NHZ Thüringen: Koordination für ein starkes Netzwerk

Seit 2011 gibt es in Thüringen das landesweite Nachhaltigkeitszentrum (NHZ). Es ist u. a. Koordinator und Berater des landesweiten BNE-Netzwerks und Vermittler von Aktionen rund um das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung. Grundlage der Arbeit sind die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Auch die aktuellen Beschlüsse des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung bestimmen die Arbeit. Gefördert wird das NHZ aus Mitteln des Landes.

 

von Freya Kettner

Nachhaltigkeit im kommunalen Alltag

Das NHZ unterstützt Kommunen und Mitglieder des Thüringer BNE-Netzwerks bei der Umsetzung von BNE. Dafür initiieren und begleiten seine sechs Mitarbeiter den Austausch von Informationen und Erfahrungen zwischen den vielfältigen Initiativen und Kommunen. Orientierung gibt ihnen die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes, die im Jahr 2011 verabschiedet wurde.In Thüringen steht das Engagement zur BNE schon seit 2005 auf stabilen Füßen. Am 16. September 2005 verpflichtete sich Thüringen als erstes Bundesland mit einem Landtagsbeschluss zur Umsetzung der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Damals wurde der Prozess von vier BNE Kernnetzeinrichtungen begleitet, die seit 1994 tätig waren. Ab 2008 wurden diese zu regionalen Nachhaltigkeitszentren ausgebaut. Hieraus ist schließlich das thüringenweite NHZ entstanden. Mit der Annahme eines Antrags zur Umsetzung der Agenda 2030 durch den Landtag am 9. Dezember 2016, ist auch die Unterstützung des Weltaktionsprogramms BNE vorgesehen.

BNE als ganzheitlicher Ansatz

Den Erfolg garantiert eine transparente Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die den Partnern nutzbare Angebote bereitstellt.

Ursprünglich war die Umweltbildung ein wichtiger Grundstein für die Initiativen Thüringens. „Recht schnell wurde uns aber klar, dass BNE noch ein ganzes Stück weitergeht und vielmehr als die Umweltbildung ein ganzheitliches Konzept ist. Das ist für uns der Anlass, mit potenziellen Partnern ins Gespräch zu kommen“, beschreibt Martin Abramowski, der beim NHZ für die Betreuung von Regionalforen, Arbeitskreise, Weiterbildungen und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, die Grundlage seiner Arbeit. So verfügt das Netzwerk über mehr als 50 lokal, regional und bundesweit agierende Mitglieder aus den unterschiedlichsten Bereichen der nachhaltigen Entwicklung. Das Zentrum begleitet Verbände, Vereine oder Stiftungen und ist gut mit den Verwaltungsstrukturen in Thüringen vernetzt. So sind zum Beispiel die Naturfreundejugend Thüringen, das Eine Welt Netzwerk oder auch die Umweltverbände als starke Partner aktiv in den BNE-Arbeitskreisen. Den Erfolg garantiert hier eine transparente Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die den Partnern nutzbare Angebote bereitstellt. Beispielsweise versendet das NHZ regelmäßig Infomails, in denen die Angebote der unterschiedlichen Akteure vorgestellt werden. „Diese Möglichkeit der Eigenwerbung wird mittlerweile so gut angenommen, dass wir kaum noch dazu aufrufen müssen, neue Angebote anzukündigen. Die Akteure nutzen den Service und kommen selbstständig auf uns zu“, freut sich Martin Abramowski über den Erfolg des Newsletters. Transparenz und Vertrauen schaffen schriftliche Kooperationsverträge, die die Eckpfeiler der Zusammenarbeit festhalten.

Wichtige Arbeit vor Ort – in der Stadt und auf dem Land

„Wenn wir einen Ansatz finden, den die kommunale Verwaltung mitträgt, können wir in den Städten übergreifende Konzepte umsetzen. Kleinere Gemeinden haben hier aber einen Vorteil. Hier reicht es oft, wenn sich eine Person, bestenfalls der Bürgermeister,

für die Umsetzung eines BNE-Konzepts ausspricht. Dann können die entsprechenden Maßnahmen sehr viel schneller und umfassender umgesetzt werden als in großen Kommunen.“ Martin Abramowski


Thüringen ist abseits der größeren Städte ländlich strukturiert. Um auch hier Ansprechpartner zu sein, bietet das NHZ jährlich vier Regionalforen n den verschiedenen Regionen des Landes an. Die Inhalte richten sich nach den Vorschlägen der Teilnehmer. Mit der Vorstellung von Projekten und Vor-Ort-Besichtigungen wird der Praxisbezug hergestellt. „Dass wir selbst vor Ort sind und sehen, was in den Regionen zu BNE gemacht wird, ist besonders wichtig für den Erfolg unserer Netzwerkarbeit. Im Gegenzug mussten wir auch feststellen, dass der Kontakt zu unseren Akteuren schnell nachlässt, sobald wir nicht mehr bei ihnen vor Ort ansprechbar sind. Dazu gehört es auch, mal bei den Einrichtungen anzurufen und unsere Angebote vorzustellen“, sagt Martin Abramowski, dessen Kollegen auch die Fördermittelakquise begleiten oder bei der Umsetzung von Bildungsprojekten beraten. Eine Herausforderung bei der Arbeit mit den Netzwerkakteuren liegt auch beim NHZ darin, dass gerade die Arbeit in Vereinen oft von Leuten getragen wird, die nicht in sicheren Angestelltenverhältnissen stehen. Eine langfristige Zusammenarbeit ist so nicht immer garantiert und durch häufige Personalwechsel und damit verbundenen Wechseln der Ansprechpartner brechen häufig auch Akteure ganz weg. Auch das Initiieren einer kooperativen Kommunikation der Akteure untereinander gehört zu den schwieriger umzusetzenden Aufgaben des NHZ. „Manchmal werden ähnliche Angebote von mehreren Akteuren in der gleichen Region angeboten,“ bemängelt Martin Abramowski. „Da gilt es, sich noch besser abzustimmen und keine Konkurrenz untereinander herzustellen.“ Auch die Transparenz bei der Projektentwicklung hilft dabei, das Anbieten konkurrierender Angebote zu vermeiden. Bei der Zusammenarbeit mit den Kommunen besteht die Aufgabe des NHZ darin, deren BNE-Aktivitäten zu begleiten und Leitbilder mit konkreten Maßnahmen zu füllen. „Wenn wir einen Ansatz finden, den die kommunale Verwaltung mitträgt, können wir in den Städten übergreifende Konzepte umsetzen. Kleinere Gemeinden haben hier aber einen Vorteil. Hier reicht es oft, wenn sich eine Person, bestenfalls der Bürgermeister, für die Umsetzung eines BNE-Konzepts ausspricht. Dann können die entsprechenden Maßnahmen sehr viel schneller und umfassender umgesetzt werden als in großen Kommunen,“ berichtet Martin Abramowski von seinen Erfahrungen und sieht dabei eine Schwierigkeit, die nicht wenige Kommunen betrifft: Sie befinden sich in finanziellen Schwierigkeiten, was die Möglichkeiten der Förderung der BNE-Aktivitäten oft sehr beschränkt.

Überregionaler Austausch

Die Kommunikation von BNE-Inhalten hat das NHZ professionalisiert.

Um neue Ideen zu bekommen und sich über den aktuellen Stand der Entwicklungen in Sachen BNE zu informieren, ist das NHZ auch an überregionale Netzwerke angebunden. So gibt es beispielsweise einen Austausch mit dem Partnernetzwerk der Kommunen im Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung. Auch die Teilnahme am BNE-Agendakongress und am Netzwerk21Kongress bietet Anlässe für Ideenaustausch und gegenseitige Bereicherung der Arbeit.

Jugendliche und Studierende machen mit

Wichtige Ansprechpartner für die Umsetzung von BNE in Thüringen sind Jugendliche und Studierende. So begleitet das NHZ Träger des Freiwilligen Ökologischen Jahres, wenn es darum geht, BNE-Themen in das Programm aufzunehmen aber auch die Begleitung mehrerer Jugendverbände gehört zu den Tätigkeiten. So ist der Thüringer Jugendbeirat zur Nachhaltigen Entwicklung ein Netzwerkpartner, der jährlich Jugendkongresse durchführt. Auch beim Kindergipfel der Naturfreundejugend Thüringen können sich Jungen und Mädchen mit Zukunftsthemen einbringen. Das Netzwerk „Unsere Region 2050“ bezieht ebenfalls viele junge Menschen ein. „Wir haben in der Zusammenarbeit mit Jugendlichen sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie sind oft sehr engagiert und bringen sich diskussionsstark in Abstimmungsprozesse ein“, lobt Martin Abramowski die konstruktive Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Auch Studierende leisten in Thüringen ihren Teil zur BNE. Sie haben an der Universität Erfurt ein Studium Fundamentale Nachhaltigkeit etabliert. Das Studienangebot ist selbstorganisiert und beinhaltet die Projektarbeit mit Praxispartnern über ein Semester hinweg – unter anderem mit dem NHZ.

Erfolgreiche Kommunikation

Die Kommunikation von BNE-Inhalten hat das NHZ professionalisiert. „Natürlich ist es immer eine Herausforderung, rauszugehen und Menschen zu zeigen, dass BNE ein wichtiges Konzept ist, um die Qualität von Bildungsangeboten weiterzuentwickeln“, gesteht Martin Abramowski ein. In Thüringen gibt es aber mittlerweile zahlreiche Werkzeuge für die Kommunikation des manchmal sperrigen Konzepts: Ein Facebook-Auftritt und eine derzeit entstehende Landkarte mit BNE-Angeboten sprechen die Nutzer digitaler Angebote an. Zahlreiche Publikationen, Flyer und Imagefilme unterstützen die persönliche Beratung. Auch die Kommunikation der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen gehört mittlerweile zu den Aufgaben des NHZ. Hierzu werden Weiterbildungen durchgeführt. Die Arbeitskreise und Regionalforen arbeiten daran, die Ziele auf lokaler Ebene umzusetzen.

Blick in die Zukunft

Um die Qualität der Bildungsangebote in Thüringen weiter zu entwickeln, wird zukünftig die Qualitätsentwicklung stärker unterstützt und durch ein geplantes Zertifizierungsverfahren abgesichert. Gleichzeitig wird überlegt, den bis 2012 durchgeführten Runden Tisch zu BNE in Thüringen in einem Bottom-up-Prozess neu zu initiieren.„Denkbar wäre auch die Entwicklung eines landesweiten Leitbilds, um BNE noch weiter voranzubringen aber das müsste sich in einem gemeinschaftlichen und partizipativen Prozess mit allen Akteuren entwickeln. Da kann das NHZ keine Linie vorgeben, wohl aber mit vorangehen“, sagt Martin Abramowski.

Herausforderungen

• Aufrechterhaltung der Kontakte mit Akteuren erfordert Ansprechbarkeit vor Ort

• Unterstützung einer kontinuierlichen Bildungsarbeit vor Ort - gerade bei kleineren Akteuren ist diese oftmals von der finanziellen Absicherung und sich verändernden Personalsituationen abhängig

• Initiierung einer regen Kommunikation unter den Akteuren, um sich überschneidende Angebote zu vermeiden

Gelingensbedingungen

• Unterstützung durch politische Referenzrahmen

• Transparente Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die den Partnern nutzbare Angebote bereitstellt

• „Vor Ort sein“ und sehen, was in den Regionen zu BNE geleistet wird

• Schriftliche Kooperationsverträge zur Zusammenarbeit schaffen Transparenz und Vertrauen  

• Austausch mit überregionalen und mit anderen bundesweiten BNE-Netzwerken

• Auswertung von Erfahrungen und Ergebnissen zur Qualitätssicherung und Steigerung der Motivation aller Beteiligten

Kontakt

Nachhaltigkeitszentrum Thüringen

Schönbrunnstraße 8

99310 Arnstadt

Telefon: 03628 640723

E-Mail: info@nhz-th.de

Webseite des NHZ Thüringen

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