BNE international durch den Wissenschafts-Politik-Link voranbringen

Im Vorfeld des World Environmental Education Congress (WEEC) in Vancouver fand vom 06. bis 08. September das Science & Policy Forum zu nachhaltigkeits - und klimabezogener Bildung statt, es trug den Titel „Research-Policy Collaborations in Furthering Monitoring, Evaluation, and Research in Climate Change and Sustainability Education“. Ziel war es, im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und verwandten Konzepten den Nexus zwischen Wissenschaft und Politik auf länderübergreifender und ländervergleichender Ebene besser zu verstehen und zu stärken.

Einen weiteren thematischen Schwerpunkt bildeten Monitoring- und Evaluationsprozesse zu BNE. Die Initiatoren des Treffens Prof. Marcia McKenzie (Saskatchewan University, Kanada) und Prof. Alan Reid (Monash University, Australien) luden  30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kanada, den USA, Jamaica, Australien, Großbritannien, Schweden, Ungarn, Deutschland und Indien ein. Den Rahmen bildete das internationale Netzwerk von Forschern und Organisationsvertretern zur Förderung von Nachhaltigkeit in Bildungspolitik und Bildungspraxis The Sustainability and Education Policy Network (SEPN). Aus Deutschland war die Arbeitsstelle des Wissenschaftlichen Beraters des Weltaktionsprogramms BNE durch Antje Brock vertreten.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Der Austausch der internationalen Teilnehmer illustrierte die großen Unterschiede hinsichtlich der Priorität, mit der in verschiedenen Ländern BNE und verwandte Konzepte vorangetrieben werden sollen. Auch Art und Ausmaß der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wissenschaft sind in diesem Themenfeld höchst divers. Antje Brock berichtet: „Dies ist insofern entscheidend, da ein besonderes Potential in einer größeren Zusammenarbeit zwischen diesen Bereichen gesehen wird. VertreterInnen des Politiksektors aus verschiedenen Ländern, in denen es marginale oder keine systematische Verschränkung von Wissenschaft und Politik hinsichtilich BNE gibt, haben die Relevanz von gut auffindbaren und handhabbaren wissenschaftlichen Arbeiten als Fundierung für ihre Förderung von BNE betont, die angesichts ihres knappen Zeitbudgets jedoch entsprechend aufbereitet sein müssen. Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist ein Forschungsdesiderat zu dem Thema Politik-Wissenschafts-Schnittstelle im Kontext von Bildung und Nachhaltigkeit zu verzeichnen.“

Der Austausch zu Monitoring und Evaluation von BNE hat gezeigt, dass dies bisher kaum systematisch auf nationaler Ebene durchgeführt wird. Antje Brock erklärt: „Daher fallen Kanada als auch Deutschland als Beispiele guter Praxis auf. Hierbei sticht die systematische Arbeit des Sustainability and Education Policy Network hervor. Neben einem Kanada-weiten Monitoring von BNE tragen sie durch Foren wie das hier Beschriebene zur tieferen Verschränkung von BNE-bezogener Wissenschaft und Politik und damit zur besseren Sichtbarkeit des Themas bei. Zudem betreiben die InitiatorInnen des Forums Capacity-Building, indem sie beispielsweise ein Toolkit für Monitoring und Evaluation zur Verfügung stellen.“ Aus internationaler Perspektive fällt Deutschland durch sein umfangreiches Monitoringverfahren und die strukturelle Verankerung der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wissenschaft auf, die vor allem in der Arbeitsstelle des Wissenschaftlichen Beraters und in der Besetzung der nationalen Fachforen zu BNE zum Ausdruck kommt. Diese strukturelle Adressierung der Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft wird von den weiteren Ländern als konstruktiv und erstrebenswert wahrgenommen.

Stärkere Vernetzung

Im Zusammenhang mit BNE-bezogenem Monitoring und Evaluation wurden neben den Vorteilen, Chancen und methodischen Fragen zudem die Grenzen des Mess- und Operationalisierbaren betont. Hierbei wurde der Wert von einem breiten und nicht instrumentalisierbaren Konzept, wie es unter anderem in der deutschen Tradition von „Bildung“ angelegt ist, durch Prof. Reid und andere hervorgehoben.

Antje Brock zieht sieht als Fazit dieses äußerst konstruktiv verlaufenen ersten Treffens eine quantitativ als auch qualitativ stärkere Vernetzung sowohl zwischen als auch innerhalb verschiedener Länder und sowohl zwischen als auch innerhalb von Wissenschaft und Politik. „Es besteht ein überaus großes Interesse an einem engeren internationalen Austausch in Sachen Wissenschafts-Politik-Nexus, aber auch eines Vergleichs von struktureller Implementierung von BNE und verwandten Konzepten sowie entsprechenden Monitoring- und Evaluationsprozessen. Angesichts der positiven Erfahrungen und der Synergien, die in engerer Zusammenarbeit gesehen werden, folgt nun die Konkretisierung weiterer gemeinsamer Schritte über einen bereits beschlossenen engen Wissensaustausch hinaus“, berichtet sie.

World Environmental Education Congress

Die Eindrücke der ersten beiden Tage des direkt im Anschluss stattfindenden World Environmental Education Congress bekräftigen die Wahrnehmung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin, dass international nur eine Minderheit der vertretenen Länder BNE und verwandten Konzepten eine angemessene Position in der politischen Prioritätensetzung zukommen lässt. Versuche, Umweltbildung und BNE stärkeres Gewicht zu verleihen durch eine Rückbindung an die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) waren mehrfach vertreten, zudem war ein inhaltlicher Strang des Kongresses der Integration des Wissens indigener Völker in BNE und Umweltbildung gewidmet.