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Interview: 10 Jahre Erd-Charta

BildanfangKerstin Veigt, ÖIEWKerstin Veigt, ÖIEW © privatBildende

Kerstin Veigt arbeitet als Projektreferentin bei der Ökumenische Initiative Eine Welt (ÖIEW). Die Organisation koordiniert in Deutschland die Erd-Charta-Initiative. Im Interview zieht sie eine Bilanz zum 10-jährigen Bestehen der Erd-Charta.

Die Erd-Charta feiert im April 2010 ihren 10. Geburtstag. Frau Veigt, weltweit haben Tausende die Erklärung unterzeichnet, die Staatengemeinschaft jedoch tut sich schwer. Warum ist die Charta auch ohne Ratifizierung durch Regierungen ein wirkungsvolles Instrument?

Ja, die Staatengemeinschaft tut sich in der Tat schwer. Das zeigt uns: Wir können nicht auf die Entscheidungsträger warten. Wir rufen die Vereinten Nationen dazu auf, die Erd-Charta anzuerkennen, denn zukunftsfähigem Handeln muss viel mehr Raum eingeräumt werden als bislang. Das klimapolitische Scheitern der internationalen Staatengemeinschaft in Kopenhagen hat uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Bewegungen von unten sind. Denn obwohl wir heute in der globalisierten Welt ausgerüstet sind mit einem enormen Wissen, schnellsten Kommunikationsmitteln und neuer Technologie, scheint doch etwas Wesentliches zu fehlen: die Werte und ethischen Grundhaltungen, die das Handeln in Richtung Nachhaltigkeit lenken können.

Eine große Stärke der Erd-Charta liegt in ihrer ganzheitlichen Betrachtungsweise: Umwelt, Entwicklung, Frieden und Achtung der Menschenrechte werden zusammen gedacht. Die Erd-Charta macht bewusst, wie alles miteinander zusammen hängt. Nachdem sich die Staats- und Regierungsvertreter 1992 auf dem "Erdgipfel" der Vereinten Nationen in Rio nicht auf ein gemeinsames ethisches Grundlagendokument einigen konnten, wurde die Erd-Charta von unten entwickelt. Ihre Wirkung entfaltet sich bereits darin, dass sie in einem einzigartigen interkulturellen und interreligiösen Konsultationsprozess von Tausenden von Persönlichkeiten und Organisationen geschaffen wurde.

Was kann jeder Einzelne tun, um die Anliegen der Charta zu unterstützen?

Wenn Sie die Erd-Charta als Einzelperson oder Gruppe unterzeichnen, tragen Sie dazu bei, dass sie weltweit unübersehbar wird. Für die Bildungsarbeit mit der Erd-Charta gibt es Materialien, und wir bieten Workshops an. Auch in Leitbildprozesse von Städten, Landkreisen oder Organisationen sowie öffentliche Veranstaltungen und Konferenzen lässt sich die Vision der Erd-Charta einbringen. Sie können Erd-Charta-Botschafter werden. Dazu bieten wir Seminare an. Sie können auch bei der Ökumenischen Initiative Eine Welt (ÖIEW) und im Rahmen der internationalen Erd-Charta-Initiative aktiv werden  – zum Beispiel in unserem ehrenamtlichen "Erd-Charta-Team". 

Wie die Kampagne "It starts with one" zum 10. Geburtstag der Charta sagt: Ja, es beginnt mit jedem Einzelnen, und jede Entscheidung macht einen Unterschied. Die Art, wie wir wohnen, wie wir uns fortbewegen, wie wir uns ernähren, wie achtsam wir mit uns selbst, unseren Mitmenschen und der Erde umgehen. Wer sich von der Erd-Charta ermutigen lässt, spürt die Lebensqualität, die das mit sich bringt. Ein bewusster Lebensstil ist eine Voraussetzung, um eine gerechte, friedvolle und nachhaltige Weltgesellschaft im Sinne der Erd-Charta aufzubauen.

Doch fürt eine nachhaltige Entwicklung müssen sich auch politische und strukturelle Rahmenbedingungen ändern. Nur so können wir Wachstumszwang und neoliberales Wirtschaftssystem überwinden. Mit der Erd-Charta als Rahmendokument wirken wir auf gesellschaftliche und politische Prozesse ein. Die Erd-Charta-Initiative stärkt die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten und trägt dazu bei, uns weltweit miteinander zu vernetzen.

Welches aktuelle Projekt verwirklicht die Ökumenische Initiative Eine Welt (ÖIEW)?

Als Erd-Charta-Koordinierungsstelle startet die ÖIEW mit Unterstützung des Evangelischen Entwicklungsdienstes das dreijährige Jugendprojekt "Wie wollen wir leben?". Darin geben wir aktiven Jugendlichen und Jugendgruppen die Möglichkeit, sich innerhalb der Internationalen Erd-Charta-Jugendinitiative zu vernetzen. Die offene, in rund 40 Ländern aktive Jugendinitiative schafft einen Austausch zwischen jungen Menschen und Jugendgruppen, die sich für nachhaltige Entwicklung engagieren, in verschiedenen Teilen der Welt. Bildung für nachhaltige Entwicklung findet so im internationalen Dialog und auf gleicher Augenhöhe statt.

Webseite der ÖIEW

Kampagne "It starts wirh one!"


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