„Eigene Leitbilder reflektieren und neue Eindrücke gewinnen“

Interview mit Marianne Spiegel, der Verantwortlichen für Bildung für nachhaltige Entwicklung im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue, über das BNE-Projekt „NaviNatur“.

Die Flusslandschaft Elbe ist eines von 15 deutschen UNESCO-Biosphärenreservaten, es erstreckt sich über fünf Bundesländer. In Niedersachsen reicht das Biosphärenreservat von Schnackenburg bis kurz vor Lauenburg. Wie für alle UNESCO-Biosphärenreservate ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) eine der Kernaufgaben in der niedersächsischen Elbtalaue. Das Biosphärenreservat macht vielfältige Angebote für Besucherinnen und Besucher wie auch für die Bevölkerung, zum Beispiel am Informationszentrum Schluss Bleckede, den weiteren vier Informationsstellen und Partnern wie dem BUND in Burg Lenzen oder dem Archäologischen Zentrum Hitzacker. Zum Beispiel wurden mit dem Umweltbildungszentrum der Hansestadt Lüneburg (SCHUBZ) Themenblätter für Schulen und Erwachsenbildung erarbeitet. Ein besonderes, weil internationales BNE-Projekt unter Nutzung von Apps und GPS, ist das Projekt „NaviNatur“.

Frau Spiegel, Sie haben das Projekt „NaviNatur“ betreut. Worum genau geht es dabei?

Bei dem Projekt „NaviNatur“ ging es darum, dass sich Schüler mit Aspekten der nachhaltigen Entwicklung im Biosphärenreservat auseinandersetzen und zu diesen Themen „digitale GPS-Bildungsrouten“ entwickeln. Solche Routen setzen sich analog dem „Geocaching“ durch GPS-Punkte zusammen, an denen Bildungsinhalte aufbereitet sind. Diese Routen haben die Schüler selbstständig umgesetzt und mit neuen Medien so aufbereitet, dass andere Schüler, Touristen, Eltern und weitere Interessierte diese Bildungsrouten und Inhalte nachvollziehen können. In der Weiterentwicklung des Projekts wurde zudem ein internationaler Austausch zwischen fünf Schulen aus Rumänien und Deutschland organisiert, bei dem sich die Schüler ihre selbstentwickelten Bildungsrouten und somit ihre verschiedenen Lebensräume gegenseitig vorstellen.

 

 Bildung für nachhaltige Entwicklung geht über die Vermittlung bestimmter Inhalte hinaus. Sie soll  Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigen. Was haben Sie in Ihrem Projekt getan, um dieses Ziel zu erreichen?

Abgesehen von den Inhalten sollten die Schüler Gestaltungskompetenzen erwerben und selber aktiv werden. Durch selbstorganisiertes Lernen haben sie zum Beispiel Expertengruppen gebildet und sich in verschiedene Perspektiven hineinversetzt. Außerdem haben sie ein eigenes Wiki, also eine offene Internet-Wissensplattform, zum Thema erarbeitet. Beim Austausch mit Schulen in Rumänien ging es vor allem darum, Weltoffenheit zu fördern und die Kinder dazu anzuregen, dass sie sich austauschen, eigene Leitbilder reflektieren und neue Eindrücke gewinnen. Dafür haben die rumänischen Schüler Routen bei sich entwickelt und diese den deutschen Schülern vorgeführt und umgekehrt.

 

Bei dieser internationalen Kooperation finden Schüleraustausche zwischen den Biosphärenreservaten Elbtalaue und Schaalsee in Deutschland sowie dem Biosphärenreservat Donaudelta in Rumänien statt. Wie kam es dazu?

Den Austausch haben wir ursprünglich zusammen mit dem Biosphärenreservat Schaalsee entwickelt. Dort gibt es eine Schule in Mölln, die schon länger einen Schüleraustausch mit der Stadt Schäßburg in Rumänien organisiert. Diese Region war für uns als Flussbiosphärenreservat allerdings nicht so interessant. Als Partner für unser Biosphärenreservat Elbtalaue eignete sich in Rumänien am besten eine Stadt an einem weiteren großen Fluss, idealerweise der Donau. Dem entsprechend wurde ein Austausch mit einer Schule in Sfântu Gheorghe, einer Stadt an der Mündung der Donau ins Schwarze Meer, aufgebaut. Gleichzeitig ist ein Austausch zwischen den an die Gebiete angrenzenden Universitäten Bukarest und Lüneburg sowie zwischen den verschiedenen Biosphärenreservats-Verwaltungen zustande gekommen.

 

Wer nutzt die Ergebnisse des Projekts „NaviNatur“ künftig?

Zum einen ist ein umfangreiches Methodenhandbuch entwickelt worden, sodass das Projekt und die Methodik jederzeit von Schülern und anderen Schulen nachvollzogen werden kann. Zum anderen wurden diverse Routen ins Internet gestellt, die heruntergeladen werden können – sowohl von Bildungszentren als auch von Urlaubern, die eine bestimmte Ecke des Biosphärenreservats erkunden wollen. Die erforderlichen GPS-Geräte kann man beim SCHUBZ, dem Träger dieses Projektes, ausleihen.

 

Was waren die größten Herausforderungen bei diesen Projekten?

Beim ersten Projekt, bei dem es noch keinen internationalen Austausch gab, wurde erst einmal die Methodik ausprobiert. Dabei gab es den Anspruch, die Routen nicht nur inhaltlich zu erarbeiten, also das heißt Filmaufnahmen zu machen, Interviews zu führen, Texte zu verfassen und Bilder zu schießen, sondern diese Informationen auch technisch in die GPS-Geräte einzupflegen. Das war sehr zeitaufwändig und hat die Schüler und die betreuenden Lehrer teilweise überstrapaziert.
Daraus wurde eine Lehre gezogen und so stand beim zweiten Projekt ein technischer Mitarbeiter von der Universität zu Verfügung, welcher die Daten eingepflegt hat. Besonders wichtig für das Projekt waren außerdem motivierte Lehrer, die das Projekt begleitet haben, da es in den normalen Schulalltag nicht zu integrieren ist.