KITA21: ausgezeichnete Lernorte für BNE

Über 200 Kindertageseinrichtungen in Hamburg und Südholstein dürfen ihre Eingangstüren mit einer ganz besonderen Plakette dekorieren: Sie sind KITA21. Das von der S.O.F. Save Our Future – Umweltstiftung entwickelte Netzwerk begleitet Krippen, Kindergärten und Horte bei der Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Wenn sie erfolgreich sind, erhalten sie eine Auszeichnung und werden ins Netzwerk KITA21 aufgenommen.

 

von Freya Kettner

Erfolgreich vom Projekt zum Netzwerk

Die S.O.F. hat KITA21 im Jahr 2008 gegründet. Zuvor setzte sie eine ganze Reihe von einzelnen Projekten um, die Kindertageseinrichtungen bei der Gestaltung von Nachhaltigkeitsthemen unterstützten. „Die Gründung von KITA21 war für uns eine logische Weiterentwicklung unserer Projektarbeit hin zur Verstetigung eines ganzheitlichen Bildungsansatzes“, berichtet S.O.F.-Geschäftsführer Ralf Thielebein aus  den Anfangstagen. „Die Erfahrungen haben uns schon damals gezeigt, dass BNE eine hervorragende Orientierung für die Gestaltung der Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen bietet. Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ war in diesem Zusammenhang für uns eine wertvolle Basis und bot einen unterstützenden Rahmen.“ Hier und auch im nachfolgenden UNESCO-Weltaktionsprogramm wurde KITA21 für die hervorragende Bildungs-  und Netzwerkarbeit mehrfach ausgezeichnet.

Partner früh einbeziehen

Netzwerke funktionieren nur dann gut, wenn ihre Mitglieder und Partner in alle Entscheidungen einbezogen werden. Das umzusetzen, birgt viele Herausforderungen und Anstrengungen, bietet aber auch die Chance auf eine lange erfolgreiche Zusammenarbeit.

Der Aufbau einer guten Netzwerkstruktur stand bei KITA21 von Anfang an im Mittelpunkt. So wurden Träger und Verbände von Hamburger Kitas und die zuständigen Behörden bereits in die Konzeption der Bildungsinitiative einbezogen. Auch die Leuphana Universität Lüneburg stand von Beginn an als Kooperationspartner beratend zur Seite.

Nach der Entwicklung von KITA21 wurden die Träger und Verbände der Kitas regelmäßig über die Umsetzung informiert. An der Weiterentwicklung des Programms nehmen sie weiter aktiv teil. Vertreter zuständiger Behörden und wichtige Multiplikatoren sitzen in der Jury, die über die Auszeichnung der Kindertagesstätten entscheidet. In Schleswig-Holstein gibt es außerdem einen Beirat, in dem Multiplikatoren die Umsetzung begleiten. Insgesamt sichert sich das Netzwerk durch  prominente Besetzung das notwendige Renommee: Die Urkunden, die Einrichtungen erhalten, wenn sie erfolgreich an KITA21 teilnehmen, werden in Hamburg auch von der Senatorin der Sozialbehörde unterzeichnet. In Schleswig-Holstein unterschreiben der Umweltminister und die Sozialministerin. Für die Umsetzung der Bildungsinitiative in Hamburg hat die Bürgerschaftspräsidentin die Schirmherrschaft übernommen und in Schleswig-Holstein der Energieminister. In Schleswig-Holstein wird die Umsetzung der Bildungsinitiative von zwei Kommunalunternehmen und einem Landkreis getragen.

Dabei konzentriert sich KITA21 nicht nur auf die eigenen Strukturen. Auch Kontakte zu anderen Netzwerken und Initiativen im thematischen Umfeld sorgen für Austausch und neue Unterstützer. Schließlich ist die Einbeziehung von Multiplikatoren, Trägern, Verbänden und Behörden ein entscheidender Faktor für den Erfolg. Für eine Verankerung des Bildungsansatzes in den Strukturen ist sie sogar unerlässlich. Denn nach wie vor lassen sich Ziele, Inhalte und Komplexität des Konzepts von BNE nur schwer vermitteln. „Ohne eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung besteht die Gefahr, dass die anfängliche Unterstützung und Aufgeschlossenheit gegenüber KITA21 im Lauf der Zeit verebbt. Schließlich müssen Kindertageseinrichtungen sehr vielfältige Anforderungen bewältigen“, antwortet Ralf Thielebein auf die Frage, nach den Hindernissen erfolgreicher Netzwerkarbeit.

BNE ist ein Prozess

Der Start bei KITA21 verläuft für Kinder- tageseinrichtungen aber bisher durchweg positiv. In dreitägigen Fortbildungen setzen sich die Einrichtungen mit Zielen und Inhalten von BNE auseinander und entwickeln Ideen für die Gestaltung ihrer Bildungsarbeit. In themenbezogenen Workshops und Netzwerktreffen vertiefen sie ihr Wissen und tauschen sich untereinander aus. Häufig ergeben sich daraus später Anfragen für Teamfortbildungen, um das ganze Team einer Einrichtung auf BNE einzuschwören.

„Hierbei wird deutlich, dass es sich  bei der Einführung von BNE in Kindertageseinrichtungen um einen Prozess  handelt“, berichtet Ralf Thielebein. „Einrichtungen, die sich mit dem Konzept von BNE auseinandergesetzt haben und ihre Bildungsarbeit entsprechend gestalten, entdecken den Wert und die Bedeutung für ihre Arbeit. In der Regel richten sie im Verlauf von mehreren Jahren ihre Bildungsarbeit zunehmend an BNE aus. Auch nachhaltige Bewirtschaftung und Beschaffung rücken mit der Zeit immer mehr in den Fokus.“

Das Konzept von KITA21 kann also in Hamburg und Schleswig-Holstein bereits große Erfolge vorweisen. Die Kindertageseinrichtungen, die mitmachen, entwickeln sich ständig weiter. „Anspruchsvoll bleibt allerdings die Gewinnung neuer Kitas für die Beteiligung an Fortbildungen und die Umset-zung des Bildungskonzepts“, resümiert Ralf Thielebein die Schwierigkeiten bei der Ausweitung des Programms. Den Grund hierfür sieht er darin, dass Kindertageseinrichtungen BNE immer noch als zusätzliche Aufgabe und nicht als Alternative wahrnehmen.

Netzwerke funktionieren nur dann gut, wenn ihre Mitglieder und Partner in alle Entscheidungen einbezogen werden. Das umzusetzen, birgt viele Herausforderungen und Anstrengungen, bietet aber auch die Chance auf eine lange erfolgreiche Zusammenarbeit.

Leuchttürme strahlen in die Zukunft

Die Fortbildungen für Pädagogen sind die wichtigsten Instrumente von KITA21, um BNE im Elementarbereich zu fördern. Ob die Angebote erfolgreich sind, wird mit Fragebögen überprüft. Die Ergebnisse fließen dann wieder in die Planung von neuen Fortbildungen ein.

Wie viele Personen KITA21 erreicht, wird im Auszeichnungsverfahren ermittelt. Dabei geben die Antragsteller beispielsweise an, wie viele pädagogische Fachkräfte an der Gestaltung der Bildungsarbeit beteiligt sind oder wie viele Kinder einbezogen werden. Auch interessant ist, welche Maßnahmen in den Bereichen Bewirtschaftung und Beschaffung erfolgreich sind. Anhand der Auswertung wird überlegt, welche Angebote die Pädagogen in Zukunft bei ihrer Arbeit unterstützen.

Wichtig für eine erfolgreiche Arbeit in Projekten und Netzwerken ist eine ständige Weiterentwicklung und Anpassung. Gerade werden die Fortbildungskonzepte und Unterlagen von KITA21 überarbeitet. Dabei prüfen die Verantwortlichen, an welchen Stellen eine Verknüpfung mit den Sustainable  Development Goals der Vereinten Nationen (SDGs) hergestellt werden kann. Auch die Ausweitung des Konzepts um Aspekte der SDGs ist Teil der Überlegungen.

Aber es gibt noch mehr Ideen, um  neue Kitas für BNE zu begeistern, sagt -Geschäftsführer Ralf Thielebein: „In einem ersten Schritt möchten wir Leuchtturm-Kitas hervorheben, die als Modelleinrichtungen Strahlkraft in der Region entwickeln. Damit das funktioniert, werden wir noch enger mit Trägern, Verbänden und den Kommunen zusammenarbeiten.“ Auch die Kooperation mit Fachschulen wird ein weiterer wichtiger Schritt in der Zukunft von KITA 21 sein. Dann lernen spätere Erzieher BNE schon in ihrer Ausbildung kennen und werden eher bemerken, dass das Konzept vielmehr Bereicherung als Belastung im Kitaalltag sein kann.

„Kinder haben schon im frühen Alter einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Verantwortung. Sie entwickeln tolle Ideen für nachhaltiges Handeln, wenn sie sich entdeckend und spielerisch mit Themen wie Abfall, Energie, Ernährung oder Konsum beschäftigen und ihre Meinung auch einen Raum bekommt“, ist Ralf Thielebein überzeugt. Nutzen wir dieses Potential.

„Einrichtungen, die sich mit dem Konzept von BNE auseinandergesetzt haben und ihre Bildungs-arbeit entsprechend gestalten, entdecken den Wert und die Bedeutung für ihre Arbeit.“
Ralf Thielebein

Herausforderungen

• Einbezug von Multiplikatoren und Partnern in relevante Entscheidungen
• Aufrechterhaltung der anfänglichen Unterstützung und der Aufgeschlossenheit der einzelnen Einrichtung gegenüber KITA21 trotz der vielfältigen Anforderungen, die an Kitas gestellt werden
• Ausweitung des Netzwerks und Gewinnung neuer Kitas für die Beteiligung und Umsetzung des Bildungskonzepts
• Wahrnehmung von BNE als zusätzliche Aufgabe für Kitas und nicht als Chance für die Weiterentwicklung der Bildungsarbeit

Gelingensbedingungen

• Einbezug von Trägern und Verbänden sowie der zuständigen Behörden und der Leuphana Universität Lüneburg sowohl in Konzeption als auch in die Weiterentwicklung der Bildungsinitiative
• Fortbildungen und Vernetzungsmöglichkeiten für die pädagogischen Fachkräfte als wichtigstes Instrument zur Förderung von BNE in Kitas
• Austausch mit anderen Netzwerken und Initiativen
• Ständige Weiterentwicklung und Anpassung der Unterstützungsangebote und Ausbau des Netzwerks

Kontakt

S.O.F. Save Our Future Umweltstiftung
Friesenweg 1
22763 Hamburg
Telefon: 040 240600
E-Mail: info(at)save-our-future.de
Webseite von KITA 21