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OSZ GOES GREEN: Wie der Whole School Approach an der Brillat-Savarin-Schule in Berlin umgesetzt wird : Meldung vom

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bietet als Hebel für innovative ganzheitliche Schulentwicklung viele positive Potenziale. Dies zeigt sich auch an der Brillat-Savarin-Schule (Oberstufenzentrum Gastgewerbe) in Berlin.

Im Interview erläutern die Lehrkräfte Aisha Lahmann und Fabian Wenige, die die Planungswerkstatt OSZ GOES GREEN leiten, wie an ihrer Schule BNE gelebt wird.

Wie setzen Sie Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) an Ihrer Schule um?

"Wir setzen BNE im Whole School Approach um und unser Leitbild verankert die Zukunftsorientierung der Schule. In den schulinternen Curricula ist Nachhaltigkeit in den Lernfeldern verankert, zum Beispiel Lebensmittelverschwendung und Regionalität in der Küchenpraxis, Fairtrade in der Getränkekunde und umweltverträgliche Reinigung im Housekeeping. Seit dem Schuljahr 2024/2025 steht BNE im Mittelpunkt des Projektunterrichts von sechs Hotelfach-Klassen. Die Klassen arbeiten ein Schuljahr lang an selbst gewählten Themen, führen einen Nachhaltigkeits-Check im Ausbildungsbetrieb durch und gestalten Workshops für die Fit & Fair-Tage. Die Planungswerkstatt OSZ GOES GREEN koordiniert alle Projekte. Dazu kommen die nachhaltige Bewirtschaftung der Schule und Kooperationen, unter anderem mit dem Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU), Greenpeace (Schools for Earth) und Engagement Global."

Was war der Auslöser, dass Sie an Ihrer Schule BNE in die Schulentwicklung integriert haben?

"Ralf Späth hat sich als Abteilungsleitung schon früh für BNE an unserer Schule eingesetzt. 2021 entstand aus dem Modellprojekt 'Smarte Schule' die Planungswerkstatt OSZ GOES GREEN, die allen Nachhaltigkeitsaktivitäten ein gemeinsames Dach gibt. Seitdem versuchen wir, durch die regelmäßige Teilnahme an BNE-Wettbewerben Preisgelder zu gewinnen, mit denen dann die nächsten Ideen aus der Planungswerkstatt umgesetzt werden. Mit dem Schulentwicklungsprozess 'OSZ 2025' wurde die Zukunftsorientierung im Leitbild verankert. Außerdem bilden wir viele junge, internationale Menschen für eine globale Branche aus. Sie können als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in ihren Betrieben wirken."

Wie haben Sie den Prozess initiiert? Was waren die wichtigsten ersten Schritte?

"2021 haben Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Verwaltung und externe Expertinnen und Experten im Design-Thinking-Workshop 'Smarte Schule' mit dem Infra-Lab und der Berliner Energieagentur einen Maßnahmenkatalog und eine Roadmap entwickelt. Die wichtigsten ersten Schritte waren: Die Planungswerkstatt OSZ GOES GREEN einrichten und zwei Lehrkräfte für die Koordination benennen, einen eigenen Schulcloud-Channel starten und eine Ideen-Pinnwand sowie ein Kanban-Board [Anmerkung Redaktion: Projektmanagement-Werkzeug zur Darstellung von Arbeitsabläufen] einführen. 2022 folgte das schulinterne Entwicklungsprojekt OSZ GOES GREEN. 2024 haben wir die zuvor entwickelte Roadmap im UfU-Projekt KlimaVisionen aktualisiert."

Welche Personengruppen sind in den Prozess involviert? Welche Aufgaben übernehmen sie? Wie gestalten Sie an Ihrer Schule Beteiligung?

"Beteiligt sind alle. Schulleitung und Abteilungsleitungen sichern die Rahmenbedingungen. Engagierte Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte organisieren die Projekte in Teams, Hausmeister und Mensateam unterstützen die Umsetzung. Die Beteiligung ist basisdemokratisch: Jede Idee kommt an die Ideen-Pinnwand, wird abgestimmt und über das Kanban-Board umgesetzt. Die Planungswerkstatt trifft sich inzwischen alle zwei bis drei Wochen während der Unterrichtszeit, damit auch Schülerinnen und Schüler teilnehmen können. Im Projektunterricht übernehmen Schülerinnen und Schüler auch die Rolle der Lehrenden, zum Beispiel als Workshopleitung an den Fit & Fair-Tagen."

Wie haben Sie Herausforderungen und Hürden auf dem Weg überwunden bzw. überwinden Sie diese aktuell?

"An einer Schule unserer Größe mit rund 4.000 Schülerinnen und Schülern und 170 Lehrenden ist es schwierig, alle zu beteiligen. Wir versuchen durch die Planungswerkstatt eine offene Beteiligungsplattform zu bieten, bei der alle am Schulleben Beteiligten vorbeikommen können. Bei drei unterschiedlichen Schulstandorten ist dies leider nicht immer möglich. Eine weitere Herausforderung ist es, die vielen Einzelprojekte sichtbar zu machen, so dass alle über die unterschiedlichsten BNE-Aktivitäten informiert sind. Das Kanban-Board dient als transparentes Instrument, um über die Planung, Umsetzung und die erfolgreich, abgeschlossenen Projekte zu informieren. Dank eines Entwicklungsprojekts mit drei Anrechnungsstunden kann seit dem Schuljahr 2025/2026 die Planungswerkstatt regelmäßig durchgeführt werden."

Wie halten Sie die Motivation der Schulgemeinschaft hoch?

"Wir machen Erfolge sichtbar und feiern Meilensteine gemeinsam, über den Schulcloud-Channel OSZ GOES GREEN, einen Newsletter und Instagram. Auszeichnungen wie der Schulpreis von Engagement Global 2024 oder der Sonderpreis beim Energiesparmeister 2025 motivieren zusätzlich. Gemeinsame Aktionen wie das Stadtradeln mit Preisen, Pflanzaktionen und die Fit & Fair-Tage machen Nachhaltigkeit erlebbar. Pfandgelder fließen in sichtbare Verbesserungen, etwa neue Sportgeräte oder Hygieneprodukte auf den Toiletten. Und vor allem setzen Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Ideen um."

Welche positiven Veränderungen haben sich seit der Integration von BNE in die Schulentwicklung bei Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern oder anderen Personengruppen gezeigt?

"Die Schülerinnen und Schüler beteiligen sich aktiv und engagiert an Planungs- und Entscheidungsprozessen und führen eigene Workshops für die Schulgemeinschaft durch. Durch die Planungswerkstatt ist die gesamte Schulgemeinschaft beteiligt und aus vielen Einzelprojekten entsteht ein gemeinsames Nachhaltigkeitskonzept. Auch sichtbare Ergebnisse gibt es: deutlich weniger Müll, LED-Beleuchtung, Blühwiesen, ein Grünes Klassenzimmer und Mehrwegbecher in der Cafeteria."

Welche Empfehlungen möchten Sie anderen Schulen mitgeben, die sich auf den Weg machen?

"Geben Sie allen Aktivitäten ein gemeinsames Dach, zum Beispiel eine Planungswerkstatt und benennen Sie feste Verantwortliche. Beziehen Sie alle ein, vom Hausmeister bis zur Schulleitung, und bleiben Sie offen für Ideen der Schülerinnen und Schüler. Verankern Sie Nachhaltigkeit in den Lehrplänen statt als Extrafach. Nutzen Sie Wettbewerbe, Netzwerke und externe Partner als Impulsgeber und machen Sie Erfolge sichtbar. Setzen Sie sich außerdem für Freiräume sowie zeitliche und finanzielle Ressourcen ein, etwa durch Anrechnungsstunden."

Über die Brillat-Savarin-Schule in Berlin:

  • Bundesland: Berlin
  • Schularten: Oberstufenzentrum mit Integrierter Berufsausbildungsvorbereitung, Berufsschule, gymnasialer Oberstufe, Hotelfachschule
  • Hospitation möglich: ja
  • Startchancen-Schule: ja
  • BNE-Label: Umweltschule in Europa, DSLK-Schulpreis BNE 2024, Energiesparmeister

Weiterführende Links

Informationen und Kontakt zur Brillat-Savarin-Schule

Zur Infothek "Informationen zur ganzheitlichen Schulentwicklung"