Hainberg-Gymnasium Göttingen: Schule nachhaltig denken

Interkulturelles und Umweltlernen, Demokratie, Menschenrechte und sogar ihre Fächer Erdkunde und Mathematik übergreifend unter dem Dach von Bildung für nachhaltige Entwicklung verbinden zu können, das schätzt Monika Kleineberg, die viele Jahre UNESCO-Koordinatorin des Hainberg-Gymnasiums in Göttingen war. Bereits seit 25 Jahren engagiert sich das Gymnasium für BNE, pflegt insbesondere auch internationale Kontakte und arbeitet projektorientiert. BNE so Kleineberg, ist für sie ein lebenslanger Lernprozess.

 

von Nadine Thunecke

BNE im Schulalltag

Der Einsatz für die Nachhaltigkeit beginnt am Hainberg-Gymnasium bei den Jüngsten: Im Rahmen des entwicklungspolitischen Projekts „Mlalo Cent“ unterstützen die Schüler der Klassen 5 und 6 ihre Partnerschule in Tansania, engagieren sich in Spendenaktionen, um das Schulgeld für bedürftige Kinder aufzubringen. Eine UNESCO-AG setzt sich mit der Lebenswelt von Kindern der Partnerschulen des Hainberg-Gymnasiums auseinander – sei es in China, Korea, Bolivien, Polen oder Weißrussland. Ferner beschäftigt sich der Wahlpflichtkurs UNESCO des 8. Jahrgangs mit Themen wie sozialer Gerechtigkeit, Armut oder der lokalen Situation von Flüchtlingen. Die Schüler arbeiten projektorientiert, gehen raus aus der Schule und rein in Flüchtlingsunterkünfte, ins Hospiz oder in die Göttinger Fußgängerzone, um auf dem deutschlandweiten Aktionstag „Straßenkind für einen Tag“ in Kooperation mit der Entwicklungshilfeorganisation Terre des Hommes auf Kinderrechte aufmerksam zu machen. Hierfür putzen sie Passanten die Schuhe, informieren und sammeln Spenden – in diesem Jahr für mobile Schulen in Mosambik. Zudem prägen Sprachfahrten und Kulturaustausche die Klassen 9 und 10. Nachhaltigkeit findet auch im Seminarfach UNESCO der Jahrgänge 11 und 12 Eingang in die Facharbeiten der Schüler. Kleineberg schmunzelt, „BNE zieht sich bei uns wirklich durch das ganze Schulleben.“ Das im November 2015 verbindlich eingesetzte UNESCO- Curriculum soll den Nachhaltigkeitsgedanken ganzheitlich und langfristig am Hainberg Gymnasium verankern. Es fußt auf den Leitbildern der UNESCO, beruft sich auf den „Orientierungsrahmen für Globale Entwicklung“ und koppelt Kompetenzen einer zukunftsfähigen Lebensgestaltung an konkrete Inhalte und Bildungsangebote des Hainberg-Gymnasiums.

„BNE zieht sich bei uns wirklich durch das ganze Schulleben.“

Monika Kleineberg


Das im November 2015 verbindlich eingesetzte UNESCO-Curriculum soll den Nachhaltigkeitsgedanken ganzheitlich und langfristig am Hainberg Gymnasium verankern.

Perspektiven wechseln

„Perspektivwechsel spielt bei uns eine ganz große Rolle“, betont sie weiterhin. Dabei bezieht sich Kleineberg auf die zahlreichen internationalen Partner der Schule. Was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat? Das Austauschprogramm ist vielfältig, führt nach Bolivien, Tansania, nach Polen, Frankreich, Weißrussland, China oder gar Südkorea. Häufig sind die Fahrten projektgebunden, wie die der Stiftung WELT: KLASSE, deren Schüler sich in Wiederaufforstungsprojekten in China engagieren. Auch UNESCO-Welterbestätten werden gern eingebunden, da sie den Schülern für sie fremde Kulturen aufzeigen. Ein sehr schönes Beispiel für gute Kooperation sei zudem die Schulpartnerschaft des Hainberg-Gymnasiums mit der Mittelschule Nr. 5 in Molodetschno, Weißrussland. Bereits seit 1996 besteht die Zusammenarbeit, zehn Jahre nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl. Jährlich finden seither gemeinschaftliche Projekte zum Thema Gesundheit statt. Natürlich seien auch die interkulturellen Begegnungen zwischen den Jugendlichen unterschiedlichster kultureller Hintergründe sehr bereichernde Lernerfahrungen. Aktuell bringen iranische Gäste den deutschen Schülern am Hainberg-Gymnasium ihre Kultur näher.

Eine Schülerfirma als Aushängeschild

Modellhaft für die nachhaltige Entwicklung am Hainberg-Gymnasium ist die Schülerfirma „Macadamiafans“, die 2016 als Projektgruppe beim Schulwettbewerb des Bundespräsidenten zur Entwicklungspolitik und mehrfach im Rahmen des Bundes-Schülerfirmen-Contests ausgezeichnet wurde. Seit Sommer 2012 wirtschaften hier Schüler der Jahrgänge 9 bis 12 gemeinsam und eigenverantwortlich mit fair gehandelten Macadamianüssen von bio-zertifizierten Kleinbauern aus Kenia. Entstanden auf einer Projektwoche, verstetigt über eine AG, ist die Schülerfirma seit 2015 festes Element des Wahlpflichtunterrichts in Klasse 9 und ab 2017 auch in Klasse 10. Jeder muss hier alles können – Nüsse in Empfang nehmen, Online-Bestellungen und die Buchhaltung verwalten, erst Kundenmails, dann Rechnungen schreiben und schließlich die Nusspäckchen packen und versenden. Auch das Pflegen und Herstellen von Kundenkontakten sowie Marketing liegt in den Händen der Schüler. Dabei sind die „Macadamiafans“ in der Region gut vernetzt: Neben den Schülern vertreiben auch der lokal ansässige Feinkost- und Teeladen, der Weinhändler und Eine-Welt-Laden um die Ecke ihre Nüsse. Seit neustem beschäftigt die Schülerfirma auch Praktikanten aus dem Ausland, denn alle Gastschüler des Hainberg-Gymnasiums sind hier sehr willkommen. Dank der bolivianischen Schüler wurde die Firmenhomepage nun ins Spanische übersetzt. Von ihrem Erlös unterstützt die Schülerfirma nicht nur die afrikanischen Bauern, sondern finanziert vier Auslandsstipendien für Mitschüler in einem chinesischen Wiederaufforstungsprojekt. „Das Allergrößte, was die Schülerfirma leistet, ist tatsächlich, dass die Schülerinnen und Schüler ein höheres Verantwortungsbewusstsein bekommen“, betont Kleineberg. Schön sei auch der Gedanke, dass – wie in jedem Jahr – die älteren Schüler ihren Nachwuchsunternehmern aus Klasse 9 die Aufgaben im Peer Learning direkt übergeben. „Genau das ist es doch, was BNE ausmacht.“

Nachhaltigkeit von innen nach außen

Neben seinem vielfältigen Angebot an Aktivitäten lebt das Hainberg-Gymnasium BNE auch von innen heraus: Das beginnt für die Lehrer gleich an der Kaffeemaschine, „hier im Lehrerzimmer gibt es nur fair gehandelten Kaffee“. Die Schülerfirma vertreibt ihre Macadamianüsse, wöchentlich bietet die Mensa einen vegetarischen „Veggie Day“ an und die Speisepläne werden von Schülern im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts „Gesunde Ernährung“ auf ihre Ausgewogenheit hin getestet. BNE von innen impliziert auch, dass Schulmöbel und -ausstattung durch ein umweltfreundliches, zertifiziertes Unternehmen bereitgestellt werden. Ein Spiel- und Tobehaus, selbstgebaut und aus fair gehandeltem Holz, ist das nächste größere Projekt auf dem Schulhof. Auch die Schulleitung unterstützt die BNE-Aktivitäten des Kollegiums in vollem Maße und ermöglicht vielfältige Fortbildungen und Netzwerktreffen im Rahmen des Schulprofils wie beispielsweise Zusammenkünfte von Schülerfirmenleitern oder die Teilnahme an Welterbeworkshops.

Die Schulleitung unterstützt die BNE-Aktivitäten des Kollegiums in vollem Maße und ermöglicht vielfältige Fortbildungen und Netzwerktreffen im Rahmen des Schulprofils.

Wie gute BNE funktionieren kann

Für eine erfolgreiche Umsetzung von BNE, da ist sich Kleineberg sicher, brauche es nicht viel. Eine Vision sei nötig und zwei, drei Mitstreiter, die genauso überzeugt seien, dass es mit BNE besser gehe als ohne. Sicher dürfe man sich nicht zu viel vornehmen, denn das Etablieren von BNE an Schulen erfordere Zeit. Und eben Zeit sei auch der Faktor, an dem es mangele. Genau davon hätte Kleineberg neben dem Lehrerjob gern noch mehr, um sich für BNE einzusetzen. „Ich habe überlegt, wie man die BNE-Aktivitäten an unserer Schule noch stärker systematisieren könnte [...], es wäre richtig gut, wenn für ein oder zwei Jahre eine Stelle geschaffen würde, um die Prozesse zu automatisieren.“ Auch Hilfen bei Antragstellungen würden da schon helfen. Um BNE auch weiterhin zu etablieren, sieht sie die Kooperation der UNESCO-Projektschulen und ihre Vernetzung als große Chance. Netzwerktreffen und Fortbildungen seien eine tolle Möglichkeit, um mit Gleichgesinnten auch über Bundesländer hinweg ins Gespräch zu kommen, Ideen auszutauschen und Projekte anzustoßen.

Herausforderungen

• Strategische Systematisierung und Automatisierung von Prozessen

• Das Etablieren von BNE an Schulen erfordert Zeit

• Zeitmangel neben dem Unterricht

Gelingensbedingungen

• Eine Vision

• Öffnung der Schule nach außen für innovative Kooperationen

• Vernetzung – auch über Bundesländer hinweg und international

• Mitstreiter mit Überzeugung

Kontakt

Hainberg-Gymnasium Göttingen

Friedländer Weg 19

37085 Göttingen

Telefon: 0551 4002913

E-Mail: macadamiafans@hainberg-gymnasium.de

Webseite des Hainberg-Gymnasiums Göttingen

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