netzwerk n e. V.: Pioniere des Wandels

Seit 2010 treiben verschiedene Studierendeninitiativen ihre Vision, Nachhaltigkeit an Hochschulen zu etablieren und auf die Wissenschaftspolitik einzuwirken, gemeinsam voran. Sie haben sich im Verein netzwerk n e. V. zusammengeschlossen und vernetzen sich seither bundesweit. Die engagierten Studierenden bringen die verschiedenen Akteure der deutschen Hochschullandschaft aus Lehre, Forschung, Betrieb und Governance zusammen und setzen gemeinsam zahlreiche Aktivitäten, wie etwa das Wandercoaching und eine Online-Plattform, um.

 

von Alexandra Spaeth

netzwerk n e. V. setzt sich aktiv für einen Wandel der deutschen Hochschullandschaft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ein. Ziel ist es, Nachhaltigkeit auf allen Ebenen – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Hochschulen – umzusetzen. Das Netzwerk agiert dabei als Vernetzungsplattform und nimmt aktiv Einfluss auf die nationale Wissenschaftspolitik. 2012 gegründet, kann das Netzwerk bereits einige Erfolge verzeichnen. Für sein besonderes Engagement wurde netzwerk n e. V. 2016 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen UNESCO-Kommission für herausragendes Engagement zur strukturellen Verankerung von BNE in Deutschland ausgezeichnet.

BNE als Schlüsselkompetenz

Gestaltungskompetenz im Sinne einer BNE spielt für die Arbeit des Netzwerks eine entscheidende Rolle. „BNE ist für uns ein Raum an Kompetenzen, über den Studierende aller Fachrichtungen und Studiengänge verfügen sollten“, sagt Johannes Geibel, Vorstandsvorsitzender des Netzwerks. BNE sei aber für alle Mitglieder einer Gesellschaft gleichermaßen wichtig, ob Studierender oder nicht. Die Frage, was als ökologisch tragfähig, sozial gerecht und ökonomisch effizient zu gelten habe, sei für jeden von Belang. Das Netzwerk denkt daher nicht in klassischen Mustern und sieht einen künftigen Schwerpunkt seiner Arbeit im Bereich non-formales wie auch dem formalen Lernen.

Gesellschaftliche Innovationen vorantreiben

„Die Hochschulen sind Zukunfts-Labore und Experimentierfelder für gesellschaftliche Innovationen“ [... es gilt] „den Nachhaltigkeitsgedanken umfassend zu implementieren, indem alle drei Kernbereiche hochschulischer Aktivität – Lehre, Forschung und Betrieb
– konsequent vor dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung neu gedacht und entsprechend transformiert werden.“ Johannes Geibel

Nachhaltige Entwicklung sei gerade an Hochschulen besonders wichtig, so Geibel: „Die Hochschulen sind Zukunfts-Labore und Experimentier-felder für gesellschaftliche Innovationen. Sie sind Orte, an denen geforscht und somit konstant Bestehendes hinter-fragt und verworfen sowie Altes wiederbelebt und Neues erschaffen wird. Auch sind sie Orte, an denen gelehrt, gelernt und zum Handeln befähigt wird. Hier gilt es, den Nachhaltigkeitsgedanken umfassend zu implementieren, indem alle vier Kernbereiche hochschulischer Aktivität – Lehre, Foschung, Betrieb und die Governance – konsequent vor dem Leitbild einer nach-haltigen Entwicklung neu gedacht und entsprechend transformiert werden.“ Geibel motiviert vor allem die Vernetzung mit anderen dazu, das Ziel nachhaltiger Entwicklung so ambitioniert zu verfolgen. Durch den ständigen Austausch können alle voneinander profitieren, indem Erfahrung und Wissen miteinander geteilt werden. Für die effektive Vernetzung erweisen sich vor allem die sozialen Medien als nützliches Instrument, um die Reichweite des Adressatenkreises zu erhöhen. Dadurch ist auch die Interaktion über Landesgrenzen hinweg kein Problem: Aktuell finden Kooperationen mit Akteuren aus den Niederlanden, Großbritannien und Schweden statt, gemeinsam mit ihnen will das Netzwerk neue Projekte angehen. Das Wissenschaftssystem solle demnach von innen heraus verändert werden. Insbesondere studentische Initiativen hätten durch ihre hohe Innovationskraft großes Potenzial dazu, so Geibel: „Unsere Gesellschaft muss endlich mehr Vertrauen entwickeln in die junge Generation. Hier schlummert ein schier unendliches Transformationspotenzial.“ Das gilt auch, aber nicht nur für den Bereich der Hochschule, wo junge Erwachsene Fähigkeiten erwerben, die sie als Multiplikatoren und auch in ihren späteren Positionen in die Gesellschaft einbringen könnten.

Progressive Ideen einbringen

„In unseren Augen ist das Wandercoaching-Programm deshalb erfolgreich, weil es das Empowerment junger Menschen ins Zentrum der Aktivitäten stellt. Besonders hervorzuheben ist der peer-to-peer-Ansatz, der sich durch das ganze Programm zieht.
Es ist genau das, was mit dem vierten Schwerpunkt – Stärkung und Mobilisierung der Jugend – des UNESCO-Weltaktionsprogramms BNE gemeint ist.“ Johannes Geibel

Das große Potenzial studentischer Initiativen zeigen nicht zuletzt die bisherigen Erfolge von netzwerk n e. V. 2014 startete die Pilotphase des finanziell vom BMBF unterstützten Projekts Wandercoaching. Die Idee ist es, ein Voneinander-Lernen der Studierenden zu ermöglichen, um das Potenzial bestehender und neu entstehender Hochschulgruppen zu entfalten. In zweitägigen Workshops teilen die so genannten Wandercoaches ihren Erfahrungsschatz rund um das Thema nachhaltige Hochschule mit interessierten Neulingen. Es werden konzeptionelle Fragen diskutiert und erfolgreiche Beispiele präsentiert. netzwerk n e. V. schult die Wandercoaches im Vorfeld inhaltlich wie methodisch und begleitet die Coaches auch während des Projekts. Auf diese Art schafft es das Projekt, studentisches Engagement für nachhaltige Hochschulen qualitativ zu fördern und zugleich in die Breite zu tragen. „In unseren Augen ist das Wandercoaching-Programm deshalb erfolgreich, weil es das Empowerment junger Menschen ins Zentrum der Aktivitäten stellt. Besonders hervorzuheben ist der peer-to-peer-Ansatz, der sich durch das ganze Programm zieht. Es ist genau das, was mit mit dem vierten Schwerpunkt [Stärkung und Mobilisierung der Jugend] des UNESCO-Weltaktionsprogramms BNE gemeint ist“, erklärt Geibel. Wie alle Aktivitäten evaluiert das Netzwerk auch das Wandercoaching. Zudem ist eine Evaluierung durch externe BNE-Forschungsprojekte in Planung, um die Qualität der Evaluierung weiter zu erhöhen. Inspiration zieht das Netz-werk darüber hinaus auch aus dem Erfolg anderer erfolgreicher Studierendeninitiativen wie „Greening the University e. V.“ aus Tübingen. „Zahl-reiche Beispiele zeigen bereits heute, wie Studierende als Pioniere des Wandels kreativ und innovativ ihre jeweilige Hochschule strukturell vor dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung neu denken und durch konkrete Projekte verändern. Dadurch können sie eine institutionelle Erneuerung der Hochschulen vorantreiben. Sie agieren dabeiquer zu den institutionellen Strukturen, Logiken und Kommunikationsregeln, geben selbstbewusst und progressiv wichtige inhaltliche Impulse vor und bringen Schlüsselakteure zur Umsetzung von Nachhaltigkeitsprozessen an ihren Hochschulen zusammen. Nicht zuletzt zeichnen sie sich durch ein hohes Maß an Engagement und Authentizität aus.“

Politischen Einfluss nehmen

Mittlerweile ist das netzwerk n e. V. auf vielen politischen Bühnen vertreten und betreibt intensiv Lobbyarbeit für das Engagement der jungen Generation, so auch im Rahmen des UNESCO-Weltaktionsprogramms BNE. Mehrere Vertreter wirken in der Nationalen Plattform und in den Fachforen Hochschule sowie Non-formale, informelle Bildung mit. Daneben beteilgt sich das Netzwerk in mehreren Bundesländern an den Diskursen zur transformativen Wissenschaft. Einen wichtigen Referenzrahmen bilden auch die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen. Die Jahreskonferenz 2016 „konferenz n – Hochschule weiter denken“ beschäftigte sich daher mit der Leitfrage „Studentisches Engagement für nachhaltige Hochschulen – Alles neu durch die Sustainable Development Goals?“ Das Leitbild der SDGs böte den Hochschulen die Möglichkeit, ihre Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung in Lehre, Forschung, Betrieb und Governance transparent zu machen. Auch an der Kommentierung der Neuauflage der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie hat sich netzwerk n e. V. beteiligt – schließlich gehe es darum, nicht nur die deutsche Hochschullandschaft nachhaltig zu verändern, sondern auch mithilfe studentischen Engagements positiven Einfluss auf die gesamte Gesellschaft nehmen zu können.

Herausforderungen

• Mangelndes Vertrauen der Gesellschaft in die junge Generation und ihr Transformationspotenzial  

• Veränderung des Wissenschaftssystems von innen heraus

• Zusammenbringen von Schlüsselakteuren zur Umsetzung von Nachhaltigkeitsprozessen an Hochschulen

Gelingensbedingungen

• Nutzen der Innovationskraft studentischer Initiativen mit peer-to-peer-Ansatz als zentralem Element des Empowerment junger Menschen

• Zusammenbringen von Schlüsselakteuren zur Umsetzung von Nachhaltigkeitsprozessen an Hochschulen

• Nutzen sozialer Medien als nützliches Vernetzungsinstrument und zur Erhöhung der Reichweite des Adressatenkreises – auch über Landesgrenzen hinweg

• Austausch mit überregionalen Netzwerken

Kontakt

netzwerk n e. V.

Oranienstr. 183

10999 Berlin

c/o Thinkfarm

Telefon: 030 577044717

E-Mail: info@netzwerk-n.org

Webseite des netzwerks n e. V.

Webseite von Wandercoaching

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