Berufliche Bildung

Berufliche Bildung ist ein lebensbegleitender Prozess und damit ein bedeutender Baustein in der Bildungsbiographie eines Menschen. Die Berufswelt ist wichtiger Lernort, Erfahrungs- und Gestaltungsraum und eng mit gesellschaftlicher Transformation verknüpft. Die Industrie ist darüber hinaus ein wichtiger Akteur von nachhaltiger Entwicklung, denn hier wird über Produktionsprozesse, Technologien und Arbeitsbedingungen entschieden, die unmittelbare Auswirkungen auf nachhaltige Entwicklung haben.

Warum ist Bildung für nachhaltige Entwicklung in der beruflichen Bildung so wichtig?

Zentrales Ziel einer beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung ist es, die Idee und die Prinzipien von Nachhaltigkeit auf das berufliche Handeln anzuwenden, um eine nachhaltig ausgerichtete Beschäftigungsfähigkeit („Sustainemployability“) zu entwickeln. Dies schließt branchenspezifische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen ein. Dem liegt ein umfassender Begriff von beruflicher Handlungsfähigkeit zugrunde, der berufliches, gesellschaftliches und privates Handeln beinhaltet.

Die Themen „Umweltschutz“ und „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit“ als Teilbereiche der beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung sind bereits seit Ende der 1990er Jahre durch die Standardisierung von Lernzielen und Definition von Standardberufsbildpositionen verankert. Die strukturelle Integration von Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung über Ordnungsmittel, Prüfungen, Curricula und Ausbildung von Lehrpersonal ist jedoch nach wie vor eine zentrale Aufgabe.

Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung in der beruflichen Bildung angewendet werden?

Im Berufsleben nachhaltig zu denken und zu handeln, den eigenen Arbeitsalltag ebenso nachhaltig zu gestalten wie Prozesse im Unternehmen: Diese Fähigkeiten und Kompetenzen kann die berufliche Aus- und Weiterbildung vermitteln. Dazu gehören Fähigkeiten wie verantwortliches Handeln, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit sowie Selbstbestimmung im Kontext der Arbeitswelt.

Nachhaltigkeitsorientierte Kompetenzen sind an konkrete berufliche Handlungen und Tätigkeitsfelder geknüpft und werden als integraler Teil beruflicher Handlungskompetenz verstanden. So wird das Ziel, zur nachhaltigen Entwicklung durch verantwortliches berufliches Handeln beitragen zu können, mit dem Berufsethos verknüpft und als Möglichkeit erkannt, berufliche Bildung attraktiver zu gestalten.

Ein im Zusammenhang mit beruflicher Bildung für nachhaltige Entwicklung wichtiger Begriff ist Green Economy. Gemeint ist eine Wirtschaftsweise, die umwelt- und sozialverträglich und gleichzeitig wirtschaftlich profitabel ist.

Im Bereich der beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung hat sich schon viel getan: Der Bildungsansatz hat Eingang in unterschiedliche Weiterbildungsangebote zentraler Bildungsträger wie IHK und HWK gefunden, immer mehr Unternehmen empfinden eine Verantwortung für ihre Umfeld und entwickeln Strategien im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) und neue Berufsbilder im Bereich nachhaltige Entwicklung sind entstanden. Es gibt jedoch noch immer große Herausforderungen in der beruflichen Bildung.

BMBF-Publikation
„Nachhaltigkeit im Berufsalltag“ stellt Gute Praxis Beispiele vor

In der beruflichen Bildung prallen unterschiedliche Interessen aufeinander: Wie sind profitables Wirtschaften, Wachstum und Wettbewerb mit einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und fairen Sozialstandards und Arbeitsbedingungen zu vereinbaren?

Außerdem stellt sich die Frage nach der strukturellen Integration von Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung. Die Verankerung in Ordnungsmitteln, Prüfungen, Curricula und Ausbildung von Lehrpersonal ist nach wie vor eine zentrale Aufgabe. Aufgrund der Heterogenität der Berufswelt und somit der jeweiligen Anforderungen besteht großer Bedarf an spezifischen Ansätzen für die Implementierung in Unternehmen, in Betrieben und (Aus-)Bildungsinstituten.

 

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung

2015 fiel der Startschuss für das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das Folgeprogramm der Vereinten Nationen für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Das fünfjährige Programm (2015-2019) zielt darauf ab, Bildung für nachhaltige Entwicklung vom Projekt in die Struktur zu bekommen. Dabei konzentriert es sich vor allem auf 5 Handlungsfelder: Politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren, Stärkung und Mobilisierung der Jugend und Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.

Zur Umsetzung des Programms in Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Nationale Plattform eingerichtet, die bis zum Sommer 2017 einen Nationalen Aktionsplan erarbeitet. Sie wird unterstützt durch so genannte Fachforen, die aus Experten zu den verschiedenen Bildungsbereichen besteht.

UNESCO-Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms

Das Fachforum Berufliche Bildung

Mitgliederliste
des Fachforums Berufliche Bildung (Stand: November 2016)

Das Fachforum erarbeitet prioritäre Handlungsfelder für den Bildungsbereich berufliche Bildung und konkrete Ziele und Umsetzungsstrategien. Außerdem identifiziert es Beispiele guter Praxis und gibt Anregungen für neue Bildungs-und Lernformate.

Priorisierte Handlungsfelder des Fachforums Berufliche Bildung (Stand: Juli 2016)

 

Bestandsaufnahme auf allen Ebenen

Mithilfe einer Sammlung von Best-Practice-Beispielen sind die vorhandenen Ordnungsmittel im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte zu sichten, um mögliche Ansatzpunkte für BNE zu identifizieren.

Potenziale der beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung

Es gilt, weitere Potenziale für BNE in der beruflichen Bildung zu erschließen, indem die formale berufliche Bildung mit der informalen bzw. mit erfahrungsorientierter Bildung / Berufserfahrung verzahnt wird. Innovationen aus der betrieblichen Praxis sollen schneller in die Ausbildung fließen, so wie es in branchenübergreifenden Modellversuchen bereits entwickelt und erprobt wird. Zudem sind die Nachhaltigkeitsziele über Qualitätssicherungsinstrumente zu sichern, um eine Verstetigung beruflicher Bildung für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Betriebe und berufliche Schulen als nachhaltige Lernorte etablieren

Um Betriebe und Schulen als nachhaltige Lernorte zu etablieren, bedarf es der Entwicklung von Indikatoren, die als Roadmap dienen können. Die Netzwerkbildung innerhalb dieser nachhaltigen Lernorte soll mit Blick auf Anschlüsse und Schnittstellen verbessert werden. Dazu muss auch das Ausbildungspersonal entsprechend qualifiziert und zu Fort- und Weiterbildung motiviert werden.

Kompetenzanforderungen zur Nachhaltigkeit

Eine nachhaltig ausgerichtete Beschäftigungsfähigkeit umfasst nicht nur berufliches, sondern auch gesellschaftliches und privates Handeln. Es gilt, Kompetenzen zu definieren, um den Aspekt der Nachhaltigkeit im Ausbildungs- und Arbeitsprozess umsetzen zu können.

Curriculare und didaktische Umsetzung von beruflicher BNE

Eine breite Umsetzung von beruflicher Bildung für nachhaltige Entwicklung wird maßgeblich befördert durch die strukturelle Verankerung von nachhaltigkeitsorientierten Kompetenzentwicklungszielen in der Berufsbildung. Anhand der Bestandsaufnahme sind nachhaltigkeitsorientierte Kompetenzen in die Curricula zu integrieren und geeignete didaktische Mittel zu entwickeln.

Die Partnernetzwerke im Bereich berufliche Bildung

Die Fachforen arbeiten eng mit so genannten Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind.

Im Bereich berufliche Bildung sind folgende Partnernetzwerke aktiv:

Partnernetzwerk Berufliche Aus- und Weiterbildung und bildungsbereichsübergreifend Partnernetzwerke Medien, Ökonomie und Konsum, Biologische Vielfalt, Kulturelle Bildung und Kulturpolitik.

Rückblick

Strategiepapier
der Arbeitsgruppe „Berufliche Aus- und Weiterbildung“ in der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Die berufliche Aus- und Weiterbildung stellte bereits im Kontext der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ein wichtiges Handlungsfeld dar. In der begleitenden Arbeitsgruppe „Berufliche Aus- und Weiterbildung“ waren verschiedene Akteure aus allen Bereichen der Berufsbildung vertreten: Schule, Wissenschaft, Politik sowie Mitwirkende aus einzelnen Projekten und Initiativen. Im Jahr 2014 wurde von der Arbeitsgruppe ein Strategiepapier verfasst, das sich sowohl mit den Perspektiven als auch den Herausforderungen beruflicher Bildung auseinandersetzt und grundlegende Strategien zur Förderung von Bildung nachhaltiger Entwicklung in der beruflichen Bildung entwickelte.