Beispiel Netzwerk Ökoprojekt – Flexibilität zahlt sich aus

Ökoprojekt MobilSpiel e.V. ist ein Münchener Urgestein. In den vergangenen 30 Jahren hat das Projekt nicht nur zahlreiche Auszeichnungen entgegengenommen, sondern auch ein vitales Netzwerk aus BNE-Akteuren aufgebaut. Steffi Kreuzinger, pädagogische Leiterin von Ökoprojekt, gibt einen Einblick in die Geschichte und Arbeit des Vereins.

von Roman Lehnhof

Seit gut vier Jahrzehnten leistet MobilSpiel e.V. Bildungsarbeit in und um München. Der freie Bildungsträger existiert als Dachverein bereits seit den Siebzigerjahren, doch erst seit der Gründung des "Ökoprojekts" 1985 wird er auch namentlich in der Umweltbildung verortet, einem Vorläufer der heutigen Bildung für nachhaltige Entwicklung. Drei inhaltliche Säulen bestimmen seitdem die Arbeit von Ökoprojekt MobilSpiel e.V.: praktische Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche, die Qualifizierung von Multiplikatoren und die Vernetzung von Akteuren der Nachhaltigkeitsbildung.
Heute sind diese Angebote und Leistungen aus der bayerischen Landeshauptstadt nicht mehr wegzudenken. Ökoprojekt ist eine Erfolgsgeschichte: Im Rahmen der UN-Dekade BNE wurde die Institution mehrmals ausgezeichnet, ganze neun Einzelprojekte erhielten separate Auszeichnungen. Aber gab es von Beginn an einen Plan, eine langfristige Strategie für diesen Erfolg? Steffi Kreuzinger, seit 1995 Mitarbeiterin und heute pädagogische Leiterin von Ökoprojekt, muss schmunzeln: "Im Nachhinein wirkt es so, aber es war natürlich nicht alles strategisch geplant. Ökoprojekt hat mit zwei Mitarbeiterinnen angefangen und blieb auch lange Zeit vergleichsweise klein. Erst in den vergangenen 15 Jahren sind wir stetig gewachsen, heute sind wir sieben Kolleginnen. Wir hatten das Glück, die Lokale Agenda 21 wahrzunehmen und anschließend die UN-Dekade. Außerdem waren wir schon von Beginn an gut vernetzt in der Kinder- und Jugendarbeit, auch mit der Stadt."

Kinder und Jugendliche bilden

Zu den Förderern des Vereins zählen überwiegend städtische Stellen wie das Münchener Jugendamt, das Kreisverwaltungsreferat und das Umweltamt. Einzelne Angebote finanzieren auch Stiftungen und das Land Bayern. Das Portfolio umfasst Kita- und Schulprojekte zu Konsum und Ernährung, Mobilität, Kinderpolitik und vielen weiteren BNE-Themen. Immer wichtig dabei ist den Mitarbeiterinnen, die Veranstaltungen aktiv und gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen zu gestalten.
Planungstechnisch hat sich dabei ein Mittelweg zwischen bewährten Modellen und individuellen Lösungen herauskristallisiert. "Wir haben buchbare Programme in Projektzeiträumen, aber vieles passiert auch auf Anfrage", verrät Kreuzinger. "Ein Beispiel: Der Kreisjugendring ruft an und fragt an, was sie mit zwei Schulklassen zum Thema Ernährung unternehmen können. Meine Aufgabe ist es dann zu überlegen, wie wir unsere 'Models of good practice' ideal an diese beiden Klassen anpassen, die in die Freizeiteinrichtung des KJR kommen wollen. Man zieht also kein Konzept aus der Schublade, aber man erfindet auch das Rad nicht neu. Das erfordert Flexibilität, und nur so passiert auch Innovation, so entwickeln wir neue Modelle." Möglich wird dies auch durch eine hohe personelle Kontinuität und gute Teamarbeit – im eingespielten, interdisziplinär besetzten Team von Ökoprojekt geht vieles Hand in Hand.

BNE in die Breite tragen

Ein zweites Standbein neben der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist die Qualifizierung von Multiplikatoren für Umwelt- und BNE-Themen. In ausgesuchten Fort- und Weiterbildungen erhalten Pädagogen oder Naturwissenschaftlerinnen nicht nur die nötigen Fachinformationen, sondern auch das methodische Handwerkszeug zur Umsetzung eigener Angebote. Einige dieser Veranstaltungen sind auch an anderer Stelle gewinnbringend eingebunden – die Fortbildung zu Beteiligungsprozessen in der Bildungsarbeit etwa dient gleichzeitig als Qualifizierungsbaustein des Qualitätssiegels "Umweltbildung.Bayern". Andere sind gewissermaßen Seminare nach Maß, individuell zugeschnitten auf Zielgruppen oder Einrichtungen. Auch bei Erwachsenen gilt also das Motto: flexibel bleiben. Bei längerfristigen Angeboten wie der berufsbegleitenden Weiterbildung Umweltbildung/BNE arbeitet Ökoprojekt auch mit externen Referenten zusammen.
Neben dem pädagogischen Effekt und der erhöhten Breitenwirkung von BNEhaben Fortbildungen noch einen weiteren Vorteil: Das in den Workshops erworbene Wissen diffundiert auch in die Institutionen der Teilnehmer. Der Kreisjugendring München-Stadt beispielsweise hat nach langjähriger Zusammenarbeit eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, an der neben der konkreten Bildungsarbeit auch sämtliche Betriebsabläufe ausgerichtet werden.

Lokale Akteure vernetzen

Um die Zusammenarbeit mit externen Partnern noch weiter zu verbessern, hat Ökoprojekt schon früh ein eigenes Netzwerk aufgebaut, das Netzwerk Umweltbildung. Etwa 600 Adressaten empfangen einen wöchentlichen E-Mail-Newsletter; auf den halbjährlichen Netzwerktreffen finden regelmäßig ca. 40 Teilnehmer aus München und Umgebung zusammen. Zwei Drittel davon zählen zu den Stammgästen, Interessierte können jederzeit ein- oder aussteigen. Dieser offene Ansatz zahlt sich aus: Etablierte pflegen ihre Kontakte, Newcomer finden schnell Anschluss. So ist auch der stete Informationsfluss in der Münchener BNE-Community gesichert.
Innerhalb des Netzwerks hat sich eine gesonderte Arbeitsgruppe herausgebildet, der Qualitätszirkel Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung. Steffi Kreuzinger lobt die Zusammenarbeit in der Gruppe: "Dort haben sich die größeren Akteure der Umweltbildung mit Kindern und Jugendlichen zusammengetan und gemeinsam überlegt: Wie können wir unsere Angebote noch weiter optimieren? Welcher Fortbildungsbedarf besteht oder wie sieht eine faire Preispolitik aus?" Vor allem die Mischung aus Unverbindlichkeit und Kooperation sei ein großer Vorteil: "Wenn es eine große Ausschreibung gibt und absehbar ist, dass von vielen möglichen Trägern sicherlich einige ihren Vorschlag dort einreichen, dann setzen wir uns im Vorfeld zusammen und entwickeln einen gemeinsamen Antrag. Das verhindert Konkurrenz und doppelte Arbeit und erzeugt Synergieeffekte."

Anpassungsfähig bleiben

Die Praxis zeigt: Ein smartes Ressourcenmanagement ist auch unbedingt notwendig. Die größte Hürde in der täglichen Arbeit seien mangelnde kontinuierliche Förderungen und unflexible Rahmenbedingungen für Projektanträge, sagt Kreuzinger. "Aktuell planen wir ein Projekt, bei dem einheimische Jugendliche mit Geflüchteten zusammenarbeiten. Da kommt es wirklich stark auf die Zusammensetzung und die Interessen der Gruppe an: Was möchten die Teilnehmer? Kleidung upcyclen? Ein Hochbeet anlegen? Diese Spontaneität ist in Förderanträgen schwer darstellbar – dann müssen wir eben im Vorfeld präzisieren."
Viele Bildungsträger kennen außerdem das Problem, Fördergelder für das Folgejahr bis Ende September beantragen zu müssen. Die Bewilligung trifft dann oft erst Anfang des Jahres ein – Planungssicherheit sieht anders aus. Doch Kreuzinger bleibt gelassen: "Wir planen die Projekte und rechnen mit dem notwendigen Budget, notfalls müssen wir umdisponieren." Bildung für nachhaltige Entwicklung ist also immer ein Spagat. Ideale Bildungsangebote stehen auf der einen Seite, Sachzwänge auf der anderen. Ökoprojekt MobilSpiel e.V. meistert diese Herausforderung nun schon seit drei Jahrzehnten. Ein Geheimrezept für erfolgreiche BNE gäbe es nicht, sagt Kreuzinger. Dafür aber Dinge, die unverzichtbar seien: Flexibilität, gute Konzepte, eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe – und eine Prise Humor. Ohne die geht's wirklich nicht.