Der Nationale Aktionsplan

Vorwort und Präambel

In ihrem Vorwort erläutert Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung die Rahmenbedingungen des Nationalen Aktionsplans. In der Präambel legen die Mitglieder der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung ihren Standpunkt dar. Weiterhin sind hier zu finden: die Mitglieder der Nationalen Plattform, das Literaturverzeichnis und Impressum.

Vorwort

Wie können wir die Ernährungssicherheit für die Menschen auf der Erde gewährleisten, wie kann eine nachhaltige Energieversorgung aussehen und wie können wir mit unseren Entscheidungen und unserem Handeln dazu beitragen, dass wir global mehr Nachhaltigkeit erreichen? Das sind zukunftsentscheidende Fragen, auf die wir dringend Antworten finden müssen – Antworten, die nicht zu Lasten der nächsten Generationen gehen, sondern eine nachhaltige Entwicklung unseres Planeten ermöglichen, so wie sie von den Vereinten Nationen bereits 1992 und nun 2015 nochmals verstärkt in den globalen Nachhaltigkeitszielen gefordert und von allen 193 Mitgliedsstaaten in der Agenda 2030 beschlossen wurden.

Um dies zu erreichen, müssen wir unser Bildungssystem so ausrichten, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene das Wissen und die Fähigkeiten erwerben, die für die Beantwortung dieser Fragen nötig sind. Wir brauchen kreative Ideen, Visionen und Gestaltungsmut für eine nachhaltige Entwicklung. Nachhaltigkeit muss Bildungsziel sein, global und national. Die Vereinten Nationen unterstützen dieses Ziel mit dem UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung (2015–2019).

Deutschland leistet dazu seinen Beitrag mit dem Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Die Nationale Plattform BNE hat ihn am 20. Juni 2017 unter dem Vorsitz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) verabschiedet. Damit haben wir uns den Fahrplan für die Veränderung unseres Bildungssystems hin zu mehr Nachhaltigkeit gegeben. Das übergreifende Ziel des Aktionsplans ist es, BNE in allen Bereichen des deutschen Bildungswesens strukturell zu verankern. Die 130 kurz-, mittel und langfristigen Ziele des Aktionsplans zeigen auf, wo wir ansetzten müssen, um unser Bildungssystem weiterzuentwickeln: etwa in der Aus- und Weiterbildung der Pädagoginnen und Pädagogen, an den Lehr- und Bildungsplänen, direkt vor Ort in Lernorten – der Kita, der Schule, dem Betrieb, der Hochschule oder dem Sportverein. Oder bei der konsequenten Beteiligung junger Menschen am Wandel unseres Bildungswesens. All dies dient dem einen Ziel, eine nachhaltige Entwicklung unseres Lebens auf der Erde zu stärken und so die Lebensgrundlagen für morgen zu verbessern.

Ich danke allen, die an der Entwicklung dieses Nationalen Aktionsplans mitgewirkt haben, und allen, die sich weiterhin engagiert für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung einsetzen.

 

Cornelia Quennet-Thielen
Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung

Präambel

"Wir können die erste Generation sein, der es gelingt, die Armut zu beseitigen, ebenso wie wir die letzte sein könnten, die die Chance hat, unseren Planeten zu retten. (Ban Ki-Moon, UN-Generalsekretär von 2007 bis 2016 (S. 13, Punkt 50.))

Wir, die Mitglieder der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung, unterstützen mit dem hier vorliegenden Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung in unserem jeweiligen Zuständigkeitsbereich das Ziel einer strukturellen Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Bildungsbereichen in Deutschland

Die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (engl.: Sustainable Development Goals, kurz: SDGs), die die Vereinten Nationen im Jahr 2015 als Teil ihrer Agenda 2030 verabschiedet haben, stecken den Rahmen für die Bewältigung der immensen Herausforderungen ab: Armut, Geschlechterungleichheit, weltweite Gesundheitsgefahren, häufiger auftretende und an Intensität zunehmende Naturkatastrophen, gewalttätiger Extremismus, Terrorismus und damit zusammenhängende humanitäre Krisen und die Vertreibung von Menschen, die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und der Klimawandel.

Die Agenda 2030 ist ein Aktionsplan für die Menschen, den Planeten und den Wohlstand (Präambel).  Um sie zu verwirklichen, müssen wir umfassende und tief greifende gesellschaftliche Transformationen anstoßen und umsetzen. Bildung spielt in diesem Prozess eine Schlüsselrolle. Sie ermöglicht ein fundiertes Verständnis der Herausforderungen und eine kritische Diskussion über mögliche Lösungswege. Bildung befähigt zur Gestaltung von politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Veränderungen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung steht für eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt: Wie beeinflussen meine Entscheidungen Menschen nachfolgender Generationen oder in anderen Erdteilen? Welche Auswirkungen hat es beispielsweise, wie ich konsumiere, welche Fortbewegungsmittel ich nutze oder welche und wie viel Energie ich verbrauche? Bildung für nachhaltige Entwicklung  ermöglicht es jedem und jeder Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Mit dem Unterziel 4.7 der SDGs wird Bildung für nachhaltige Entwicklung erstmals als eigenständiges Handlungsfeld definiert. Das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung (WAP BNE 2015–2019) unterstützt weltweite Aktivitäten, um Bildung und Lernen so zu gestalten, dass jeder die Möglichkeit hat, sich das Wissen, die Fähigkeiten, Werte und Einstellungen anzueignen, die erforderlich sind, um zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

Um diese internationalen Ziele zu erreichen, hat Deutschland sein Engagement und seine Aktivitäten zur Bildung für nachhaltige Entwicklung stetig erweitert. Insbesondere die Neuauflage der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2016 der Bundesregierung sowie die umfassende und weitreichende Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sind hier zu nennen. Sie haben Bildung als Schlüsselfaktor, um Nachhaltigkeit zu verwirklichen, weit oben auf die Agenda von Bund, Ländern, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gesetzt.

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist gleichermaßen eine staatliche wie eine gesellschaftliche Aufgabe und fordert damit alle Beteiligten heraus. Der hier vorliegende Nationale Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung ist das Ergebnis eines breit angelegten partizipativen Prozesses. Vertreterinnen und Vertreter aus Bund, Ländern, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft beteiligen sich daran aktiv. Gemeinsam haben sie diesen Nationalen Aktionsplan in einem gut anderthalbjährigen Dialog und Aushandlungsprozess erarbeitet.

In einer Online-Konsultation (Februar–März 2017) reichten Bürgerinnen und Bürger knapp 8.000 Bewertungen und über 700 Maßnahmenvorschläge für die von den Fachforen formulierten Ziele ein. Diese wurden von den Expertinnen und Experten der Fachforen diskutiert und fanden so auch Eingang in den Nationalen Aktionsplan. Der Nationale Aktionsplan ist gegliedert in prioritäre Handlungsfelder, konkrete Ziele sowie Empfehlungen für Maßnahmen, die zur Zielerreichung beitragen sollen. Der empfehlende Charakter der Maßnahmen ermöglicht es den verschiedenen Akteuren des Bildungssystems, in ihren jeweiligen Handlungs- und Kompetenzrahmen die für sie geeigneten Instrumente auszuwählen. Manche der vorgeschlagenen Maßnahmen erfordern veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen sowie zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen. Darüber zu entscheiden liegt in der Hoheit der einzelnen legislativen Entscheidungsträger.

Die SDGs geben mit dem Zieljahr 2030 einen geeigneten Rahmen vor, um die langfristigen strukturellen Veränderungen einzuleiten und schrittweise zu verwirklichen. Die Weichen dafür sind jetzt zu stellen.

Der Nationale Aktionsplan hat ein übergreifendes Ziel: Bildung für nachhaltige Entwicklung langfristig strukturell in der deutschen Bildungslandschaft zu verankern. Er ist Grundlage und Orientierung für die nun folgende Umsetzungsphase. Im Sinne der internationalen Aufforderung zu einem Monitoring ist der Nationale Aktionsplan wichtiger Bezugspunkt, um unseren Fortschritt in der Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung festzustellen.

Der Nationale Aktionsplan ist ein wichtiger Meilenstein, aber kein Endpunkt. Er wird sich durch die Konkretisierung der einzelnen Ziele und Maßnahmen sowie durch Evaluationen, die sowohl im Rahmen der Nationalen Plattform als auch auf dem Agendakongress Bildung für nachhaltige Entwicklung vorgenommen werden können, weiterentwickeln. Er beinhaltet zudem einen Aufruf an weitere Akteure. Neue Akteure können und sollen sich in den Umsetzungsprozess einbringen, den wir, die Nationale Plattform und die uns unterstützenden Gremien – die Fachforen und die Partnernetzwerke –, begleiten werden.

Wir, die Mitglieder der Nationalen Plattform, begrüßen diesen Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung und machen ihn uns zu eigen. Im Rahmen unserer Organisationen und Institutionen werden wir zur Erreichung der hier formulierten Ziele und Maßnahmen innerhalb unserer Zuständigkeiten und Möglichkeiten beitragen. Mit unseren „Commitments“ tragen wir bereits jetzt konkrete Maßnahmen zur Erreichung der Ziele bei.

 

Berlin, 20. Juni 2017

 

Mitglieder der nationalen Gremien

Literaturverzeichnis

Bundesregierung (2016). Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, Neuauflage 2016.

Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (Hrsg.). (1999). Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Gutachten zum Programm, Heft 72. (Stand: September 2017).

Deutsche UNESCO-Kommission e. V. (2015). UN-Dekade mit Wirkung – 10 Jahre „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in Deutschland.

Deutsche UNESCO-Kommission e. V. (2014). UNESCO Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Deutsche UNESCO-Kommission e. V. (2014). Vom Projekt zur Struktur. Projekte, Maßnahmen und Kommunen der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Vereinte Nationen (2015). Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. (Stand: Juni 2016).

 

Impressum

Herausgeber

Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung

c/o Bundesministerium für Bildung und Forschung

Referat Bildung in Regionen; Bildung für nachhaltige Entwicklung

11055 Berlin

 

Stand

September 2017

 

Text

Die Verantwortung für den Inhalt trägt die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Die Nationale Plattform ist das oberste Lenkungsgremium für die deutsche Umsetzung des UNESCO Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung (2015–2019). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat den Vorsitz der Nationalen Plattform. Der Nationalen Plattform arbeiten sechs Fachforen zu. Sie bündeln die Expertise aus den Bildungsbereichen frühkindliche Bildung, Schule, berufliche Bildung, Hochschule, Non-formales und informelles Lernen/Jugend und Kommunen und erhalten Impulse aus den zehn Partnernetzwerken BNE.