Neumarkt in der Oberpfalz: Vorbild in Sachen BNE

Neumarkt in der Oberpfalz ist eine Kommune mit Vorbildfunktion in Sachen Bildung für nachhaltige Entwicklung. Bereits im Jahr 2002 bewies der Stadtrat Weitsicht und verabschiedete einen Beschluss, der gleichzeitig Auftakt zur Lokalen Agenda 21 und zur Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie war. „Schon damals wurde BNE als Querschnitts-aufgabe erkannt und entsprechend in unser Leitbild integriert. Das Konzept bot uns die große Möglichkeit, die Bürgerinnen und Bürger mit BNE zu erreichen und in den Prozess einzubinden“, berichtet Ralf Mützel, Leiter des Amtes für Nachhaltigkeitsförderung. Mit durchschlagendem Erfolg – die bayerische Kommune wurde sowohl mehrfach während der UN-Dekade als auch im Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Neumarkt ist offizielle Fair Trade Stadt und erhielt 2012 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

 

von Freya Kettner

Mit Bürgerbeteiligung zum Leitbild

Das erstmalig 2004 formulierte und 2010 fortgeschriebene Nachhaltigkeitsleitbild der Stadt entstand zusammen mit den Bürgern. Dazu wurden Bürgerkonferenzen, Zukunftsforen und ein großer Tag der Visionen veranstaltet. In Fachforen werden Schwerpunktthemen bearbeitet. „So haben wir beispielsweise ein interkulturelles Forum eingerichtet, in dem wir gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren in der Kommune diskutieren, wie wir unser Leitbild an die aktuelle politische Situation anpassen können“, erzählt Ralf Mützel. Dabei darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass die Akteure nicht nur dafür da sind, ein Leitbild zu entwickeln. Gerade auch Bürger sind im Anschluss auch bei der Umsetzung gefragt.

Aber der Partizipation sind auch in Neumarkt Grenzen gesetzt. „Oft wird  Partizipation als ein Allheilmittel angesehen und in Leitbildern sehr hoch aufgehängt. Das verkennt aber leider oft die Situation der Kommunen vor Ort. Die Bürger haben oft nicht die notwendige Zeit, die für eine umfassende Zusammenarbeit notwendig wäre,“ berichtet Ralf Mützel aus dem Alltag. „Es gilt die Ansprüche auf beiden Seiten zu beachten. Zusammengefasst: Wir dürfen die Partizipation auch nicht überbeanspruchen.“

Das erstmalig 2004 formulierte und 2010 fortgeschriebene Nachhaltigkeitsleitbild der Stadt entstand zusammen mit den Bürgern.

Mit BNE über 10.000 Menschen erreicht

Dass das respektvolle Zusammenarbeiten in Neumarkt große Wirkung hat, zeigen die vielen erfolgreichen BNE-Aktivitäten der Stadt. Alle zwei Jahre lockt die Nachhaltigkeitskonferenz hochkarätige Referenten, Multiplikatoren, Entscheider aus Politik  und zahlreiche weitere Fachleute in die Oberpfalz. Mit ihren wechselnden  Schwerpunktthemen hat die Veranstaltung eine hohe Strahlkraft auf städtischer Ebene, aber auch in die Landkreisgemeinden hinein. Zum Beispiel konnten Impulse zur Frage der Umstellung auf Elektromobilität gegeben werden, die daraufhin vielerorts aufgegriffen wurden.

Ebenfalls sehr erfolgreich wird in  Neumarkt zweijährlich der Klimaschutzpreis ausgelobt. Leuchtturmprojekte von Schulen, Vereinen, aus der Wirtschaft oder auch Privatpersonen können sich um die Gewinnsumme von 10.000  Euro bewerben. „Mit diesem schönen Format gelingt es uns einerseits mit den Bürgern ins Gespräch über den Klimaschutz zu kommen und andererseits auch hier noch einmal Impulse in Richtung eines nachhaltigen Handelns zu setzen“, erklärt Ralf Mützel das Ziel der Ausschreibung. Ganz besonders großen Erfolg kann die Stadt Neumarkt aber mit ihrem städtischen Förderprogramm „Nachhaltigkeit neu lernen“ verbuchen. Projekte konnten sich dabei um eine Mikroförderung in Höhe von durchschnittlich 2.200 Euro bewerben. „Die  Projekte, die diese Förderung erhalten haben, konnten bisher fast 10.000 Menschen mit den Inhalten von BNE erreichen“, antwortet Ralf Mützel auf die Frage nach der Reichweite des Programms. Das notwendige Budget von bisher 116.000 Euro wird seit vier Jahren von der Stadt zur Verfügung gestellt. Die Mittel stammen auch aus dem Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. „Es ist sicherlich nicht für jede  Kommune leicht, Mittel für eine solche Impulsförderung von Projekten in den Haushalt einzustellen. Aber ich kann es jeder Kommune empfehlen, die plant, ihr Leitbild an BNE und Nachhaltigkeit auszurichten. Und letztendlich ist die Verwirklichung eine Sache der Prioritätensetzung“, gibt Ralf Mützel zukünftigen BNE-Kommunen mit auf den Weg.

Große Wirkung mit kleinen Mitteln

Eine Evaluierung hat gezeigt, dass die Förderung mit einer relativ kleinen Summe pro Projekt eine große Wirkung hatte. Mindestens die Hälfte der Projekte wäre ohne diese Zuwendung nicht umgesetzt worden und die große Mehrzahl wird auch ohne weitere Zuschüsse der Kommune fortgesetzt. Derzeit überarbeitet Neumarkt die Förderrichtlinien. Wiederholungseffekte bei Projekten sollen vermieden und ihre Vernetzung unterstützt werden. Außerdem sollen Personalkosten nur noch in Ausnahmen geltend gemacht werden können, um das Ehrenamt zu stärken und Sachkosten abfangen zu können – auch ein Ergebnis der Evaluation. Neu ist außerdem der  Anspruch an die Projekte, sich entlang der Sustainable Development Goals  der Vereinten Nationen auszurichten.

Partner in Südafrika

Neumarkt beschränkt sich mit seinen BNE-Projekten dabei nicht nur auf die eigene Stadt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert eine Klimapartnerschaft mit der Südafrikanischen Gemeinde Drakenstein. Vor Ort werden beispielsweise Bildungsprojekte zum Umgang mit Wasser durchgeführt. Zuhause in Neumarkt sind die Schüler über das Thema des Fairen Handels in das Projekt involviert. Ralf Mützel weiß, was die internationale Partnerschaft so erfolgreich macht: „Besonders wichtig ist der persönliche Austausch. Es ist wertvoll für die Zusammenarbeit, dass wir uns begegnen und uns die Zeit  lassen, Kontakte zu vertiefen. Außerdem müssen Menschen vor Ort das Thema Nachhaltigkeit zu ihrer Sache machen und diese Partnerschaft auch leben.“ Persönliches Engagement ist also unabdingbar, um die Kooperation aktiv zu halten.

Manches ist auch noch ausbaufähig

Auch in einer Vorzeigekommune wie Neumarkt gibt es noch einige Bereiche, die in Hinblick auf BNE und Nachhaltigkeit nachbessern können. Ralf Mützel denkt hier zuerst an das eigene Verwaltungshandeln: „BNE ist ein ämterübergreifendes Thema und so sprechen wir in diesem Zusammenhang auch über Bauprojekte und ein nachhaltiges Beschaffungswesen. Hier hat sich gezeigt, dass unsere Fortbildungen zwar Impulse setzen können, aber noch nicht dazu geführt haben, dass eine systematische Umsetzung erfolgt.“ Die Schwierigkeit liegt hier in der Struktur. So gibt es in Neumarkt keine zentrale Beschaffungsstelle, so dass die einzelnen Ämter weitestgehend selbständig Aufträge erteilen. Bei dieser dezentralen Form der Beschaffung müssen bei jedem einzelnen Auftrag zunächst Informationen über nachhaltige Produktalternativen eingeholt werden. Dieser Prozess ist zeitaufwendig und bindet Personalressourcen. Gerade im Baubereich kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Die Verwaltung führt hier, aber auch in anderen kostenintensiven Bereichen, Beschlüsse des Stadtrats aus. Entscheidet sich der Stadtrat zum Beispiel bei einem Neubau aus Kostengründen nicht für eine Passivhausbauweise, sind der Verwaltung die Hände gebunden. Deshalb ist es auch sehr wichtig, BNE zum Thema in den politischen Gremien zu machen. Und trotzdem gibt es zumindest in einzelnen Teilen auch in diesem Bereich schon einige Erfolge zu verbuchen führt Ralf Mützel aus: „Neumarkt hat eine hohe Recyclingquote bei Papier, bei Ratssitzungen und Veranstaltungen sind faire Produkte im Einsatz und selbst Jubilare erhalten Geschenkkörbe mit fair produziertem Inhalt. Die eigenen Liegenschaften sowie das Neumarkter Volksfest werden mit Ökostrom versorgt und der Fuhrpark betreibt mittlerweile einige Elektrofahrzeuge.“

„BNE ist ein ämterübergreifendes Thema und so sprechen wir in diesem Zusammenhang auch über Bauprojekte und ein nachhaltiges Beschaffungswesen.“

Ralf Mützel


BNE lässt sich kommunizieren

Während bei der Kommunikation innerhalb der Stadt Neumarkt noch  Optimierungsbedarf besteht, läuft es mit der Außenkommunikation umso besser. Durch die Auszeichnung als Kommune des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung und durch die Prämierung mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis hat die Kommune viele Anlässe für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

„Der Begriff BNE lässt sich allerdings nichts so leicht vermitteln. Ich halte es aber auch für viel wichtiger, dass wir die Inhalte verständlich erklären. Dann muss „BNE“ auch nicht als solches genannt werden“, so Ralf Mützel weiter. Als Beispiel nennt er das Projekt „Schokoprofis“. Hier lernen die Schüler am Beispiel von Schokolade, was Fairer Handel ist, wo Schokolade herkommt, wie sie produziert wird und wie es den Menschen, die sie herstellen, geht. „Das sind BNE-Inhalte, die sich leicht vermitteln lassen, ohne das gesamte Konzept zu lehren,“ sagt Ralf Mützel. Und darum geht es schließlich: Um das Vermitteln nachhaltigen Handelns.

Herausforderungen

•   Verwirklichung einer systematischen ämterübergreifenden Umsetzung von BNE

•   Thematisierung von BNE in den politischen Gremien

•  Keine Überbeanspruchung von Partizipation

Gelingensbedingungen

•    Unterstützung des Stadtrats mit BNE als Querschnittsaufgabe im Leitbild
•    Beteiligung der Bürger an der Entwicklung des Nachhaltigkeitsleitbilds der Stadt sowie dessen Umsetzung
•    Mikroförderung lokaler Projekte
•    Internationale Partnerschaften
•    Auszeichnungen unterstützen die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Kontakt

Stadt Neumarkt i.d.OPf.
Fischergasse 1
92318 Neumarkt i.d.OPf. Rathaus IV mit Bürgerhaus
Telefon: 09181 255-2608
E-Mail: buergerhaus(at)neumarkt.de
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