Schule

Kinder erleben während ihrer Schulzeit eine äußerst prägende Lebensphase. Gleichzeitig haben sie in diesem Zeitraum bereits ausreichende Gestaltungs- und Handlungskompetenzen erlernt, um das Konzept Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht bloß in theoretischer Hinsicht zu begreifen, sondern auch in praktischer und selbstständiger Weise umsetzen zu können.

Warum ist Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule so wichtig?

Kinder erleben während ihrer Schulzeit eine äußerst prägende Lebensphase. Gleichzeitig haben sie in diesem Zeitraum bereits ausreichende Gestaltungs- und Handlungskompetenzen erlernt, um das Konzept Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht bloß in theoretischer Hinsicht zu begreifen, sondern auch in praktischer und selbstständiger Weise umsetzen zu können.

Je früher Kinder an Themen und Probleme der nachhaltigen Entwicklung herangeführt werden, desto selbstverständlicher wird ihr späterer kritischer und engagierter Umgang mit den großen ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit werden. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, im Schulalter die Kenntnisse über nachhaltige Entwicklung weiter auszubauen, die zuvor bereits in Kindergärten erworben wurden.

Vom Projekt zur Struktur – dieses Ziel des Weltaktionsprogramms kann nur erreicht werden, wenn Schulen als maßgebliche Institutionen für formale Bildung für nachhaltige Entwicklung leben und lehren.

Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule angewendet werden?

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist deutlich mehr als ein weiteres einzugliederndes Einzelthema, es ist ein übergreifender Ansatz, der sich auch auf Lehr und Lernmethoden auswirkt. Gestaltungskompetenz, Partizipation und kritisches Denken sind beispielsweise Grundfähigkeiten, die vermittelt werden sollen.

Der so genannte "whole institution approach" beschreibt ein Konzept, der die gesamte Institution in den Bildungsansatz einbezieht. Schulen haben die Möglichkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung auf allen Ebenen umzusetzen: Es wird als Querschnittsthema fächerübergreifend im Unterricht vermittelt. Daneben werden Nachhaltigkeitsaspekte bei Betriebs- und Mitarbeiterführung berücksichtigt. Die Verankerung im Schulprofil ist ebenfalls denkbar – es gibt bereits Umweltschulen, Agenda 21-Schulen und Zukunftsschulen.

Eine noch stärkere Öffnung der Schulen in die Gesellschaft befördert das Konzept von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Durch Kooperationen mit lokalen außerschulischen Institutionen und Netzwerken, die einen Bezug zu Nachhaltigkeit besitzen, gelingt der Brückenschlag in den außerschulischen Raum.

Bildung für nachhaltige Entwicklung, Inklusion und Migration

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist gesellschaftspolitisch relevant. Bildungspolitische Anknüpfungspunkte sind beispielsweise Themen wie Inklusion oder Migration.

Kulturkonflikte treten in verschiedenen Gesellschaftsbereichen auf, so auch in Kontexten der Schule. Um den Mehrwert kultureller Diversität erfahren zu können, hat sich die Bereitschaft zum interkulturellen Dialog als wichtigstes Erfordernis erwiesen. In Schulen bietet sich insbesondere die Gelegenheit – etwa durch Gruppenarbeit im Besonderen und den Klassenverband im Allgemeinen – soziale Kompetenzen zu erlernen.

Publikation
Publikation „Migration als Herausforderung. Praxisbeispiele aus den UNESCO-Projektschulen“

Herausforderungen im Bildungsbereich Schule

Nach wie vor ist eine zentrale Aufgabe, Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften zu integrieren.

Daneben gilt es Bildung für nachhaltige Entwicklung als Leitprinzip in die Rahmenlehr- bzw. Bildungspläne der Länder aufzunehmen. Hierzu zeigt sich zwischen den einzelnen Bundesländern und auch zwischen einzelnen Schulen und Schultypen bislang ein sehr unterschiedliches Bild. 

Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung

2015 fiel der Startschuss für das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das Folgeprogramm der Vereinten Nationen für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Das fünfjährige Programm (2015-2019) zielt darauf ab, Bildung für nachhaltige Entwicklung vom Projekt in die Struktur zu bekommen. Dabei konzentriert es sich vor allem auf 5 Handlungsfelder: Politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren, Stärkung und Mobilisierung der Jugend und Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.

Zur Umsetzung des Programms in Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Nationale Plattform eingerichtet, die bis zum Sommer 2017 einen Nationalen Aktionsplan erarbeitet. Sie wird unterstützt durch so genannte Fachforen, die aus Experten zu den verschiedenen Bildungsbereichen besteht.

UNESCO-Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms

Das Fachforum Schule

Mitgliederliste
des Fachforums Schule (Stand: November 2016)

Das Fachforum erarbeitet prioritäre Handlungsfelder für den Bildungsbereich Schule und konkrete Ziele und Umsetzungsstrategien. Außerdem identifiziert es Beispiele guter Praxis und gibt Anregungen für neue Bildungs-und Lernformate.

 

Priorisierte Handlungsfelder des Fachforums Schule (Stand: Juli 2016)

 

BNE als Aufgabe des Bildungswesens

BNE ist eine Gesamtaufgabe des Bildungswesens. Die Ministerien auf Bundes- und Landesebene sind hier genauso gefordert wie die nachgeordneten Behörden der Bildungsverwaltung. Es gilt, Indikatoren zu entwickeln und Qualitätskriterien zu setzen, wie etwa Standards für Lernergebnisse. Um BNE zu etablieren, sind Strukturen und Netzwerke zu fördern sowie Ressourcen zu mobilisieren und bereitzustellen.

Lehrkräftebildung für eine nachhaltige Entwicklung

Lehrkräfte, Multiplikator*innen und ihre Ausbilder sind wirkungsvolle Change Agents. Um ihre Kompetenzen für BNE zu entwickeln, muss diese strukturell in der Aus-, Fort- und Weiterbildung verankert werden. Hierfür sind Rahmenbedingungen und Qualitätsstandards zu setzen.

Lernort/Sozialraum, Kooperationen und BNE

Schule befähigt nachkommende Generationen für ihre Zukunft, dafür muss sie nachhaltige Entwicklung ganzheitlich, partizipativ und inklusiv erfahrbar machen. Für einen erfolgreichen Transformationsprozess müssen BNE-Vision, -Plan und -Strategie für die Lern- und Lehrumgebung von allen entwickelt und mitgetragen werden (Whole Institutional Approach).

Der Auf- und Ausbau von lokalen Bildungslandschaften ist notwendig. Genauso müssen sich die Schulen mehr als bisher nach innen und außen öffnen, um Schnittstellen und Kooperationen mit außerschulischen Akteuren (z.B. Kommunen, Schulfördervereinen, NGOs, Unternehmen) nutzen zu können.

Strukturelle Verankerung von BNE in Lehr- und Bildungsplänen

Die Lehr- und Bildungspläne stellen ein wesentliches Element zur Transformation des Bildungssystems im Sinne von BNE dar. In diesen gilt es, BNE strukturell und verbindlich sowohl in Fächern und Fächerverbünden als auch interdisziplinär zu verankern und Unterstützungsangebote bereitzustellen.

Partizipation und BNE

Partizipation ist Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung, deshalb ist Partizipation Bestandteil von BNE. Kinder und Jugendliche müssen beteiligt werden, damit die jüngere Generation die Gegenwart und die Zukunft aktiv mitgestaltet. Die Demokratisierung von Schule ist ein zentrales Element, um durch Mitgestaltung in Schule und Gemeinwesen Selbstwirksamkeit zu erfahren. Echte Kinder- und Jugendbeteiligung und Ermächtigung auf der Grundlage der Kinderrechte ist im Lern- und Lehrumfeld zu etablieren. Partizipation von allen gesellschaftlichen Akteuren ist zu stärken und umzusetzen, das bezieht Schulleitungen, Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Schüler*innen, Eltern genauso wie zivilgesellschaftliche Partner*innen wie Schulfördervereine und NGOs ein.

Die Partnernetzwerke im Bereich Schule

Die Fachforen arbeiten eng mit so genannten Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind.

Im Bereich Schule sind folgende Partnernetzwerke aktiv:

Partnernetzwerk Schulische Bildung und bildungsbereichsübergreifend Partnernetzwerke Medien, Ökonomie und Konsum, Biologische Vielfalt, Kulturelle Bildung und Kulturpolitik.

Rückblick

Empfehlung der KMK und DUK zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule

Während der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005-2014) wurden erste Verankerungen von Bildung für nachhaltige Entwicklung in Lehr-, Rahmenplänen und Curricula initiiert und das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung für nachhaltige Entwicklung als angemessene Reaktion auf globale Herausforderungen geschärft.

Zu dieser Entwicklung konnte eine gemeinsame Empfehlung der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission beitragen.