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Biosiegel: Was sie wirklich bedeuten
02.04.12
© iStockphoto.com/DNY59Bildende
Nachhaltig im Bioladen oder Supermarkt einzukaufen, ist gar nicht so leicht. Woher weiß man als Verbraucher, welche Produkte tatsächlich fair oder ökologisch hergestellt werden? Was viele nicht ahnen: Die Bezeichnung "kontrollierter Anbau" oder "kontrollierte Qualität" bedeutet noch lange nicht, dass es sich um ein ökologisches Produkt handelt.
"Kontrolliert" bedeutet in diesem Sinne lediglich, dass Vorschriften oder Richtlinien von Vertragspartnern oder Anbauverbänden eingehalten sind – um welche es sich dabei genau handelt, ist für den Konsumenten nicht ersichtlich. Echte Öko-Produkte sind an Begriffen wie Bio-, biologisch, kontrolliert biologischer Anbau, Öko-, ökologisch sowie an der Öko-Kontrollstellen-Nummer auf der Verpackung oder - bei loser Ware wie Obst oder Gemüse - an der Kiste oder am Regal zu erkennen. So jedenfalls der Rat der Verbraucherzentrale NRW.
Mittlerweile existieren verschiedene Bio-Siegel, die Lebensmittel aus ökologischem Anbau kennzeichnen. Die staatlichen Biosiegel legen dabei aber nur die Mindeststandards für ökologische Lebensmittel fest. Die diversen Anbauverbände haben in ihren jeweiligen Richtlinien meist strengere Anforderungen festgeschrieben. Damit der politisch korrekte Einkauf im Bioladen oder Supermarkt nicht zu verwirrend wird, haben wir die wichtigsten Bio-Siegel für Sie gelistet:
Der Klassiker – das sechseckige Bio-Siegel
Bereits im Jahr 2001 wurde in Deutschland das staatliche Bio-Siegel eingeführt. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMEVL) vergibt das grüne Logo an Produkte, die in Deutschland verkauft werden, die die Einhaltung der EU-Ökoverordnung (EWG) 91/2092 garantieren, wie Gentechnikfreiheit, artgerechte Tierhaltung und Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel. Ob diese Richtlinien einer kontrolliert ökologischen Landwirtschaft eingehalten werden, wird einmal im Jahr durch staatliche zugelassene Kontrollstellen überprüft. Zusätzlich zum klassischen Motiv gibt es auch regionale Öko-Siegel.
EU-Sternenblatt-Bio-Siegel
Bisher konnten Verbraucher in Deutschland Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau an dem sechseckigen deutschen Biosiegel erkennen. Für Produkte aus dem europäischen Ausland gilt dieses Siegel aber nicht. Dafür wurde zum 1. Juli 2010 das neue EU-Biosiegel eingeführt. Alle verpackten Bioprodukte, die innerhalb der EU produziert werden, müssen dieses Zeichen tragen. Es steht für die gleichen Kriterien wie das sechseckige deutsche Bio-Siegel. Zusätzlich zu dem neuen Logo gehört bei dem EU-Biosiegel eine Codenummer, die das Herstellerland, die Art der Produktion (Öko oder Bio) und die Referenznummer der Kontrollstelle (z.B.: DE-ÖKO-03). Unterhalb der Codenummer muss angegeben sein, ob das Produkt aus der EU oder Nicht-EU-Landwirtschaft stammt.Das deutsche Biosiegel kann, neben den Zeichen der Anbauverbände - wie etwa Demeter oder Bioland plus regionale oder private Logos – an Bioprodukte vergeben werden.
Bioland
Bioland ist mit rund 4.500 deutschen Bio-Bauernhöfen und über 600 Bäckern und Molkereien der größte ökologische Anbauverband. Das Siegel gibt es seit 1981, der Vorläufer wurde bereits zehn Jahre zuvor als "biogemüse e. V." gegründet. Die Mitglieder des Erzeugerverbandes bauen organisch-biologisch an ohne die Verwendung von Kunstdünger und Pestiziden. Es ist Biosaatgut vorgeschrieben sowie eine naturheilkundliche Behandlung von kranken Tieren.
Demeter
Die Demeter-Betriebe arbeiten biologisch-dynamisch, also auf der Grundlage anthroposophischer und wissenschaftlicher Menschen- und Naturerkenntnis, so die Selbsterklärung des ältesten Anbauverbandes. Ein Hof wird als ganzheitlicher Organismus gesehen, dabei gehen die Demeter-Richtlinien über die EG-Bio-Verordnung hinaus: Auf synthetischen Dünger, chemische Pflanzenschutzmittel und künstliche Zusatzstoffe in der Weiterverarbeitung wird verzichtet. Seit den Zwanziger Jahren werden auf allen Kontinenten biologisch-dynamische Lebensmittel und Produkte "Demeter-zertifiziert", denn Demeter betreibt auch ein internationales Netzwerk. In Deutschland gehören rund 1.400 Bauernhöfe dazu.
Ecovin
So heißt der 1985 gegründete, heute größte Bundesverband für ökologischen Weinbau. Produkte, die das Ecovin-Siegel tragen garantieren über die EU-Vorgaben hinausgehende Verbandsrichtlinien, besondere Qualität und ökologische Konsequenz: zum Beispiel müssen Weinberge begrünt sein zwischen den Weinstöcken und es werden weder Herbizide noch chemisch-synthetische Dünger oder Insektizide eingesetzt. Jährliche Kontrollen prüfen die strengen Standards und zeugen mit der EG-Kontrollnummer und dem ECOVIN-Siegel von kontrolliertem ökologischem Anbau.
Fairtrade-Siegel
Beim fairen Handel kaufen Abnehmer direkt vom Erzeuger in den Entwicklungsländern und zahlen einen fairen Preis, der beim Kaffee zum Beispiel deutlich über dem Weltmarktpreis liegt. Außerdem sichern langfristige Abnahmeverträge die Existenz von Kleinbauern. Beim Fairtrade-Siegel stehen strenge, soziale und ökologische Kriterien im Vordergrund. Kinder- und Zwangsarbeit sind verboten und die Einhaltung sozialer Mindeststandards wird unterstützt. Aber auch Umweltaspekte werden berücksichtigt, wie die Förderung von umweltverträglichen Anbausystemen.
Naturland
Dieses Siegel wurde 1982 von Wissenschaftlern, Landwirten und Verbrauchern gegründet. Produkte mit dem Naturland-Siegel garantieren durchgehende Öko-Landwirtschaft, dazu gehört auch dass das Futter in Tierbetrieben zu 50 Prozent aus dem eigenen Anbau stammen muss. Außerdem fördert das Siegel sozial verträgliche Arbeitsweisen und Kleinexistenzen weltweit. Von weltweit 53.000 Bauern werden Fairtrade-Produkte und Bio-Fisch zertifiziert. Dazu gehört auch das Konzept "Bio mit Gesicht": Anhand einer Codenummer auf der Packung kann die Biografie eines Lebensmittels lückenlos verfolgt werden.
Neuland
Hinter dem Neuland-Siegel steht der Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung e.V., welcher ins Leben gerufen wurde, um tiergerechte, ökologische, aber qualitätsorientierte Fleischproduktion zu gewährleisten. Das Neuland-Zeichen kennzeichnet seit 1988 Fleisch und Fleischprodukte, die aus umweltschonender und besonders artgerechter Tierhaltung stammen. Dazu gehört, dass die Tiere viel Auslauf im Freien haben nur heimisches gentechnikfreies Futter bekommen, auf Stroh liegen, und viel Tageslicht im Stall haben. Alle Betriebe, die das Neuland-Siegel tragen, sind durch den deutschen Tierschutzbund geprüft und kontrolliert.
MSC-Siegel
Das Siegel des Marine Stewardship Council wird für Fisch und Meeresfrüchte verwendet, die aus nachhaltigem Fischfang stammen. Das bedeutet, dass die Fischer nur so viel Fisch dem Meer entnehmen dürfen, wie nachwachsen kann. Der Fang von zu kleinen oder anderen als den gewünschten Fischen, aber auch von Meerestieren wie Schildkröten, Delfinen oder Haien muss möglichst gering sein. Alle Fischereien, die heute mit dem MSC-Siegel ausgezeichnet sind, haben Aktionspläne mit auf den Weg bekommen, die weitere Verbesserungen von ihnen erfordern, um unsere Meere und die Fischbestände nachhaltig zu schonen.
© DUK/Sabine Letz
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