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Sie spielen mit dem Essen der anderen

19.04.12

Quelle: Cola, Reis & Heuschrecken. Welternährung im 21. Jahrhundert. (Edition Le Monde diplomatique 10/2011)

BildanfangBörse© iStockphoto.com/GYI NSEABildende

Von Harald Schumann.

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy gilt unter den Mächtigen der Welt nicht gerade als Anwalt der Armen und Schwachen. Umso mehr überraschte er Ende Januar 2011 an die 300 Diplomaten und Journalisten im Elysée-Palast, als er die Ziele für Frankreichs Präsidentschaft in der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie-und Schwellenländer (G20) erklärte. Im golden getäfelten Empfangssaal unter glitzernden Kronleuchtern machte er sich da energisch für die Bedürftigsten der Welt stark, für jene, die hungern müssen, weil sie die hohen Preise für Nahrungsmittel nicht zahlen können. An ihrem Schicksal, so erklärte Sarkozy, trage die Spekulation von Kapitalanlegern auf den Märkten für Rohstoffe und Getreide erhebliche Mitschuld. "Wenn wir dagegen nichts tun, dann riskieren wir Hungerrevolten in den armen Ländern und schlimme Folgen für die Weltwirtschaft", mahnte er. Die G20-Staaten müssten darum Regeln vereinbaren, die den Einfluss der Finanzinvestoren zurückdrängen. Das sei "auch eine moralische Frage".

Erstmals erhob damit der Staatschef einer mächtigen Industrienation eine Anklage, die bis dahin nur einige Ökonomen und Aktivisten vergeblich vorgetragen hatten: Demnach nehmen Kapitalanleger aus aller Welt, die an den Börsen auf steigende Preise für Rohstoffe und Getreide setzen, billigend in Kauf, dass sie Millionen Menschen in Hungersnot treiben, weil die Spekulation Nahrungsmittel künstlich verteuert. Oder, wie es Sarkozy kurz darauf bei einer Rede vor der Afrikanischen Union in Addis Abeba erklärte: Die Spekulanten erzeugen "Wucherpreise" und betreiben so "eine Plünderung der armen Länder", die auf Nahrungs- und Ölimporte angewiesen sind.

Doch die von Sarkozy erhobene Forderung nach engen Grenzen für das umstrittene Geschäft trifft auf ein mächtiges Geflecht aus Investmentbanken, Börsenkonzernen und Finanzinvestoren, die mit allen Mitteln dagegenhalten. Die Fortsetzung der Spekulation mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln sei eine "regelrechte Machtdemonstration der Finanzbranche", klagt Markus Henn, Finanzmarkt-Experte bei Weed, der Berliner Denkfabrik für Entwicklungspolitik.

Dabei könnte das Problem kaum drängender sein. Seit dem Jahr 2000, nur kurz unterbrochen während der Finanzkrise des Jahres 2008, steigen weltweit die Preise für Grundnahrungsmittel. (...)

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Veröffentlichung in Kooperation mit Le Monde diplomatique. Für die Vollversion nutzen Sie bitte unseren PDF-Download:


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