Frühkindliche Bildung

In der frühen Kindheit werden Grundlagen gelegt: Fähigkeiten und Werte, die unseren Umgang mit uns selbst, anderen Menschen und unserer Umwelt bestimmen. Kindergärten sind mehr als bloße Betreuungsorte: Es sind Bildungsorte. Durch ihre oftmals große soziale Durchmischung bieten sie zudem die Chance, in heterogenen Gruppen zu lernen und unterschiedlichen Perspektiven Raum zu geben – ein elementarer Ort für Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Warum ist Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Frühkindlichen Bildung so wichtig?

Kinder wollen die Welt erforschen und sie begreifen, ihren Platz in einer Gruppe finden und mitbestimmen. Sie lernen Regeln des Miteinanders und Werte des Umgangs. Die körperlichen, kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklungen eines Kindes sind in der frühen Kindheit besonders rasant.

Das Potential von Bildung für nachhaltige Entwicklung ist in diesem Bildungsbereich besonders groß: Das Kind lernt Grundwerte und Fähigkeiten und es erlebt, dass es gestalten kann und sein Handeln Auswirkungen auf andere Menschen und seine Umgebung hat. Dieses Bewusstsein ist die Basis von Bildung für nachhaltige Entwicklung, die darauf abzielt, Menschen zu verantwortlichem Denken und Handeln zu befähigen. Dazu sind Schlüsselfähigkeiten wie Kooperation, Partizipation und Selbstorganisation nötig, die als wesentliche Elemente einer modernen Kinderpädagogik angesehen werden.

Die großen ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit, wie beispielsweise der Klimawandel, sind jedoch nicht von Kindern verschuldet. Werden sie mit diesen Problemen nicht überfrachtet? Kinder werden in dieser Welt groß und müssen mit den Folgen der Fehler vergangener Generationen umgehen. Heutige Kinder wachsen zu einer entscheidenden Generation heran, bei der Frage, ob der Umschwung noch gelingt. Sie sollten die Möglichkeit bekommen, zu entdecken, welche großen Chancen für sie in einer sich immer dynamischer entwickelnden und auch in kultureller Hinsicht immer vielfältigeren Welt liegen und welche Möglichkeiten der Mitgestaltung sich ihnen bieten. Durch ihre Fragen, Ideen und neuen Perspektiven bringen sie wiederum eine Transformation voran und motivieren zum Umdenken.

Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung in der frühkindlichen Bildung angewendet werden?

Auch schon in der frühen Kindheit ist die altersgemäße Auseinandersetzung mit zukunftsrelevanten Themen möglich. Beispielsweise naturwissenschaftliche Bildung kann praxisnah vermittelt werden und kommt dem Entdeckergeist der meisten Kinder entgegen. Projektarbeit fördert Selbstorganisation, Gemeinschaftssinn, Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse und ist dem kindlichen Lernen in besonderer Weise angemessen. Dies stärkt zugleich die kommunikative Kompetenz.

Publikation:
Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im Elementarbereich
Kleine Forscher
Im "Haus der kleinen Forscher" lernen Kinder, was nachhaltige Entwicklung bedeutet.

Bildung für nachhaltige Entwicklung, Inklusion und Migration

Inklusive Bildung bedeutet, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten offen stehen, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben, unabhängig von besonderen Lernbedürfnissen, Geschlecht, sozialen und ökonomischen Voraussetzungen. Bildung für nachhaltige Entwicklung fördert Inklusion in der frühkindlichen Bildung durch ihre Prinzipien Partizipation, Situations- und Handlungsorientierung. Sie eignet sich besonders gut dafür zu erleben, wie gemeinsam in heterogenen Gruppen Aufgaben konstruktiv gelöst werden können. Durch den globalen Horizont hat Bildung für nachhaltige Entwicklung zudem einen engen Bezug zu den Themen Migration und Diversität. Insbesondere in gemischten Gruppen, wie denen der frühkindlichen Bildung, besteht die Chance, Vielfältigkeit der Menschen und Perspektiven als Normalität und Bereicherung kennenzulernen.

SDG Ziel 4:
Für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen sicherstellen

Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung

Unterschiedliche Zuständigkeiten

Es gibt keine allgemeine staatliche Zuständigkeit für diesen Bildungsbereich und eine hohe Diversität an nicht-öffentlichen Trägern von Kindertagesstätten. Bund, Länder, Kommunen, Erzieher, Träger und Eltern sind gefragt, wenn es um frühkindliche Bildung geht.

Bildungspläne

Die Implementierung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Orientierungs- und Bildungspläne der Bundesländer ist noch nicht ausreichend erfolgt. Trotz Fortschritten in den vergangenen Jahren ist ein weiterer deutlicher Entwicklungsbedarf hin zu einer systematischen Integration als Leitprinzip der Elementarbildung festzustellen.

Aus- und Fortbildung  der Lehrkräfte

Bildung für nachhaltige Entwicklung muss den Weg in die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte finden und dort verankert werden. Hierbei geht es nicht nur um die Vermittlung von Faktenwissen, sondern vor allem auch um entsprechende Methoden und pädagogische Ansätze.

Whole institution approach

Bildung für nachhaltige Entwicklung sollte ein Gesamtansatz für die Institutionen der frühkindlichen Bildung sein: Die Art der Betriebsführung, die Auswahl von Lieferanten und die Gestaltung von Gebäude und Gelände sollte unter Aspekten der nachhaltigen Entwicklung überprüft werden.

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung

UNESCO-Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms

2015 fiel der Startschuss für das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das Folgeprogramm der Vereinten Nationen für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Das fünfjährige Programm (2015-2019) zielt darauf ab, Bildung für nachhaltige Entwicklung vom Projekt in die Struktur zu bekommen. Dabei konzentriert es sich vor allem auf 5 Handlungsfelder: Politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren, Stärkung und Mobilisierung der Jugend und Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.

Zur Umsetzung des Programms in Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Nationale Plattform eingerichtet, die bis zum Sommer 2017 einen Nationalen Aktionsplan erarbeitet. Sie wird unterstützt durch so genannte Fachforen, die aus Experten zu den verschiedenen Bildungsbereichen besteht.

Das Fachforum Frühkindliche Bildung

Mitgliederliste
des Fachforums Frühkindliche Bildung (Stand: November 2016)

Das Fachforum erarbeitet prioritäre Handlungsfelder für den Bildungsbereich frühkindliche Bildung und konkrete Ziele und Umsetzungsstrategien. Außerdem identifiziert es Beispiele guter Praxis und gibt Anregungen für neue Bildungs-und Lernformate.

 

 

Priorisierte Handlungsfelder des Fachforums Frühkindliche Bildung (Stand: Juli 2016)

 

BNE verbindlich in den Bildungsplänen verankern lassen

In den zurückliegenden Jahren haben einige Länder das Konzept von BNE bereits in unterschiedlicher Form in ihre Bildungspläne aufgenommen. Zu prüfen ist, an welchen Stellen Weiterentwicklungen notwendig sind und welche Empfehlungen anderen Ländern für die Aufnahme von BNE gegeben werden können. Zugleich gilt es, Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, die eine verbindliche Umsetzung der Bildungspläne in die Kita-Praxis sicherstellen.

BNE als institutionellen Auftrag von Trägern etablieren

Kommunen und Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege haben die Notwendigkeit sowie den langfristigen Nutzen von BNE im Elementarbereich erkannt. Daher fördern sie die Entwicklung pädagogischer Konzepte, die auf BNE ausgelegt sind. Kita-Träger und deren Spitzenverbände brauchen Unterstützung, um BNE in den jeweiligen Leitbildern und Qualitätsmanagementkonzepten zu verankern und verbindlich umzusetzen.

BNE in die Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften integrieren

An Fach- und Hochschulen soll BNE einerseits als ein eigenes Modul, andererseits als Querschnittsbereich eingeführt werden, der die gesamte Ausbildung bzw. das Studium durchzieht. Neben der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema während des Studiums sind mit Blick auf die spätere Vermittlung von BNE auch Praktika in den Kitas erforderlich. Im Bereich der Weiterbildung soll Wissen vermittelt und ein persönlicher Zugang zum Thema eröffnet werden, z.B. orientiert an erfolgreichen Fortbildungs- und Qualifizierungskonzepten von Leuchtpol oder dem Haus der kleinen Forscher.

BNE als Teil professionellen Handelns unterstützen

Auf ihrem Weg zu Lernorten nachhaltiger Entwicklung benötigen Kindertageseinrichtungen Unterstützung. Dazu zählen Instrumente zur Förderung eines umfassenden Verständnisses für Ziele und Inhalte von BNE und die Rolle des Leitungspersonals und der pädagogischen Fachkräfte im konkreten Alltag bei der Umsetzung des Bildungskonzeptes. Gleichzeitig bedarf es konkreter Unterstützungs- und Vernetzungsangebote zur Gestaltung eines nachhaltigen pädagogischen Alltags.

Vernetzungsstrukturen zu informellen und formellen Bildungsorten aufbauen

Bei der Initiierung von Netzwerken für BNE kommt den Kommunen eine besondere Verantwortung zu, denn sie kennen die relevanten Akteure vor Ort. Die Kommunen sollen dabei helfen, diese miteinander in Kontakt zu bringen und eine themenbezogene Netzwerkarbeit zu institutionalisieren, um BNE im Arbeitsfeld der Kindertageseinrichtungen zu etablieren.

Jetzt beteiligen!
Ein nationaler Aktionsplan zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms wird im Sommer 2017 verabschiedet. Bis zum 15.3.2017 können Sie diesen im Rahmen einer Onlinekonsultation mitgestalten.

Die Partnernetzwerke im Bereich frühkindliche Bildung

Die Fachforen arbeiten eng mit so genannten Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind.

Im Bereich frühkindliche Bildung sind folgende Partnernetzwerke aktiv:

Partnernetzwerk Frühkindliche Bildung und bildungsbereichsübergreifend Partnernetzwerke Medien, Ökonomie und Konsum, Biologische Vielfalt, Kulturelle Bildung und Kulturpolitik.

Rückblick

Während der UN-Dekade wurden mehr als 60 Projekte aus dem Elementarbereich ausgezeichnet. Dies zeigt, dass die Implementierung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in der frühkindlichen Bildung steigt.

Seit 2010 wurde Bildung für nachhaltige Entwicklung außerdem in diversen Bundesländern in den Bildungsplänen integriert. So z.B. in Hamburg (2012), Berlin (2014), Thüringen (2010), Nordrhein-Westfalen (2010), Baden-Württemberg (2011), Rheinland-Pfalz (2012) und Sachsen-Anhalt (2013).

Die wichtigsten Erfolge bei der Integration einer umfassenden Nachhaltigkeitsperspektive in die Praxis der Elementarbildung wurden durch die Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und Verbänden erzielt: So konnten etwa durch das Verfahren „KITA 21“ Kindertagesstätten mit ausgewiesenem Nachhaltigkeitsprofil ausgezeichnet werden. Die Bildungsinitiative „Leuchtpol“, eine Kooperation zwischen der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung e.V. und dem Energiekonzern E.ON., hat eine umfangreiches bundesweites Weiterbildungsprogramm für ErzieherInnen umgesetzt, durch das zwischen 2009 und 2012 bereits 4.000 ErzieherInnen qualifiziert wurden. Ebenso trug das Programm „leben gestalten lernen“ des Landesverbandes für Vogelschutz in Bayern e.V. zur Qualifizierung von ErzieherInnen mit Blick auf BNE bei. Das Ökoprojekt MobilSpiel e.V. konnte ebenfalls durch Weiterbildungsangebote für ErzieherInnen die Professionalisierung von BNE im Vorschulbereich fördern.

 

Gute Praxis-Beispiel:

2015 fiel der Startschuss für das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das Folgeprogramm der Vereinten Nationen für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Das fünfjährige Programm (2015-2019) zielt darauf ab, Bildung für nachhaltige Entwicklung vom Projekt in die Struktur zu bekommen. Dabei konzentriert es sich vor allem auf 5 Handlungsfelder: Politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren, Stärkung und Mobilisierung der Jugend und Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.

Zur Umsetzung des Programms in Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Nationale Plattform eingerichtet, die bis zum Sommer 2017 einen Nationalen Aktionsplan erarbeitet. Sie wird unterstützt durch so genannte Fachforen, die aus Experten zu den verschiedenen Bildungsbereichen besteht.