eine aktuelle Dokumentenanalyse des Nationalen Monitorings zu Bildung für nachhaltige Entwicklung zeigt den aktuellen Stand der Verankerung von Beruflicher Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) in Deutschland auf.

Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit in der Beruflichen Bildung in Deutschland? Wie hat sich die Verankerung Beruflicher Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) in den vergangenen Jahren entwickelt? Der Bericht "Nachhaltigkeit in Spannungsfeldern – Fortschritte, Lücken und Gestaltungsräume bei der Verankerung von BBNE" von Marcus Schneider und Dr. Jorrit Holst liefert hierzu eine Bestandsaufnahme. Sie analysieren, inwieweit und in welcher Art und Weise Nachhaltigkeit und BBNE in den Dokumenten der Beruflichen Bildung und damit strukturell verankert ist.

Grundlage der Untersuchung ist eine umfangreiche Dokumentenanalyse des Nationalen Monitorings zu Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) am Institut Futur der Freien Universität Berlin. Dafür wurden über 1.400 Dokumente aus Politik, Berufsbildungspraxis und Lehrkräftebildung ausgewertet – darunter Ausbildungsordnungen, Rahmenlehrpläne, Gesetze, Empfehlungen der Kultusministerkonferenz (KMK) sowie Materialien zur Aus- und Weiterbildung von beruflichem Lehrpersonal.

Die Ergebnisse heben hervor: Nachhaltigkeit ist in der Beruflichen Bildung inzwischen wesentlich sichtbarer und verbindlicher geworden. Seit der Einführung von Mindestanforderungen zu "Umweltschutz und Nachhaltigkeit" (sogenannte Standardberufsbildposition) im August 2021 wird Nachhaltigkeit systematisch in Neuordnungen von Ausbildungsordnungen, neuen Rahmenlehrplänen und Umsetzungshilfen berücksichtigt. Besonders bemerkenswert ist, dass Nachhaltigkeit nicht mehr nur in klassischen Umwelt- oder Sozialberufen thematisiert wird, sondern zunehmend auch in technischen und handwerklichen Berufen an Bedeutung gewinnt.

Der Bericht zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie Nachhaltigkeit bereits konkret in die ordnenden Dokumente der Beruflichen Bildung integriert wird, etwa durch die Berücksichtigung ressourcenschonender Produktionsweisen, verantwortungsvoller Lieferketten oder Möglichkeiten des Materialrecyclings. Wegweisend sind außerdem die KMK-Empfehlungen zur Qualitätsentwicklung für berufliche Schulen sowie die Aufnahme von Nachhaltigkeit in den Rahmenplan zur Ausbildereignungsverordnung.

Gleichzeitig wird deutlich, dass die Qualität und Tiefe dieser Verankerung weiterhin stark variiert. Während ökologische und ökonomische Aspekte zunehmend Eingang in die Berufsbildung finden, werden soziale Fragen nachhaltiger Entwicklung sowie die konkrete Befähigung zur aktiven Mitgestaltung gesellschaftlicher Transformation seltener berücksichtigt. Dabei hebt der Bericht die Bedeutung von Themen wie Demokratiebildung, sozialer Verantwortung, Umgang mit Zielkonflikten sowie die Entwicklung nachhaltiger Lernorte auch für die berufliche Bildung hervor.

Im Spannungsfeld gesellschaftlicher Entwicklungen bewegt sich die Berufliche Bildung weiter zwischen dem Anspruch, für eine ökologisch tragfähige und sozial gerechte Arbeitswelt auszubilden und dabei die Zielkonflikte und Herausforderungen der Berufs- und Arbeitspraxis zu adressieren.

Die Analyse unterstreicht, dass die größte Lücke bei der Integration von Nachhaltigkeit in der Beruflichen Bildung weiter in der Ausbildung von Lehrkräften und betrieblichem Bildungspersonal besteht. Nachhaltigkeit und BBNE sind bislang nur punktuell in Studiengängen und Fortbildungsangeboten verankert. Der Bericht diskutiert mit Blick auf zukünftige Entwicklungen unter anderem eine stärkere Verbindung zwischen nachhaltiger Schulentwicklung als Whole School Approach und politischer Bildung sowie eine stärkere Aufmerksamkeit auf das informelle Lernen zu (Nicht-)Nachhaltigkeit im betrieblichen Alltag.

Zum vollständigen Bericht "Nachhaltigkeit in Spannungsfeldern – Fortschritte, Lücken und Gestaltungsräume bei der Verankerung von BBNE"

Weitere Dokumentenanalysen zu den Bereichen frühkindliche Bildung, Schule und Hochschulbildung werden in Kürze veröffentlicht.

Zitationsempfehlung:

Schneider, M. & Holst, J. (2026). Nachhaltigkeit in Spannungsfeldern - Fortschritte, Lücken und Gestaltungsräume bei der Verankerung von BBNE. Bericht des Nationalen Monitorings zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Institut Futur, Freie Universität Berlin. https://dx.doi.org/10.17169/refubium-52273

Weitere Informationen

Ansprechpersonen: Marcus Schneider (schneider[at]institutfutur.de) & Dr. Jorrit Holst (holst[at]institutfutur.de)

Hintergründe und weitere Studien des Nationalen BNE-Monitorings finden sich auf der Projektseite des Institut Futur (Freie Universität Berlin) sowie auf dem BNE-Portal.