Die Ausgestaltung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland

"Vom Projekt zur Struktur" – in dem Abschlussdokument der UN-Dekade ist dies der Hinweis, um Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auch nach der UN-Dekade (2004–2014) weiter voranzubringen. Dieser Leitidee verpflichtet sich Deutschland bei der Umsetzung des UNESCO Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung (WAP BNE 2015–2019). Dazu sind das Engagement von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sowie der Zivilgesellschaft gefragt. Gemeinsam haben alle Beteiligten in den verschiedenen Gremien an der Ausarbeitung des NAP BNE gearbeitet. Die Commitments im Nationalen Aktionsplan zeigen, dass bereits vielfältige Aktivitäten in zahlreichen formalen und non-formalen Bildungseinrichtungen sowie Unternehmen zur Umsetzung des NAP ins Leben gerufen wurden. Auf nationaler Ebene dienen die folgenden Gremien und Aktivitäten zur Förderung der Umsetzung des WAP BNE.

Die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung

Die Nationale Plattform BNE ist das zentrale Entscheidungsgremium der nationalen Umsetzung des Weltaktionsprogramms. Sie wurde am 29. September 2015 von der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, einberufen. Unter dem Vorsitz von Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen erarbeiteten die 37 Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in fünf Sitzungen den Nationalen Aktionsplan.

Entsprechend dem prioritären Handlungsfelds 4 des WAPs wurde und wird die Jugendbeteiligung in der nationalen Umsetzung weiter ausgebaut. So sind sowohl in der Nationalen Plattform als auch den Fachforen Vertreterinnen und Vertreter zentraler Jugendverbände aktiv, wie beispielsweise der Bundesjugendring oder die Naturschutzjugend. Ab Sommer 2017 wird zudem ein eigenes Jugendforum die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans vorantreiben. Die Mitglieder des Jugendforums werden als Change Agents noch stärker Jugendliche für BNE motivieren.

Die Fachforen

Sechs Fachforen arbeiten der Nationalen Plattform als zentrale Arbeits- und Fachgremien zu:

∙    Frühkindliche Bildung,

∙    Schulische Bildung,

∙    Berufliche Bildung,

∙    Hochschulbildung,

∙    Non-formales und informelles Lernen/Jugend sowie

∙    Kommunen.

Die Mitglieder der Fachforen, die von der Nationalen Plattform berufen wurden, erarbeiteten den maßgeblichen Entwurf für den Nationalen Aktionsplan BNE. Darüber hinaus werden sie die Umsetzung des Aktionsplans in der zweiten Phase der nationalen Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms begleiten, etwa durch Monitoring des Fortschritts der Umsetzung oder die Erstellung von Expertisen. Die einzelnen Fachforen tagen durchschnittlich fünf- bis sechsmal pro Jahr und treffen sich einmal jährlich auf dem „Jahrestreffen aller Fachforen“. In den Fachforen sind Bildungsexpertinnen und -experten des jeweiligen Bildungsbereichs aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vertreten (vgl. Vorwort und Präambel: Mitglieder der Fachforen).

Die Partnernetzwerke

Zehn Partnernetzwerke tragen zur Vernetzung der Akteure der Bildungspraxis bei und sind wichtige Impulsgeber für die Umsetzung von BNE vor Ort. Die Netzwerke erfüllen auch die wichtige Aufgabe, Good-Practice-Beispiele zu initiieren. Sie bringen ihre umfangreiche Expertise aus den Arbeitsgruppen der UN-Dekade BNE in den Prozess des UNESCO-Weltaktionsprogramms ein. Die zehn Partnernetzwerke sind: Außerschulische Bildungswelten, Kommunen, Medien, Schulische Bildung, Hochschule, Ökonomie und Konsum, Biologische Vielfalt, Berufliche Aus-und Weiterbildung, Frühkindliche Bildung, Kulturelle Bildung und Kulturpolitik.

Zu wissenschaftlichen Fragen wird die Nationale Plattform beraten von Professor Dr. Gerhard de Haan, Freie Universität Berlin, zu internationalen Fragen von Minister a.D. Walter Hirche, ehemaliger Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission.

Wichtige Instrumente der Umsetzungsphase: Der jährliche Agendakongress

Einmal im Jahr veranstaltet das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Agendakongress. Diese bundesweite Veranstaltung ist ein Forum für fachliche Diskussionen und neue Ideen zum Thema BNE. Er richtet sich an aktive Akteure und an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, sich auszutauschen, sich zu vernetzen und gemeinsam die Verankerung von BNE zu stärken.

Am 11. und 12. Juli 2016 fand mit über 650 Teilnehmenden in Berlin der erste Agendakongress statt. Dabei standen Themen wie die „Jugendbeteiligung am WAP“, „BNE-Strategien für Kommunen und langfristige Bildungspartnerschaften“,  „BNE als Motor zur Integration“ oder „Nachhaltigkeit an Hochschulen“ im Mittelpunkt der Diskussionen. Der zweite Agendakongress findet am 27. und 28. November 2017 in Berlin statt.

Auszeichnungen für BNE: Netzwerke, Kommunen und Lernorte

Gute-Praxis-Beispiele sind Vorbilder und entfalten Strahlkraft, indem sie zeigen, wie BNE erfolgreich vom Projekt zur Struktur gelangen kann. Bereits während der UN-Dekade wurden mit großem Erfolg Projekte, Maßnahmen und Kommunen von der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) ausgezeichnet. Die Kriterien für die Auszeichnungsvergabe wurden im WAP BNE umfassend weiterentwickelt. Seit 2016 zeichnen das BMBF und die DUK in den Kategorien „Lernorte“, „Netzwerke“ und „Kommunen“aus. Ihr Kennzeichen: eine besonders gelungene Umsetzung und langfristige Verankerung von BNE. Auf dem Agendakongress 2016 wurden 65 Kommunen, Lernorte und Netzwerke geehrt. Die Ausgezeichneten leisten einen herausragenden Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und des WAP BNE in Deutschland.

Das BNE-Portal

Das von der DUK eingerichtete und vom BMBF geförderte BNE-Portal (www.bne-portal.de) hat sich als zentrale deutsche Informationsseite zu BNE etabliert. Das Portal bietet einführende Texte zu BNE. Es stellt auch alle relevanten Informationen rund um die BNE-Auszeichnungen und Einblicke in die Arbeit bereits ausgezeichnete Akteure dar. Neben diesen Informationen sind auf dem Portal auch Bildungsmaterialien zur Umsetzung von BNE eingestellt. Die Plattform soll zudem Akteure, die BNE umsetzen, besser vernetzen. So können sich Institutionen und Organisationen auf dem Portal in eine Landkarte eintragen und Informationen zu Aktivitäten austauschen.

Die Commitments zum Nationalen Aktionsplan werden auf dem BNE-Portal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sie können kontinuierlich ergänzt werden.

Das nationale Monitoring für BNE

Die Arbeitsstelle des Wissenschaftlichen Beraters des Weltaktionsprogramms, Prof. Gerhard de Haan, führt ein Monitoring-Verfahren zur Erfassung von BNE im deutschen Bildungssystem durch. Ziel ist, die Qualität der BNE-Aktivitäten in allen Bildungsbereichen zu erheben und so ein systematisches und differenziertes Bild der BNE-Umsetzung zu zeichnen.

Es wird davon ausgegangen, dass es zentrale Hebel (leverage points) innerhalb des Bildungssystems gibt, die das Potenzial haben, eine breite Verankerung von hochwertiger BNE in allen Bildungsbereichen besonders effektiv voranzutreiben. Diese Hebel sollen identifiziert werden.

Die Ergebnisse und Fortschritte des Monitorings werden regelmäßig dokumentiert und in Form von Sachstandsberichten für die Gremien der nationalen Umsetzung des WAPs aufbereitet.

Ausblick

Der Nationale Aktionsplan ist ein Referenzrahmen. Er zeigt auf, wie BNE in Deutschland strukturell nachhaltig verankert und qualitativ weiterentwickelt werden kann. Wir, die Mitglieder der Nationalen Plattform, haben die Erwartung, dass die Maßnahmenvorschläge des Nationalen Aktionsplans umfassend umgesetzt werden. Zum Start der Umsetzung haben sich die Fachforen bereit erklärt, ihre Expertise zur Verfügung zu stellen und Handreichungen, Empfehlungen und Unterstützung anzubieten.

Mit Ablauf des UNESCO-Weltaktionsprogramms im Jahr 2019 ist Deutschland international verpflichtet, eine Evaluation der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans und des bisherigen Prozesses zu präsentieren. Im Hinblick auf das langfristige Ziel der Agenda 2030 wird es insbesondere im Jahr 2019 darum gehen,

1) die Zielerreichung zu überprüfen,

2) Ziele ggf. anzupassen und weiterzuentwickeln sowie ggf.

3) neue Ziele zu ergänzen mit Blick auf das übergreifende Ziel 4.7 der nachhaltigen Entwicklungsziele.

 

Der Nationale Aktionsplan ist eine wichtige Etappe, um BNE in die Breite zu tragen. Um vom „Plan“ zur „Aktion“ zu kommen, ist es entscheidend, den Nationalen Aktionsplan mit Leben zu füllen. Der Nationale Aktionsplan ist ein Meilenstein und kein Endpunkt. Er wird durch die vorhandenen und neue Commitments weiterentwickelt – durch die Mitglieder der verschiedenen nationalen Gremien des WAPs, sprich die Nationale Plattform, die Fachforen und Partnernetzwerke, sowie darüber hinausgehend weitere Akteure der nationalen Bildungslandschaft.