Spohns Haus: Nachhaltiges Schullandheim

Im saarländischen Gersheim steht das Ökologische Schullandheim Spohns Haus. Bis zu 70 Kinder können in den historischen Gebäuden ihre nachhaltigen Klassenfahrten oder Projektwochen verbringen. Immer geht es dabei um Bildung für nachhaltige Entwicklung. Seit der Eröffnung im Jahr 2005 ist das Leitbild von Spohns Haus, dieses Konzept umzusetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nachhaltiges Handeln leben.  

von Freya Kettner

BNE von Anfang an mitgedacht

Spohns Haus ist eine zentrale Einrichtung der Umweltbildung im Saarland und so auch im Saarländischen Naturschutzgesetz definiert. Schon im Jahr 2001 wurde der Träger „Verein für europäische Umweltbildung und Umwelterziehung VEUBE e. V.“ gegründet. Das Ministerium für Umwelt im Saarland gab daraufhin eine Machbarkeitsstudie beim sehr erfolgreichen Ökologischen Schullandheim Licherode in Auftrag. In den folgenden Jahren erarbeitete ein Arbeitskreis aus Experten das pädagogische Konzept, bis 2005 die erste Schülergruppe in Spohns Haus einziehen konnte.

Nachhaltige Unternehmensführung

BNE ist das Leitbild für die pädagogische und institutionelle Entwicklung von Spohns Haus. Das Konzept hat Einfluss auf Abläufe, Führungsstruktur, Richtlinien und die Verwaltung. Der ganzheitlich-institutionelle Ansatz wird in allen Bereichen des Ökologischen Schullandheims Spohns Haus umgesetzt.

Bei der Unternehmensführung bemüht sich die Hausleitung, sozialverantwortliche Praktiken nach dem Leitbild der korporativen sozialen Verantwortung in allen Arbeitsbereichen einzuhalten: in der Beschäftigungspolitik, in der Umwelt, bei Kooperationen mit Politik und Wirtschaft, bei Kundenkontakten und bei der Darstellung in der Öffentlichkeit. Um die Umwelt zu schützen, strebt Spohns Haus die Verkleinerung des eigenen ökologischen Fußabdrucks an. Um das zu erreichen, werden sowohl die Nutzung von Büromaterial  optimiert, als auch die Technik und Ausstattung verantwortungsvoll genutzt.

Die Bildungsangebote beinhalten stets BNE-Themen und sind so konzipiert, dass sie eine breite Zielgruppe ansprechen. Dabei arbeitet das Schullandheim mit außerschulischen Kooperationspartnern zusammen. „Dabei sind besonders die Kooperation und die Vernetzung mit anderen BNE-Akteuren im Umfeld sehr wichtig für die erfolgreiche Arbeit“, erklärt Jerzy Wegrzynowski, Leiter des Schullandheims. Spohns Haus ist auf diesem Gebiet sehr aktiv und in vielen nationalen und internationalen Gremien vertreten. „Leider ist diese Netzwerkarbeit mit sehr viel Zeitaufwand verbunden, und wir werden uns das in Zukunft wegen der angespannten personellen Situation im Haus wahrscheinlich nicht mehr im bisherigen Umfang leisten können“, blickt Jerzy Wegrzynowski etwas sorgenvoll in die Zukunft.

BNE ist das Leitbild für die pädagogische und institutionelle Entwicklung von Spohns Haus. Das Konzept hat Einfluss auf Abläufe, Führungsstruktur, Richtlinien und die Verwaltung.
Der ganzheitlich-institutionelle Ansatz wird in allen Bereichen des Ökologischen Schullandheims Spohns Haus umgesetzt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das Wichtigste

Besonders wertvoll sind bei der Umset-zung von BNE in Spohns Haus die Mitarbeiter. Schließlich vermitteln sie die Werte der Einrichtung an die Besucher. „Daher ist es sehr wichtig, jeden einzelnen Mitarbeiter unserer Fachbereiche, egal ob Pädagogik, Hauswirtschaft oder Verwaltung, in Hinblick auf unser Gesamtkonzept zu schulen und einzubinden“, sagt Jerzy Wegrzynowski.

Es gibt regelmäßige kleine und große Teambesprechungen, aber auch die Tür der Geschäftsleitung steht für alle Mitarbeiter immer offen. Neben der eigentlichen Arbeit kann jeder Angestellte eigene Vorschläge einbringen und zur Weiterentwicklung des Hauses beitragen. „Als große Chance sehen wir, dass wir gemeinsam mehr Entwicklungspotenzial aufzeigen können als Einzelne. Wichtig ist dabei aber, dass das Konzept von allen im Betriebsalltag gelebt wird,“ berichtet Jerzy Wegrzynowski. Um die professionelle Arbeit in Spohns Haus ständig weiterzuentwickeln, werden innerbetriebliche Fortbildungen durchgeführt. Diese finden meist für einen Fachbereich statt und beschäftigen sich mit Ablaufänderungen oder der Implementierung neuer Prozessstrukturen.

Die Angestellten haben außerdem die Möglichkeit zur externen Fortbildung. Hier bilden sich die Mitarbeiter im Rahmen der Personalentwicklung individuell ihrem Aufgabengebiet entsprechend weiter. Außerdem haben sie die Möglichkeit, Vorschläge für Weiterbildungen bei der Geschäftsleitung einzureichen.

In einem Kooperations- projekt mit dem UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau und dem Landes- jugendring Saar wird die „Junge Biosphäre Bliesgau“ entwickelt.
Das Ziel ist es, Jugendliche in die Gestaltung und Entwicklung des Biosphärenreservats einzubeziehen und sie dabei aktiv zu beteiligen.

Jugendliche sind nicht nur Gäste

Jugendliche und Kinder sind im Schullandheim die wichtigsten Gäste. Für sie werden die pädagogischen Ange-bote entwickelt und später mit ihnen gemeinsam umgesetzt. Aber auch darüber hinaus engagiert sich das Team von Spohns Haus in der Jugendarbeit: In einem Kooperationsprojekt mit dem UNESCO Biosphärenreservat Bliesgau und dem Landesjugendring Saar wird die „Junge Biosphäre Bliesgau“ entwickelt. Das Ziel ist es, Jugendliche in die Gestaltung und Entwicklung des Biosphärenreservats einzubeziehen und sie dabei aktiv zu beteiligen.

Das Team des Schullandheims wird jährlich von jeweils zwei Teilnehmern des Freiwilligen Ökologischen Jahres und des Europäischen Freiwilligen-dienstes ergänzt. Die jungen Leute werden in die Arbeit eingebunden und gestalten aktiv die Arbeit im Haus mit. „Von ihrem unvoreingenommenen Blick auf die Abläufe im Haus profitieren die meist langjährig festangestellten Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter,“ berichtet Jerzy Wegrzynowski. Seit 2005 konnten  so mehr als 20 junge Menschen aus dem Saarland und zehn Freiwillige aus Polen, Frankreich und der Ukraine ihre Sichtweise in die Arbeit von Spohns Haus einbringen.

Nachhaltige Bewirtschaftung ist auch Herausforderung

Bei einem nachhaltigen Schullandheim wie Spohns Haus ist es selbstverständ-lich, dass auch die Bewirtschaftung an den Kriterien nachhaltigen Handelns ausgerichtet ist. „Das Feedback unserer  Hausgäste ist in der Regel positiv. Die größte Herausforderung liegt meist in der Logistik und der Kommunikation gegenüber dem Kunden. Im hauswirtschaftlichen Bereich der Lebensmittelproduktion ist es manchmal gar nicht so einfach, eine bestimmte Menge an Rohstoffen, die unseren Ansprüchen genügen, zu bekommen. Viele Lebensmittel, die wir anbieten, sind in Bio- Qualität und stammen bevorzugt von regionalen Erzeugern“, sagt Hausleiter Jerzy Wegrzynowski. Da stößt der eine oder andere Lieferant schon einmal an seine Grenzen und kann nicht die gewünschte Menge liefern. Die Haustechnik besteht unter anderem aus einer Fernwärmeschiene mit Blockheizkraftwerk. Um diese zu warten, werden spezialisierte Firmen benötigt. Und die sind nicht immer leicht zu erreichen und mitunter sehr kostenintensiv. Auch die Kommunikation mit dem Kunden vor Ort ist in Spohns Haus wichtig. „Hier  stellen wir immer wieder fest, dass der Kunde sehr daran interessiert ist, dass die Lebensmittel unter Nachhaltigkeitsaspekten produziert wurden. Er ist aber noch nicht immer dazu bereit, dann auch den angemessenen Preis zu bezahlen,“ berichtet Jerzy Wegrzynowski von einer Herausforderung, der sich das Team des Hauses stellen muss.

Evaluation sichert Qualität

Um eine gleichbleibend hohe Qualität der Bildungsarbeit in Spohns Haus zu gewährleisten, werden die pädagogischen Angebote mit eigenen Bögen ausgewertet. Im Rahmen der internationalen Projekte, die das Deutsch-Polnische Jugendwerk bezuschusste, wurdeneigens Evaluationsbögen und Sachberichte konzipiert. Diese werden jeweils am letzten Projekttag von den Schülern sowie den Lehrenden ausgefüllt. Die Evaluierung anderer Aktivitäten erfolgt in den regelmäßig stattfindenden Teambesprechungen.

Die Agenda 2030 im Blick

Spohns Haus hat schon in den letzten Jahren zentrale Themen der Agenda 2030 ins pädagogische Angebot aufgenommen. Dazu zählen zum Beispiel Klimawandel, Biodiversität, die Katastrophenvorsorge im Zusammenhang mit der Nutzung von Atomenergie oder nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster. Diese Lerninhalte werden in den nächsten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, ausgearbeitet und für alle Schulformen angeboten. Für Einrichtungen, die darüber nachdenken, ihr pädagogisches Konzept an BNE auszurichten, hat Jerzy Wegrzynowski  einen Ratschlag parat: „Sie sollten nicht nur darüber nachdenken, sondern es tun. BNE gilt es in kleinen Schritten zu etablieren. Die Idee muss zuerst in den Köpfen der Mitarbeiter gepflanzt werden und dort anfangen zu blühen. Dann ist die praktische Umsetzung gar nicht mehr so schwer, wie man es sich vorgestellt hat.“

Die Erfahrung hat er auch ganz persönlich gemacht: „BNE ist als fächerübergreifendes Konzept sehr spannend. Nach dem Lesen vieler Publikationen kann ich die Welt mit ihren globalen Zusammenhängen besser verstehen und sie kritischer beurteilen. Und noch etwas: Ich kann ein nachhaltiges  Leben überall umsetzen – zu Hause, bei der Arbeit, an öffentlichen Plätzen. Das macht Spaß und sehr oft spart das auch Geld“.

Kontakt

Verein für europäische  Umweltbildung und  Umwelterziehung (VEUBE) e. V. / „Spohns
Dekan-Schindler-Str. 13-14 66453 Gersheim  
Telefon: 06843 58999 0
E-Mail: info(at)spohnshaus.de
Webseite von Spohns Haus

Herausforderungen

•    Personelle Ausstattung, um die aktive Netzwerkarbeit aufrecht zu erhalten
•    Logistische Herausforderungen im Bereich
•    Beschaffung und Bewirtschaftung
•    Kundenkommunikation in Punkto nachhaltige Lebensmittel und angemessene Preise

Gelingensbedingungen

•    BNE als Leitbild für die pädagogische und institutionelle Entwicklung von Spohns Haus mit Einfluss auf Abläufe, Führungsstruktur, Richtlinien und die Verwaltung.
•    Einbindung und Schulung aller Mitarbeiter – egal ob Pädagogik, Hauswirtschaft oder Verwaltung
•    Kooperation und Vernetzung mit anderen BNE- Akteuren im Umfeld sowie national und international
•    Evaluation der Angebote zur Sicherung gleichbleibend hoher Qualität