Klimahaus Bremerhaven 8° Ost: Mehr Bewusstsein und Klimaschutz

„Der Klimawandel ist eine der wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit”, betont Jens Tanneberg, Leiter der Abteilung Wissenschaft und Bildung des Klimahauses Bremerhaven. Für eine zukunftsfähige Gesellschaft brauche es nachhaltige Konzepte sowie Menschen, die gewillt seien, neue Wege zu gehen und sich an einer verantwortungsbewussten Gegenwarts- und Zukunftsgestaltung zu beteiligen. Bildung für nachhaltige Entwicklung könne diese Weichen stellen. Seit seiner Eröffnung im Juni 2009 engagiert sich das Klimahaus Bremerhaven daher auf einer 11.500m² großen Ausstellungsfläche für BNE. Eine „Weltreise durch die Klimazonen der Erde” treten seine Besucher an, erforschen die kulturelle und biologische Vielfalt des blauen Planeten und untersuchen gleichzeitig die Hintergründe der Klimaveränderungen entlang des achten Längengrades Ost.

 

von Nadine Thunecke

Wissens- und Erlebniswelt für nachhaltige Entwicklung

Das Klimahaus zeigt auf, welche Veränderungen der Klimawandel mit sich  bringt und was jeder einzelne zum  Klimaschutz beitragen kann. „Unterwegs begegnen den Besuchern  Menschen, die aus ihrem Alltag erzählen  und berichten, wie sich ihr Leben und das jeweils vorherrschende Klima gegenseitig beeinflussen. Die Besucher folgen den Spuren von Axel Werner,  der für das Klimahaus alle neun Reisestationen mit einem Kamerateam bereist hat”, erklärt Tanneberg. Und diese Stationen sind vielfältig, entsprechen in Inszenierung und Temperatur den Originalschauplätzen. Zu entdecken gibt es etwa das Hochgebirgsklima der Schweiz und die klimatischen Besonderheiten der Hallig Langeneß im deutschen Wattenmeer. Dürre und Hitze erfahren die Besucher in der Wüste Nigers; kontrastierend dazu tiefste Minusgrade und eisige Kälte in der Antarktis. Nicht nur in den Ausstellungsbereichen wird BNE aufgegriffen, das gesamte Bildungsprogramm vermittelt die Ziele des globalen Konzepts. Bereits zweimal wurde das Klimahaus für sein Engagement als offizielles Dekade- Projekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ prämiert, erhielt 2012 die Auszeichnung zur Dekade-Maßnahme der Deutschen UNESCO-Kommission. 2016 wurde das Klimahaus erneut ausgezeichnet: als außerscherschulischer Lernort der höchsten Stufe.

Denkanstöße für mehr Bewusstsein

„Ziel der Bildungsarbeit ist, nachhaltiges  Denken und Handeln zu fördern und  Menschen in die Lage zu versetzen, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generatio-nen oder das Leben in anderen Weltregionen auswirkt”, führt Tanneberg aus. Entsprechend möchte das Klimahaus Denkanstöße geben, Bewusstsein schaffen und ganz konkret über die globalen Auswirkungen des Klimawandels, Fragen der Klimagerechtigkeit und den Artenverlust informieren.  Auch Partizipationsmöglichkeiten zu  Emissionsverringerung und Ressourcenschonung werden aufgezeigt.

In Bau und Bewirtschaftung des Klimahauses werden nachhaltige Technologien konsequent umgesetzt.

Kinder und Jugendliche einbinden

Besonders junge Menschen möchte das  Klimahaus mit seiner Bildungsarbeit erreichen und so als optimale Ergänzung des schulischen Unterrichts wirken. Tatsächlich wird der Lernort jährlich von  bis zu 100.000 Schülern besucht. Neben einem eigenständigen Besuch der  Ausstellung werden auch zielgruppenspezifische Führungen und Workshops angeboten: So können Kita- und Grundschulkinder eine „Entdeckungsreise durch die Klimazonen der Erde” wahrnehmen. Das Projekt „WeltKulturEntdecker” regt Kinder zum Perspektivwechsel an und versetzt die Lernenden in für sie neue Lebenswelten – die Sahara, den tropischen Regenwald  oder nach Samoa. Workshops für die Sekundarstufe finden zudem zur„Verlorenen Vielfalt“ und dem Artenverlust auf Erden statt, ebenso wie zum Thema „Virtuelles Wasser – Unser verborgener Wasserkonsum“. Hier wird das eigene Konsumverhalten durch die SchülerInnen kritisch hinterfragt. Des Weiteren initiierte das Klimahaus in den vergangenen Jahren Klimascout- Ausbildungen, etablierte sich als Weiterbildungsstätte für Multiplikatoren
und unterstützte die Gründung eines Jugendklimarats in Bremerhaven.

Besonders hebt Jens Tanneberg die 2015 eröffnete hauseigene Kochschule hervor: Hier werden „Kinder und Jugendliche an einen selbstverständlichen Umgang mit frischen, regionalen und saisonalen Zutaten herangeführt und kommen durch das Zubereiten leckerer gesunder Speisen auf den Geschmack für eine nachhaltige und klimafreundliche Ernährung.” Die Kochworkshops werden von einer Ernährungswissenschaftlerin begleitet.

Das Bildungsforum

Um selbst einen Beitrag zur Vernetzung der bundesweiten BNE-Akteure zu leisten und das Konzept der nachhaltigen Entwicklung flächendeckend in die Breite zu tragen, plant und organisiert das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost ein jährliches Bildungsforum. Das Forum stellt eine Plattform der Information und des Austauschs dar und wird in jedem Jahr von rund 150 Pädagogen sowie Experten aller Fachbereiche der BNE besucht. Dabei widmet sich jede Veranstaltung einem thematischen Schwerpunkt; auf dem sechsten Bildungsforum im März 2017 wird unter dem Motto „Unsere Zukunft geht durch den Magen“ die nachhaltige Ernährung hervorgehoben. Die Bewusstseinsbildung bei den Teilnehmenden erfolge hier nach Tanneberg insbesondere über gelungene Beispiele aus der Praxis.

Nachhaltigkeit auch vorleben

Neben seinem Engagement hat das Klimahaus Bremerhaven den Gedanken der Nachhaltigkeit auch für sich verinnerlicht: In Bau und Bewirtschaftung des Klimahauses werden nachhaltige Technologien konsequent umgesetzt, erklärt Tanneberg. Beispielsweise gebe es eine natürliche Belüftung, eine Geothermie sowie eine Photovoltaik-Anlage. Allgemein werde der Strom aus ausschließlich klimaneutralen Energiequellen bezogen. Eine Nachhaltigkeitsstrategie für grüne und faire Beschaffungsmaßnahmen am Klimahaus sowie eine Umstellung der  Gastronomie auf regionale und teilweise ökologische Produkte wurde ebenfalls entwickelt.

Zudem seien auch die Mitarbeiter fester Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzepts. Regelmäßig finden an der hauseigenen Akademie Fort- und Weiter- bildungen zu nachhaltigkeitsrelevanten Themen statt. Des Weiteren werde die Implementierung von BNE am Klimahaus maßgeblich durch die Unterstützung der Geschäftsleitung sowie die enge Vernetzung der Institution mit ihren regionalen wie nationalen Kooperationspartnern begünstigt. Evaluationen in Form von Fragebögen sowie Feedbackgespräche mit Bildungsexperten ermöglichen eine fortlaufende Prüfung und Optimierung des Bildungsangebots.

Auch die Mitarbeiter sind fester Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzepts. Regelmäßig finden an der hauseigenen Akademie Fort- und Weiterbildungen zu nachhaltigkeitsrelevanten Themen statt.

Die BNE-Umsetzung geht weiter

Auch für das Jahr 2017 plant das  Klimahaus Bremerhaven bereits neue Nachhaltigkeitsprojekte. Im April wird das „World Future Lab“ in der Wissens- und Erlebniswelt eröffnet, in der Schüler eigene Kompetenzen entdecken und Ideen entwickeln, wie sie selbst eine nachhaltigere Welt gestalten könnten. Ferner möchte
das Klimahaus auch sein Engagement für die Flüchtlinge im Raum Bremerhaven ausweiten und verstetigen. Aktuell bestehen in Kooperation mit dem Unternehmen FRoSTA bereits gemeinsame Kochaktionen von Zugewanderten mit Bremerhavener Bürgern. Mit einem neuen Projekt „Kochen verbindet“ sollen nun auch Kinder die Möglichkeit bekommen, ihre Esskulturen und einander besser kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Zudem ist im Klimahaus ein Prozess zur Integration der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten  Nationen (SDG) gestartet, der in 2017 mit konkreten Maßnahmen versehen und in den nächsten Jahren umgesetzt wird. Die SDGs werden dann sowohl für die Besucher sichtbar sein als auch im Unternehmen selbst zu mehr Nachhaltigkeit führen.

Herausforderungen

•    Systemische Integration von BNE in das gesamte Unternehmen
•    Vermittlung von BNE als außerschulischer Lernort in das Schulsystem
•    Qualitätskontrolle

Gelingensbedingungen

•    Unterstützung der Geschäftsleitung
•    Enge Vernetzung regionaler und nationaler Kooperationspartner
•    Fortlaufendes Monitoring und Bildungsangebots durch Evaluationen in Form von Fragebögen und Feedbackgesprächen

Kontakt

Klimahaus Bremerhaven 8° Ost
Am Längengrad 8 27568 Bremerhaven
Telefon: 0 471 90 20 30 0
E-Mail: info(at)klimahaus-bremerhaven.de
Webseite des Klimahauses