Kommunen

Kommunen sehen sich in der Zukunft großen Herausforderungen gegenüber – vom Klimawandel über Bildungsgerechtigkeit bis zu finanzieller Absicherung einer nachhaltigen Daseinsvorsorge. Kommunen haben dabei als Schnittstelle zwischen den Bürgern und der Politik eine besondere Bedeutung, da die lokale Ebene als Gradmesser einer nachhaltigen Entwicklung verstanden werden kann.

Warum ist Bildung für nachhaltige Entwicklung in Kommunen so wichtig?

Kommunen haben eine zentrale Bedeutung für die Verwirklichung von Nachhaltigkeit. Viele zentrale Nachhaltigkeitsthemen werden lokal entschieden und/ oder wirken sich lokal aus. Beispiele sind Themen wie Mobilität, Land- und Forstwirtschaft, Energie oder sozialer Wandel.

Aufgrund der hohen Qualitätsansprüche, die Bildung für nachhaltige Entwicklung stellt, ist es eine Chance für Kommunen, sich als hochwertiger Bildungsstandort zu positionieren. Auch so genannte Bildungslandschaften, die schulische und außerschulische Angebote miteinander verbinden, eignen sich gut, um dem ganzheitlichen Ansatz von Bildung für nachhaltige Entwicklung gerecht zu werden und den Bezug zum kommunalen Raum herzustellen.

Kurzzusammenfassung Dokumentenanalyse Kommunen
des Monitorings zum Weltaktionsprogramm
Städte und BNE
Das Dossier stellt aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze vor.

Darüber hinaus kann Bildung für nachhaltige Entwicklung dazu führen, dass eine Kommune attraktiver als Standort für Wohnen, Arbeiten und Erholung wird: Durch die Ansiedlung von Unternehmen, die sich mit zukunftsfähigen, nachhaltigen Innovationen beschäftigen beispielsweise oder auch durch entsprechende Freizeitmöglichkeiten, wie Naturreservate.

Bildung für nachhaltige Entwicklung führt außerdem zu einem Verständnis für das globale Ganze und einer weltoffenen Perspektive. Insbesondere in Zeiten des Wandels und verstärkten Integrationsherausforderungen kann dies für die soziale Kohäsion entscheidend sein.

Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung in Kommunen umgesetzt werden?

Zentral ist die Vernetzung der verschiedenen Akteure aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und schulischen und außerschulischen Lernorten. Ebenso wichtig ist es, Bürger zu beteiligen und ihnen einen Gestaltungsspielraum zu ermöglichen. So entstehen Engagement und sozialer Zusammenhalt. Bürgerbeteiligung ist selbst wiederum eine Bildungsaufgabe. Das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung zielt auf ebensolche Befähigungen ab: Kritisches Denken, Teamfähigkeit, Partizipation.

Gelsenkirchen
sieht BNE als Chance, um sich den Herausforderungen im Ruhrgebiet zu stellen.
Neumarkt in der Oberpfalz
sieht BNE als Querschnittsaufgabe und hat BNE in das Leitbild der Stadt integriert.

Kommunen haben die Chance, Bildung für nachhaltige Entwicklung systematisch und übergreifend zu verankern. Auch in der eigenen Verwaltung, wie beispielsweise im Bereich Personal oder Beschaffung können sie mit inspirierendem Beispiel voran gehen und Aspekte der nachhaltigen Entwicklung umsetzen. Eine ganzheitliche Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung wird zudem befördert, wenn sie in das Leitbild der Kommune integriert wird.

Anregungen zu möglichen Umsetzungen von Bildung für nachhaltige Entwicklung bieten zudem internationale Kooperationen bspw. mit Partnerstädten der Kommunen oder international agierenden Netzwerken.

BNE-Landschaft
Zahlreiche Akteure beschäftigen sich in Deutschland mit dem Thema "Nachhaltige Städte und Gemeinden."

Herausforderungen in Kommunen

Jede Kommune ist unterschiedlich und bringt eigene Potentiale und Problemlagen mit sich. Es kann daher keinen universell übertragbaren Masterplan für die Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung geben. Jede Kommune muss ihren individuellen Weg finden. Notwendig sind langfristige Entwicklungsstrategien, die künftige Problemstellungen sowie Chancen herausarbeiten und den konkreten Gegebenheiten der jeweiligen Stadt, Gemeinde oder des Landkreises entsprechen.

In jedem Fall ist die Abstimmung mit vielen, unterschiedlichen Akteuren in Kommunen nötig, die entsprechend unterschiedliche Interessenslagen miteinander in Einklang bringen muss.

Als Träger von Bildungseinrichtungen haben Kommunen enormes Potential, ihre jeweiligen Bildungseinrichtungen zu prägen: Aktuelle Fragen sind beispielsweise, welche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen Kommunen im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung offerieren können und wie sie Bildungseinrichtungen dabei unterstützen kann Nachhaltigkeit gesamtinstitutionell zu etablieren.

Standortfaktor BNE in Frankfurt am Main
Gastbeitrag von Michael Schlecht, Koordinator der städtischen Aktivitäten zum Weltaktionsprogramm
„Die Kids müssen lernen, dass Kühe nicht lila sind und wie der Strom in die Steckdose kommt.“
Dr. Manfred Beck, ehemaliger Beigeordneter der Stadt Gelsenkirchen

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung

2015 fiel der Startschuss für das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das Folgeprogramm der Vereinten Nationen für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Das fünfjährige Programm (2015-2019) zielt darauf ab, Bildung für nachhaltige Entwicklung vom Projekt in die Struktur zu bekommen. Dabei konzentriert es sich vor allem auf 5 Handlungsfelder: Politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren, Stärkung und Mobilisierung der Jugend und Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.

Zur Umsetzung des Programms in Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Nationale Plattform eingerichtet, die im Juni 2017 einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet hat. Sie wird unterstützt durch so genannte Fachforen, die aus Experten zu den verschiedenen Bildungsbereichen besteht.

Die Relevanz von kommunaler, regionaler und lokaler Arbeit im Bereich von Bildung für nachhaltige Entwicklung wird auch darin deutlich, dass die Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene eines der fünf prioritären Handlungsfelder des Weltaktionsprogramms darstellt.

Neun Kommunen erhielten 2016 eine Auszeichnung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen UNESCO-Kommission, weil sie BNE besonders gelungen umsetzen: Alheim (Hessen), Bonn (Nordrhein-Westfalen), Dinslaken (Nordrhein-Westfalen), Dornstadt (Baden-Württemberg), Erfurt (Thüringen), Frankfurt (Hessen), Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen), Hetlingen (Schleswig-Holstein) und Neumarkt i.d.OPf. (Bayern).

Handlungsfeld 5:
„Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene“
UNESCO-Roadmap
zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms
Ausgezeichnete Kommunen
Lehrmaterialien
zum Thema "nachhaltige Städte und Gemeinden."

Das Fachforum Kommunen

Mitgliederliste
des Fachforums Kommunen (Stand: Juli 2017)

Das Fachforum erarbeitet prioritäre Handlungsfelder für den kommunalen Bereich und konkrete Ziele und Umsetzungsstrategien. Außerdem identifiziert es Beispiele guter Praxis und gibt Anregungen für neue Bildungs-und Lernformate.

Priorisierte Handlungsfelder des Fachforums Kommunen (Stand: Juli 2016)

 

Kommunalen BNE Kodex entwickeln

Möglichst viele Kommunen sollen BNE als Teil ihrer Entwicklungsstrategie anerkennen. Räte und Kreistage sowie die höchsten Repräsentanten sollen sich zur Umsetzung des WAP verpflichten.
Für eine verbindliche Verankerung von BNE in den Abläufen und der Kommunikation einer Kommune sollen ein Ratsbeschluss herbeigeführt sowie ein Aktionsplan entwickelt und verabschiedet werden. Zwecks Weiterentwicklung und Kommunikation guter Praxis bedarf es der Vernetzung der Kommunen untereinander. Um die Verstetigung von BNE zu erreichen, sollen in der Kommunalverwaltung eine eigene Stabsstelle eingerichtet und eine Ansprechperson benannt werden.

BNE-Anreize und Verstetigung für alle Kommunen

Kommunen, die BNE noch nicht in ihr Portfolio aufgenommen haben, sollen mit einer von BNE-Kommunen entwickelten Positivliste von der Notwendigkeit und Machbarkeit der Verankerung von BNE als Querschnittsaufgabe überzeugt werden. Kommunen, die BNE als Querschnittsaufgabe verankern wollen, werden durch eine Erklärung der kommunalen Spitzenverbände zu BNE bestärkt. Wenn in Stellenbeschreibungen für kommunale Beschäftigte künftig auch BNE-Kompetenzen aufgenommen werden, wird eine Verstetigung von BNE weiter gefördert.

Kompetenzentwicklung BNE in Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung

Um die verbindliche Berücksichtigung von BNE bei allen Aufgaben und Prozessen in der Kommune zu sichern, wäre BNE als Querschnittsaufgabe in allen Fachbereichen zu verankern. Ausgehend von bestehenden Kenntnissen und Fähigkeiten kommunaler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Fort- und Weiterbildungsbedarfe zu definieren. Darüber hinaus gilt es, Kriterien zu entwickeln, um die Qualität der kommunalen BNE-Arbeit selbst beobachten und beurteilen zu können.

BNE als Standortfaktor

BNE-Aktivitäten können ein Standortfaktor sein, wenn kommunale Spitzen sie sichtbar machen und bewerben. Die Sichtbarmachung beginnt bei der Verankerung von BNE als Thema in der kommunalen Berichterstattung (z.B. im Bildungsbericht) und in der Benennung von BNE im Corporate Design der Kommune (z.B. durch ein Logo). Auch eine Übersicht der Lernangebote, in denen Mitarbeiter der Kommunalverwaltung sich zum Thema BNE fort- und weiterbilden können bzw. Bürgerinnen und Bürger sich BNE-Wissen und -Kompetenzen aneignen können, erhöht die Sichtbarkeit und das Potenzial von BNE für einen attraktiven kommunalen Standort. Im Rahmen öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungen können besonders erfolgreiche BNE-Projekte und Aktivitäten durch Landräte bzw.
(Ober-) Bürgermeister gewürdigt werden.

Vernetzung und Partizipation

Vernetzung und Austausch sind wichtig, um gute Beispiele der BNE in die Breite zu tragen. Eine Bestandsaufnahme von Beispielen guter BNE-Praxis bietet Know-How, auf dem ein Austausch aufbauen kann. Ziel ist eine engere Vernetzung der Kommunen untereinander und von verschiedenen BNE-Initiativen, zivilgesellschaftlichen, politischen und administrativen Akteuren innerhalb einer Kommune. Darüber hinaus werden BNE-Maßnahmen ausgebaut, z.B. Runde Tische oder Wettbewerbe. Zudem wird über verschiedene Formen die Partizipation aller Bevölkerungsgruppen an kommunalen Prozessen zur Nachhaltigkeit gefördert.

Die Partnernetzwerke im Bereich Kommunen

Die Fachforen arbeiten eng mit so genannten Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind. Die einzelnen Parnernetzwerke stellen sich auf dieser Seite genauer vor. Sie finden dort unter anderem Mitgliederlisten und Grundpositionen.

Im Bereich Kommunen sind folgende Partnernetzwerke aktiv:

Partnernetzwerk Kommunen und bildungsbereichsübergreifend Partnernetzwerke Medien, Ökonomie und Konsum, Biologische Vielfalt, Kulturelle Bildung und Kulturpolitik.