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Kopenhagen: "Politiker können es sich nicht leisten, mit leeren Händen zurückzukommen"

© Wuppertal Institut Prof. Manfred Fischedick
Prof. Manfred Fischedick

Vom 7. bis zum 18. Dezember treffen sich in Kopenhagen Regierungsvertreter aus mehr als 190 Staaten. Sie verhandeln über ein neues Abkommen zum Klimaschutz. Prof. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Institut, erklärt im Interview, warum die Politiker konkrete Schritte vereinbaren müssen und warum Bildung ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den Klimawandel ist.

Schon vor Beginn des Gipfels zeichnete sich ab: Ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen wird es in Kopenhagen vermutlich nicht geben. Kann der Gipfel dennoch ein Erfolg für den Klimaschutz werden?
Ich bin nicht so pessimistisch wie viele andere. In den letzten Tagen mehren sich die Selbstverpflichtungen der Länder, die bisher eher zurückhaltend waren – etwa die USA oder China. Auch wenn die Vorschläge noch nicht hinreichend sind, um das den Temperatuanstieg auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, sind das doch erste wichtige Schritte. Der Druck auf die Staatengemeinschaft, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und endlich zu handeln, ist immens. Sehr viele Regierungschefs haben angekündigt, selber nach Kopenhagen zu kommen. Diese Tatsache zeigt, dass die Handlungsnotwendigkeit erkannt ist. Sie können es sich nicht leisten, mit leeren Händen nach Hause zu kommen. Die nachkommenden Generationen werden zu recht fragen: "Warum habt ihr trotz besseren Wissens nicht anders gehandelt?" Zudem hat sich in vielen Ländern mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass Maßnahmen zum Klimaschutz nicht nur eine zwingende Voraussetzung sind, um eine weit größere Verwerfung als die aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise zu vermeiden, sondern auch einen aktiven Beitrag zu deren Überwindung leisten können.

Welche Konsequenzen drohen, wenn es die Weltgemeinschaft nicht schafft, die Erderwärmung in den kommenden Jahrzehnten zu stoppen?
Es ist quasi die letzte Chance, die der Staatengemeinschaft noch bleibt, effizient gegensteuern zu können und dramatische Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen. Warten wir weiter ab und gelingt es uns erst in 15 oder 20 Jahren oder gar noch später zu einer Trendumkehr zu kommen - also die Treibhausgasemission weltweit nicht weiter ansteigen zu lassen, sondern in einen Minderungspfad einzuschwenken - dann wäre das 2-°C-Ziel nur noch mit einem nur theoretisch denkbaren „Sturzflug“ der Emissionen zu erreichen. Politische Abkommen sind das eine, doch um den Klimawandel zu stoppen, muss sich die gesamte Gesellschaft verändern.

Welcher Wandel muss sich vollziehen?
Die Zeit für Maßnahmen drängt. Noch ist es aber möglich, die Weichen richtig zu stellen, die notwendigen Technologien dafür stehen bereit, es fehlt aber an ihrer konsequenten Verwendung. Vor allem mit einem konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien und der Ausschöpfung von Energieeffizienzpotenzialen können global und national die anzustrebenden Minderungsziele erreicht werden. Ein derartiger Transformationspfad ist auch finanzierbar, das belegte kürzlich noch die Internationale Energieagentur im World Energy Outlook 2009. Deutschland als Innovations- und Technologiestandort könnte von einer derartigen Entwicklung ganz massiv profitieren. Dafür müssen wir es schaffen, eine Blaupause für eine nachhaltige und klimaverträgliche Industriegesellschaft zu entwickeln, verbunden mit einem Transformationsprozess zu nachhaltigen Konsum- und Lebensstilen. Technik allein ist nicht die Lösung, notwendig sind zudem ein kultureller Wandel und eine Veränderung der Einstellung in den Köpfen: bei den privaten Verbrauchern ebenso wie bei politischen und industriellen Entscheidungsträgern.

Welche Rolle kann hier Bildung spielen? Was muss sie Kindern und Jugendlichen vermitteln?
Die Grundlage für das Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit ist Bildung. Sie ist die Basis für Urteilsfähigkeit und befähigt den Menschen zur aktiven Gestaltung einer nachhaltigeren Zukunft. Eine lernende Gesellschaft ist angewiesen auf die breit angelegte, kritische Auseinandersetzung über Problemlagen und Lösungen. Auch wenn es sich primär in den nächsten beiden Dekaden entscheidet, ob sich die Auswirkungen des Klimawandels überhaupt noch auf ein tolerables Maß begrenzen lassen, ist Klimaschutz für dieses Jahrhundert eine Daueraufgabe. Der Bildung kommt dabei eine ganz entscheidende Rolle zu. Sie muss für das Thema sensibilisieren, sie muss das notwendige Hintergrundwissen bereitstellen und ist die Basis für den notwendigen kulturellen Wandel.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Anliegen der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung"?
Die UN-Dekade in Deutschland hat sich zu einem starken Katalysator der Neuorientierung unserer Bildungssysteme in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt. Die Ergebnisse der ersten fünf Jahre der UN-Dekade, die von UNESCO koordiniert wird, zeigen, dass viele Länder signifikante  Fortschritte bei der Umsetzung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung gemacht und innovative politische Rahmenbedingungen geschaffen.