Politische Unterstützung für BNE im Mittelmeerraum

Mehr politische Unterstützung für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu gewinnen – das ist eines von fünf prioritären Handlungsfeldern des Weltaktionsprogramms BNE. Wie erfolgreich waren BNE-Akteure aus aller Welt bisher, dieses Ziel zu verwirklichen? Dazu tauschten sich 60 Vertreter aus Bildungs- und Umweltministerien sowie  18 Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) der Mittelmeerländer und fünf Vertreter internationaler Organisationen vom 22. bis 24. November 2017 in Nikosia, Zypern aus.

BNE-Lenkungsausschuss für den Mittelmeerraum

Die Teilnehmenden  bilden gemeinsam den BNE-Lenkungsausschuss der Mittelmeerländer, in dem auch die UNESCO-Mitglied ist.  Dieser begleitet die Umsetzung der Strategie für BNE in der Mittelmeerregion und des zugehörigen Aktionsplans.

Costas Kadis, Bildungsminister Zyperns, eröffnete das Treffen und betonte, dass BNE ein „starkes und wirkungsvolles Instrument“ für die Lösung verschiedenster globaler Probleme sei. Menschen aus dem Mittelraum seien betroffen vom Klimawandel, dem Verlust von Biodiversität, bewaffneten Konflikten und Vertreibung. BNE helfe ihnen dabei, sich diesen Herausforderungen zu stellen: „Unsere Bemühungen, den Frieden und die Menschenrechte zu wahren, sind nicht ausreichend gewesen und müssen daher weiter optimiert werden. Wir müssen individuell, aber auch kollektiv, Maßnahmen ergreifen und im Rahmen von BNE aktiv werden. Das Ziel der BNE-Strategie der Mittelmeerregion ist es, Bürger hervorzubringen, deren Handlungen und Werte von BNE angeregt und inspiriert wurden.“

„Für unsere Region ist BNE ein Imperativ, keine Wahl“

Die einzelnen Mitgliedsländer haben bisher viel erreicht, wenn es um die Etablierung und Implementierung nationaler Strategien und eines Aktionsplans geht. In vielen Ländern spielt BNE im schulischen und außerschulischen Bildungsbereich eine Rolle. Auch in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften wird BNE wichtiger. Der Tunesier Mohamed Ftouhi,  stellte klar: „Für unsere Region ist BNE ein Imperativ, keine Wahl!“

In den kommenden Jahren gelte es verstärkt Ressourcen zu mobilisieren, die interministerielle Zusammenarbeit zu verstärken und den privaten Sektor mehr einzubinden. Außerdem sei es wichtig,  Monitoring- und Evaluationsmechanismen zu etablieren. Prof. Michael Scoullos, Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für  BNE in der Mittelmeerregion,  erklärte, dass vor allem die enge Zusammenarbeit zwischen Ländern, UNESCO und weiteren internationalen Organisationen zum Erfolg in der regionalen BNE-Landschaft geführt habe.

Partnernetzwerke des Weltaktionsprogramms in der Mittelmeerregion

Die UNESCO fördert BNE in der Mittelmeerregion durch ihr Weltaktionsprogramm (WAP) und die dazugehörigen  Internationalen Partnernetzwerke. Ein wichtiger Partner der UNESCO vor Ort ist dabei die „Mediterranean Education Initiative for Environment and Sustainability“ (MEdIES), deren Sekretariat die technische Unterstützung beim Treffen übernommen hat. Weitere wichtige Partner des WAP befinden sich in Griechenland, Jordanien, Libanon, Marokko und Spanien.

Das Projekt „Zikra for Popular Learning“ aus Jordanien gewann im November den UNESCO-Japan Preis für Bildung für nachhaltige Entwicklung 2017. Es befördert Tourismus zwischen marginalisierten ländlichen Gemeinden und wirtschaftlich erfolgreichen Städten, um die Lebensverhältnisse auf dem Land zu verbessern und wirtschaftliche Entwicklung dort zu stärken. Beide Seiten lernen dabei außerdem mehr über verschiedene lokale Kulturen und Identitäten Jordaniens, was die gegenseitige Wertschätzung erhöht

Die libanesische NGO „Organisation de Développement Durable“ (ODDD) arbeitet mit Jugendlichen und Gemeinschaften zusammen, um einen nachhaltigen Lebensstil auf lokaler und internationaler Ebene zu etablieren. Sie stellt außerdem die ökonomische Entwicklung sicher, fördert soziale Gerechtigkeit und schützt die Umwelt. Die Organisation entwickelte unter anderem eine nachhaltige öffentliche Transportstrategie für die älteste permanent besiedelte Stadt der Welt, Byblos. Sie bildete Studierende aus, diese Strategie umzusetzen.

Das UNESCO-Regionalbüro für Europa in Venedig legt Wert darauf,  BNE interdisziplinär voranzubringen und den regionalen Kontext sowie  die spezifischen Bedürfnisse der Mitgliedsstaaten einzubeziehen. Verschiedene Aktivitäten veranschaulichen dies: das „Arc of Inquiry project“ verbessert die wissenschaftliche Bildung durch weibliche Lehrerinnen und Studentinnen. Dazu veranstaltet sie Workshops, zuletzt im Oktober 2017 in Albanien. Weitere Beispiele sind das „MAB Jugendforum“ im italienischen Po-Delta (September 2017) und das zweite „Open Balkan“ UNESCO Sitzungstreffen mit Fokus BNE  im Oktober 2017 im rumänischen Bukarest, Rumänien.

Miriam Tereick, die bei dem Treffen die UNESCO-Zentrale vertrat, äußerte sich sehr zuversichtlich: „die Entwicklungen im Mittelmeerraum sind vorbildlich. Sie dienen als inspirierende Beispiele für andere Regionen der Welt.“