Studie: Nachhaltigkeitsziele im deutschen Bildungssystem

SDGs nur vereinzelt wahrgenommen, kommuniziert und implementiert

Die 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) spielen im deutschen Bildungssystem noch keine herausragende Rolle – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von drei Wissenschaftlern der Universität Bremen. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass es bereits viele Engagierte gebe, die nachhaltige Entwicklung voranbringen. Acht Beispiele Guter Praxis sollen zeigen, wie dies gelingt – darunter drei ausgezeichnete Akteure des Weltaktionsprogramms. Die „Studie zur Umsetzung der SDG im deutschen Bildungssystem“ ist im Volltext als kostenfreie PDF verfügbar.

Aus den Befunden der Studie ergebe sich ein gemischtes Bild. Einerseits konzentrierten sich die meisten SDG-Projekte lediglich auf ein einzelnes Ziel. Außerdem spielten die Ziele nachhaltiger Entwicklung in der Beruflichen Bildung, dem informellen Lernen und bei Fort- und Weiterbildungen bislang kaum eine Rolle. Andererseits thematisierten einige Initiativen die Wechselbeziehungen und Zielkonflikte zwischen den unterschiedlichen SDGs, insbesondere an Schulen und Hochschulen. Darüber hinaus gebe es bereits viele Projekte, welche die nachhaltige Entwicklung befördern, sich dabei aber nicht auf die SGDs beziehen. Solche Projekte ließen sich vor allem im Bereich der frühkindlichen und der informellen Bildung finden.

Die Autoren geben vor diesem Hintergrund Handlungsempfehlungen an Bildungseinrichtungen und die Politik. Bildungseinrichtungen könnten unter anderem bestehende Projekte den SDG zuordnen, ihren Betrieb nachhaltiger gestalten (etwa durch Ernährung und Ökoeffizienz) und regionale oder nationale Netzwerke bilden. Poltische Akteure sollten unter anderem Lehrpläne umgestalten, Aus- und Fortbildungen von Lehrkräften fördern und Lehrmaterialien bereitstellen.

Ausgezeichnete Akteure des Weltaktionsprogramms als Beispiele Guter Praxis

Die Studie beleuchtet acht Beispiele Guter Praxis aus unterschiedlichen Bildungsbereichen, um „die vereinzelt stattfindenden Projekte zu bündeln, Parallelen aufzuzeigen und gegenseitiges Lernen anzustoßen“. Dazu gehören auch drei Akteure, die im Jahr 2016 von der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Auszeichnung im Rahmen des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung erhielten.

Im Klimahaus Bremerhaven 8° Ost erwartet die Besuchenden eine Weltreise durch die Klimazonen der Erde auf 11.500m². Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit bietet kostenfreie Online-Vorlesungen in 17 videogestützten Kursen zu Themen wie nachhaltiges Management, Migration oder Weltbevölkerung an. Der Verein BildungsCent  unterstützt junge Menschen, sich unter anderem für mehr Klimaschutz zu engagieren. Dafür begleitet BildungsCent die Schulen mit Programmen bei der Einbindung gesellschaftspolitischer Themen in den Schulalltag.

Die Autoren

Verfasst haben die Studie Prof. Dr. Georg Müller-Christ, Bror Giesenbauer und Merle Katrin Tegeler. Alle drei arbeiten an der Universität Bremen und engagieren sich im Verbundprojekt Hoch N, das sich für mehr Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre, Betrieb und Governance einsetzt. Georg Müller-Christ ist außerdem Mitglied in drei Gremien zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms in Deutschland: Er ist Sprecher des Fachforums Hochschule und des Partnernetzwerks Hochschulen, darüber hinaus gehört er der Nationalen Plattform an. Der Rat für nachhaltige Entwicklung gab die Studie in Auftrag.