Berufsbildende Schulen I Uelzen: Wir leben Nachhaltigkeit!

Bildung für nachhaltige Entwicklung an Berufsbildenden Schulen befähigt die Schüler zu verantwortungsbewusstem Handeln am Arbeitsplatz und vermittelt neben fundierten fachlichen Kenntnissen auch Kompetenzen des nachhaltigen Wirtschaftens. Sie schafft Bewusstsein für „grüne“ Produktionsprozesse, Technologien und Arbeitsbedingungen, die für eine zukunftsorientierte Transformation der Gesellschaft unerlässlich sind. Entsprechend zieht sich Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch die Bildungsangebote der Berufsbildenden Schulen (BBS) I Uelzen. In der Umsetzung von BNE möchten die Schulen in der Region und darüber hinaus mit gutem Beispiel vorangehen.

 

von Nadine Thunecke

Seit rund 20 Jahren engagieren sich die BBS I Uelzen in der Umweltbildung. Bereits 1997 wurden sie als „Umwelt-schule in Europa“ anerkannt. Mit den globalen Veränderungen der vergangenen Jahre haben sich die Aktivitäten der BBS I entlang einer BNE weiterentwickelt und ausdifferenziert. Dies war nötig, „um den Lernenden eine Teilhabe an den zukünftigen (beruflichen) Heraus- forderungen zu ermöglichen und sie zu einer Mitgestaltung im Kontext einer sich stetig verändernden Umwelt und wandelnden beruflichen Aufgaben zu befähigen”, betont Schulleiter Stefan Nowatschin.

Das breite Engagement für Nachhaltigkeit mündete 2016 in den Auszeichnungen zur „Werkstatt N“ durch den Rat für nachhaltige Entwicklung sowie zum herausragenden Lernort für BNE durch das Bundesministerium für  Bildung und Forschung und die Deutsche UNESCO-Kommission.

Schulentwicklung im Sinne des Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Für die Praxis bedeutet die strukturelle  Verankerung von BNE und der Beruflichen Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BBNE) eine nachhaltige Umstrukturierung des Schullebens an den BBS I. „Ein Erfolgsfaktor ist sicherlich, wenn BBNE an der Schule nicht als ein Konzept angesehen wird, sondern alle schulischen Bereiche umfasst und mit klaren Zuständigkeiten und Personalressourcen ausgestattet wird. Hiermit verbunden ist das „Vorleben“ und die Überzeugung von BBNE durch die Schulleitung”, erklärt Nowatschin. Entsprechend wurden auf allen schulischen Ebenen sogenannte „BBNE- Beauftragte“ eingesetzt, die sich gezielt für die Nachhaltigkeit stark machen, BNE-Projekte und Initiativen anstoßen und der Schulgemeinschaft in Nachhaltigkeitsfragen beratend zur Seite stehen. So gibt es etwa einen BNE-Abteilungsleiter und BNE-Vertreter von Eltern-, Schülerschaft und externen Partnern. Insbesondere die Schüler sollen für die Umsetzung von BNE aktiv werden, sich in die Schulgestaltung oder eine der zahlreichen Schülerfirmen einbringen. Eigenverantwortliches und projektorientiertes Arbeiten wird an den BBS I gefördert.

Für die Weiterentwicklung und Qualitätsoptimierung ihrer BNE-Angebote haben die BBS I Uelzen ein eigenes Evaluationsteam eingesetzt, welches Aktivitäten, Projekte und Unterricht mit Nachhaltigkeitsfokus an den Schulen untersucht und auswertet. Hierfür finden regelmäßige Schüler-Lehrer-Befragungen statt. Die Ergebnisse werden in einem jährlich erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht verschriftlicht, sie dienen als Grundlage für die folgende BBNE-Planung. Im Oktober 2015 etablierte die Schulleitung in Anlehnung an die nationale Plattform BNE eine schulische Plattform BNE-BBNE an den BBS I. Sie dient als Forum, auf dem die Schule über Angelegenheiten der Zusammenarbeit mit an der beruflichen Bildung beteiligten. Einrichtungen berät. Dank des neuen Schulprogramms sei nachhaltige Entwicklung in kurzer Zeit auch strukturell „ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit an der Schule geworden“, erklärt Nowatschin.

Als erste Schulen in ganz Deutschland nahmen die BBS I Uelzen im Juli 2015 den deutschen Nachhaltigkeitskodex in ihr Leitbild und Schulprogramm auf.

Ganzheitliche Bildungsangebote

Nachhaltigkeit hat auch im Unterrichtsgeschehen einen großen Stellenwert, wird zunehmend in die Lehrpläne integriert. So werden im Fach Wirtschaft zum Beispiel Inhalte wie nachhaltige Produktions- und Absatzbereiche sowie die Ökobilanz von Unternehmen thematisiert, im praktischen Bereich nachhaltige Materialbeschaffung und Produktionswege aufgegriffen.

Über den Unterricht hinaus finden an den BBS I zudem zahlreiche Projekte und Veranstaltungen mit Nachhaltigkeitsfokus statt. Bereichsübergreifend wurden im Schuljahr 2015/ 2016 erstmalig „Ernährungsbotschafter“ und „Energiedetektive“ ausgebildet.  Letztere sorgen auch langfristig für die Energieeffizienz an den Schulen. Auf der Multivision „FairFuture II” zum Thema „Der ökologische Fußabdruck“ haben die Schüler den eigenen Konsum, Ressourcenverbrauch und Energie- bedarf ermittelt und hinterfragt. „Wie wollen wir in Zukunft leben?“– mit dieser Frage konnte sich jeder von ihnen hier auseinandersetzen. Darüber hinaus richteten die BBS I einen „Green Day“, eine „Woche der Müllvermeidung“ sowie einen Europatag mit zahlreichen interaktiven Projekten aus, in denen sich die Jugendlichen für die Nachhaltigkeit einbringen konnten. Im Rahmen ihres Bildungsangebots arbeiten die BBS I eng mit ihren regionalen Kooperationspartnern, darunter Unternehmen, Ausbildungsbetriebe sowie der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Sieben Bildungskooperationen bestehen ins Ausland, seit neuestem zu einer beruflichen Schule aus dem chinesischen Shenzhen.

Im Rahmen ihres Bildungsangebots arbeiten die BBS I eng mit ihren regionalen Kooperationspartnern, darunter Unternehmen, Ausbildungsbetrieben sowie der Bundesagentur für Arbeit zusammen.

Sieben Bildungskooperationen bestehen ins Ausland, seit neuestem zu einer beruflichen Schule aus dem chinesischen Shenzhen.


Lernen in der Lebenswelt – die Schülerfirmen der BBS I

Gestaltungsräume für die BBNE schaffen insbesondere die zahlreichen Schülerfirmen der Berufsbildenden Schulen. Hier entstehen ganzheitliche Lernerfahrungen – die Schüler kooperieren und überblicken ganz unmittelbar die sozialen, ökologischen und ökonomischen Folgen ihres Handelns. In den Firmen können sie ihr erworbenes  Wissen fächerübergreifend und in geschütztem Raum anwenden und einem Realitätscheck unterziehen. Zudem übernehmen sie Verantwortung, erwerben Kompetenzen und entwickeln immer unter der Brille der Nachhaltigkeit ihren Unternehmergeist. Je nach Ausbildungsbereich weisen die Schülerfirmen der BBS I vielfältige Schwerpunkte auf.

Die Firma „HoBaTec“ (Holz Bau Technik) produziert beispielsweise Holzkonstruktionen wie Schlagbäume oder Waldbänke und ist ebenfalls für Reparaturen zur Stelle. Ihre Auftraggeber kommen zumeist aus der Region, wie etwa die Stadt Uelzen, lokal ansässige Schulen oder Sportvereine. Nicht selten verlassen die Schüler daher den Lernort Schule und arbeiten vor Ort bei ihren Kunden. Weitere Positivbeispiele sind die Umweltschutzprojekte für den Naturschutzbund (NABU), hier produzieren Schüler der allgemein bildenden Schulen – 9. Klasse im Rahmen des Konzeptes der „Trilateralen Berufsorientierung“, aber auch Schüler des  Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) Holztechnik, sowie Schüler der Berufsfachschule (BFS) Holztechnik unter anderem Nistkästen und Insektenhotels. Im Rahmen der fast abfallfreien Produktion werden die Holzspäne brikettiert und als Brennmaterial ressourcenschonend und klimaschutzförderlich weiterverwertet.

Für die Weiterentwicklung und Qualitätsoptimierung ihrer BNE-Angebote haben die BBS I Uelzen ein eigenes Evaluationsteam eingesetzt.

„BBNE an den BBS I Uelzen kann nie als abgeschlossen betrachtet werden”

Resümierend betrachtet Schulleiter Nowatschin die ganzheitliche Implementierung von BNE an den BBS I als erfolgsversprechend. Die Umsetzung des deutschen Nachhaltigkeitskodex habe bei allen lernenden Mitgliedern der Schulgemeinschaft zum Teil auch unterschwellig ein Bewusstsein für die Bedeutung von BNE geschaffen und das Konzept mehr und mehr als selbstverständliche Grundlage der Schul- und Unterrichtsgestaltung etabliert.

Eine klare Kommunikation der Nachhaltigkeitsziele nach innen und außen ermögliche es zudem, nach und nach selbst skeptische Lehr- und Verwaltungskräfte sowie externe Partner zu erreichen und schließlich die gesamte Schulgemeinschaft im nachhaltigen Denken zu fördern und zu fordern. Denn seien „Verbindlichkeit, Verständlichkeit und Motivation“ sowie das Einverständnis aller Beteiligten darüber vorhanden, dass die Auseinandersetzung mit Themen der BBNE einen „Gewinn und ein Muss” darstelle, dann könne gute BNE in Anlehnung an die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen auch gelingen.

BBNE sei ein nie abgeschlossener, fortlaufender Prozess, da sich auch Bildung immer weiterentwickle, so Nowatschin. Die BBS I Uelzen streben daher an, BNE auch zukünftig weiter in die Lehrpläne und Projekte zu integrieren und Kooperationen mit externen Partnern zu verstetigen. Insbesondere die Einbindung der Schülergemeinschaft und der dualen Berufsausbildungspartner sieht Nowatschin als gewinnbringend. Genau an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis lasse sich der Ideenaustausch zur Umsetzung von BBNE in der Arbeits- und Lebenswelt der Schüler am besten realisieren.

Herausforderungen

• Etablierung des Konzepts BNE als selbstverständliche Grundlage der Schul- und Unterrichtsgestaltun
• Erreichen von skeptischen Lehr- und Verwaltungskräften sowie externer Partner
• BNE in den schulinternen Lehrplänen noch stärker profilieren und in schulformübergreifenden Projekten unter Einbeziehung externer Partner umsetzen
• Multiplikation des Nachhaltigkeitskonzeptes: regional, national, international

 

Gelingensbedingungen

• Aufnahme des deutschen Nachhaltigkeitskodex in Leitbild und Schulprogramm
• BBNE umfasst alle schulischen Bereiche und wird mit klaren Zuständigkeiten und Personalressourcen ausgestattet
• „Vorleben“ und die Überzeugung von BBNE durch die Schulleitung
• Einbindung der verschiedenen schulischen Partner, insbesondere der Schülergemeinschaft und der dualen Berufsausbildungspartner

Kontakt

Berufsbildende Schulen I Uelzen
Scharnhorststr. 10 29525 Uelzen
Telefon: 0581 9556
E-Mail: info(at)bbs1uelzen.de
Webseite der BBS I Uelzen