BNE-Portal: Kopfsalat aus dem 3. Stock

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Kopfsalat aus dem 3. Stock

09.07.12

Quelle: Cola, Reis & Heuschrecken. Welternährung im 21. Jahrhundert. (Edition Le Monde diplomatique 10/2011)

BildanfangKopfsalat aus dem dritten Stock: ein Gärtner auf dem Hausdach© iStockphoto.com/Jani BrysoniBildende

Von Malte E. Kollenberg & Fabian Kretschmer.

Ein Luftstrom, ein Klicken, und schon geht die Türverriegelung auf. Nach der Luftdusche betritt Choi Kyuhong seine Pflanzenfabrik. Auf metallenen Regalen reihen sich in mehreren Schichten Salatköpfe – oben erntereife Pflanzen, unten noch zierliche Stecklinge. Leuchtdioden strahlen sie mit violettem Licht an. Der Wissenschaftler bückt sich, um einen Blick auf die digitale Anzeige am untersten Regalbrett zu werfen. Zufrieden nickt er, Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur sind ideal. Nur er und seine Mitarbeiter betreten den Raum. Die Pflanzen sollen mit so wenig Umwelteinflüssen wie möglich konfrontiert werden. Die Luftdusche minimiert zusätzlich Bakterien und Keime auf dem futuristischen Acker.

"Wir sind noch in der Experimentierphase", sagt Choi. In dem dreistöckigen Gebäude in der südkoreanischen Stadt Suwon forscht der Koreaner an der Zukunft der Landwirtschaft. Unabhängig von Sonnenlicht und Wetterverhältnissen, platzsparender, pestizidfrei und zu 100 Prozent ökologisch soll sie sein, die Zukunft. Damit die Vision real wird, muss Choi ein Problem lösen: den Energiehunger seiner Pflanzenfabrik. "Für die Lichtversorgung verwenden wir Solarzellen. Trotzdem speisen wir 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs zusätzlich ein. Wir müssen also alternative Energiequellen entwickeln", sagt er, während er einen Schlauch für Nährlösung justiert.

Chois Gedanken schweifen ab. Er erinnert sich an das letzte Treffen mit Dickson Despommier, der ihn in Korea im Frühjahr besucht hat. Despommier, ein heute 71-jähriger US-Amerikaner, hat vor zehn Jahren an der Columbia-Universität in New York die Grundlage für das Projekt in Suwon geschaffen: Vertical Farming.

Die Vereinten Nationen prognostizieren für 2050 eine Weltbevölkerung von gut neun Milliarden Menschen – zwei Milliarden mehr als derzeit. Rund die Hälfte der Fläche Südamerikas wird nötig sein, um all die zusätzlichen Münder zu stopfen. Münder, die in Gegenden leben, in denen viele Ackerflächen ausgelaugt und unfruchtbar sind. Durch Klimakatastrophen bedingte Ernteausfälle verschärfen die Problematik. (...)

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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Le Monde diplomatique. Für die Vollversion nutzen Sie bitte unseren PDF-Download.


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