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Krabben aus Bangladesch 

18.06.12

Quelle: Cola, Reis & Heuschrecken. Welternährung im 21. Jahrhundert. (Edition Le Monde diplomatique 10/2011)

BildanfangGarnele© iStockphoto.com/Viktor LugovskoyBildende

Von Cédric Gouverneur.

Wir befinden uns in der Region Khulna im Südwesten von Bangladesch. Das abgelegene Dorf Baro Ari verliert sich in den endlosen Windungen der Ganges-Arme. Sich bis hierher durchzuschlagen ist nicht einfach – aber die neoliberale Globalisierung hat es geschafft. Sie hat das einzige vermarktungsfähige Erzeugnis des Ortes ausfindig gemacht: die Krabbe. Im Jahr 2000 haben einflussreiche Leute dafür gesorgt, dass die Deiche der Polder geöffnet und die Felder der armen Bauern von Salzwasser überflutet wurden. Mit tatkräftiger Unterstützung einer korrupten Polizei ist es ihnen gelungen, die überschwemmten Böden in gewinnträchtige Krabbenzuchtbecken zu verwandeln.

"Wir haben nichts mehr", sagt Suranjan Kumar. Seine Wangen sind hohl, die Unterernährung hinterlässt ihre Spuren. Die zwanzig Männer um ihn nicken. "Manchmal arbeiten wir als landwirtschaftliche Tagelöhner für 50 Takas (70 Cent) am Tag." Das sind Bedingungen, die an Sklaverei erinnern: Der Bauer muss dem Grundherrn bis zu zwei Drittel seiner Ernte abliefern. "Das Salz hat alles zerfressen", konstatiert Abu Sahid Gazhi, der elf Monate im Gefängnis war, weil er protestiert hatte, als man ihm sein Land wegnahm.

Die Krabbenzucht hat den Salzgehalt des Bodens drastisch erhöht, zum Teil auf das Fünffache. Oft werden die Zuchtbecken absichtlich schlecht eingedeicht, damit das Land ringsum unfruchtbar wird. Dann kann man die Bauern vertreiben und die Aquakultur noch weiter ausbreiten. "In der Gegend hier wächst nichts mehr. Die Preise steigen, alles ist teurer geworden. Das Vieh wird krank vom dem vielen Salz."

Seit den 1980er-Jahren, als die Nachfrage nach Shrimps in den reichen Ländern in die Höhe schoss, produzieren Asien und Lateinamerika riesige Massen von Zuchtkrabben. Bangladesch ist der fünftgrößte Erzeuger der Welt. Hier sind mittlerweile rund 190000 Hektar Mangroven und fruchtbares Land in Wasseranbaubecken umgewandelt, die jährlich 30000 Tonnen Schalentiere liefern. Fast die gesamte Produktion wird in die Länder des Nordens exportiert: Da 80 Prozent der 143 Millionen Bangladescher nach UN-Angaben über weniger als 2 Euro pro Tag verfügen, können sie sich Krabben zu 10 Euro das Kilo kaum leisten. Aber dank der Exporte hat es Bangladesch geschafft, sich im Rahmen der Globalisierung auf dem Weltmarkt zu etablieren. Und nach der magischen Lehre vom Trickle-down-Effekt¹ müssten die dabei gemachten Gewinne theoretisch der ganzen Bevölkerung zugute kommen.

Aber hat die Aquakultur in Baro Ari tatsächlich Arbeitsplätze geschaffen? "Für die Arbeit in den Becken werden mastaan, Muskelprotze, aus Khulna geholt", seufzt ein Bauer. "Damit wir überleben können, müssen unsere Kinder Krabbenlarven sammeln, die sie an die Zuchtfarmen verkaufen." Auf jede gesammelte Krabbenlarve kommen hunderte Larven anderer Arten, die am Ufer liegen bleiben und eingehen. Die Artenvielfalt bricht zusammen.

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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Le Monde diplomatique. Für die Vollversion nutzen Sie bitte unseren PDF-Download.


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