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Ernährungsserie (4): Bananen mit Beigeschmack

01.03.12

BildanfangStaude unreifer Bananen© iStockphoto.com/Alberto PomaresBildende

Um Bananen in Deutschland überall preiswert anzubieten, werden Menschen in Ecuador gefährdet und ausgebeutet. Die soeben erschienene Oxfam-Studie "Bittere Bananen" beleuchtet auch die Rolle deutscher Supermarktketten dabei.

Sie ist süß, schön gelb und auf der Beliebtheitsskala der Früchte hierzulande folgt sie gleich auf den Apfel. So vertilgt jeder Deutsche im Jahr etwa 15 Kilo der "Frucht mit dem Reißverschluss". Doch warum sind Bananen eigentlich so billig? Werden sie doch mit enormem Aufwand in Südamerika angebaut und über den Atlantik transportiert, um hier schon für einen Euro pro Kilo in den Supermarktregalen zu liegen. Doch auf wessen Kosten geht der günstige Preis?

Jede dritte Banane stammt aus Ecuador

Bananen zählen mit Zitrusfrüchten weltweit zu den wichtigsten Handelsfrüchten. 4,8 Millionen Tonnen Bananen wurden allein 2008 in die Europäische Union eingeführt. Aus dem Bananenhandel kommt für viele Länder in Lateinamerika ein Großteil der Exporterlöse. In Ecuador sind sogar mehr als 30 Prozent der Arbeitsplätze davon abhängig. Jede dritte Banane, die wir in Deutschland kaufen, stammt von dort.

"Das Geld, das ich auf den Plantagen verdiene, liegt unter dem staatlich festgesetzten Existenzminimum", erzählt ein ecuadorianischer Landarbeiter in der aktuellen Oxfam-Studie "Bittere Bananen" von Autorin Franziska Humbert. Weder könne er so für seine Familie Bildung und Gesundheitsfürsorge in Anspruch nehmen, noch Wasser und Strom bezahlen. Die ausbeuterischen Bedingungen auf den Bananenplantagen Ecuadors hat Oxfam bereits im Bericht "Endstation Ladentheke" von 2008 dargestellt. Dieses Mal hat die Hilfsorganisation untersucht, ob sich seither etwas geändert hat und welche Rolle deutsche Supermarktketten dabei spielen.

Schuften unter dem Existenzminimum

Die Einnahmen aus den ecuadorianischen Bananenexporten haben sich zwischen 2004 und 2010 auf zwei Milliarden US-Dollar verdoppelt. Doch der durchschnittliche monatliche Nettolohn beträgt bei den von Oxfam untersuchten Produzenten rund 237 US-Dollar. Das sei nicht genug, um eine Familie zu ernähren, konstatiert die Autorin und zitiert den Plantagenarbeiter: "Ich arbeite zusätzlich als Bauarbeiter, um ein bisschen mehr zu verdienen, damit das Geld zum Leben reicht." Das staatlich definierte Existenzminimum beträgt in Ecuador 390 US-Dollar im Monat, erläutert die Autorin.

Pestizide gefährden Mensch, Tier und Land

Doch damit nicht genug: Nicht nur die Arbeiter haben keine Lobby, auch die Umwelt kommt zu Schaden. Die Bananen werden in Monokulturen angebaut. Wobei es in 97 Prozent um nur eine Sorte handelt, die Cavendish heißt. Der Mangel an genetischer Vielfalt bewirkt indes, dass die Pflanzen anfällig für Schädlings- und Pilzbefall werden. Ergo werden in hohem Maße Insektizide und Pestizide eingesetzt. So weist die Kampagne "Make fruit fair" darauf hin, dass manche Farmer "mehr Geld ausgeben für Agrochemie als für Arbeitskräfte". Nicht ohne Folgen für Land und Leute: Die Düngemittel und Pestizide verunreinigen das Wasser, es sterben Tiere wie Schweine und Hühner daran, während die Menschen es trinken, damit kochen und waschen. Die Arbeiter vor Ort versprühen Giftcocktails per Hand und sind bei diesen Arbeiten kaum geschützt. Manche der Mittel gelten als krebserregend oder sind in der EU verboten. Und "obwohl das ecuadorianische Gesetz dies verbietet, werden gefährliche Pestizide von Flugzeugen aus auf die Felder gesprüht" und zwar meistens, während die Arbeiter auf den Plantagen sind, kritisiert Studienautorin Humbert und beruft sich auf Gespräche mit den Arbeitern vor Ort. Dabei ist diese Form der Schädlingsbekämpfung noch nicht mal effektiv: Geschätzt wird, dass 85 Prozent der Chemikalien gar nicht auf den Plantagen landen, sondern in der Umgebung.

Deutsche Supermarktketten in der Verantwortung

Derweil zahlt der deutsche Käufer fürs Kilo Bananen manchmal nur einen Euro. Den Plantagenarbeitern und Anwohnern vor Ort beschert die Arbeit auf der Plantage Hautprobleme, Nasenbluten, Kopfschmerzen und Atemwegserkrankungen. Doch dazu gibt es keine offizielle Untersuchung, darauf weist der Bericht hin. In der Oxfam-Studie werden die deutschen Supermarktketten Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro mitverantwortlich gemacht an den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in Ecuador. Denn sie kontrollieren rund 90 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels und würden diese Macht gegenüber ihren Lieferanten ausnutzen, um die Kosten extrem zu drücken.

Ausverkauf der Agrarflächen

Das Beispiel der Bananen ist kein Einzelfall: Die globale Nachfrage nach Lebensmitteln unterschiedlichster Art, aber auch Futtermitteln, Agroethanol und Heimtierfutter hat dazu geführt, dass der Ansturm auf Agrarflächen immer größer wird. Da Ackerland begrenzt ist, wird die Produktion mehr und mehr in andere Länder verlagert und landwirtschaftliche Fläche gerät unter Kontrolle von multinationalen Konzernen oder wohlhabenden Industrieländern. Doch am wenigsten profitieren davon Menschen vor Ort, die Rede ist deshalb von einem neuen Agro-Imperialismus. Im Jahr 2010 soll laut einer Studie der Weltbank weltweit eine Fläche von 650.000 Quadratkilometern als Farmland aufgekauft worden sein – das ist mehr als die gesamte Mais- und Weizenanbaufläche der USA.  Werden auf diesen Flächen so genannte Cash Crops (Geld-Früchte) angebaut – etwa Bananen, Ananas, Soja oder Mais, dann können Entwicklungsländer damit zwar Einkommen erzielen, treten aber zugleich wertvolle Anbauflächen ab und verlieren fruchtbare Böden für die Produktion von Nahrungsmitteln der Einheimischen. Noch mehr Hungernde als die derzeit rund eine Milliarde weltweit scheinen vorprogrammiert bei einer steigenden Weltbevölkerung.  Es sind die Kleinbauern und die Kooperativen von Einheimischen, die weltweit mehr unterstützt werden müssen, damit die Versorgung mit frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln gewährleistet bleibt. Währenddessen kann der Verbraucher den Markt durch seine Produktwahl entscheidend beeinflussen: Denn auch Bananen eignen sich sehr gut für nachhaltigen Anbau durch Kleinbauern, die in genossenschaftliche Strukturen organsiert sind – und Bananen aus Bio-Anbau und Fair Trade-Organisationen sind dazu noch besonders süß.

© DUK/Sabine Letz

Quellen:

Agrarmärkte, Jahresheft 2009 (bes. S. 80ff.)
Oxfam Deutschland: Bittere Bananen
Oxfam Deutschland: Endstation Ladentheke

Ploeger, Angelika / Hirschfelder, Gunther / Schönberger, Gesa: Die Zukunft auf dem Tisch. Analysen, Trends und Perspektiven der Ernährung von morgen. Wiesbaden: Springer VS. (bes. S. 155f.)


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