Blick in die Zukunft von BNE

25 Expertinnen und Experten aus 16 Ländern trafen sich am 27. und 28. März 2017 zum zweiten internationalen UNESCO-Symposium mit lokalen Akteuren in Gelsenkirchen, um Zukunftsfragen der BNE zu diskutieren.

UNESCO-Symposium in Gelsenkirchen

Wie können BNE-Lernerfahrungen dazu beitragen, Gesellschaften zu transformieren? Wie können wir Lernumgebungen und -erfahrungen so gestalten, dass sie Empathie, Leidenschaft und nachhaltiges Handeln stimulieren? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, versammelten sich am 27. und 28. März 2017 internationale Expertinnen und Experten sowie lokale Akteure für ein UNESCO-Symposium in Gelsenkirchen.

Die zweitägige Veranstaltung regte zum Gedankenaustausch, Dialog und Teilen von Narrativen und Perspektiven zwischen lokalen Akteuren und Experten verschiedener Disziplinen an. Teilnehmende diskutierten über Voraussetzungen und Methoden, die Soft Skills, Werte und Einstellungen fördern, um Bürgerinnen und Bürger in die Lage zu versetzen, die notwendigen Veränderungen für die Gestaltung einer nachhaltigen Gesellschaft umzusetzen.

Die 25 Teilnehmenden aus 16 Ländern – darunter Australien, Bhutan, Brasilien, Finnland, Indien, Japan, Kanada, Madagaskar, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Senegal, Südkorea, Großbritannien und USA – repräsentierten unterschiedliche Disziplinen, von Neurowissenschaften, Informationstechnologie und Soziologie bis zur Lehrerbildung, Medien und Jugend, alle mit einem Schwerpunkt im Bereich Nachhaltigkeit.

Das Symposium in Gelsenkirchen war das zweite in einer Reihe von insgesamt fünf Symposien, welche die UNESCO ins Leben gerufen hat, um neue Ideen zu entwickeln und die Relevanz und Kontinuität von BNE über das Weltaktionsprogramm hinaus sicherzustellen.

Besuch von Leuchtturmprojekten in Gelsenkirchen

Zu den Highlights des Symposiums zählten die Besuche von drei ortsansässigen Lernorten.

Projekt-basiertes Lernen wird am Weiterbildungskolleg Emscher Lippe (WEL), an dem junge Erwachsene ihren Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg erwerben können, als Teil eines ganzheitlichen BNE-Ansatzes aktiv umgesetzt. Zurzeit nimmt das WEL an der Kampagne „Schule der Zukunft“ 2016-2020 teil, um sein BNE-Engagement mit Hilfe lokaler Netzwerke und Aktivitäten zu intensivieren. In einer Stadt, in der  40% der Einwohner einen Migrationshintergrund haben, bindet das WEL soziale Nachhaltigkeitsthemen wie Rassismus und Diversität aktiv in das Lernen ein. Die zum großen Teil erwachsenen Schüler werden dazu ermutigt, Nachhaltigkeit auch in ihrem Alltag und Berufsleben zu reflektieren. Auf die Frage, wie das Lernen ihren Alltag verändert habe, antworteten Schüler des WEL, sie hätten „gelernt das Leben wertzuschätzen“, wären „offener, verständnisvoller und neugieriger geworden, warum Menschen so sind wie sie sind.“

Gelsenkirchen

sieht BNE als Chance, um sich den Herausforderungen im Ruhrgebiet zu stellen.


Deutsche Kommunen

setzen sich besonders für BNE ein


BNE als Standortfaktor für Kommunen

Interview mit Dr. Manfred Beck, ehemaliger Beigeordneter der Stadt Gelsenkirchen


Als zweites stand der Besuch des außerschulischen Lernortes „Ziegenmichelhof“ auf dem Programm - ein Lehr- und Erlebnisbauernhof für Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. Der Hof hat sich aus einem offiziellen Projekt der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung 2013/14 entwickelt. Er befindet sich etwas abseits der Stadt auf einem alten Bauernhof mit Garten. Die Teilnehmenden lernten zwei BNE-Leuchtturmprogramme des Hofes kennen, die sowohl Soft Skills als auch Werte für nachhaltige Entwicklung vermitteln.

Das Wellness- und Kosmetik-Programm für Mädchen vermittelt Wissenswertes zu Gesundheitsthemen, natürlichen Ressourcen und einem nachhaltigen Lebensstil. Das „Harmonie mit Pferd“ Programm stellt das Erlernen von Empathie in den Vordergrund, um Verantwortung für andere (in diesem Fall für Pferde) zu übernehmen und dies in einem weiteren Schritt auf die soziale und globale Dimension übertragen zu können.

Das dritte Exkursionsziel, der Biomasse Park Hugo, wurde auf dem ehemaligen Bergwerk Hugo 2/5/8 in Gelsenkirchen-Buer errichtet. Der Energiepark für erneuerbare Energien fungiert als Ort lebenslangen Lernens für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das zuvor unzugängliche Gebiet des Parks ist zu einem öffentlichen Raum und einer Fläche für projekt-basiertes Lernen für die Menschen Gelsenkirchens geworden. Lokale Akteure organisieren Workshops mit den Einwohnern, in denen die Herausforderungen der Neugestaltung des Gebiets durch kritisches Denken, gemeinsame Entscheidungsfindung und Problemlösungen angegangen werden. Mit der Unterstützung lokaler Organisationen werden die Einwohner zu Change Agents und der Park zu einer Lernumgebung und zu einem Lebensraum für nachhaltige Entwicklung. Kollektives Lernen wird somit die Grundlage für eine gemeinsame Vision und Aktionen für eine nachhaltige Stadtgesellschaft.

Alle drei Lernorte zeigen auf beeindruckende Weise wie Partizipation und Demokratie gelebt werden können und in einer hoffnungs- und vertrauensvollen Atmosphäre zur Gestaltung einer nachhaltigen Gesellschaft beitragen. Gemeinsam zeigen sie auf, wie qualitativ hochwertige Lernorte entwickelt werden können.

BNE-Landschaft

Zahlreiche Akteure beschäftigen sich in Deutschland mit dem Thema "Nachhaltige Städte und Gemeinden".


Eigenverantwortung, Relevanz und Peer-Lernen als Schlüsselelemente

In intensiven Diskussionen darüber, was und wie gelehrt werden soll und welche Veränderungen im Bildungssystem nötig sind, identifizierten die Teilnehmenden des Symposiums "Eigenverantwortung", "Relevanz" und "Peer-Lernen" als Schlüsselelemente, um Change Agents für nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Die Teilnehmenden hoben zudem erneut die Bedeutung von BNE hervor für die Lösung von sich kontinuierlich verändernden Herausforderungen für nachhaltige Entwicklung. Wie die Lernorte in Gelsenkirchen zeigten, könne Bildung durch die Einbeziehung der Zivilgesellschaft und die Vermittlung von Werten und Einstellungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung dazu beitragen, Neugierde und Eigenverantwortung zu wecken und aktives Handeln anzuregen.

Wir möchten besser werden

Bitte nehmen Sie sich 9 Minuten Zeit und beantworten unseren anonymen Fragebogen, damit wir das BNE-Portal noch stärker an Ihrem Bedarf ausrichten können.

Danke.