Hochschule

Hochschulen sind als Forschungs- und Bildungseinrichtungen zentral für eine nachhaltige Entwicklung. Durch Forschung und Lehre erarbeiten und vermitteln Hochschulen Wissen, Kenntnisse, Kompetenzen und Werte und bilden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und zukünftige Führungskräfte aus.

Mit Blick auf das Handlungsfeld 3 des UNESCO-Weltaktionsprogramms BNE (WAP) (Kompetenzentwicklung von Lehrenden und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren) sind Hochschulen auch durch die Ausbildung pädagogischer Fach- und Lehrkräfte einer der wichtigsten Hebel in diesem Feld, um den gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit zu befördern. Durch ihre Forschungstätigkeiten erzeugen Hochschulen Wissen und Innovationen, die für die Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung nötig sind. Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung bedeutet nicht zuletzt, dass Hochschulen das für gesellschaftliche Transformationen notwendige Orientierungswissen bereitstellen. Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung ist zudem eng verknüpft mit der Nachhaltigkeitsorientierung aller Kerntätigkeiten der Hochschulen: Betrieb, Forschung, Lehre und Transfer sowie im regionalen und globalen Engagement. Hochschulen stehen damit vor der großen Aufgabe eines systematischen Organisationswandels zur Integration einer nachhaltigen Entwicklung.

Dieser Wandel an den Hochschulen wird zu einem guten Teil durch Maßnahmen erfolgen können, die keine zusätzlichen Ressourcen erfordern. Damit werden aber die gesetzten und zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung an Hochschulen notwendigen Ziele nur zum Teil erreicht werden können. Zahlreiche Maßnahmen zur Umsetzung der hier vorgeschlagenen Ziele erfordern veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen sowie zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen. Diese müssen erst noch seitens der Gesetzgeber verabschiedet und in den Haushalten von Bund, Ländern und Hochschulen wie auch den Ausschreibungen von Stiftungen budgetiert werden.

Insbesondere mit Blick auf den Ablauf des WAP Ende 2019 besteht rascher Handlungsbedarf bei allen beteiligten Akteuren. Spätestens bis 2030 gilt es, die hier abgesteckten Ziele zu erreichen – durch die Langfristigkeit der damit verbundenen Transformationsprozesse muss auch deren Umsetzung zeitnah initiiert werden. Die breite politische Unterstützung der Agenda 2030 sollte sich auch in den rechtlichen Rahmenbedingungen widerspiegeln und zu verlässlichen Finanzierungen von Budgets führen. Für den Zeitraum der Agenda 2030 sollte auch ein regelmäßiger Monitoring- und Evaluierungsprozess institutionalisiert sein, der die Transformation des Hochschulsystems in eine nachhaltige Hochschullandschaft in akzeptierten Indikatoren abbildet.

Dekade und Leuchttürme: In der UN-Dekade 2005 bis 2014 wurden wichtige Schritte auf dem Weg hin zur Integration von Nachhaltigkeit in die Hochschulbildung unternommen. So haben bereits sechs Länder in ihren Hochschulgesetzgebungen Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bzw. einen Bezug zur Umweltbildung oder zum Schutz der Umwelt aufgenommen sowie fünf Länder in ihren Hochschulverträgen BNE verankert. In sieben Ländern wurde BNE in die Zielvereinbarungen mit den Hochschulen aufgenommen. Als ein Meilenstein kann das Memorandum „Hochschule und Nachhaltigkeit“ der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK 2010) gesehen werden. Auch wurde 2012 mit dem Agendaprozess „Nachhaltigkeit in der Wissenschaft“ (SISI) des BMBF die Transformation der Hochschullandschaft in Deutschland weiter vorangebracht. Einige Länder haben ebenfalls Förderungen für Nachhaltigkeitsforschung ausgeschrieben und unterstützen ihre Hochschulen bei der Ausrichtung in Richtung Nachhaltigkeit.

Insbesondere die Arbeit des UN-Dekade-Partnernetzwerks Hochschule hat zu einer Vernetzung der Hochschulen beigetragen und so den Prozess der Implementierung von Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung vorangebracht. Die Empfehlungen des Fachforums Hochschule zielen darauf ab, dass BNE und Nachhaltigkeit an Hochschulen mit zusätzlichen Ressourcen und stärkerer struktureller Verankerung ausgestattet sind und so dauerhaft erfolgreich umgesetzt und gelebt werden können.

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I. Finanzierungs- und Anreizsysteme der Hochschulen auf inhaltliche und strukturelle Nachhaltigkeit und BNE ausrichten

Zur Förderung des Nachhaltigkeitsprofils von Hochschulen werden Finanzierungs- und Anreizsysteme entwickelt und genutzt, um den Wandel zu initiieren, strukturell zu verankern und eine Wissenschaftskultur für Nachhaltigkeit zu fördern. Zur Gestaltung bieten sich folgende Instrumente an: Novellierung der Landeshochschulgesetze, Verankerung von BNE/Nachhaltigkeit in den künftigen Hochschulverträgen und in den Zielvereinbarungen der Hochschulen mit den Ländern, nachhaltigkeitsbezogene Erfolgskriterien für die Budgetierung, Ausschreibung von wettbewerblichen und nicht wettbewerblichen finanziellen Förderungen bzw. Verankerung von Nachhaltigkeit als Förderkriterium in Ausschreibungen.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

In den Hochschulgesetzen der Länder sind die gesellschaftlichen Aufgaben von Hochschulen definiert. Die Länder werden prüfen, wie sie BNE/Nachhaltigkeit in ihrem Hochschulrecht künftig verstärkt berücksichtigen.

 

2. Ziel:

Ziel- und Leistungsvereinbarungen sind ein zentrales hochschulpolitisches Steuerungsinstrument. Länder und Hochschulen sind aufgefordert, in den Zielvereinbarungen für die nächste anstehende Periode BNE/Nachhaltigkeit als hochschulpolitische Zielsetzung zu berücksichtigen.

 

3. Ziel:

Professuren, die BNE/Nachhaltigkeit in ihrer Denomination tragen, sind ein institutionalisierter Ausdruck der Relevanz des Themas für eine Hochschule. Alle Hochschulen sind aufgefordert, im Rahmen ihrer jeweiligen Profilbildung solche Professuren dauerhaft einzurichten.

 

4. Ziel:

Ein Nachhaltigkeitspreis macht das Engagement von Vorreitern im Hochschulsystem sichtbar und würdigt besondere Leistungen in diesem Feld. Geeignete Akteure wie Bund, Länder oder Stiftungen sowie Nichtregierungsorganisationen sind aufgefordert, einen solchen Preis in verschiedenen Kategorien auszuloben.

 

5. Ziel:

In den Akkreditierungsprozessen wird auch die Umsetzung der überfachlichen Kompetenzentwicklung geprüft. Länder und Akkreditierungsrat sind aufgefordert, eine Klärung herbeizuführen, wie BNE/Nachhaltigkeit in Akkreditierungsverfahren einbezogen werden kann.

 

Geeignete Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele des Handlungsfeldes I:

  • Die zuständigen Ministerien der Länder erstellen bis 2019 einen Bericht zur Frage, ob und wie Nachhaltigkeit im Hochschulrecht verankert werden kann.
  • 2017 und 2018 finden auf Initiative des Fachforums Hochschule Workshops mit den zuständigen Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung von Bund und Ländern statt, um die Potenziale von Finanzierungs- und Anreizsystemen für eine Integration von Nachhaltigkeit in die Hochschulen auszuloten.
  • Die Länder streben die Berücksichtigung der Hochschulbildung in ihren Nachhaltigkeitsstrategien sowie in den Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den Hochschulen im Rahmen der nächsten anstehenden Überarbeitung durch die zuständigen Ministerien an.
  • Die Wissenschaftsministerien der Länder prüfen die Benennung eines/einer BNE-Beauftragten und deren länderübergreifende Zusammenarbeit.
  • Die Länder erheben bis 2019, wie viele Professuren mit einer Nachhaltigkeits-Denomination eingerichtet sind, und berichten alle zwei Jahre über die Entwicklung der Zahl dieser Professuren.
  • Das Fachforum Hochschule initiiert eine Untersuchung über die Karriereoptionen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit inter- und transdisziplinärem Profil. Auf Grundlage der Ergebnisse werden Empfehlungen für die Weiterentwicklung dieser Profile an Hochschulen abgeleitet.
  • Das Fachforum Hochschule erarbeitet bis Ende 2017 mit möglichen Förderern einen Vorschlag für den Nachhaltigkeitspreis. 2019 sollte der Preis erstmalig verliehen werden.
  • 2018 findet auf Initiative des Fachforums Hochschule ein Fachgespräch zur Berücksichtigung von BNE/Nachhaltigkeit zu Akkreditierungsverfahren mit dem Akkreditierungsrat und dem Hochschulausschuss der KMK statt. Dabei wird u.a. erörtert, ob und wie BNE-Kompetenzmodelle insbesondere in Verfahren der Systemakkreditierung berücksichtigt werden können.

II. Forschung und BNE systematisch anhand von Qualitätskriterien verknüpfen

Sowohl Forschung für Nachhaltigkeit allgemein als auch Forschung für BNE und die konkreten Bildungsarrangements in den Hochschulen laufen weitgehend nebeneinander. Es gilt, Wege zu finden, auf denen zum einen nationale und internationale Forschungsergebnisse schneller in die Lehre einfließen können und zum anderen wissenschaftlich begründete Qualitätskriterien für eine forschungsorientierte Lehre für Nachhaltigkeit entwickelt werden. Diese Qualitätskriterien sollten sich an aktuellen didaktischen und lernpsychologischen Erkenntnissen orientieren. Hierzu ist der Aufbau von systematischen Fort- und Weiterbildungsangeboten für Hochschullehrende nötig und die Entwicklung einer spezifischen Lehrkultur zur Bildung für Nachhaltigkeit zu fördern.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Die nachhaltige Entwicklung von Hochschulen ist ein Organisationsentwicklungsprozess, der für alle Beteiligten neues Wissen voraussetzt. Das erfordert kontinuierliche Beratung und Weiterbildung. Bund, Länder und Stiftungen werden prüfen, wie dieses angemessen organisiert und finanziert werden kann.

 

2. Ziel:

Zur Verantwortung jeder Hochschullehrerin und jedes Hochschullehrers gehört, sich auch mit Nachhaltigkeit/ BNE auseinanderzusetzen. Von den Hochschulleitungen wird erwartet, dass sie in die Berufungsvereinbarungen insbesondere mit jungen Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern die regelhafte Teilnahme an einem BNE-Weiterbildungsprogramm aufnehmen. Für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und das gesamte Lehrpersonal sollen Anreize zur Teilnahme an entsprechenden Weiterbildungen geschaffen werden.

 

3. Ziel:

Die Bereitstellung von Beispielen guter Praxis führt insbesondere in neuen Aufgabenfeldern zu einer schnelleren Verbreitung von innovativen Lösungen. Auf der Grundlage von Qualitätskriterien werden gute Beispiele von inter- und transdisziplinären Lehr- und Lernformaten zu BNE auf geeigneten Plattformen verbreitet (wie beispielsweise über das BNE-Portal).

 

4. Ziel:

Forschungsförderung kann entscheidende Impulse setzen, um neue Lösungen für gesellschaftlich relevante Themen zu initiieren. Bund, Länder und Stiftungen sind aufgefordert, Förderprogramme für Forschung zu BNE aufzulegen, um die Entwicklungsprozesse zur Umsetzung des WAP bis Ende 2019 und der Agenda 2030 in allen Bildungssystemen abzusichern und zu stimulieren.

 

5. Ziel:

Die schnelle Integration von neuen BNE-/Nachhaltigkeitsforschungserkenntnissen in die Lehre beschleunigt die Durchdringung des Bildungssystems mit Nachhaltigkeitswissen. Das BMBF und die Länderministerien sind aufgefordert, eigenständige Verfahren zu entwickeln, wie die Ergebnisse der FONA-Forschungsprojekte des Bundes und anderer nachhaltigkeitsrelevanter Ausschreibungen des Bundes und der Länder direkt bildungsrelevant verwertet werden können.

 

Geeignete Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele des Handlungsfeldes II:

  • Das Fachforum Hochschule initiiert bis 2019 unter Einbindung von Hochschulen und auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse an Hochschulen die Entwicklung eines Beratungs- und Weiterbildungskonzepts für die Integration von Nachhaltigkeit in die Hochschulen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Adressaten (Wissenschaftsmanagement, Professorinnen und Professoren, akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Lehrbeauftragte etc.).
  • Hochschulen, Länder und der Bund sollen die Strukturen zur dauerhaften Gewährleistung und Qualitätssicherung entsprechender Beratungs- und Weiterbildungsangebote kontinuierlich abstim-men und erweitern, damit über geeignete Strukturen und Akteure wie Hochschuldidaktikzentren regelmäßig differenzierte Beratungs- und Weiterbildungsangebote für unterschiedliche Adressaten (Wissenschaftsmanagement, Professorinnen und Professoren, akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Lehrbeauftragte etc.) verfügbar sind.
  • Hochschulnetzwerke im Bereich BNE sollen genutzt werden, um die nötige Expertise zur Konzeption und Umsetzung von Beratungs- und Weiterbildungskonzepten zu bündeln und deren Verbreitung zu fördern.
  • Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sollte bis 2019 Empfehlungen entwickeln, wie Engagement für Nachhaltigkeit in den Stellenausschreibungen und Berufungsvereinbarungen an Hochschulen integriert und entsprechende Anreize auch für alle Hochschulangehörige geschaffen werden können.
  • Das Fachforum Hochschule wird unter Einbindung interessierter Akteurinnen und Akteure bis 2019 Qualitätskriterien zur Umsetzung von BNE/Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre, Governance, Betrieb und Transfer entwickeln.
  • Förderinstitutionen entwickeln und implementieren möglichst bis 2019 ein Verfahren, um bei allen nachhaltigkeitsrelevanten Forschungsprojekten zu prüfen, ob und ggf. wie BNE-Aktivitäten integriert werden können.
  • Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer und andere an Hochschulen wissenschaftlich tätige Personen (z.B. Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler) prüfen, wie sie verstärkt Studierende sowie zivilgesellschaftliche Akteursgruppen in Forschungsprojekte integrieren können.
  • Bund und Länder prüfen, wie sie Forschung zu BNE an Hochschulen und die Entwicklung von Indikatoren zu BNE fördern können.
  • Die Nationale Plattform BNE in Zusammenarbeit mit den Fachforen sammelt und priorisiert Forschungsbedarfe zu BNE gemäß ihrer gesellschaftlichen Relevanz.
  • Hochschulen entwickeln verstärkt Strategien zum Transfer nachhaltigkeitsrelevanter Forschungsergebnisse in gesellschaftliche Anwendungsfelder.

III. Eine diversifizierte Hochschullandschaft mit unterschiedlichen BNE-Pfaden sowie BNE-Pioniere und „Second Follower“ fördern

Nachhaltigkeit an Hochschulen lebt von unterschiedlichen Ansätzen in Forschung, Lehre und Betrieb der Einrichtungen. In einer nachhaltigen Hochschullandschaft können Hochschulen die für sie stimmigen Wege verfolgen, Neues ausprobieren und von anderen Hochschulen, auch international Erprobtes, übernehmen. Mindeststandards für Lehre und Betrieb der Hochschulen sichern die Qualität der Ideen von Pionieren und Second Followern, bspw. im Green-Campus-Management, in der Berichterstattung, in systematischen Fort- und Weiterbildungsangeboten für Hochschullehrende und Leitungs- sowie Verwaltungspersonal oder in der Grundversorgung mit BNE-Veranstaltungen für alle Studienprogramme.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Indikatoren sind ein wirksames Instrument, um das Ausmaß einer gewünschten Entwicklung erfassen und Mindeststandards festlegen zu können. Ein Set an Indikatoren sollte zügig erarbeitet werden, welches den Grad der Umsetzung von BNE/Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre, Governance, Betrieb und Transfer von Hochschulen anzeigt. Das Fachforum Hochschule fordert Bund und Länder auf, diesen Entwicklungsprozess zu begleiten und zu unterstützen.

 

2. Ziel:

Nachhaltigkeitsberichte weisen die Ernsthaftigkeit der Hochschulen aus, BNE/Nachhaltigkeit strategisch zu integrieren. Das Fachforum Hochschule fordert die Hochschulrektorenkonferenz auf, die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts als Good Practice anzuerkennen und eine flächendeckende Umsetzung zu initiieren.

 

3. Ziel:

Green Campus ist ein internationales Konzept, welches den Betrieb einer Hochschule auf Nachhaltigkeit ausrichtet. Alle Hochschulleitungen sind aufgefordert, einen klimaneutralen Betrieb ihres Campus wie auch nachhaltige Stoffkreisläufe umzusetzen und den Campus zu einem Lebens- und Lernraum für Nachhaltigkeit umzugestalten.

 

4. Ziel:

Die UN-Dekade BNE, das WAP sowie die Agenda 2030 bauen auf eine globale Entwicklung zu mehr BNE/Nachhaltigkeit. Die Hochschulen sind aufgefordert, sich dort, wo das ihrer Profilbildung entspricht, mit Ländern des globalen Südens zu vernetzen, um gemeinsame Forschung und Lehre zu BNE/Nachhaltigkeit zu ermöglichen.

 

5. Ziel:

Die Digitalisierung ermöglicht es, Lehr-/Lernarrangements für BNE/ Nachhaltigkeit zeit- und raumunabhängig zur Verfügung zu stellen und damit eine immense Kapazität an BNE-/Nachhaltigkeitsveranstaltungen für alle Hochschulen zu schaffen. Durch die Vernetzung und Kooperation der kompetenten Anbieter wird das Angebot (inhaltlich) ausgebaut und (qualitativ) weiterentwickelt.

 

Geeignete Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele des Handlungsfeldes III:

  • Bis 2019 wird ein Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung unter Einbeziehung relevanter Anspruchsgruppen erarbeitet. Der Bund fördert die Arbeiten.
  • Für die Berichterstattung und das Monitoring der Umsetzung des WAP wird ein Indikatorenset entwickelt, welches die Messung und Beobachtung von Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre, Governance, Betrieb und Transfer der Hochschulen ermöglicht. Der Bund fördert die Arbeiten.
  • Die Hochschulen prüfen auf Grundlage des vorgelegten Leitfadens und des Indikatorensets, wie sie eine Berichterstattung in einer Weise einführen bzw. weiterentwickeln können, die eine Vergleichbarkeit von Maßnahmen ermöglicht.
  • Die Hochschulleitungen sollen gemeinsam mit allen Anspruchsgruppen die Berichte vor allem als Instrument nutzen, um im Rahmen des eigenen Leitbildes einen Veränderungsprozess in Richtung Nachhaltigkeit an den Hochschulen zu kommunizieren und zu evaluieren.
  • Mit Förderung des BMBF wird bis 2019 ein Leitfaden Green Campus erstellt, der über ein Set an Indikatoren hinausgeht und insbesondere thematisiert, wie der Lebens- und Lernraum Hochschule sozial verträglich und anregend gestaltet werden kann. Interessierte Akteure erhalten die Möglichkeit zur Mitwirkung.
  • Im Rahmen von Green Campus kooperieren die Hochschulen mit den Kommunen etwa in Fragen von nachhaltiger Mobilität und fairer Beschaffung sowie Klimaschutz, um Synergieeffekte wirkungsvoll zu nutzen.
  • Bund und Länder sollten in ihren jeweiligen Klimaschutzplänen, -strategien und -fonds oder vergleichbaren Instrumenten die Hochschulen und ihren erheblichen Gebäudebestand mit einbeziehen, sofern dies noch nicht geschehen ist.
  • Forschungsvorhaben zu BNE/Nachhaltigkeit, die sich mit Sachverhalten in anderen Ländern befassen, werden mit Partneruniversitäten der betreffenden Regionen auf Augenhöhe vorbereitet und durchgeführt. Das Fachforum Hochschule initiiert hierzu einen Erfahrungsaustausch interessierter Akteurinnen und Akteure und beteiligter internationaler Wissenschaftsinstitutionen.
  • Hochschulen werden aufgefordert, BNE/Nachhaltigkeit in ihren Internationalisierungsstrategien aktiv zu fördern, insbesondere mit den Ländern des globalen Südens.
  • Das Fachforum Hochschule initiiert einen Prozess, im dem virtuelle Hochschulen, Fernhochschulen und die Anbieter virtueller Lehrangebote ihre Kompetenzen vernetzen, um qualitativ hochwertige virtuelle Module und Studiengänge zu Nachhaltigkeitsthemen zu entwickeln, die von allen Hochschulen in ihre Studienangebote eingebunden werden können. Bund, Länder und Stiftungen sind aufgefordert, diesen Prozess zu unterstützen, damit weitere Open Educational Resources produziert werden können.

IV. Studierende und Absolventinnen und Absolventen als zentrale Gestalterinnen und Gestalter nachhaltiger Entwicklung ermutigen, unterstützen und ernsthaft partizipieren lassen

Die 2,8 Mio. Studierenden an den ca. 400 deutschen Hochschulen stellen ein großes Potenzial dar, um Bottom-up-Initiativen für BNE an Hochschulen und darüber hinaus zu initiieren und Nachhaltigkeitsprozesse gemeinsam mit anderen Hochschulakteurinnen und -akteuren zu gestalten. Zahlreiche Beispiele zeigen bereits heute, wie Studierende als Pioniere des Wandels ihre jeweilige Hochschule strukturell verändern. Sie agieren dabei quer zu den institutionellen Strukturen, Logiken und Kommunikationsregeln, geben selbstbewusst und progressiv wichtige inhaltliche Impulse vor und bringen Schlüsselakteure zur Umsetzung von Nachhaltigkeitsprozessen an ihren Hochschulen zusammen. Jedoch befindet sich das studentische Wirken für BNE noch in der Nische. Es gilt daher, studentisches Engagement für Nachhaltigkeit und BNE strukturell zu unterstützen und Studierende zu befähigen, ihre Partizipation in relevanten Gremien sicherzustellen. Ziel ist, studentisches Engagement für BNE in die Breite zu tragen.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

BNE/Nachhaltigkeit ist dann vollständig in die Curricula integriert, wenn Studierende aller Studiengänge in fachbezogenen und fach- sowie fakultätsübergreifenden Lehrveranstaltungen die notwendigen Gestaltungskompetenzen erwerben können. Deswegen fordert das Fachforum Hochschule die Hochschulen, insbesondere die Fachbereiche und die Studiengangsleiterinnen und Studiengangsleiter, auf, ihre Curricula weiterzuentwickeln und BNE/Nachhaltigkeit substanziell in die Curricula aufzunehmen.

 

2. Ziel:

Lernen und Kompetenzgewinn finden nicht nur in formalen Settings der Curricula statt, sondern auch im themenbezogenen Engagement wie in Nachhaltigkeitsgruppen. Das Fachforum Hochschule fordert Bund, Länder, Hochschulen und die verfasste Studierendenschaft auf, das non-formale Lernen in studentischen Hochschulgruppen zu fördern, beispielsweise durch Weiterbildungsprogramme, Vernetzung, Anreize und formale Anerkennung in Prüfungsordnungen.

 

3. Ziel:

Studierende sind zahlenmäßig die größte Statusgruppe an Hochschulen, die für Nachhaltigkeitsengagement erreicht werden muss. Aus diesem Grunde ist die Mitgestaltung und Mitbestimmung der Studierenden im Nachhaltigkeitsprozess wesentlich. Das Fachforum Hochschule fordert Hochschulen auf, Studierende und Studierendenorganisationen in ihrer Nachhaltigkeitsgovernance zu beteiligen und angemessen zu vertreten, namentlich in Beiräten, Nachhaltigkeitsbüros, Kommissionen, Gremien/Senaten und Konsultationsprozessen.

 

4. Ziel:

Studierende können BNE/Nachhaltigkeit an der eigenen Hochschule nur angemessen mitgestalten, wenn sie dabei dauerhaft und substanziell von ihrer Hochschule unterstützt werden. Das Fachforum Hochschule fordert die Hochschulen dazu auf, das Nachhaltigkeitsengagement von Studierenden unter anderem durch Infrastruktur, Ressourcen, Freiräume und Begleitung durch Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu ermöglichen und durch Mandate zu legitimeren.

 

5. Ziel:

Die Durchführung von BNE-/Nachhaltigkeitsprojekten durch Studierende wird erleichtert, wenn dafür auch eine finanzielle Unterstützung erfolgt. Deshalb fordert das Fachforum Hochschule Ministerien, Hochschulen, die verfassten Studierendenschaften und Stiftungen auf, bestehende Förderlinien besser sichtbar zu machen und die Einrichtung neuer zu prüfen. Diese sollten sowohl kurzfristig und unbürokratisch kleinere Projekte fördern als auch längerfristige und strukturbildende Maßnahmen ermöglichen.

 

Geeignete Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele des Handlungsfeldes IV:

  • Um allen Studierenden den Erwerb von Gestaltungskompetenzen zu ermöglichen, wird den Hochschulen empfohlen, inter- und transdisziplinäre Einführungsmodule zu BNE/Nachhaltigkeit bis 2030 flächendeckend einzuführen sowie interdisziplinäre Zusatzzertifikate zum Thema BNE/Nachhaltigkeit anzubieten. Fachbereichen und Fakultäten wird empfohlen, offene Wahlmodule in alle Studiengänge zu integrieren, damit Studierende auch nachhaltigkeitsbezogene Kurse aus anderen Studiengängen belegen und diese anrechnen lassen können.
  • Fachbereiche und interfakultäre Institute stärken weiterhin ihre Theorien- und Methodenvielfalt, z.B. durch forschungsorientierte, inter- und transdisziplinäre Projektarbeit, Fortbildungsangebote, praxisbezogenes Service Learning und Praktika, um Nachhaltigkeitsthemen integrieren zu können.
  • Bund, Länder, Stiftungen und Hochschulen werden dazu aufgefordert, ehrenamtliches studentisches Engagement für Nachhaltigkeit im Studium verstärkt zu fördern, sowohl durch die Entwicklung von wirksamen Anreizen, wie z.B. ECTS-Punkten, Preisen oder Stipendien, als auch durch die Beseitigung von Hindernissen.
  • Auf Länder- und Bundesebene soll es zusätzliche hochschulübergreifende Angebote für Capacity Buildung, wie Summer Schools, Konzeptwerkstätten, Peer-to-Peer-Weiterbildungsprogramme und Seminare für BNE/Nachhaltigkeit, geben.
  • Bund und Länder werden prüfen, inwieweit studentische Nachhaltigkeitsnetzwerke auf regionaler und überregionaler Ebene gefördert werden können, die beispielsweise eine Online-Plattform oder Konferenzen organisieren.
  • Studierendengruppen und Hochschulen achten darauf, dass innerhalb des studentischen Nachhaltigkeitsengagements insbesondere das Engagement von internationalen Studierenden, Geflüchteten, Studierenden mit Kindern oder Studierenden mit Behinderung gefördert und ermöglicht wird.
  • Zur Förderung der Beteiligungskultur zur Integration von BNE/Nachhaltigkeit sollen an den Hochschulen unterschiedliche Beteiligungsformate ausprobiert und eingerichtet werden.
  • Das Fachforum Hochschule initiiert eine Untersuchung darüber, inwiefern eine studentische Vizepräsidentin oder ein studentischer Vizepräsident bzw. eine Prorektorin oder ein Prorektor Studierende in ihrer Rolle als Gestalterinnen und Gestalter einer nachhaltigen Entwicklung an den Hochschulen stärken.
  • Alle organisierten Studierendenschaften sollen Nachhaltigkeitsreferate in ihren eigenen Strukturen aufbauen und Nachhaltigkeitsprojekte und -prozesse substanziell unterstützen.
  • Die Hochschulen prüfen, welcher neuen Maßnahmen und Regelungen es bedarf, um das Nachhaltigkeitsengagement von Studierenden durch Infrastruktur, Ressourcen, Freiräume und Begleitung durch Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu ermöglichen und durch Mandate zu legitimeren.
  • Hochschulen und die organisierte Studierendenschaft kommunizieren aktiv bestehende Fördermöglichkeiten für BNE/Nachhaltigkeit, z.B. durch Kampagnen, Infoflyers und ihre Internetseite, und richten ggf. eigene Förderlinien ein.
Commitments

V. Transformative Narrative für BNE entwickeln

Nachhaltigkeit konkurriert als Thema mit vielen weiteren Themen, wie beispielsweise, dass exzellente Forschung und Lehre nur unter Ausschluss wissenschaftsexterner Akteure stattfinden kann. Gesellschaftliche Akteure wie Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen und Umweltverbände bringen zusätzliche Themen wie die Third Mission von Hochschulen in die Transformationsdebatte ein. Zahlreiche engagierte Konzepte und Initiativen sind vorhanden, aber noch weit entfernt von einer flächendeckenden Implementierung mit einem sichtbaren Wandel. Die Relevanz von BNE muss daher auch „emotional ankommen“ und erzählerisch in einen größeren nationalen und internationalen Entwicklungskontext eingebettet werden. Kollektive gesellschaftliche Erzählungen (Narrative) über Nachhaltigkeitsforschung und -lehre müssen dabei an aktuelle gesellschaftliche Fragen und Sorgen (z.B. Freiheit und Sicherheit) anschlussfähig sein. Sie können dem Thema Nachhaltigkeit einen tieferen Sinn und Orientierungskraft verleihen sowie über schon vorhandene Handlungsoptionen zum Umdenken und Handeln bewegen: Exzellente Forschung und Lehre in gesellschaftlicher Verantwortung kann transdisziplinär mit wissenschaftsexternen Akteuren organisiert werden, z.B. in Reallaboren, und dabei die Wissenschaft selbst in Richtung einer gesellschaftlichen Einbettung unterstützen.

Ziele und Maßnahmen

1. Ziel:

Jede Veränderung wird begleitet von bewussten und unbewussten Erzählungen über ihren Sinn und die damit verbundenen Potenziale. Das Fachforum Hochschule wird bis 2019 die aktuell dominanten Erzählungen über das Wesen und die Ziele des Wissenschaftssystems und seiner nachhaltigeren Ausrichtung analysieren und mit der Third-Mission- Debatte verbinden.

 

2. Ziel:

Neue Narrative entstehen auf den Bühnen, auf denen sich die Gestalterinnen und Gestalter einer Transformation immer wieder treffen und austauschen. Von dort werden die Erzählungen an weitere Orte getragen und haben das Potenzial, andere Menschen zu begeistern. Es gilt, für die Akteure des Wissenschaftssystems solche Diskursbühnen/Narrativ-Werkstätten für neue, visionäre Erzählungen über eine nachhaltige Hochschullandschaft zur Verfügung zu stellen.

 

3. Ziel:

Die Visualisierung komplexer Phänomene wie Diskursbühnen/Narrativ-Werkstätten und ihrer Inhalte ist ein wichtiger Trend in der Wissenschaft. Das Fachforum Hochschule wird die Erzählungen über das Wissenschaftssystem medial visualisieren und für alle Interessierten aufbereiten.

 

4. Ziel:

Narrative geben einer Transformation eine sinnstiftende Richtung. Das Fachforum Hochschule fordert die Wissenschaft auf, ihre Wirkung auf Narrative zu erforschen. Dies sollte im Kontext des allgemeinen Nachhaltigkeitsdiskurses erfolgen.

 

Geeignete Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele des Handlungsfeldes V:

  • Das Fachforum Hochschule initiiert in 2017 eine Untersuchung zu der Fragestellung: Welche aktuell dominanten Narrative über das Wesen und die Ziele des Wissenschaftssystems und seine nachhaltige Ausrichtung gibt es in Wissenschaft und Politik?
  • Das Fachforum Hochschule initiiert einen Workshop mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft, in dem die Entwicklung und Entstehung von transformativen Narrativen in Richtung Nachhaltigkeit betrachtet und diskutiert werden.
  • Das Fachforum Hochschule stellt bis Mitte 2018 eine Sammlung von möglichen Formaten für Diskursbühnen zusammen.
  • Im Rahmen des Agenda-Kongresses wird über die Veränderung des Narrativs einer nachhaltigen Hochschullandschaft diskutiert.
  • Das Fachforum Hochschule initiiert bis 2019 die Erstellung von geeigneten audiovisuellen Materialien für die Mobilisierung der Statusgruppen an der Hochschule für eine nachhaltigere Entwicklung.