Berufsbildung in Deutschland zeichnet sich durch Praxisrelevanz der Inhalte, einen hohen Grad der Vernetzung der Akteurinnen und Akteure und die intensive Einbindung der Sozialpartner in die Gestaltung der Aus- und Fortbildung aus. Ihr kommt aufgrund ihrer betrieblichen Verortung in besonderer Weise eine transformative Rolle für eine auf nachhaltige Entwicklung ausgerichtete Wirtschaftsweise mit Blick auf die Agenda 2030 und die dort angestrebten nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) zu.

Die Leitidee der nachhaltigen Entwicklung prüft die Zukunftsfähigkeit gesellschaftlicher, ökonomischer, sozialer und ökologischer Entwicklung mit ihren globalen Bezügen. Berufsbildung, die sich an dieser Leitidee ausrichtet, ist zukunftsfähig. Berufliche Bildung selbst ist ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung, da sie jungen Menschen einen zukunftsweisenden Weg in ein selbstbestimmtes und verantwortungsbewusstes Leben ermöglicht.

Die Erarbeitung von Aus- und Fortbildungsordnungen im Konsens mit den relevanten Akteurinnen und Akteuren ist ein wichtiger Garant für die Akzeptanz dieser Verordnungen bei Unternehmen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Der bundeseinheitliche Standard und ein staatlich anerkannter Abschluss wirken wie ein Qualitätssiegel. Die breite Verwertbarkeit der Berufe sichert die Mobilität der im System der Berufsbildung ausgebildeten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In diesem System ist auch Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) strukturell passend zu verankern. Dies eröffnet Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der beruflichen Bildung.

weiterlesen weniger

I. Bestandsaufnahme auf allen Ebenen

Mithilfe einer Sammlung von Best-Practice-Beispielen sind die vorhandenen Ordnungsmittel im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte zu sichten, um mögliche Ansatzpunkte für BNE zu identifizieren.

 

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Projekte zur Förderung beruflicher Bildung für eine nachhaltige Entwicklung realisiert. In diesem Kontext wurden Weiterbildungsmaßnahmen, curriculare Module für die Ausbildung, Projekte im Rahmen der Ausbildung sowie Lehr-/Lernmaterialien erarbeitet, die jedoch nur zu einem kleinen Teil über die jeweiligen Projektkontexte hinaus Verbreitung fanden. Darüber hinaus wurden relevante Maßnahmen im Kontext der Förderung einer nachhaltigen Entwicklung realisiert, ohne aber entsprechend als BBNE gekennzeichnet zu sein. Für eine strukturelle Verankerung von BBNE werden die vorhandenen Wissensbestände und Praxiserfahrungen gesammelt und ausgewertet.

Ziel und Maßnahmen

Ziel:

Es wird eine Bestandsaufnahme zur Klärung von Handlungsbedarf durch das Fachforum BBNE erstellt.

Maßnahmen:

  • Unter Einbeziehung aller relevanten Akteurinnen und Akteure wird eine Definition für BBNE erarbeitet.
  • Bestehende Beispiele guter Praxis werden gesammelt und systematisiert, z.B. Modellversuche, ausgezeichnete Projekte der UN-Dekade, europäische Projekte (z.B. Projekte bei der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung, die Build-Up-Skills-Initiative). Hierfür werden Auswahlkriterien durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) entwickelt, beispielsweise in Weiterentwicklung und Konkretisierung der Auszeichnungskriterien der UN-Dekade BNE.
  • Nachhaltigkeitsrelevante Aspekte sind in den Ordnungsmitteln zum Teil bereits berücksichtigt, ggf. unter anderen Begrifflichkeiten; daher werden Ordnungsmittel (z.B. Ausbildungsordnungen, Rahmenlehrpläne) im Hinblick auf nachhaltigkeitsrelevante Aspekte, wie sie in der o.g. Definition genannt werden, gesichtet.
  • Es sind mögliche Ansatzpunkte in Ordnungsmitteln zu identifizieren, z.B. durch die Erweiterung von Lernzielen (u. a. Auswertung und Nutzbarmachung im Förderschwerpunkt BBNE des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, BMBF).
  • Die unterstützenden Materialien für das Ausbildungspersonal (z.B. die Reihe „Ausbildung gestalten“) werden im Hinblick auf BBNE gesichtet und gesammelt.
  • Lehr-/Lernmaterialien und Lehr-/Lernarrangements werden im Hinblick auf BBNE gesichtet und gesammelt.
  • Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen zu BBNE werden gesammelt und gesichtet.

II. Potenziale der beruflichen BNE

Es gilt, weitere Potenziale für BNE in der beruflichen Bildung zu erschließen, indem die formale berufliche Bildung mit der informalen bzw. mit erfahrungsorientierter Bildung/Berufserfahrung verzahnt wird. Innovationen aus der betrieblichen Praxis sollen schneller in die Ausbildung fließen, so wie es in branchenübergreifenden Modellversuchen bereits entwickelt und erprobt wird. Zudem sind die Nachhaltigkeitsziele über Qualitätssicherungsinstrumente zu sichern, um eine Verstetigung der BBNE zu erreichen.

Ziel und Maßnahmen

Ziel:

Bis zum Ende des UNESCO-Weltaktionsprogrammes BNE (WAP; Dezember 2019) werden bestehende Potenziale der Berufsbildung für BNE durch das Fachforum lokalisiert und durch ausgewählte Akteure nutzbar gemacht.

Maßnahmen:

Die Maßnahmen zur Nutzbarmachung bestehender Potenziale der BBNE beziehen sich sowohl auf die Verbreitung vorhandener Konzepte und Materialien (1), die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure (2) als auch auf die Erschließung und Förderung potenzieller Handlungsoptionen (3).

  • Verbreitung: Über die Bestandsaufnahme werden Wissensbestände und Praxiserfahrung gesammelt und gesichtet. Diese sollen als Potenziale zur Stärkung einer beruflichen Bildung den Akteurinnen und Akteuren der Berufsbildung zur Verfügung gestellt werden. Hierzu werden folgende Maßnahmen
    vorgeschlagen:
    • Die vorhandenen Materialien, Konzepte und Beispiele guter Praxis werden über eine zentrale Plattform (z.B. BNE-Portal) zugänglich gemacht und mit vorhandenen Plattformen der beruflichen Bildung verlinkt (z.B. Ausbilderportal).
    • Fort- und Weiterbildungsangebote sowie unterstützende Angebote für das Bildungspersonal zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung werden über dezentrale Multiplikatoren (z.B. Kammerorganisationen) erfasst und verbreitet.
    • Unterstützende Akteurinnen und Akteure für BBNE aus dem non-formalen Bereich werden regional und branchenbezogen erfasst und bekannt gemacht.
  • Vernetzung: Vernetzung und Kooperationen zwischen berufsbildenden Schulen, Betrieben, Akteurinnen und Akteuren im non-formalen und außerschulischen Bereich tragen dazu bei, den Transfer von bestehenden Konzepten und Materialien, praxisorientierten Handlungsbeispielen und -möglichkeiten zu fördern. Betriebe bringen praxisrelevantes Wissen zur Gestaltung von Nachhaltigkeit auf betrieblicher Ebene ein, mit denen Bildungsträger die inhaltliche Gestaltung ihrer Bildungsmaßnahmen verbessern können. Für die Betriebe wiederum ist es hilfreich, über die Bildungseinrichtungen fachliche Unterstützung bei der Gestaltung von Aus- und Weiterbildung zur Förderung nachhaltigkeitsorientierter Aktivitäten zu bekommen. Grundlage dieser Kooperationen ist, dass die Akteurinnen und Akteure ein gegenseitiges Verständnis über ihre jeweiligen Bedürfnisse, Rahmenbedingungen und Einsatzmöglichkeiten von BBNE entwickeln. Hierzu werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:
    • Betriebliche, schulische und außerschulische Akteurinnen und Akteure im Kontext von BBNE vernetzen sich auf nationaler Ebene und treffen
      sich mindestens einmal pro Jahr.
    • Die regionale Vernetzung der Akteurinnen und Akteure für BBNE wird über Berufsbildungsausschüsse sowie lokale Initiativen, wie z.B. Klimabündnisse, gefördert.
    • Es wird eine bundesweite Aktionswoche „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung“ von berufsbildenden Schulen, Betrieben und außerschulischen
      Bildungseinrichtungen durchgeführt (z.B. über Ausschreibungen des BMBF, der Länder/KMK oder des Rats für Nachhaltige Entwicklung).
    • Die berufsbildenden Schulen führen jährlich einen Tag der offenen Tür zu BBNE durch.
    • In der betrieblichen Praxis werden mit fachlicher Unterstützung von berufsbildenden Schulen berufsbezogene Nachhaltigkeitsprojekte, wie z.B. ein Nachhaltigkeitsaudit von Auszubildenden, entwickelt und durchgeführt. Hierzu sind die beruflichen Schulen mit Ressourcen (z.B. Raumkapazitäten) auszustatten.
  • Erschließung von Potenzialen: Berufliches Handeln hat vielfältige Bezüge zur Förderung von nachhaltiger Entwicklung. Diese finden sich in den Ordnungsmitteln der beruflichen Bildung zum Teil wieder, sind aber vielfach implizit und wenig sichtbar als nachhaltigkeitsrelevante Kompetenzen. Zudem werden, je nach betrieblichen Gegebenheiten und Möglichkeiten, Nachhaltigkeitsaspekte unterschiedlich und in unterschiedlicher Breite und Tiefe aufgegriffen. Dies gilt auch für berufsbildende Schulen. Um die Potenziale zu fördern, ist es deshalb sinnvoll, Maßnahmen zu realisieren, um sowohl die Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung sichtbar zu machen als auch noch nicht erschlossene Potenziale durch gemeinsam verabredete
    Standards und Orientierungen systematisch zu erschließen. Hierbei soll auf vorhandene Strukturen und Ordnungsmittel zurückgegriffen werden.
    • Möglichkeiten, BBNE in Berufsbildpositionen zu verankern, werden auf Grundlage der Definition von BBNE (siehe Handlungsfeld I) geprüft und umgesetzt (z.B. in Form von Modernisierung der Berufsbildposition Umweltschutz).
    • BBNE wird als Qualitätskriterium in den bestehenden Qualitätsmanagementsystemen der berufsbildenden Schulen verankert.
    • Nachhaltigkeitsrelevante Aspekte beruflichen Handelns werden in Maßnahmen der Berufsorientierung integriert (z. B. auf Grundlage einer Pilotierung im Rahmen des Berufsorientierungsprogramms des BMBF).
    • Der BIBB-Hauptausschuss gibt Empfehlungen zur Förderung von beruflicher Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in Kooperation der Lernorte Beruf und Schule.

III. Betriebe und berufliche Schulen als nachhaltige Lernorte etablieren

Um Betriebe und Schulen als nachhaltige Lernorte zu etablieren, bedarf es der Entwicklung von Indikatoren, die als Roadmap dienen können. Die Netzwerkbildung innerhalb dieser nachhaltigen Lernorte soll mit Blick auf Anschlüsse und Schnittstellen verbessert werden. Dazu muss auch das Ausbildungspersonal entsprechend qualifiziert und zu Fort- und Weiterbildungen motiviert werden.

Ziel und Maßnahmen

Ziel:

Bis zum Ende des WAP BNE werden in ausgewählten Betrieben/beruflichen Schulen in Handlungsfeld 2 lokalisierte Potenziale weiterentwickelt. Dabei werden die sich rasant ändernden Umfeldbedingungen der Arbeitswelt, wie beispielsweise die Digitalisierung und die Anforderungen hinsichtlich einer stärkeren Intra- sowie Interdisziplinarität, berücksichtigt. Konzepte werden vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse und politischer Entscheidungen wie beispielsweise der sogenannten Planetary Boundaries und der SDGs der Vereinten Nationen jeweils reflektiert und mit der Frage der Gestaltung des jeweiligen Lernumfeldes verbunden.

Maßnahmen:

  • Indikatoren für nachhaltige Lernorte werden entwickelt und eine Roadmap zur Umsetzung erstellt. Bund und Länder werden gemeinsam mit den jeweiligen weiteren Akteurinnen und Akteuren
    • die Entwicklung oder weitere Ausgestaltung vorhandener (Unter-)Indikatoren für die nachhaltigen Lernorte der beruflichen Bildung anstreben. Diese sind passfähig zu anerkannten Berichtssystemen wie z.B. dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) zu gestalten,
    • die vorhandenen Ansätze zum Qualitätsmanagement in der nachhaltigen Schulentwicklung sowie weitere Ansätze zum Qualitätsmanagement an Lernorten der beruflichen Aus- und Weiterbildung (Kriterien/Qualitätsstandards und Indikatoren) weiterentwickeln,
    • begleitend die Überarbeitung vorhandener Leitfäden (z.B. zum DNK für kleine und mittlere Unternehmen, KMU) oder deren Entwicklung vorantreiben. Sie sollen die Umsetzung der nachhaltigen, gesamtorganisationalen Entwicklung („Whole Institutional Approach“) und die Nachhaltigkeitsberichterstattung unterstützen. Berücksichtigt werden auch globale Perspektiven, internationale Partnerschaften etc.,
    • eine Orientierung/Zusammenführung verschiedener Indikatorenmodelle – wo vergleichbar und sinnvoll – anstreben.
  • Die Netzwerkbildung wird auch mit Blick auf Anschlüsse/Schnittstellen verbessert. Die Bundes- und Landesressorts streben an,
    • eine Sammlung beispielgebender Leuchttürme für nachhaltige Lernorte zu erstellen und diese auf einer geeigneten etablierten und administrierten Internetplattform (z. B. BNE-Portal) der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen,
    • dort die in Maßnahme 1 (fort-)entwickelten Leitfäden zu veröffentlichen,
    • Workshop-Reihen zu ausgewählten Themenbereichen als Verbreitungskonzept und zur Unterstützung der Vernetzung der Akteurinnen und Akteure und nachhaltiger Lernorte sowie der Themen mit gemeinsamer Schnittmenge zum nachhaltigen Lernort durchzuführen,
    • Netzwerkbildung und -management auch strukturell zu unterstützen.
  • Das Ausbildungs- und Schulpersonal wird qualifiziert („Train The Trainer“). Bund und Länder setzen sich gemeinsam mit den jeweiligen weiteren Akteurinnen und Akteuren innerhalb ihrer jeweiligen Zuständigkeit ein für die Förderung
    • der Entwicklung, Erprobung, Verstetigung und Verbreitung von Qualifizierungskonzepten für Führungskräfte in den identifizierten Lernorten (berufliche Schulen, Betriebe, überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, Berufsförderungswerke etc.),
    • der Qualifizierung der Führungskräfte, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Qualitätsmanagement für die Umsetzung einer nachhaltigen Schulentwicklung sowie die Umsetzung an nachhaltigen Lernorten der beruflichen Aus- und Weiterbildung (Kriterien/Qualitätsstandards und
      Indikatoren),
    • von Aktivitäten zur Implementierung der nachhaltigkeitsorientierten Qualifizierungskonzepte in Aufstiegsfortbildungen, Schulleiterfortbildungen etc.,
    • von Umsetzungskonzepten für die Implementierung der Qualifizierungsinhalte in der jeweiligen Organisation (Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Umsetzung des Top-down-Prinzips).
  • Die Motivation für Fort- und Weiterbildung wird erhöht, indem
    • die Länder und Schulträger weitere Anstrengungen unternehmen, in ihrer Personalressourcenplanung Deputatsstunden für berufliche Schulen vorzusehen. Sie unterstützen die BNE-Koordinatorinnen und -Koordinatoren bzw. BNE-Teams für Lehrplanfragen darin, fächerübergreifende Projekte und die nachhaltige Schulentwicklung (Whole System Approach) zu stärken,
    • Bund und Länder die Entwicklung von maßgeschneiderten Fort- und Weiterbildungsformaten gemäß der Definition von BBNE unterstützen. Die Angebote ermöglichen durch eine stärkere Verzahnung der formalen Ausbildung mit Angeboten der non-formalen Bildung eine größere Flexibilität hinsichtlich der sich dynamisch entwickelnden Bedarfe in der betrieblichen Nachhaltigkeitspraxis.
  • Die Organisationsentwicklung wird angestoßen. Bund und Länder streben gemeinsam mit den relevanten Akteuren in jeweiliger Zuständigkeit an,
    • die Etablierung regionaler Coaching Center sowohl für die schulischen/schulnahen Lernorte der beruflichen Bildung als auch für die Betriebe (z.B. bei den zuständigen Stellen/Kammern zur Bündelung der Beratungsleistungen für Betriebe zu Inklusion, Migration, Ressourceneffizienz, Personalentwicklung, Fachkräftesicherung etc.) zu prüfen,
    • die Entwicklung entsprechender Schulungskonzepte für das Coaching-Personal zu prüfen,
    • eine Vernetzung der für die jeweiligen Lernorte der beruflichen Bildung zuständigen Coaching Center zu flankieren.

IV. Kompetenzanforderungen zur Nachhaltigkeit

Eine nachhaltig ausgerichtete Beschäftigungsfähigkeit umfasst nicht nur berufliches, sondern auch gesellschaftliches und privates Handeln. Es gilt, Kompetenzen zu definieren, um den Aspekt der Nachhaltigkeit im Ausbildungs- und Arbeitsprozess umsetzen zu können.

Ziel und Maßnahmen

Ziel:

Lernende werden in berufsbezogenen Lern- und Arbeitsprozessen zur Umsetzung von Nachhaltigkeit befähigt. Im Fokus steht der Erwerb einer Kompetenz zum selbstständigen Gestalten und Problemlösen in beruflichen, gesellschaftlichen und individuellen Kontexten. Dabei wird das eigene lokale Handeln auch in globale Bezüge gesetzt.
Die Lernenden bewerten ihr Denken und Handeln in Wertschöpfungs- und Geschäftsprozessen nach Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung. Nachfolgende Maßnahmen beschreiben den Prozess zur Bestimmung BBNE-spezifischer Kompetenz.

Maßnahmen:

  • Es wird ein Kategorienraster samt Kriterien zur Bewertung domänenspezifischer und domänenübergreifender Kompetenzziele erarbeitet, das allen Nachhaltigkeitsdimensionen  einschließlich der globalen Perspektive Rechnung trägt.
  • Es werden Andockpunkte identifiziert, die sich für die berufliche Aus- und Weiterbildung aus den Kompetenzzielen des nachhaltigen und globalen Lernens der Sekundarstufe I (z.B. Orientierungsrahmen Lernbereich „Globale Entwicklung“) ergeben, und beschrieben, wie darauf aufgebaut werden kann.
  • Es wird ein Verfahren zur systematischen Analyse von domänenspezifischen Arbeits- und Geschäftsprozessen in Bezug auf nachhaltigkeitsrelevante Aspekte entwickelt. Dieses Verfahren unterstützt die Ordnungsarbeit bei der Identifizierung BBNE- spezifischer Kompetenzen.
  • Es werden domänenspezifische, nachhaltigkeitsrelevante Kompetenzen für alle Ausbildungsberufe auf Basis der entwickelten Dokumente (Maßnahmen 1–3) bestimmt. Zu diesem Zweck werden, sofern nötig, weitere Modellversuche eingebunden.
  • Einschlägige Kompetenzmodelle der beruflichen Bildung werden hinsichtlich der Dimensionen einer nachhaltigkeitsbezogenen Gestaltungskompetenz überprüft und gegebenenfalls weiterentwickelt.
  • Es werden wissenschaftlich begleitete Modellversuche zur Klärung der Frage durchgeführt, wie im Hinblick auf die Kompetenzentwicklung mit Dilemmata, Konflikten und Widersprüchen zwischen ökonomischen, sozialen, ökologischen und globalen Aspekten beruflichen Handelns konstruktiv umgegangen werden kann.

V. Curriculare und didaktische Umsetzung von beruflicher BNE

Eine breite Umsetzung von beruflicher Bildung für nachhaltige Entwicklung wird maßgeblich befördert durch die strukturelle Verankerung von nachhaltigkeitsorientierten Kompetenzentwicklungszielen in der Berufsbildung. Anhand der Bestandsaufnahme sind nachhaltigkeitsorientierte Kompetenzen in die Curricula zu integrieren und geeignete didaktische Mittel zu entwickeln.

Ziel und Maßnahmen

Ziel:

Bis zum Ende des WAP werden Modelle/Konzepte zur curricularen und didaktisch-methodischen Umsetzung von BBNE durch die Sozialpartner, Ministerien und das BIBB entwickelt. Schulische und betriebliche Akteurinnen und Akteure müssen in die Lage versetzt werden, konkrete Lernangebote zu BBNE im Aus- und Weiterbildungskontext zu gestalten. Ansatzpunkte sind Curricula der betrieblichen Aus- und Weiterbildung, der Ausbilderqualifizierung sowie Materialien für die praktische Umsetzung und deren Verbreitung.
 

Maßnahmen zur curricularen Umsetzung:

  • In den Antragsgesprächen zu Ausbildungsordnungen wird BBNE ergänzend berücksichtigt.
  • Das Thema BBNE wird in den Ordnungsverfahren im Hinblick auf die spezifischen Ausprägungen und Anforderungen in den Berufen diskutiert und ggf. berücksichtigt.
  • Die Standardberufsbildposition „Umweltschutz“ wird überarbeitet und somit aktualisiert.
  • Im Rahmen einer Evaluation der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) wird geprüft, inwieweit diese oder die Vorbereitungskurse hierzu Überarbeitungsbedarf aufweisen.
     

Maßnahmen zur didaktischen Umsetzung – Erarbeitung von didaktischen Materialien:

  • Vorhandene Materialien zur Unterstützung in der Aus- und Fortbildungspraxis sowie für die Ausbildung der Ausbilderinnen und Ausbilder werden gemäß den Ergebnissen der Bestandsaufnahme (Handlungsfeld I) auf Grundlage der Definition von BBNE ggf. überarbeitet und ergänzt.
  • Für Berufsschullehrkräfte wird ein Kriterienkatalog für die Gestaltung von Lehr- und Lernsituationen in Bezug auf BBNE erstellt.

 

Maßnahmen zur didaktischen Umsetzung – Verbreitung:

  • Für die Verbreitung der vorhandenen und neu erstellten Materialien werden etablierte und von der Praxis nachgefragte Kommunikationskanäle genutzt, um einen hohen Verbreitungsgrad zu gewährleisten.
  • Bestehende Angebote der Verbreitung (z.B. Foraus.de, „Ausbildung gestalten“) werden erweitert.
  • Weitere Verbreitungsmöglichkeiten  werden für Anbieter von non-formalen Bildungsangeboten geöffnet (siehe Handlungsfeld II).